Dampf um Halberstadt, 1985 - 1988

  • ...hmm Saarsachse.. du meinst doch nicht das Sofa 🤔


    Ich hätte ja eher das Bw Schöneweide bevorzugt, aber ich war ja auch alles andere als vorbildlicher Pionier😊

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Guten Abend!


    Wo hier gerade die Altherrenriege am Berichten und Schwelgen in anderen Erinnerungen ist, möchte ich auch ein klein wenig mit Bezug zu Halberstadt beitragen:


    Mein schönstes Trapo-Erlebnis

    Es blieb aber auch mein einzig berichtenswerte :-)


    Ende September / Anfang Oktober 1984 war ich zum zweiten und letzten mal vor der Wende im Harz und um Halberstadt unterwegs. Wenn es 1984 ein Dampf-Epizentrum in der DDR gab, dann doch wohl hier mit den gerade erweiterten Betrieb der Schmalspurbahnen und irgendetwas zwischen 13 und neun Planloks an Reko Fünfzigern, die in einem relativ engen Umkreis unterwegs waren. Warum andere für drei bis vier 41er nach Saalfeld fuhren, erschloss sich mir nicht. Eine 41 kam auch täglich aus Aschersleben hierher.


    Ich war gerade 15 geworden - das Alter spielt im weiteren Verlauf noch eine Rolle -, mit über 1,80 schon ziemlich lang und hatte rote Haare. Wenn das schon alleine keinen Leuchturm abgibt, so war ich auch ohne Markenklamotten durch die Kleidung als Wessi deutlich erkennbar und auffällig. Was soll's?! Ich wusste ja, dass in der DDR das Fotografieren von Eisenbahnen von öffentlich zugänglichen Plätzen erlaubt war, hatte beim ersten mal schon keine Probleme in Halberstadt oder sonstwo gehabt und Halberstadt war auch kein bisher von Fuzzies unberührter Fleck Dampflokparadies.


    Am späten Nachmittag des ersten Tages rollte die 50 3520 als Vorspann vor einer V100 und einem Wendezug (?) von Blankenburg herein, setzte schnell ab, verschwand in Richtung Bw oder Rangierbahnhof und ich machte meine Fotos. Eine Frau, ca. Mitte dreißig, die das sah, war daraufhin lautstark am Zetern, das ich das nicht dürfte und und und. Hat sich niemand für interessiert und auch nicht die Trapos, die völlig entspannt die Bahnsteige rauf und runter wandelten. Nach dem ersten Schreck, den ich mir nicht anmerken ließ, ging ich einfach weiter. Da das Geschreie irgendwann weg war, nehme ich an, das sie entweder wegen der Ignoranz der Masse aufgegeben hatte oder die Trapos die Genossin beruhigen konnten. Soweit so gut.


    Ca. eine Stunde später - das Licht war am Schwinden - saß ich auf einer Bank, ziemlich erschöpft vom Tag und wartete auf den Zug zurück nach Wernigerode ins Hotel, wo ich meine Mutter wieder treffen würde, ohne die ich nicht alleine in die DDR hätte fahren dürfte. Das ging als Tourist erst ab 16, wenn ich mich richtig erinnere. Na ja, jedenfalls kam ein älterer, sympathisch wirkender Trapo des Weges geschlendert, der sich wohl dachte, er könne ja mal kurz dienstlich tätig werden. Als ich den Schwenk in seiner Bewegungsrichtung und den Blick auf mich bemerkte, dachte ich sogleich: Scheiße, der fragt dich nach deinen Ausweis, den Du nicht bei hast! Dann stand er vor mir und fragte ruhig und freundlich lächelnd nach meinem Ausweis. Und als ich ihm lächelnd wahrheitsgemäß antwortete, den hätte ich nicht dabei, entglitten seine Gesichhtszüge und man konnte seine Gedanken lesen, die da waren: Scheiße, Arbeit! "Dann muss ich Sie bitten mir zu folgen", war seine nächste Äußerung, was ich brav tat.


    Die Trapo hatte ihre Wache hinter den Ortsgütergleise gleich rechts rum, wenn man aus dem Bahnhofsgebäude raus trat. Dort ging es in den ersten Stock und auf dem Flur - man staune - hing eine ca. DIN A4 große schwarz-weiß Aufnahme der 50 3579! Also, wenn dort keine Dampflokliebhaber beschäftig waren, dann weiß ich auch nicht.


    Man setzte mich mit einem anderen Trapo ins Zimmer und zog die Vorhänge zu. Diesem war die ganze Situation nicht geheuer, er guckte stoisch weg und wir wechselten im weiteren Verlauf kein Wort. Einem anderen durfte ich Namen, Adresse, Geburtsdatum und Unterkunft nennen. Dann war erstmal Ruhe und warten angesagt. Ich war relativ entspannt, da ich nichts Unrechtes getan hatte, alle Filme behalten hatte und im Dunklem für mich eh keine Chance auf weitere Aufnahmen bestand.


    Nach längerem Warten, kam ein kleiner drahtiger Typ, der sehr sachlich, aber bestimmt das Ganze erneut abfragte und besonders an meinem Alter und Geburtsdatum interessiert war. Das war bestimmt der Chef, den man aus dem Feierabend geholt hatte. Aber mehr als wiederholen konnte ich nicht. nach weiterer Wartezeit, geleitete man mich ohne weitere Erklärungen zum Bahnhof. Da waren ca. 1,5 Stunden vergangen. Später im Zug nach Wernigerode wurde ich übrigens nicht nach dem Ausweis gefragt. Ob ich vorgemeldet war?


    In Wernigerode traf ich auf dem Weg ins Hotel meine Mutter. Die war in der Zwischenzeit des Vorfalls nicht im Hotel gewesen, sondern hatte sich sonstwas angeguckt. Man berichtete ihr aufgeregt, dass die Transportpolizei aus Halberstadt angerufen hätte. Man hätte nachgefragt, ob eine Frau Dehnke mit jugendlichem oder gerade erwachsenem Sohn gemeldet gewesen wäre. Und die Antwort war: Eine Frau Dehnke schon, aber mit Kind! Schon mal ein Kind gesehen, was über 1,80 groß ist?


    Die Auflösung war dann folgende: In der DDR bekamen Heranwachsende ab 14 Jahre einen Personalausweis und in der BRD behielten diese bis 16 Jahre ihren Kinderausweis. Ich hatte also einen Kinderausweis und der wurde tagsüber für die Anmeldung bei der Vopo benötigt.


    Euch einen schönen Abend!


    Volker


    PS: Hier gibt es ein Foto der 50 3579 aber in Wernigerode, jedoch nicht von mir und es war wohl auch nicht das was dort hing. Gesehen habe ich sie in "echt" nie.

    https://www.fotocommunity.de/p…-081982-mario-ti/39751864

  • Es findet sich in meinem Archiv noch einiges an Material. Leider sortiere ich erst jetzt alles so, dass ich es auch wiederfinde.


    Nochmal ein blick in die EST Oschersleben mit 50 3556 und dem bekannten Ersatzschild, wie auch 50 3606. Die beiden Dampfloks, der uralte Handkohlekran, die schiefen Gleise, die alte mauer vom Bansen, dass hat doch alles ein wunderbares und romantisches Flair. Gerade deshalb ist es schade, dass nichts mehr davon übrig geblieben ist.


    Wie schon gehabt, 50 3520 verlässt mit P19413 den Bahnhof Wegeleben.


    Eine der wenigen Ausreißer war eine Nachmittägliche Personenzugleistung nach Aschersleben und zurück. Typisch für Halberstadt waren die riesigen Dosiertonnen auf dem Tender und was es auch nicht mehr gibt, einen Heizschlachständer, wie im Bild Vordergrund.


    Treffen in Wegeleben...

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,


    schön, das es mal nicht um die BR 52 geht! 8)

    Als oller Nordhisser habe ich die nämlich nie so richtig ernst genommen. Eigentlich habe ich die 52er lange Jahre nur auf Reisen in Halle u. Umgebung gesehen. In Nordhausen gab es praktisch keine! Hier tobten sich in den sechziger bis Anfang der siebziger Jahre vor allem Loks der BR 58 (preuß. G12)

    44, 38 u. 65 aus.

    Dazu sah man Erfurter 01, sowie Tenderloks der BR 92, 64 u. 86.

    Als Anfang der achtziger Jahre (1982/83) plötzlich einige 52er als Ersatz für die ölgefeuerten 44er auftauchten, wurden ihnen sehr schnell die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit aufgezeigt. Zum Beispiel im Kupferpendel Niederröblingen - Hettstedt, den die 52er nicht lange durchhielten.


    Zur Trapo: In den sechziger Jahren war die Nordhäuser Bahnhofs-Mitropa noch recht ansprechend u. qualitätsvoll.

    Meine Eltern gingen gern mit mir am Sonntagabend dort zum essen. Weiße Tischtücher, Ober im schwarzen Frack waren obligatorisch.

    Nach dem Essen langweilte sich klein Holger schnell, u. ging auf die Bahnsteige, um sich die Züge anzusehen.

    Dort wurde ich dann schnell von der Trapo angesprochen, das der Bahnhof kein Spielplatz sei, u. ich sofort zu meinen Eltern in der Mitropa zurückzugehen habe.

    Besonders ist mir ein Trapo-Pärchen in Erinnerung geblieben: Ein hagerer großer lief oft mit einem kleinen dicken Trapo Streife.

    Auf dem Nordhäuser Bahnhof nannte man sie "Dick und Doof". Lang ist es her ...


    Gruß Holger

  • Ich hätte dazu noch eine kleine Geschichte von meinem Vater der zwar nicht mit einem von der Trapo zu tun hatte aber dafür einem Zugführer.

    Und zwar war mein Vater der ja im Bw Karl Marx-Stadt arbeitete, mit einem Bekannten im Nachbarort Thalheim und wollte mit dem Zug zurück nach Meinersdorf. Der Bekannte von meinem Vater erwarb dabei am Schalter einen Fahrschein, mein Vater aber nicht. Der Fahrdienstleiter machte dann auf dem Bahnsteig den Zugführer extra darauf aufmerksam in dem er auch noch recht deutlich auf meinen Vater zeigte. Und der? Stieg in den Wagon ein.. auf der anderen Seite wieder aus ging vor zur Lok und fuhr auf der Lok mit. Man muss dazu sagen das mein Vater durch die Arbeit in der Diesellokinstandhaltung und seiner recht häufigen Mitfahrt nach Adorf hoch in den Anfangszeiten der Dieseltraktion auch die Lokführer gut kannte. Der Zugführer suchte derweil auf der Fahrt meinen Vater im Zug, gefolgt von dem Bekannten der ihm die ganze Zeit mit den Worten " Da bist du ein viel zu kleines Licht, den findest du nicht" bequatschte.. In Meinersdorf konnte der Zugführer dann nicht recht glauben wie mein Vater plötzlich in aller Seelenruhe auf dem Bahnsteig daherkam.. Die Frage wo er sich versteckt hätte hat er mit "Na ich bin doch gar nicht mitgefahren" beantwortet.


    Gruß André

    5036041sig3.jpg

  • Holger Dietz ...mhhhmm Nach den aufgezählten Baureihen, welche Du schon gesehen hast, bist du ja ein anderer Jahrgang als ich.

    Klar das man dann 52er als langweilig ansehen mag und die 50er ist hierzu noch eine "echte" Einheitslok.


    Ich war froh neben den schmalspurigen Dampfern, hier noch die letzten 41, 50 und 52 zu begleiten. 44er kenne ich nur noch als Heizloks und da war ich über jede ko0mplette sehr erfreut bzw. wenn sie noch Selbstständig zur Kohle fahren konnte.


    41er waren dagegen schon rar, Oebisfelde habe ich leider verpasst, aber Staßfurt war ein ziel und das Saaletal.

    Auch 52 Alt wie 50 Alt waren Raritäten, die man unbedingt noch gesehen haben wollte und dann gab es noch die Hand voll 86er das war es dann schon.


    Deine Geschichte ist herrlich, auch ich wuchs ja eher auf und beobachtete die Dampfer beim rangieren. Das es da recht laut zuging, machte mir nichts aus.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas