Dampfbetrieb in der Einöde zwischen Elsterwerda und Hoyerswerda 1987

  • Diesmal geht meine Geschichte in das Land der Sagengestalt des Krabat, der Schwarzen Mühle in Schwarzkollm. Und ehrlich, nie fand ich eine Bahnstrecke derart langweilig und öd, wie die Strecke Falkenberg/ Elster - Elsterwerda - Hohenbocka - Hoyerswerda. Manche von euch haben vielleicht nie etwas von diesem Orten gehört.

    Ich beschreibe es mal so, die fährst an interessanten Bahnhöfen vorbei, aber ansonsten begleiten Dich Kiefernwälder, riesige Felder, Kiefernwälder, riesige…. usw. Um Lauchhammer kam noch die Kohleindustrie hinzu, es stank, war schmutzig und grau.

    Gerade auf dieser Strecke trafen sich in den 80ern noch die 52.8 des Bw Görlitz (5 Planloks), Hoyerswerda (3 Planloks), Elsterwerda (3Planloks) und auch Kamenz (3 Planloks). Bis auf Elsterwerda und Hoyerswerda schickten die anderen Betriebswerke nur einzelne Loks auf diese Strecke. Elsterwerda und Kamenz hatten sogar noch Reisezugleistungen zu fahren.


    Vor allem die Kohle sorgte in der Region für umfangreichen Güterverkehr und neben den 52.8 waren hier vor allem 118 und 132 zuhause. Auch die Zuglasten der Dampfzüge konnte sich sehen lassen.

    Elsterwerda war mit dem Bahnhof E. Biehla an dieser Strecke angeschlossen. Eine Verbindungskurve nach Elsterwerda schloss sich aber hier an und wurde intensiv genutzt.

    Direkt im Bahnhof Elsterwerda befand sich das Bahnbetriebswerk mit großem Lokschuppen, Behandlungsanlagen und Kohlebunker. Heute sieht man davon nichts mehr. Ein entgleister Kesselwagenzug sorgte 1997 für ein Flammeninferno und die Stadt kam gerade noch um eine Katastrophe herum. Vollkommen abgebrannt ist dabei das Bahnbetriebswerk und mehrere Fahrzeuge.


    Vor dem 15 ständigen Lokschuppen in Elsterwerda ruhten sich 52 8185 und 52 8020 aus. Auch eine Riesaer 120 steht im Bw, wie eine eigene 132. Vom Bahnsteig konnte man das Bw Geschehen beobachten, auch hier hat schon der Pförtner als Hofhund einen nicht zu den Loks gelassen.

    Die gut gepflegte 52 8020 wartet mit ihrem P Zug auf Ausfahrt in Riesa in Richtung Elsterwerda Biehla.

    Die Putztechnik mit Wischmopp fanden wir sehr interessant, aber da wo man nicht hinkam, blieb es stumpf, wie am Windleitblech. Diese Merkwürdigkeit sollte uns noch begegnen.

    Neben Übergabe- und Güterzügen um Elsterwerda zu den Kiesgruben bei Heida und Zeischa, wurde auch Riesa angefahren u.a. mit Personenzügen nach Biehla. Viele Leistungen wurden Rückwärts gefahren, weil es wenig Möglichkeiten zu Drehfahrten in die Bw gab und wegen der kurzen Distanzen auch kaum Kohle geholt werden musste.


    Die Kohle veränderte teilweise sogar die Trassen. Einige Bahnstrecken waren ganz verschwunden, andere nur noch teilweise vorhanden. In Hohenbocka wurde der alte Turmbahnhof verlegt, die Widerlager der alten Brücke sind noch zu finden.


    In Hoyerswerda lag das Bahnbetriebswerk etwas eine viertel Stunde weg vom Bahnhof. Das Bw war besonders gepflegt, es gab saubere Grünflächen mit Blumenschalen und Tannen. Von der Straße aus sah man die beiden Museumsfahrzeuge 35 1019 und 173 001. Letzterer war Clubraum eines Modellbahnvereines. Leider verschlechterte sich über die Jahre der zustand des Triebwagens. Kein Mensch interessierte sich für diesen seltenen Prototyp , dabei ist es quasi eine Ferkeltaxe XL. das Fahrzeug sollte ja verkauft werden, weiß jemand mehr? Die 35 1019 ist heute in Cottbus zuhause und wurde in den 90ern betriebsfähig aufgearbeitet.


    Das BW Bestand aus zwei Lokschuppen und einer großen Bekohlungsanlage. Um das Gelände zogen sich Pappelreihen, welche das Ganze noch harmonischer machten.

    Leider gab es im Bw mehrere Pförtnerinnen, die von den Lokleitern gemieden wurden, wie dem Teufel seine Großmutter. Man kam dort einfach nicht durch, vor allem, wenn man ehrlich fragen wollte.

    Aber es gab genügend Schleichwege und man tolerierte einen auch, man wollte nur keine Verantwortung übernehmen.


    Der Dampfabschied verlief in Hoyerswerda eher ruhig. Ohnehin war das Bw unter Eisenbahnfreunden weniger besucht und so nahm kaum einer Notiz vom Dampfende in der Lausitz.


    Aus dem Zug heraus lichtete ich die 52 8083 ab. Sie stand mit zwei weiteren 52.8 im Bw Gelände verstreut herum.

    Im Hintergrund einer der beiden Lokschuppen.


    Bei einen späteren Besuch hastete ich mich am Rand des Bahnhofes entlang zur Ausfahrt, denn 52 8058 stand mit einem Nahgüter Abfahrbereit. Kaum angekommen, stampfte die Maschine auch schon los und ich sah sie auch an diesen Tag nicht wieder.


    Die Görlitzer 52 8191 rauschte mit einem kurzen Güterzug an einem Postenhäuschen bei Schwarzkollm vorbei.

    Dem schwarzen Müller bin ich aber nicht begegnet, aber ich weiß noch, wie langweilig es war, weil an diesem tag nur Diesel unterwegs war und die mich nicht interessierten.


    52 8046 hatte eine lange Leine am Haken und dazu noch einen Kohlekran für ein Dampf BW. Gerade wurde der Bahnhof Laute passiert und jetzt rollt die Fuhre bergab nach Schwarzkollm.

    Typisch in Hoyerswerda, nur wenige Loks besaßen Heizkupplungen, hier lag die nur so rum.


    52 8083 verlässt soeben Hoyerswerda. Irgendwie bestanden diese Dampfzüge immer aus ähnlichen Güterwaggons, das fällt mir erst heute auf. Interessant auch hier das Windleitblech mit dieser Putztechnik.


    Im Bw ruhten sich derweil 52 8198 und 52 8037 aus. Gleich hinter mir war die Lokleitung, welche uns zwar wahrgenommen hatte, aber hoffte, dass wir nicht um Erlaubnis fragten.

    Im Hintergrund sieht man einen Lowa Steuerwagen, der gehört zu einem Personalzug, welche aus dem steuerwagen und einer 110 bestand. Für wem das Ding unterwegs war, weiß ich nicht - Personalpendel wurde er nur genannt.

    52 8083 und 52 8046 am Zugschluss bringen aus Knappenrode einen Kohlezug nach Hoyerswerda.


    In die Gegenrichtung stampft die Görlitzer 52 8069 mit ihren Zwiebelzug. Kurz vor Horka geht es über einen Verbindungsbogen auf die Strecke Cottbus - Görlitz. Das Lokschild gehört nicht zu den Schönheiten dieser Lok, da gemalt...


    52 8083 bewegt mal wieder Flachwagen durchs flache Land. Das Spitzenlicht bestand wie oft in den späten 80er nur aus einer Funzel...


    Mit einem schönen langen Dg war 52 8058 unterwegs, eigentlich hätte man sehen müssen, wann sie in Hohenbocka startet, da die Strecke schnurgerade ist.


    Bei meinem letzten Besuch im Jahr 1987 half die Kamenzer 52 8009 bei den Elektrifizierungsarbeiten um Hohenbocka herum. Interessant der alte dreiachsige Personenwaggon.


    In Hohenbocka traf ich dann noch einmal 52 8083 an. Es war dann doch ein zufriedener tag, trotz Schmuddelwetter und Rückwärtsfuhren.


    Nun einmal 52 8009 in ganzer Schönheit :-) Man kuppelte extra für mich ab, damit ich besser fotografieren konnte und dann wurde leider das Sh 2 Schild überfahren und war dann etwas krummer geworden. das sollte ich natürlich nicht fotografieren....

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Danke für den Hinweis. Das ist ja auch bedauerlich, dass das Wiedererwachen dieser Maschine so lange dauert.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,


    aus dieser trostlosen Gegend kann ich überhaupt nichts ergänzen. Da bin ich nie gewesen. Hab ja offenbar auch nicht viel versäumt, außer natürlich Dampfbetrieb. ;)

    Aber im Ernst.

    Ich freue mich über Deinen Beitrag. Ich kam da einfach zu spät. An das Bw Elsterwerda habe ich Erinnerungen, wenn ich mit dem Zug zur Verwandtschaft nach Dresden fuhr. Ich bin aber nie auf die Idee gekommen, aus dem Zug heraus dort mal Fotos zu machen. Manchmal stand da immer mal eine 52.80 in voller Schönheit. Ich erinnere mich, 52 8015 und 52 8113 dort mal gesehen zu haben. 1990 konnte ich noch die kalte 52 8134 erblicken, die voll betriebsfähig zu dieser Zeit noch in Elsterwerda beheimatet war.


    Diese Funzeln als Spitzenlicht waren umgebaute Triebwerkslampen von Dampfloks. Eine einfache Halterung angeschraubt und in den Lampenhalter an der Rauchkammertüre gesteckt, erfüllten sie oftmals ihren Zweck. Richtige Loklaternen wurden immer knapper. Neu wurden sie nicht mehr hergestellt, alte kamen weg, oder wurden geklaut. Manches Bw ging auch ziemlich sorglos mit diesen Lampen um, ließ sie auch bei abgestellten Loks z.B. auf den bekannten Lokfriedhöfen Perleberg Süd bzw. Meyenburg an der Lok, so dass sich die Fans bedienen konnten.

    Als Alternative gab es dann die neulich besprochenen Anbaulaternen mit den Aluminiumreflektoren, oder eben Triebwerkslampen. Das Dampflokwerk Meiningen verwendet die heute noch für Probefahrten.


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Für mich waren Elsterwerda und Hoyerswerda gut zu erreichen und ich hatte für eine Tagestour eine gute Zugdichte und brachte fette Beute mit. Die Diesel Oldies 120 und 118 waren mir noch egal und waren da häufig anzutreffen.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Aber Achim, nur wenige Eisenbahn Fans sind zu diesen Betriebswerken gefahren, da gehört auch Falkenberg dazu. Letzteres konnte nur wegen der 3 Altbau 52er punkten. Die Strecke ist nun wirklich nicht schön und Hoyerswerda liegt ja fast schon in der Ecke Görlitz/ Löbau/ Bautzen, wo die Bahnstrecken landschaftlich reizvoller waren. Ich war auch noch kein Virtuose an der Kamera, heute hätte ich Spaß an zweisprachigen Bahnhofsnamen gehabt.

    Ich gehe davon aus, dass nur wenige den Dampfbetrieb hier kennen.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,


    wieder mal absolute spitze ... eine 1 mit 3 Bienchen kriegste von mir. :zwink:


    Herzlichen Dank für deine Beiträge aus einer besseren Eisenbahnzeit, die ich ja zum Glück noch selbst erleben konnte, wenn auch nur noch mit den letzten Dampfloks bei mir im Erzgebirge.


    Viele Grüße

    Toralf

  • Danke sehr. Ich denke auch immer, wenn wir nichts aufschreiben, wer dann? Manches wird so vergessen und kann vielleicht auch einmal nützlich sein. Ausserdem fehlt einem in Zeiten von Sozialdistanz das Treffen und Gespräch mit Freunden. Das kann nunmal kein Chat ersetzen, aber ergänzen.

    Für Aue und Chemnitz kann ich nichts schreiben, da war ich nur punktuell, da haben andere sicherlich tolle Erlebnisse gehabt.


    Aber Lausitz... oder Stassfurt hätte ich noch in Vorbereitung 😊

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,


    auch von mir ein großes Dankeschön für die Dokumentation der letzten Dampfer der DR. Der "Energiebezirk" mit seiner Rbd ist ein weiser Fleck für mich. Sehr interessante Bilder.


    Gruß Lutz