Wer kennt diesen Viadukt? (4 Rätselbilder)

  • Dann will ich auch den Erlöser gratulieren.
    Die Kiste Saalfelder wird natürlich bei einer Geschichtswanderung von mir gespendet.
    Für alle die an liebsten meinen Stöpsel gezogen hätten von meinem Paddelboot gebe ich nun noch den Erfinder der ersten Mechanischen Buchdruckmaschine preis,


    Friedrich König.


    Also recht herzliche Grüße an alle Schmalspurfans,
    kommt uns mal besuchen.
    Sicherlich werden wir zum Tag des Industriedenkmals wieder eine Wanderung unternehmen die ein wenig licht ins Dunkel bringt.


    Und an den Brückenmeister,
    ich hoffe Du verwendest mich nicht als Bremsanker wenn wir wieder zusammen auf der Lok stehen.


    Gruß euer Paddelbootheizer

  • Ihr seid aber gemein, Thomas Weber hat im oberen Drittel nach dem zweiten sachdienlichen Hinweis schon die Auflösung genannt, hatte nur leider einen kleinen Tippfehler: Er hat Flume statt Glume-Viadukt geschrieben!!!


    Zu finden bei Google-Maps in Eisleben zwischen westlicher Glumestraße und Helbraer Straße - oder?


    Gruß vom Pollo und aus Berlin!


    -ALEX-

  • Hallo ALEX,
    das finde ich auch. Die Mansfelder Bergwerksbahn wurde hier schon mehrfach erwähnt, und auch die richtige Brücke schon ins Spiel gebracht. Ob Flume, Glume oder Blume, der richtige Viadukt wurde schon vorher erraten.


    Viele Grüße, Holger

  • Ich bin Dir zu Dank verpflichtet!!!
    Wann trinken wir mal wieder ein (oder mehrere) Bier zusammen? Aber wohnortnäher!
    MfG Thomas

  • Guten Morgen allesamt,


    hier muss ich unseren Brückenmeister aber mal richtig den Rücken stärken.
    Er bat alle, die ein bestimmtes Inseiderwissen bzw. Mitglider einer bestimmten Vereinigung sind sich zurückzuhalten damit das Rätzel nicht vorzeitig aufgelöst wird.
    Leider gibt es immer wieder Leute die andere den Spaß nehmen um sich selbst in Position zu bringen.
    Thomas das war einfach scheiße was Du da geleistet hast.


    Sorry


    aber so ist es. :sneg:


    Ich hoffe aber trotzdem das alle anderen ein wenig Spaß hatten.


    Gruß euer Paddelbootheizer

  • ... man kanns aber auch übertreiben, mehr sage ich zu dieser Antwort nicht.


    Gruß vom Pollo und aus Berlin!


    -ALEX-

  • Liebe Schmalspurfreunde,


    zunächst möchte ich Holger noch zu seinem Erfolg beglückwünschen, das habe ich gestern leider in meinem Eifer verpasst. Weiterhin danke ich allen, die mitgemacht haben. Ohne Teilnehmer hätte es keinen Spaß gemacht. Thomas W. als Vereinsmitglied hat wohl meine Bitte um Zurückhaltung überlesen und die Lösung gewiss nicht aus böser Absicht ausgeplaudert.


    Um das Rätsel halbwegs ordentlich abzuschließen, möchte ich noch etwas zur Geschichte des Glume-Viadukts und der Mansfelder Bergwerksbahn schreiben.
    Wenn ich mich recht erinnere, begann man um 1860 mit dem Abteufen des Clotilde-Schachts am nördlichen Stadtrand von Eisleben. Clotilde hieß die "Alte" des Direktors. Wegen stark zufließender Wässer zog sich das Abteufen über Jahrzehnte hin. Als der Schacht dann um 1902 endlich fertig wurde, brauchte er natürlich eine Verkehrsanbindung. Da nur etwa einen Kilometer Luftlinie entfernt der Personenbahnhof Eisleben der Mansfelder Bergwerksbahn lag, baute man eine kurze Stichstrecke. Nahe des genannten Pbf schloss man sie mit einem Gleisdreieck an die bereits 1886 in voller Länge in Betrieb genommene "Hauptstrecke" Eisleben - Mansfeld (heute Bf. Klostermansfeld) - Leimbach - Hettstedt an. Das eine Bogengleis (wie auch die zweite, kleinere Glume-Brücke) wurde vorwiegend von den Erzzügen zwischen dem Schacht und der Krug-Hütte in Eisleben befahren, das andere von den Zügen mit Kohle (für die Dampfmaschinen) und Grubenholz. Die letztgenannten Produkte kamen vom Bahnhof Mansfeld, wo umgeladen werden musste. Das dritte Gleis gehörte zur schon vorhandenen Hauptstrecke. Zwei Gleisdreiecke gab es zu diesem Zeitpunkt übrigens schon. Kurz vor dem Schacht musste das tief eingeschnittene Tal der Glume überwunden werden, wozu der zu erratende Viadukt mit drei Bögen errichtet wurde. Das Baujahr war vermutlich 1901/1902, denn die Strecke ging 1902 in Betrieb. Trotz des Viadukts war eine größere Steigung in Richtung Eisleben nicht zu vermeiden.


    Der Begriff Mansfelder Bergwerksbahn ist übrigens seit etwa 1883 schriftlich belegt, es handelt sich nicht um eine Erfindung des gleichnamigen Vereins.


    Bis 1924 wurde die nordöstlich bei Volkstedt gelegene Großschachtanlage "Wolf" (später Fortschrittschacht) an das Netz der Bergwerksbahn angeschlossen. Die Strecke zwischen Helbra, dort gab es mit der Koch-Hütte eine weitere wichtige Rohhütte, und dem Wolf-Schacht führte über vier Stahlgitterbrücken. Auf der größten lag der Bf Oberhütte. Die kurze Strecke vom Gleisdeieck zum Clotilde-Schacht verlängerte man bis zum Bf Oberhütte, womit eine direkte Verbindung von Eisleben zum Wolf-Schacht entstanden war. Der Glumeviadukt wurde also ab etwa 1924 auch von den Erz- und Personenzügen zwischen dem Wolf-Schacht und Eisleben befahren.Der Abzweig lag zwischen dem Glume-Viadukt und dem Clotilde-Schacht. Der Schacht hatte nun also so eine ähnliche Lage wie Bieberau zwischen Eisfeld und Unterneubrunn. Zur Deckung des Abzweigs dienten Formsignale.


    Als 1931 der Rollwagenbetrieb aufgenommen wurde, änderten sich die Verkehrsströme. In Eisleben wurden der sogenannte Rollbahnhof mit zwei Rollrampen errichtet. Für den Rollbetrieb setzte man später auch eine schmalspurige Dampfspeicherlok ein, die in Dohna (Müglitztalbahn) wegen der Umspurung nicht mehr benötigt wurde. Der Rollbahnhof wurde über ein etwa 1 km langes neuerbautes Gleis in der Nähe des Gleisdreiecks an die Strecke angebunden. Außerdem wurde ein neuer Gleisbogen errichtet, damit man mit den Rollwagen nicht durch einen in der Steigung liegenden 60-m-Radius fahren musste. Für diesen Umbau musste das Bogengleis Clotilde - Helbra weichen. Da man im Bf Mansfeld nicht mehr umladen brauchte, war es ohnehin überflüssig geworden. Den neuen, weiten Gleisbogen kann man übrigens bei Google Earth gut erkennen, ebenso wie den Viadukt. Einfach "Eisleben" suchen, und dann in nordwestliche Richtung gehen!


    Wegen der kurzen Entfernung des Clotilde-Schachts bis zum Pbf Eisleben und auch zum Rollbahnhof, und auch wegen der relativ geringen Zugmassen, konnte man den Schacht auch mit relativ kleinen Loks bedienen. Als dann 1959, also vor 50 Jahren, die ersten Dieselloks (blau mit weißem Zierstreifen) zur Mansfelder Bergwerksbahn kamen, übernahmen sie bald auch die Bespannung der Züge zum Max-Lademann-Schacht, wie die "Clotilde" da schon hieß. Das am 23./24. Mai 2009 stattfindende Mansfelder Eisenbahnfest wird deshalb unter dem Motto "50 Jahre V 10C" stehen.


    In Eisleben am Personenbahnhof (der Bergwerksbahn!), immerhin Endpunkt der Schmalspurbahn, gab es natürlich einen Lokbahnhof. Auf einem alten Lageplan ist vor dem Lokschuppen eine Drehscheibe eingezeichnet. Diese gibt es nicht, mehr, wohl aber den verfallenden Lokschuppen. Zu Beginn der 1960er Jahre fuhr die Lok 10 der Bergwerksbahn für etwa drei Jahre mit Ölhauptfeuerung. Deshalb errichtete man in Eisleben eine einfache Bunkeranlage zum Speichern und Umfüllen des verwendeten schweren Heizöls.


    Das neben den werkseigenen Lokomotiven mit den Achsfolgen B, B1', C, D, E und 1'E1' (Tender nicht berücksichtigt) auch von der DR geliehene IVK- und "VIIK"-Lokomotiven (Einheits- u. Neubaulok) zum Einsatz kamen, dürfte zumindest in diesem Forum hinlänglich bekannt sein.


    Zum Schluss: Der letzte Erzzug (mansfeldisch "Schewwernzug" = Schiefer-Zug, Erz ist Kupferschiefer) verließ den Clotilde- oder Lademann-Schacht im Jahre 1964. Nur drei Jahre später stellte auch der Wolf/Fortschrittschacht seine Förderung ein. Damit war die Strecke über den Glumeviadukt entbehrlich geworden. 1969 war endgültig Schluss mit den Erzzügen auf der schmalen Spur. Mit der Schließung der Eisleber Hütte 1971 war der ganze südliche Teil der Bahn ohne Aufgabe geworden. Man nutzte einige Streckengleise noch zum Abstellen von Wagen, aber zu Beginn der 80er Jahre wurden sie schließlich abgebaut.


    Wer die noch vorhandenen Relikte der vergangenen Herrlichkeit gern selbst in Augenschein nehmen möchte, der sei zu einer geführte Wanderung am vsl. 22. März 2009 (ein Sonntag) eingeladen. Einzelheiten werden wir in Kürze unter http://www.bergwerksbahn.de/ bekannt machen.


    Schlaft gut und träumt was schönes von ... :rolleyes:


    Euer Brückenmeister

  • Hallo Brückenmeister!


    Vielen Dank für die umfangreiche Aufklärung. Ich hatte schon drauf gewartet. Bei Google kann man ja die Brücke und den Streckenrest sehr gut erkennen. Leider ist der Bezug zur Mansfelder Bergwerksbahn kaum noch nachzuvollziehen, da alles mit Siedlungen zugebaut ist. Gibt es noch irgendwelche Landkarten oder sonstige Literatur wo man den Streckenverlauf einigermassen einordnen kann? Aber wie ich gehört habe sieht es damit ja schlecht aus.


    Danke, Thomas!

  • Hallo Thomas,


    die Trassen im Eisleber Raum sind gar nicht so sehr zugebaut, sie liegen meist zwischen den Wohngebieten. Vor einigen Jahren hat sich allerdings tatsächlich jemand sein Haus mitten ins ehemalige Gleisdreieck gebaut. :angry: Mittlerweile könnten es dort mehr Häuser geworden sein.
    In den topografischen Karten des Landes Sachsen-Anhalt sind die Trassen über weite Abschnitte als ehemalige Bahnen gekennzeichnet, so dass man ihre Verläufe nachvollziehen kann. Dabei kann man auch mal vom rechten Weg abkommen, weil in der Nachbarschaft auch die meterspurigen Schlackenbahnen verliefen. Ein ziemlich maßstäblicher, anhand topografischer Karten erstellter Überblick des Streckennetzes in verschiedenen Zeiträumen findet sich in der Broschüre "125 Jahre Mansfelder Bergwerksbahn", die 2005 im Fotoverlag Jacobi erschien. Die Broschüre ist beim Büro der Bergwerksbahn immer noch vorrätig.


    Viele Grüße,


    Stefan