Schmalspurige Werkbahnen

  • Hallo Fans,
    die unendliche Rätselei über den Blume-Viadukt ( :) der Mansfelder Bergwerksbahn hat vor allem gezeigt, daß die schmalspurigen Werkbahnen immer noch viele Überraschungen bergen.
    Obwohl die richtige Bahn schon mehrfach genannt wurde, sind wir durch ignorieren und eindeutiges dementieren immer wieder ins Nirvana geschickt worden. :spos:
    Der Ruderbootqualmer hat mich gefragt, was ich von der "Mansfelder" weiß?
    Um 1977/78 sah ich aus dem Auto zwischen Großörner u. Hettstedt zum ersten Mal die Gleise dieser Bahn, direkt neben der Straße verlaufend. Ich war zum ersten Mal in dieser Gegend. Und als wäre er bestellt, kam uns in Hettstedt ein qualmender Güterzug entgegen!
    Um 1980/81 war ich im Rahmen meiner Vermessungstätigkeit wieder in der Gegend. Davon ist mir vor allem die Helbraer Hütte in Erinnerung geblieben: Eine Dampflok rangierte unter den Rohrleitungen im Werkbahnhof. Die Straße am Werk wurde außerdem von einer Feldbahn (Sägewerk ?) gekreuzt. In einem Werksgebäude an der Straße sah ich noch uralte Werkbahnwagen u. einen Schrägaufzug, alles lange nicht benutzt, u. ziehmlich verstaubt.
    Auf der Rückseite wurden mit einer Diesellok Wagen mit heißer Schlacke über eine Halde gefahren.
    Die ersten umfangreicheren Informationen erhielt ich dann durch einen hochinterressanten Bericht zu dieser Bahn im "Modelleisenbahner".
    Ach ja, die Strecke von Helbra nach Eisleben war bei diesem Besuch bereits abgebaut, ließ sich aber noch gut verfolgen.
    Eine weitere interressante schmalspurige Werkbahn lernte ich durch meine Tätigkeit bei Hohenmölsen kennen. Dort verlief am nördlichen Stadtrand eine elektr. 900mm spurige Kohlebahn mit Werkspersonenverkehr hoch oben am Hang. Weiter östlich gab es wohl eine große Brücke über Straße u. Tal. In einem Betriebshof bei Profen an der Strecke Leipzig - Zeitz muß diese Bahn geendet haben; dort standen einige V10C. An fotografieren habe ich damals nicht gedacht, meistens hat uns auch der Werkschutz argwöhnisch verfolgt. In den Kohlebetrieben habe ich vor allem die Kantinen in guter Erinnerung: dort konnte man fressen bis zum platzen. :D
    In Profen sind wir auch mal festgesetzt, u. von "Zivilisten" verhört worden. Unser Chef mußte aus Nordhausen anreisen, u. uns rausboxen.
    Eine interressante schmalspurige Werkbahn, mit Riesenbrücke über die Saale ist mir auch aus Bernburg bekannt. In Stassfurt gab es im Anschluß an die bekannte elektr. 600mm Werkbahn eine
    Spirale auf eine Halde, ähnlich der Brockenbahn. :)
    Gibt es ein Nachschlagewerk zu diesen schmalspurigen Werkbahnen? (Nicht der Feldbahnband, da fehlt das meiste). Interressieren würden mich vor allem die 900mm Kohlebahnen.



    Viele Grüße aus Mahlsdorf a. d. Ostbahn,


    Holger

  • Hallo Holger,


    danke für den " liebevollen" Namen.
    Nun von der Mansfelder Bergwerksbahn sind wirklich viele "Sachen" in der Fachwelt unbekannt.
    Als ich meine ersten Schritte in meinem Leben machte, sah ich immer auf die Eisenbahn. Einmal im Bahnhof Klostermansfeld, wo noch die vielen Züge warten musten um irgendwann mal weiter zu fahren. Personenzüge mit 50, 65 oder auch 03 waren normal, dazu kommen noch die vielen Güterzüge mit 44, 50, 52 und 58.
    Dazu hobelte unentwegt eine Kö ohne Druckluftbremse auf den Bahnhof herum.
    Dann kam noch die damalige Bahnwerkstatt, heute Malowa dazu.
    Als Kind Eisenbahn ohne Ende.


    Ganz schwach kann ich mich noch an den Lokschuppen erinnern auf den LL 81 (Lichtloch) in Klostermansfeld.
    Eines Tages standen mal die Tore offen und ich schlich mich langsam und leise herein.
    Was da weiter hinten zu meinen Augen kam war die Lok 12 oder 13. Es war eine Neubaulok die dann wenig später verschrottet wurde. Wo ich auf den Führerstand geklettert war sprach mich jemand von hinten an "was machst Du hier"?
    Fast in die Hose gemacht, vor Schreck, zeigte mir der freundliche Herr alles. Es war Heinz Kurth, ein Lokführer der bis zur Wende auf den Lokomotiven fuhr.
    Auch kann ich mich erinnern das mindestens zwei Lokomotiven der Baureihe 94 auf den Gelände der Malowa verschrottet wurden. An dieser stelle steht heute die große Schiebebühne.
    Ab 1982 war ich dann selbst Eisenbahner bei der Mansfelder Bergwerksbahn, welche zu der Zeit Kombinatstransportbetrieb hieß.
    Und der Name Paddelbootheizer war bei uns auf der Lok eine Liebkosung wenn es mit dem Wasser und Dampf nicht geklappt hat, weil die Kohlenmischung aus Mosambik und Stedten zu schlecht war.
    Nur schade das ich damals noch nicht die Möglichkeit hatte Bilder zu schießen in der heutigen Qualität.
    Ich erinnere mich gern an die damalige Bahn, es war harte Arbeit,hat aber auch Spass gemacht.
    Besonders der enorme Rollbetrieb auf der "August Bebel" Hütte war sehr anstrengend.
    Wer schon mal in einer 8 Stunden Schicht 40 e Wagen auf und Abgerollt hat, weiß wovon er spricht.
    Aber auch wie Du es schon beschrieben hast, war ein "endloses Rangieren" in Helbra normal.
    Wir mussten so manche halb Schicht nach den Ernst Schacht fahren, um die Wasservorräte zu ergänzen.
    Aber der Betrieb wurde dann immer weniger. Wo 1982 noch ständig 2 "Dampfer" fuhren war es 1983 nur noch einer.
    Der Bertriebsabbau war nicht mehr zu verhindern weil auch kein Erz mehr da war. Der Bergbau in der Mansfelder Mulde war mit der Schließung des Brosowski Schachtes am 30.11.1969 entgültig vorbei. Der Abbau unter der schwierigen Wasserhaltung, war so teuer geworden das sich nicht mehr lohnte. Aber auch die Sangerhäuser Reviere brachten nicht mehr das was man für eine Lohnende Produktion brauchte.
    1988 mit der Schließung der Bessermerei in Hettstedt war alles vorbei.
    Mit der Wende war auch dieses "Aus" der Bahn fast besiegelt.
    Aber den rest kennt Ihr ja selbst.


    Nunja ich hoffe das wir uns alle mal irgendwie und irgendwann über den Weg laufen und ein wenig über die Eisenbahn Fachsimpeln können.


    Viele Grüße vom Paddelbootheizer

  • Hallo Paddelbootheizer,
    entschuldige bitte für meine freie Namensauslegung. Hoffentlich kommst Du mir jetzt nicht mit dem Anwalt, Namensrechte usw. ...
    Aber ich glaube, Randharzer sehen das nicht so verbissen ... :cheers:
    Ich habe auch immer geglaubt, von Sangerhausen kommt das "große" Kupfer.
    Um 1980 habe ich die Übergaben nach Niederröblingen mit der 44 beobachtet. Der tägliche Güterzug nach Allstedt fuhr schon mit 110.
    44iger waren damals in der Goldenen Aue ja normal. (Gleich kommt der Haferschmidt ... )
    Aber von der Mansfelder Bergwerksbahn kriegen wir locker die Kurve nach Rügen :)
    Frag doch mal die Steine des Glume-Viaduktes, ob sie aus den Brüchen von Kelbra oder Tilleda stammen.


    Viele Grüße, Holger

  • Hallo Holger,
    ich kann mal meinen Kumpel fragen ob er es weiß wo die Sandsteinbrüche waren. Eines weiß ich aus den stehgreif das in Mansfeld und Sibigerode Sandstein gewonnen wurde.
    Bei den üblichen Mansfeld Bauten hat man sehr viel Sandstein verwendet, so auch bei der "Millionen Brücke" in Wimmelburg.
    Man sollte immer an die nächsten Orte denken wo es Steinbrüche gegeben hat, weil der Antransport der Steine zu der Zeit eine Herausforderung war.
    Auch bei der 1879 eröffneten Kanonenbahn, verwendete man in großen Mengen diesen roten Sandstein.
    Ob es noch in der Nähe größere Steinbrüche gab ist erst mal unklar.
    Ich hoffe das ich in kürze mehr darüber sagen kann.


    Warum soll ich Dir böse sein???
    Ist ein wenig zum lächeln, weil der Name im ersten Moment keinen Hintergrund verbirgt.
    Aber Kesselwärter bin ich wirklich.


    Also
    :cheers: Paddelbootheizer

  • Hallo,
    ja, ein bissel verräterisch war der rote Sandstein. Auch ein Grund, warum ich nicht nach Sachsen geschaut habe. Der sächs. Sandstein ist nämlich gelb, wird später grau u. dann fast schwarz.
    Zu sehen an vielen Bauwerken (auch Brücken) um Dresden.
    Und wie Du schon schreibst, man hat das Baumaterial nach Möglichkeit in der Nähe der Baustelle gewonnen.
    Mitte/Ende Februar bin ich wieder in Kelbra. Für einen Aufenthalt in der Aue gibt es keinen besseren Platz! Natürlich vor allem im Sommer, wenn das große Strandbad einlädt! :cheers:



    Gruß ins Harzvorland, hier beginnt gerade ein Eisregen,


    Holger

  • Hallo Holger,
    damit hast Du vollkommen recht. Der Sächsische Sandstein ist gelb. Hier ist er Rot. Im Moment überlege ich noch ob es in Eisleben oder in der näheren Umgebung einen Bruch gegeben haben kann. Auf jedenfall hat man auf dem Gelände der Krug Hütte, später Karl Liebknecht Hütte in Eislenen Ton abgebaut und Klinker gebrannt. Auch die dringend benötigten Schamott Steine hat man selbst in Eisleben hergestellt.
    Die Ziegelei befand sich ganz in der Nähe des Rollbahnhofs.
    Die benötigten Steine wurden dann mit der Schmalspurbahn in der gesamten "Mansfelder Kupferbauenden Gewerkschaft" verteilt.
    Mit der Schließung der Krug Hütte wurden diese Steine auch noch eine weile weiter Produziert.
    Die Erdsenkung in den 70 ziger Jahren auf dem Gelände der Krughütte veranlaste die "Mansfeld" dazu den gesamten "noch" Hüttenbetrieb sowie alle Nebengewerke zu Schließen. Im Dezember 1972 gingen hier die Öfen aus.
    Die Schmelzleistung betrug Jährlich ca. 300 000 t Erz.
    Als einzigstes blieb das Kraftwerk in Eisleben bestehen wo man aber sofort die Stromerzeugung einstellte.
    Das wurde bis zur Wende weiterbetrieben. Als Notgriff baute man auf dem Gelände der Betriebsberufsschule BBS noch einen weiteren Dampferzeuger damit bei einem sofortigen Totalausfall die Dampfversorgung der Wohnungen und Betriebe übernommen werden konnte.
    Der Dampferzeuger wurde von der Firma Tyssen gekauft und war ein Wellrohrkessel mit einem Durchmesser von sagenhaften 1,2 m.
    Der Kessel wurde als "Tote" Anlage mit warm gehalten um bei einem Desaster in 2 Stunden Dampf liefern zu können.
    Bei einer Erdsenkung unter der Kesselanlage wäre es in warsten Sinne, wirklich ein Desaster geworden.
    Das angrenzende Wohngebiet wäre direkt betroffen gewesen.
    Erdsenkungen sind hier auch heute noch normale Vorgänge, besonders mit den sehr alten Familien Schächten hat man Probleme.
    Die Lichtlöcher hat man nur mit Eichenhölzern abgedekt, die dann in laufe der Jahrhunderte vermodern.


    Und noch eines möchte ich mal hier noch einbringen.
    Viele unserer Besucher Denken immer "ist das ein Kahles Land", aber in Wirklichkeit besaßen wir vor dem 18 Jhr. sehr ausgedehnte Eichenwälder. Diese hat man alle zu gunsten des Bergbaus abgeholzt und in Ackerflächen umgewangelt.


    Über die Mansfeld können wir hier Sagenhafte Bände Schreiben weil es eine Einzigartige Industriegeschichte ist die es Weltweit nirgenwo nocheinmal gab.
    Es gab viele Probleme und Herausforderungen die zu lösen waren.


    Mfg. Paddelbootheizer

  • Hallo Paddelbootheizer,
    ich hoffe, Du hast noch einen anderen Namen :cheers:
    Der Brückenmeister hat auf die abgesoffenen Wälder u. Anlagen hingewiesen.
    So etwas ist mir hauptsächlich aus Tagebauregionen bekannt. (Braunkohle)
    Oder von den Tonstichen um Zehdenick.
    Aus dem Mansfelder Revier ist mir eher der umgekehrte Weg, Trockenlegung des Salzigen Sees wegen Wassereinbrüchen in den Bergbau bekannt. Auf der B80 kann man vor Seeburg noch sehr schön den ehem. Seegrund `erfahren`.
    Wir sehen uns im Juni auf der Terrasse der Zeltplatzgaststätte an der Talsperre Kelbra.

    :cheers:


    Vier Jahreszeiten, ehem. Störtebeker, es gibt keinen schöneren Platz zum diskutieren.
    Wenn sich noch jemand dort mit uns treffen möchte?


    Viele Grüße, Holger

  • Gleich noch ein paar Worte zu der Feldbahn in Helbra.
    Diese Bahn hatte vermutlich eine Spurweite von 500 mm. Dieses Maß war üblich unter Tage bei der Mansfeld.
    Sie führte vom Kraftwerk das gleich neben der Straße lag zur Aschekippe die sich hinter dem Großkessel 11 befand. Heute ist dies Teilsaniertes Ödland.
    Im Hintergrund befindet sich die Abraumhalde des Ernstschachtes. Später Schneiderschacht.
    In dieser Halde lagern etwa 220 000 t Bleischlamm.
    Diesen hat man seit der Schließung der Bleihütte in Hettstedt nicht mehr Verarbeiten können.


    Gruß PdH

  • Dann gib rechtzeitig den Termin bekannt.
    Ich hoffe Du findest auch etwas Zeit zu unserer Wanderung in das Eislebener Revier zu kommen.
    Die Kiste Saalfelder habe ich ja Versprochen.
    Auch bin ich ab und zu mal mehr bei dir in der Nähe.
    Da gibt es eine Bahn Namens Pollo.


    Gruß Rainer


    :cheers:

  • Hallo Rainer,
    am 13.06. um 11.00Uhr sitze ich auf der Terrasse des "Vier Jahreszeiten" am Zeltplatz der Talsperre Kelbra. Gute Hotels gibts im Umkreis genug. Vielleicht ein etwas unkoventioneller Ort,
    aber von dort sind viele Eisenbahnziele schnell zu erreichen!
    Ich freue mich schon auf die Kiste "Saalfelder".
    Sandstrand mit Strandkörben, Strandbar, Blick auf die Züge der Halle - Kasseler, Burgen, Höhlen,
    Kaiser Wilhelm im Rücken; kann`s in Krisenzeiten was schöneres geben?


    Gruß, Holger