? zum Einsatz der 99 191 in Südthüringen

  • Hallo zusammen,


    zunächst wünsche ich euch noch ein gutes neues Jahr!


    Während der Zeit zwischen den Jahren hat man ja immer etwas mehr Zeit. So habe ich einige meiner Bücher (teilweise nach langer Zeit) mal wieder durchgesehen. Und zusammen mit dem Thread über die VI K in Cottbus ist mir dann etwas (wieder) eingefallen, was ich schon länger mal im Forum ansprechen wollte.


    99 221 und 99 223 wurden ja 1944 von der Strecke Eisfeld - Schönbrunn (damals noch Unterneubrunn) nach Norwegen abgezogen. Als Ersatz dafür kamen ja 99 183 und 99 191. Mein bisheriger Stand zu 99 191 war, dass diese 1944 vom Bw Freudenstadt, Lokbahnhof Altensteig, abgezogen und dann dem Bw Meiningen, Lokbahnhof Eisfeld für den Betrieb auf der Strecke nach Unterneubrunn zugeteilt wurde. Die Schmalspurbahn Nagold - Altensteig liegt bzw. eher lag unmittelbar in meiner Nähe und deswegen befasse ich mich schon länger mit deren Geschichte, welche meines Erachtens noch ein paar weiße Flecken hat. So auch im Folgenden.


    Nun hatte ich, wie gesagt, "zwischen den Jahren" mal wieder das Buch zur Strecke Eisfeld - Schönbrunn1 und das Buch zur Strecke Hildburghausen - Lindenau-Friedrichshall2 in den Fingern. Verwundert hat mich, dass Hans Löhner als Autor beider Bücher schreibt, dass 99 191 ab 1.4.1944 von Altensteig zur Strecke Hildburghausen - Lindenau-Friedrichshall kam und dann am 1.6.1944 nach Eisfeld. Zugegeben ist mir das beim früheren Lesen der Bücher noch nie aufgefallen.


    Da mich das doch stutzig gemacht hat, habe ich dann mal noch etwas weiter recherchiert. Im Buch zur Schmalspurbahn Nagold - Altensteig3 steht im Text auf Seite 75 der direkte Übergang zur Strecke Eisfeld - Unterneubrunn während in einer Tabelle mit Fahrzeugübersicht auf Seite 107 die Strecke Hildburghausen - Lindenau-Friedrichshall als HHE erwähnt wird. Das Buch widerspricht sich also selbst...


    Nächste Möglichkeit: Das Buch zur Baureihe 99.19 vom EK-Verlag4. Dort wird ausgeführt, dass die 99 191 zum 31.5.1944 vom Bw Freudenstadt, Lokbahnhof Altensteig, abgezogen und zum 1.6.1944 dem Bw Meiningen, Lokbahnhof Eisfeld zugeteilt wird. Zuvor sei die Lok vom 22.5.1944 bis zum 31.5.1944 im RAW Meiningen gewesen. Das Standardwerk zur Baureihe, welches bekanntlich sehr gut recherchiert ist, weist keinen Einsatz auf Hildburghausen - Lindenau-Friedrichshall aus.


    Die gleiche Aussage, nämlich, dass es von Altensteig direkt nach Eisfeld ging, vertritt auch Kurt Seidel in seinem Buch zu den staatlichen Schmalspurbahnen in Baden-Württemberg5. Auch er schreibt von einer Abgabe an die Strecke Eisfeld - Unterneubrunn (Seite 147) und bezieht sich dabei auf das Buch "Dampflokomotiven. Zahnrad, Lokalbahn, Schmalspur" von Klaus-Detlev Holzborn und Klaus Kieper. Das besitze ich aber nicht.


    Aufgrund der auseinandergehenden Darstellung in der Literatur könnte ich mich zum Beispiel vorstellen, dass ein Einsatz ab Eisfeld geplant war, es dann aber in Hildburghausen zu einem (kurzfristigen) Bedarf kam und man die Lok daher spontan dort einsetzte.


    Hat hier vielleicht jemand noch Ideen oder Hinweise wie es tatsächlich mit der 99 191 im Frühsommer 1944 ablief? Über Hinweise/Ideen/Anregungen und dergleichen wäre ich äußerst dankbar. Ebenso über mögliche Korrekturen (gerne auch in Zukunft, wenn der Thread schon nicht mehr aktuell ist).


    Die Recherche bisher hat meines Erachtens noch etwas aufgeklärt. Im Baureihenbuch zur 99.194 wird auf Seite 168 geschrieben, dass nicht geklärt werden konnte, ob die 99 191 jemals die Janney-Kuzpplung besessen hat. Im Buch zur Strecke Eisfeld - Schönbrunn1 ist auf Seite 41 ein Bild vom Autor Hans Löhner abgedruckt, welches ihn mit seiner Tochter auf dem Arm, am Tag des Eisenbahners, vor der geschmückten 99 191 zeigt. Die Lok ist zwar nicht ganz auf dem Bild drauf, jedoch ist am linken Bildrand meiner Meinung nach die Janney-Kupplung zu erkennen. Ist im Übrigen auch das einzige Bild was ich von der 99 191 aus dem südlichen Thüringen kenne.


    Ich möchte mich schon mal recht herzlich für eure Mithilfe bedanken!


    Liebe Grüße aus dem Schwarzwald!


    Tobias


    Quellen:

    1 Löhner, Hans: Das Gründerla von Eisfeld nach Schönbrunn: Geschichte einer Schmalspurbahn im Thüringer Wald, 3. unveränderte Auflage 1998, Eisenbahn-Fachbuch-Verlag, Coburg

    2 Löhner, Hans: Das Bimmelbähnle von Hildburghausen nach Lindenau-Friedrichshall: Die Geschichte einer Thüringer Schmalspurbahn ins Heldburger Land, 2. Auflage 2000, Verlag Michael Resch, Neustadt/Cbg.

    3 Schwarz, Reinhard / Reule, Gerhard: Das Altensteigerle, 6. Auflage 2006, Sparkasse Pforzheim-Calw

    4 Lenhard / Rost / Schlegel: Die Baureihen 9967-71 und 9919 Sachsens Schmalspurbulle und seine Verwandten, 1. Auflage 2012, EK-Verlag Freiburg

    5 Seidel, Kurt: Schmalspur in Baden-Württemberg, 1. Auflage 1977, Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd

    2 Mal editiert, zuletzt von Tobias ()

  • Hallo Tobias,

    ... , dass die 99 191 ... sei die Lok vom 22.5.1944 bis zum 31.5.1944 im RAW Meiningen gewesen.

    Grundsätzlich kann ich zum Thema nichts beitragen. Ich würde aber mal vermuten, das der verdächtig sehr kurze Aufenthalt im RAW Meiningen dem Kupplungsumbau auf Janney gedient haben könnte. Ein möglicher Weise noch irgendwo vorhandenes Betriebsbuch könnte das vielleicht aufklären.

  • Hallo,

    Quelle: Holzborn Dampflokomotiven Zahrad-Lokalbahn Schmalspur ©1968 S.104

    99 191 K 55.9 MFE 1927/4181 Anlieferung 26.4.1927 Probefahrt & Abnahme 29.4.1927

    Bw Freudenstein - Lokst Altensteig 28.4.1927 - 31.5.1944

    Bw Meiningen - Lokbf Eisfeld 1.6.1944 - 31.1.1947

    Lokbf Eisfeld 1.2.1947 - 31.3.1953

    Lokbf Eisfeld 1.4.1953 - 9.7.1955

    Bw Gera 10.7.1955 -

    mit Gruß aus Gernsheim

    Rainer :wink:

  • :schock: SIEHT DAS GEIL AUS!!!!! Mit dem Erscheinungsbild für mich eine der absolut schönsten Schmalspurlokomotiven wenn auch wohl mit "historisch informierter" Fantasielackierung!?

  • Hallo Thomas,

    Ich würde aber mal vermuten, das der verdächtig sehr kurze Aufenthalt im RAW Meiningen dem Kupplungsumbau auf Janney gedient haben könnte.

    Diese Vermutung habe ich auch. Anderr Anpassungen waren ja vermutlich nicht großartig nötig. Und da auf den beiden , in Frage kommenden, Strecken die Janney-Kupplung üblich war, dürfte man die 99 191 sicherlich damit ausgerüstet haben. Einen "Sonderling" mit abweichender Kupplung wird man kaum gewollt haben. Zumal ja auch das oben angesprochene Bild aus dem Buch über das Gründerla als Beweis auch die Janney-Kupplung an der 99 191 zeigt.


    Hallo rwer64579,

    Genau das ist ja auch die Quelle auf die sich Kurt Seidel beruft. Eben eine der drei (mir bekannten) Meinungen bzw. Literaturnachweise, dass die Lok nur auf dem Gründerla eingesetzt wurde. Die Daten zwischen 1.2.1947 und 9.7.1955 resultieren übrigens aus der Zuordnung des Lbf. Eisfeld zum Bw Probstzella vom 1.2.1947 bis zum 31.3.1953. Davor und danach war man dem Bw Meiningen zugeordnet.


    Viele Grüße


    Tobias

  • Die 99 191 hat eine etwa etwa 0,8 Tonnen größere Achslast. Die HHE war vom Oberbau her gesehen deutlich schlechter ausgestattet, als das Gründerla. Zudem war der kleinste Radius beim Gründerla größer. Das Leistungsvermögen der T 40 liegt etwa nur bei 60 % der 99 221/223, die 99 191 immerhin noch bei ca. 75 %.


    Auf der HHE hat man 1944 ebenfalls eine T40 dauerhaft zum Gründerla abgegeben, man kam wohl problemlos mit einer Lok und einer Reservelok aus und brauchte zudem nicht mehr Zugkraft. Das alles spricht gegen den Einsatz der 99 191 in Hildburghausen.


    Allerdings gibt es zumindest theoretisch auch Punkte, die für einen Einsatz in Hildburghausen sprechen. Eine Verteilung von 2 Baureihen in Hildburghausen (1x T 40 und 99 191) sowie 2 in Eisfeld (99 222 und 2x T40) ist vom Betriebsdienst her besser als 1 (2x T 40 in Hildburghausen) + 3 (99 222, T 40, 99 191). Zudem kannte man die T 40 in Eisfeld, man darf die heutige Zeit nicht mit damals vergleichen. Auch wenn es "nur" eine Schmalspurbahn ist, jede Baureihe fährt sich anders und man hatte damals wesentlich weniger Informationen. Da gibt man eine neue unbekannte Lok doch lieber auf eine unbedeutende Strecke ab und nimmt von da Loks, die man wirklich kennt. Man wahr vielleicht selbst von der Leistung der 99 191 überrascht und hat daraufhin nochmals getauscht.


    Übrigens muss der Austausch zwischen HHE und Gründerla immer sehr einfach gewesen sein. Bis auf die Einheitsloks war man Lok- und Wagentechnisch recht freizügig. Und man hat sich auf beiden Strecken nach 1944 mit diversen Exoten (99 191, französische Schmalspurloks, ...) rumgeärgert.

  • Hallo,


    wenn wir schon - abseits des Ursprungsbeitrags - über die 99 193 reden, möchte ich die Gelegenheit nutzen und fragen: Hat jemand - vielleicht sogar Tobias selbst? - neue Erkenntnisse zum Einsatz der 99 194 in Jugoslawien?


    Dass die Lok dort verschrottet wurde, hatten wir vor vielen Jahren schon einmal im alten Schmalspur-Forum geklärt. Ich würde mich z.B. über Hinweise auf Bilder (in der Literatur) freuen. Bislang kenne ich von dieser Lok in Jugoslawien überhaupt keine Aufnahme.


    Und noch einmal Tobias : Ich kann zu deiner Frage leider gar nichts beitragen, ich finde es aber toll, wie systematisch Du die Quellen durchgearbeitet und das hier dargestellt hast: So macht derartiges Forschen echte Freude!


    Viele Grüße

    Julian

  • Hallo Erzgebirgsnebenbahner,

    hallo zusammen,


    danke für deine Ausführungen und Ergänzungen.

    Das macht in diese Richtung schon Sinn. Von den drei preußischen T40 welche die HHE ja von der Feldabahn bekommen hat, ging die 99 183 laut Hans Löhner 1944 zum Gründerla. Die anderen beiden (99 181 und 99 182) blieben bei der HHE bis die Strecke von der sowjetischen Besatzungsmacht abgebaut wurde und beide Loks mit dem übrigen Material in die Sowjetunion gingen. By the way wäre der Verbleib dieser Loks auch mal ganz interessant...


    Demnach wären 1944 ohne die Schwäbin 99 191 bei der HHE die 99 181 und die 99 182 sowie beim Gründerla 99 222 und 99 183 vorhanden gewesen.


    Möglich erscheint mir daher die Variante dass man 99 191 grundsätzlich für das Gründerla vorgesehen hatte, aufgrund des von Erzgebirgsnebenbahner beschriebenen, höheren Lokbedarfes von drei Maschinen. Als die Lok dann vorbereitet wurde (Umbau auf die Janney-Kupplung usw.) hat sich möglicherweise bei der HHE ein kurzfristiger Bedarf durch den Ausfall der 99 181 oder 99 182 ergeben. Da hat man dann kurzerhand die verfügbare Schwäbin genommen. Das wäre für mich ein erster Lösungsansatz. Was haltet ihr davon? Schön bzw. sinnvoll wäre es natürlich, wenn es hierzu Quellen oder Belege gäbe, denn sonst bringt die schlüssigste Vermutung nix.


    Zudem ist zu beachten, dass dann immer noch unterschiedliche Datumsangaben im Raum stehen. Laut Löhner kam die Lok ab 1.4.1944 zur HHE, nach den anderen Quellen überhaupt erst ab Juni 1944 in Thüringen zum Einsatz.



    Julian Zunächst mal vielen Dank für das Lob. Da ich im Berufsalltag auch öfters mal mit (juristischen) Quellen usw. arbeite, färbt das natürlich ab. Und so kann jeder ggf. ohne weiteres bei sich selbst im Bücherregal nachschlagen. Das "forschen" macht schon Spaß, da hast du Recht. Besonders wenn man Angaben, welche ggf. lange Zeit in der Literatur von einander abgeschrieben wurden nun richtiggestellt werden können.


    Zur 99 194 konnte ich bisher nichts bis nicht viel herausfinden. Ich empfehle dazu das oben zitierte Buch vom EK-Verlag, welches den Sachverhalt zur Lok meines Erachtens gut und schlüssig darstellt. Ich melde mich dazu aber nochmals.


    Viele Grüße aus dem Schwarzwald


    Tobias

    2 Mal editiert, zuletzt von Tobias ()

  • Ich betrachte solche Zahlenspielereien generell mit Vorsicht ... ohne computergestützte EDV erfasst man das ja alles in Papierform. Wie das "früher" generell gehandhabt wurde, kann ich nicht sagen. Das wäre sicher hier ein interessanter Thread wenn man mal Einblick in die Verwaltung bekommt. Aber zurück zum Thema. Man lädt die Maschine in Württemberg auf, trägt ein Abgangstermin und vielleicht schon das nächste Ziel ein. Dann ist die LÜ zu Kriegszeiten einige Tage unterwegs, wird vielleicht gar beim Transport geringfügig beschädigt (Luftangriffe, Tiefflieger, ...) oder unterwegs aufgehalten. Da man ohnehin zum "örtlichen RAW" muss, wird das auch nicht unbedingt immer korrekt vermerkt. Der zuständige Schreiber kennt sich nicht automatisch mit solchen Besonderheiten wie der Kupplung aus, für den war der Umweg über Meiningen vielleicht auch nur eine Falschlieferung ... falsche Datumsangaben bemerkt der Computer sofort, damals mit unterschiedlichen Dokumenten gibt es automatisch Fehler.


    Es ist ja nun bei weitem nicht so, das die Lok am 31. Mai aufgeladen wurde und am 1. Juni betriebsbereit zur Verfügung stand. Da gibt es immer zeitliche Zwischenräume, die je nach Informationsquelle dann anders gedeutet werden ... da können sicher mehrere Daten richtig sein. Richtig klären wird man solche Ungereimtheiten wohl heutzutage kaum noch können. Da wäre man vermutlich auch schon 1944 an die Grenzen des Machbaren gestoßen.


    mg Martin