Infos zur HSB 199 301 gesucht

  • Hallo,


    Im "HSB 2021" Thread schreibt zur HSB-Diesellok 199 301 Peter Preis":


    In Ilfeld steht auch die 199 301, der Prototyp.

    Ich sprach damals vor Ort an, ob es denn nicht eine Option sei, anstatt einer 199.8 die 301 zum Rangieren in Wernigerode zu nutzen. Ich bekomme nicht mehr alle Einzelheiten zusammen, aber sowohl Lokführer Dirk-Uwe als auch Herr Bauer lehnten das strikt ab. Es gibt wohl sehr große Unzulänglichkeiten mit der 301. Der Motor ist nicht mehr Original und das Getriebe wohl zum Rangieren äußerst ungeeignet.

    Das wird also auch nichts mehr.


    Kann mir das jemand erklären, nur weil die Lok statt 350, nur noch 220 PS hat, warum soll die nicht mehr zum rangieren geeignet sein? Und warum soll das Getriebe ungeeignet sein zum rangieren? Anstatt nimmt man in Wernigerode eine umgebaute KöII für den Werksttverschub.

    Und die hat ein mechanisches 4-Gang Einheitsrädergetriebe. Und mit der besten mechanischen Lok, rangiert es sich schlechter als mit der schlechtesten Lok mit hydraulischen Getriebe... finde ich ;).


    Weiß jemand mehr dazu ?

    Hat jemand noch Detailbilder der Lok oder Bilder vom Führerstand?

    Der sieht aus wie Führerstand einer V15 oder V22 wenn ich mich recht erinnere.


    Näheres zur Lok: https://de.m.wikipedia.org/wiki/LKM_V_30_C

    Oder hier:

    https://www.hsb-wr.de/Unterneh…iesellokomotiven/199-301/


    MfG TRO

  • Hallo Zusammen,


    das Forum hat eine Suchfunktion...


    Danke Reiner!:thumbup:


    Liebe Grüße,

    Peter

  • Hallo,


    Danke Klaus für die schöne Lokbeschreibung:thumbup:.


    Und danke an Peter für den Hinweis auf den "Erste Hand-Bericht" zur Lok von Rainer. Genau so etwas habe ich gesucht.


    Was ich jetzt nicht verstehe, da die Lok kaum genommen wurde, müsste ja der Maybach-Motor und das Voith-Getriebe noch fast neuwertig gewesen sein... bei den wenigen Einsätzen. Warum dann der Umbau auf den Schönebecker 6 VD-Motor und das Pirnaer GSU 20-4.2 Getriebe?


    Achja, der 6 VD-Motor mit 330 PS und Turbolader, wo gab es den noch bei der Bahn? In irgendeinem ORT der BR 708.3 vielleicht? Ich kenne den nur als Saugmotor mit 220 PS von der BR 102/ 312.0 und 312 1-2.


    MfG TRO

  • Hallo


    Die V 30 C, ehem. 103 901 spätere 199 301


    Also ich habe die Lok gefahren. Diese Werksbeschreibung kenne ich nicht. Wenn sie im Bw vorhanden war, dann war sie sicherlich gut in irgendwelchen Büroschränken versteckt. Für unsere Ausbildung gab es nichts an Unterlagen. Wir orientierten uns an die V22 und V23. Die Angaben dazu nahmen wir aus dem Diesellokarchiv. Meine Ausbildung erstreckte sich auf 2 Tage mitfahren und eine Prüfungsfahrt bei dem Fahrmeister des Bw Stendal der in der Rbd für diese Lok zuständig war.


    Die Originallok hatte kein DDR Motor und Strömungsgetriebe. Sie hatte einen Maybachmotor und ein Voitgetriebe. So wurde die Lok im Harz erfolgreich erprobt. Sie war auch nur das Probemuster für Indonesien. Die Erprobung war vor meiner Dienstzeit. Für die Erprobung wurde als Bremslok die 99 222 von Eisfeld nach Wernigerode umgesetzt wo sie dann anschließend verblieb.


    Nach der Werkserprobung ging die V 30 ins Herstellerwerk zurück wo sie verblieb da sie vom Besteller wegen unpassender Spurweite nicht mit abgenommen wurde. Dort stand sie dann 2 Jahre sinnlos herum bis man sich entschloss die Lok dem Bw Wernigerode zuzuordnen. Dazu wurden der Motor und das Getriebe auf DDR Standard umgebaut. Ob sie die Vakuumpumpe schon bei der Erprobung hatte weiß ich nicht ist aber anzunehmen. Weiterhin wurden ca. ein Drittel der Kühlelemente blind gemacht da sie ja nun nicht mehr in den Tropen lief. Der Pult im Führerraum war höher und breiter wie bei der V22. Daneben waren die Sitze Eingezwängt zur Außenwand. Seitlich aus den Pult ragte das große Handrad der Drehzahlverstellung heraus welches stark Federbelastet immer in Nullstellung zog. Dadurch sehr anstrengendes fahren. Der Wendeschalthebel schaute da ebenfalls noch seitlich heraus. Der war aber klein, dafür funktionierte die Umschaltung oft nicht. Dann mußte manuell mit einer Hilfsumschaltvorrichtung im Maschinenraum umgeschaltet werden. An den seitlichen Führerhauswänden waren 2 Bahnheizkörper angebracht, welche aber unzureichend heizten da die Kühlleisung der Lok immer noch für unsere Klimazone zu groß war. Also war im Winter frieren angesagt da sie auch noch sehr Fußkalt war. Dafür war es im Sommer umso heißer auf der Lok da nur die kleinen Seitenfenster und eine kleine Dachluke vorhanden war. Die Lok hatte Gleitlager und mußte täglich wie eine Dampflok abgeölt werden. Verbrauch von Motor-und Getriebeöl war wohl normal. Auf dem Führerpult waren eine Unmenge von Schaltern angebracht. Viele davon hätte man auch vereinfachen können. Wenn ich die heutigen Halberstädter Triebwagen sehe dann muß ich auch an die V30 denken die haben auch so viel Knipser für alles Mögliche. Dafür kann ich mich gar nicht mehr an Leitungsschutzschalter mehr erinnern. Sie hatte aber wohl 2 große Batteriestecksicherungen die den Batterien bei den Rangiertritten vorgeschaltet waren. Das war eine Prüfungsaufgabe mal eine zu wechseln.


    Auf diese Lok konnte man sich schnell das fahren vermiesen und nach anfänglicher Euphorie verkrümelte man sich lieber bevor man sich da eine Schicht andrehen ließ. Also es ist nichts ersehnliche dran diese Kiste fahren zu müssen. Viel lieber habe ich die V23 gefahren. Die war ein Genuß dagegen.


    Die V30 mußte auch mit Beimann gefahren werden, weil sie keine Sifa hat. Selbst mit Sifa hat man nach vorn und links keine Sicht wegen der hohen Aufbauten.


    Also Hände weg von der Kiste. Da wo sie steht da steht sie gut.

    Beste Grüße Reiner

    Einmal editiert, zuletzt von Reiner ()

  • Der Maybachmotor ist nicht mehr verfügbar da er in die Schmalspurschneeschleuder eingebaut wurde. Ob das Getriebe auch weiß ich nicht.

    Beides wurde aber von LKM an das Bw Wd mit übergeben.

    Beste Grüße Reiner

  • Guten Morgen,

    Danke an Reiner für die ganzen Ausführungen aus erster Hand :thumbup:.


    "Seitlich aus den Pult ragte das große Handrad der Drehzahlverstellung heraus welches stark Federbelastet immer in Nullstellung zog. Dadurch sehr anstrengendes fahren."


    Das hört sich sehr blöd an, sowas habe ich bei noch keiner anderen Lok gesehen und ich habe mir schon paar Exoten angesehen... (2091, V36, KS 230B, KG 230B, V51 oder die Tgk2-E1).


    War bei der ein Führerbremsventil auf beiden Seiten? Und welches? Knorr St 125?

    Hat noch jemand zufällig ein Führerstandsbild der Lok?


    MfG TRO