Ehem. Kohlenhandlung am Bf Benneckenstein der Harzquerbahn

  • In Benneckenstein gab es mal diese Kohlenhandlung:


    Die Spuren diverser Umbauten ließen sich sicher rückwärts abwickeln, d.h. ich will versuchen, eine Zeichnung des Originalzustandes zu rekonstruieren.


    Hier sieht man diverse Ladeluken, ganz offenbar für die Durchladung der Kohle vom Güterwagen aus.


    Im rechten Teil gibt es eine große Luke, die wohl originaler ist als die kleinen weiter links, weil dort das Fachwerk drum herum erhalten ist. Es sind aber auch andere Interpretationen möglich.

    Meines Erachtens war die große Luke wegen der tiefer liegenden Unterkante für die Entladung von Schmalspurwagen, die kleinen mit höher liegender Unterkante für aufgebockte Wagen. Auch alles nur Spekulatius. Wir wissen ja nicht, wie hoch das Gleis lag.


    Eins aber scheint mir sicher: für die Entladung war ein besonderes Ladegleis notwendig, denn kein Wagen kann lange genug im Hauptgleis stehen, um per Schaufel durch die Luken entladen zu werden.

    Der älteste Gleisplan, den ich kenne, ist dieser von 1951, also schin DR-Zeit, da gab es kein solches Ladegleis (mehr):



    Jetzt habe ich aber noch dieses Bild:



    Aus Richtung BÜ her aufgenommen. Da sieht man direkt vor der Schuppenlängswand ein tiefer liegendes Gleis mit wenig Schotter, dahinter ein höher liegendes mit perfekter Schotterung. Vermutlich das Hauptgleis.

    Jetzt weiß ich nicht weiter. Gab es nun ein Ladegleis oder nicht?

    Was fällt euch dazu ein?


    Gruß


    Otto

  • Hallo Otto, dein Plan zeigt doch schon das Anschlussgleis Marcus?


    Also für mich wirkt das Hauptgebäude schon so, als sei es in zwei Teilen errichtet worden. Leider sind die Bilder zu wenig aussagekräftig, um den Mauerziegelverband zu analysieren. Aber jetzt sieht man schon, das der Läuferverband im linken Teil (Bild 2) zwischen den kleinen Ladeluken nicht mehr konsequent fortgeführt wird, das wirkt wie ein Mischmasch aus Block- und Kopfverband. Das verwundert, wo doch diese Giebelwand bis zur Verbretterung Läuferverband zeigt.


    Die rechte große Ladeluke kann auch erst nachträglich entstanden sein ...

  • Hallo Otto,


    ich kratz mich jetzt gerade etwas am Kopf. Das Ladegleis ist doch eindeutig zu sehen.


    Das erste Bild scheint vom Streckengleis aus aufgenommen zu sein. Das, was du beim letzten Bild "mit perfekter Schotterung" selbst beschreibst.

    Das nicht so perfekt geschotterte Gleis ist das Ladegleis. Der Anschluß Marcus.


    Oder stehe ich auf dem Kabel und du meinst etwas anderes?


    Ich habe auch bei Jürgen Steimecke geguckt, da finde ich auch nichts Anderes.



    Liebe Grüße,

    Peter


    P.S. Hochinteressante Fotos! Für mich die ersten Bilder die ich vom Anschluß überhaupt sehe! Vielen Dank!

  • Guten Abend,

    auf dem Gleisplan ist doch alles drauf, was bis zur Wende und kurz danach noch in Bks vorhanden und vorallem genutzt wurde. Dazu würde noch der Anschluss Kompressorenwerk an der Zollhäuser Straße gehören, gehört aber nicht zum Thema hier.

    Kein schönes Bild vom 28.12.1989, aber der Rollwagen steht schon im Anschlussgleis auf der Weiche 3 (oder kurz dahinter), die 199 863 war noch neu und der Güterverkehr rollte.

    Peter: genauso war es .


    LG Winfried

  • Also für mich wirkt das Hauptgebäude schon so, als sei es in zwei Teilen errichtet worden. ... Aber jetzt sieht man schon, das der Läuferverband im linken Teil (Bild 2) zwischen den kleinen Ladeluken nicht mehr konsequent fortgeführt wird, das wirkt wie ein Mischmasch aus Block- und Kopfverband.

    Der rechte Gebäudeteil ist nicht nur in anderem Steinverband gemauert, sondern total unsauber und unverfugt. Hier mal ein Ausschnitt, damit du das besser beurteilen kannst:



    Manche Gefache sehen aus, als seien die Steine nur reingestapelt ohne Mörtel.

    Bin mal gespannt, zu welchen Schlussfolgerungen du (und die anderen) kommst.

    Mit gehts ja, wie erwähnt darum, das Gebäude so zu zeichnen, wie es mal vor allen Umbauten ausgesehen hat.

    Gruß

    Otto

  • Moin,


    auch wenn ich nicht direkt zur Fragenbeantwortung beitragen kann...

    Aufgrund der Dachform und der Gaubenposition würde ich sagen, dass das Haus mit neuer Außenverkleidung immer noch am Standort steht (Bild vom 13.02., Blick auf Weiche 1 im Gleisplan).

    Der Nachbau des Istzustands wäre auf jeden Fall simpler. :-D


    In dem Gleisplan oben ist das Ladegleis als "Anschluss Marcus" ersichtlich.


    Gruß

    Minfred

  • Aufgrund der Dachform und der Gaubenposition würde ich sagen, dass das Haus mit neuer Außenverkleidung immer noch am Standort steht

    Der Nachbau des Istzustands wäre auf jeden Fall simpler. :-D

    Ich fürchte, du hast Recht. Auch das Zeichnen wäre einfacher. Ich werd' mal drüber nachdenken.

  • Auf der rechten Seite sind die Ziegelsteine deutlich rauer , das sind einfache handgefertigte Feldbrandziegel (produziert bis nach dem Ersten Weltkrieg), während die glatten links eine bessere industrielle Qualität aufweisen. Beide Verfahren existierten ab im 19. und 20. Jahrhundert lange parallel, daraus kann man keinen Bauzeitraum ablesen.


    Je nachdem, wann Bauphase 2 erfolgte, hat man aus Kosten- und/oder Verfügbarkeitsgründen halt auf das zurück gegriffen, was gerade da war.


    Die Gefache im linken Teil sehen auch irgendwie erneuert aus, manche sind deutlich besser verfugt, als andere im linken Teil.


    Ich glaube ganz ohne weitere Hinweise ist es nur schwer möglich, wirklich konkretes zum Aussehen zu sagen.

  • Der linke Teil ist im unteren Bereich kein Fachwerk, da muss die Wand sich selbst tragen und wurde dementsprechend auch ordentlicher gemauert. Der rechte Gebäudeteil ist in Fachwerkbauweise ausgeführt. Da trägt das Gefache die Wand. Die Steine sind nur zum Verschließen des Fachwerks da, haben keine tragende Funktion und deshalb muss nicht unbedingt auf Schönheit oder akkurate Fugentechnik geachtet werden. Allerdings sind dort auch zum Teil Betonfertigsteine verbaut. Sieht nach DDR-Hohlkammersteinen aus. Alles wirkt wie ein Bau aus Nachkriegszeiten irgendwann zwischen 1950 und 1970.


    Ältere Fachwerkbauten haben anstatt der Ziegel auch oft einfach nur mit Lehm beworfene Weidenflechtwände. So wurde sicher bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein gebaut. Ich vermute, erst nach der Bauernbefreiung im 19. Jahrhundert, die vermehrte Vermögensbildung ländlicher Schichten ermöglichte, setzte sich im ländlichen Umfeld eine dauerhaftere und teurere Bauweise durch.


    Eine unterschiedliche Höhe der Luken im linken Gebäudeteil im Vergleich zum rechten Teil kann ich nicht feststellen. Da auch kein Foto von den Luken ohne die Bretterverschlüsse zu sehen ist, weiß ich auch nicht, ob dahinter wirklich offene Luken vorhanden sind oder einfach nur weitere Fenster. Aber das ist natürlich zu vermuten. Sonst wären ja dort keine Bretterverschläge notwendig gewesen.


    Das Dach scheint in einem Guss erstellt worden zu sein. Kein Unterschied zwischen den beiden Gebäudeteilen.


    Sehr interessanter Thread. :thumbup:

    Grüße
    Stefan


  • Hallo Stefan, mit dieser Analyse gehe ich nicht mit, ich würde sie glatt als falsch bezeichnen. Du teilst den rechten Abschnitt nochmals auf. Die DDR-Hohlblocksteine sind eindeutig eine spätere Zutat, vermutlich bei einem Umbau oder einer Sanierung. Es macht absolut keinen Sinn, 3 verschiedene Bauarten zu kombinieren, da hätte man das Fachwerk zum Boden nämlich weglassen können. Dieses Element macht bautechnisch absolut keinen Sinn, da holt man sich außer minimalen Materialeinsparungen nur Nachteile ins Haus. Und bei der Größe des Fachwerks spart man nichtmal nennenswert Material ein. Also nur Nachteile, aber kein Vorteil. Dieser Baustil mit Hohlblocksteinen ist typisch für einfache Gebäude in der DDR bzw. Nachwendezeit. Gerade bei Bauernhöfen sieht man es öfters, da sind einzelne Fachwerkwände ersetzt worden. Entweder weil sie grundlegend abbruchreif waren oder weil sie umgenutzt wurden.


    Nur weil ein gemeinsames Dach besteht, bedeutet dies noch lange nicht, das es einmal am Stück erstellt wurde. Irgendwann wurde es halt mal saniert und da war es wohl naheliegend, beide Dachhälften neu einzudecken. Oder beim Bau des zweiten Teils wurde das Dach nochmals geöffnet und fortgesetzt.


    Auch auf Fenster und andere eindeutig spätere Zutaten kann man sich schlecht verlassen, die werden auch mal getauscht oder nachträglich eingebaut. Wer einmal in einem ländlichen Haus von 1850 war, versteht das. Das sind bessere Schießscharten, während im selben Haustyp 1920 doch wesentlich größer verglast wurde.