Der letzte Dampf in der Oberlausitz - die 80er

  • Liebe Dampflokfreunde,

    ich möchte meine Reise durch die Dampfbetriebswerke fortsetzen.

    Aber diesmal weniger auf ein einziges Bw konzentrieren, sondern auf eine Region.

    Für mich lag die Lausitz nicht mehr um die Ecke und viele kennen sicherlich die Fahrzeiten der Eilzüge zwischen Dresden und Zittau bzw. Görlitz.

    man war ewig unterwegs, so das es eher Momentaufnahmen waren, aber nicht unbedingt ein Tag das Betriebsgeschehen zu dokumentieren.

    Auch waren es keine Bahnbetriebswerke, welche Eisenbahnfreunde willkommen hießen.


    Es handelt sich um die Bahnbetriebswerke Bautzen mit der Einsatzstelle Löbau, Görlitz und Zittau. Noch Mitte der 80er hatte Zittau 6 Planloks und es fuhren bei bedarf weitere Dispoloks. Auch in Görlitz und Bautzen waren je 3-4 Planloks im Einsatz und es kamen weitere Reservefahrzeuge zum Einsatz.

    Befahren wurden von Bautzen die Strecke Görlitz-Dresden; Görlitz-Zittau; Löbau-Zittau; Löbau-Cunewalde-Bautzen, Bautzen-Hoyerswerda und noch weitere Nebenbahnen. Zittau rollte natürlich erst einmal nach Bischoffswerda und Dresden, aber auch noch Görlitz und Löbau.

    Gefahren wurde im Mischbetrieb, dabei war eine Personenzugleistung sehr interessant, welche von Zittau über Görlitz - Löbau nach Zittau führte.


    Hervorzuheben sind auch Doppelbespannungen der Kohlezüge im Raum Hagenwerder, teilweise sogar mit Schlusslok.


    Auch die strecken waren einmalig, ging es doch über zahlreiche Viadukte und durchs Oberlausitzer Bergland.

    Ich kam da leider zu spät und habe mir nur ein paar Rosinen herauspicken können. Aber wer aus der Region stammte bzw. das muntere treiben verfolgen konnte, war bestimmt begeistert.


    Geprägt war die Region durch 52.8. Altbau 52er verschwanden schon vor 1985, nur die Bautzener 52 4926 überlebte als Heizlok. 52 1630 und 52 5137 wanderten in den Schrott. Interessant waren die Heizlok 65 1008 des Bw Zittau, in den letzten Jahren ohne MVA und 65 1057 des Bw Löbau.

    Görlitz hatte neben 44er Dampfspender noch 44 2300 als fahrfähige Heizlok und setzte die letzten ÖL 50er als Heizlok ein.

    In Bautzen gab es im Schuppen und im Bahnhof Heizstände, die von 44er und 52.8 bedient wurden.


    Bis 1988 reduzierte sich der Planeinsatz schrittweise. Immer wieder wurde eine 52er durch 118 oder 119 ersetzt und so schrumpften die Plantage langsam vor sich hin.


    In Zittau waren die Lokleiter nicht immer Kooperativ mit unserem Fotoanliegen und man wurde aus dem Bw gejagt wie junge Hunde. Aber es gab noch die Lokwerkstatt in Zittau Pethau, hier war alles malerisch, fast schon museal und auch das Personal sehr gemütlich. beim gemütlichen plausch wurde man zum Kaffee eingeladen und mir eine Zigarre angeboten, da ich nicht rauchte eher ein Unding, aber ich wollte ja nicht unhöflich sein.

    leute - ich hbae es mir woahl daher nie angewöhnt, mein hals kratzte, die Augen tränten... es war gar nicht mein ding. aber wer von den "Schwarzen" war, rauchte entweder Zigarre oder Pfeide. Hier sehen wir 52 8160 auf der Drehscheibe, es waren kleinere Arbeiten an den Pumpen notwendig.


    In Hirschfelde - kann auch Hagenwerder gewesen sein (ich verwechsele diese beiden Orte ständig) trafen wir auf 52 8047 und 52 8195 vor einem Fal Kohlezug. Es war schon ein Erlebnis, die Ausfahrt zu erleben - bis nach Minuten beide Loks synchron im Takt schafften.


    Ein langer Tag für Personal war der Nahgüterzug von Zittau nach Bischoffswerda und retour. In der kleinen Einsatzstelle in Schibock

    (Bischoffswerda) konnte Kohle und Wasser genommen werden. Ich weiß gar nicht mehr, gab es da eine Drehscheibe?

    Hier die Ausfahrt Bischoffswerda.


    52 8016 ist frisch restauriert und kann nun zum nächsten Plan. Hier wartet sie von Pethau kommend zur Rangierfahrt in den Bahnhof Zittau.


    Schauen wir nach Löbau, hier gibt es ein Rechteckheizhaus, welches durch Erweiterungen heute beachtliche Ausmaße hat. Noch Mitte der 80er gab es hier viel zu tun im P - und G Verkehr. Hier sehen wir die Starlok 52 8080 in der Heimatdienststelle.

    Von der Straßenbrücke über den Bahnhof bzw. den erhöhten Seiten konnte man gut in die EST schauen.

    60 1057 war mit heizen beschäftigt, 52 8056 machte Pause und 52 8064 wartet auf den nächsten Umlauf.


    Auch hier war 1988 das Dampfzeitalter zu Ende, 528200 kommt mit einem Personenzug aus dem Cunewalder Tal (heute Eisenbahnbefreit)

    Die Petroleum nachfolge der 52.8 ist hier gut zu erkennen.


    Bautzen war noch ein richtiger Bahnhof, zahlreiche Güterkunden sorgten für Aufkommen, die Waggonfabrik selbst ebenfalls. Ein ganzer teil davon wurde mit Dampfloks gefahren, hier sehen wir 52 8198 mit einem Dg nach DD. Die Ausfahrt wurde zu einem Konzert für meine Ohren, einem Vulkan gleich, quoll der dampf aus dem Schornstein und bleib für Minuten in der Luft....


    Auf nach Görlitz, dass Bw war weniger romantisch und erinnerte mehr an Groß BW und wirkte immer etwas unfertig.

    Hier waren vor allem 132 zuhause, ein paar 118er und natürlich 52.8.


    Auch an einem zweiten Besuch traf ich auf 52 8051, das nervte oft, wenn man mehrere male hinfuhr und immer das selbe

    vor die Linse bekam. Heute wäre ich hier total entspannt.


    Zum Heizen gab es im Bahnhof eine Weichenheizanlage und eine Vorheizanlage für Reisezugwagen.

    Die 44 2300 rollte 1988 zur Vorheizanlage, die Weichen benötigten keine Unterstützung mehr. Die 44er gehörte zu den wenigen, welche noch ein intaktes Drillingstriebwerk besaßen.


    52 8014 ist auch eine alte Görlitzerin und schnaufte hier zu ihren Zug nach Schlauroth, dem Rangierbahnhof in Görlitz.


    52 8125 ist ebenfalls schon viele Jahre in Görlitz zuhause, im Hintergrund sieht man eine 52.8 im Heizstand für das Duschwasser.


    52 8069 gehörte zu den Dispoloks und holte in Hoyerswerda einen "Zwiebelzug" ab und beförderte diesen bis nach Niesky.


    Hier sehen wir 50 0047 die letzte ÖL Lok im Einsatz. 52 0006 war vorher hier im Einsatz und mit Fristablauf abgestellt, auch 50 0072 war nicht mehr im Einsatz, existiert dagegen heute noch im Bayr. Eisenbahnmuseum. Eine wenig nette Geste der Personale war das verhängen der Lokschilder mit Putzlumpen oder Lappen.

    Schade das es personale gab, die sich einen Ast freuten, wenn Eisenbahnfans verärgert die "verhüllte" Lok erkannten und fluchten. Nur hatte das Personal auch nichts davon. Ich schaue mal, ob ich hier einen besseren Scan habe.


    Es wurde in Görlitz nicht nur an einer anlage vorgeheizt, nein auch mobil wurde geheizt, entweder direkt im Bahnhof oder in der Abstellanlage. Dann wurden die Züge mit der Hzl noch in den Bahnhof rangiert. Nach dem Ende des Planeinsatzes noch eine tolle Geschichte, die wir sehen mussten.


    Von Bautzen aus wurde auch die Bahnstrecke nach Weißenberg bedient, die 52 8010 hat hier auch einen langen Zug am Haken und erklimmt die Steigung aus dem Spreetal.


    Zum Schluss noch ein Blick in die EST Pethau am Abend, 52 8016 hat ihre Vorräte ergänzt und rollt nun runter zum Bahnhof.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

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  • @Thomas

    Immer wieder herrlich Deine Beträge zu lesen. Nun aber eine Frage, die eigentlich nicht hierhin gehört, ansonsten bitte verschieben.

    Gibt es eine Aufstellung von Depot-Standorten - heisst in Deutschland glaube ich Lokeinsatzstelle- und/oder Lokführerstandorte mit deren Einsatzrayon?


    Es grüsst Pesche

  • Du meinst eine Übersicht zu Bahnbetriebswerken und Einsatzstellen.


    Die gibt's, muss ich aber mal schauen.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hammer, genial! Da bin ich als gebürtiger Löbauer kurz mal in meine Kindheit versetzt worden als ich auf der Brücke genau wie du dastandest und den Loks bei der Arbeit zusahst. Bei mir war es aber eher der rechte Teil der Brücke der mich faszinierte weil da noch rege Rangiertätigkeit herrschte. Das einzige wo du dich wahrscheinlich etwas vergaloppiert hast ist die Strecke Bautzen-Weißenberg, Weißenberg ist glaube ich schon in den 70er Jahren von der Bahn zwangsbefreit worden, die Strecke ging glaube ich bloss noch bis Baruth und war eingleisig. Danke für die grandiosen Bilder Thomas!!!

  • Hallo Zusammen,


    leider war ich noch nie in Löbau. Fehler, ich weiß...


    Das sehr markante Gebäude neben dem Bw, ist/war das eine Mühle oder vielleicht auch Mälzerei?


    Liebe Grüße,

    Peter

  • Hallo Peter, da müsste uns Tulit helfen können. Ich tippe ja auf Mälzerei.

    Diese waren ja wie Zuckerfabriken im osten schon sehr antiquiert.


    Und TuLit hat recht, ich meinte nicht den Endpunkt Weißenberg, sondern die strecke, nur ist mir nicht mehr bekannt, wie weit diese in den 80ern noch reichte.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo Thomas,

    auf dem 4. Foto von Dir ist im Hintergrund eine Brücke zu sehen, auf der ich viele Stunden meiner "Jugend" verbracht habe,

    wenn ich meine Oma im "Osten" besucht habe ... als "West-Berliner" war das immer ein Erlebnis !

    Auch ich hatte mal das Glück in Pethau ins BW schauen zu dürfen ...


    Gruß Mario

  • Hallo Mario,

    die Brücke war legendär und viel auf die Strecke konnte ich nicht. Ich fand das Jugenstilgeländer ja so einmalig.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas