Harz. Kaiserwetter. 31.03.2021.

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    Hallo Zusammen,


    wenn mir vor drei Jahren jemand prophezeit hätte, daß ich einmal insgesamt 540 Kilometer Auto fahren würde, nur um zwei Stunden mit einem Halberstädter zu fahren, hätte ich rhythmisch mit dem Zeigefinger an die Stirn getippt.

    Aber vorgestern habe ich genau das gemacht. Freilich auch noch andere Sachen im Harz erledigt, aber dazu später mehr.

    Es hatte sich ein gewisses 'Decke auf den Kopf fallen und - ja - eine deutliche Sehnsucht zum Harz bei mir entwickelt.


    Ich bin also kurz vor 6 Uhr losgefahren mit dem Ziel Wernigerode Westerntor, Parkplatz 'Am Waldhofbad', um Zug 8925 in Form von 187 017, Abfahrt 10:29 Uhr zu erreichen.

    Das Ding war knackevoll, konnte den letzten Sitzplatz gerade noch ergattern. In Hasserode stiegen noch weitere Wanderer zu, ebenso an der Renne, wo aber schon ein Fahrgastwechsel erfolgte. Wie ein Schulbus brummten wir bei schönstem Wetter nach Drei Annen-Hohne, wo Wasser genommen wurde. Ähm, bei mir. Das gute Blankenburger...






    Gleis 3 sieht so aus:




    Ohne Worte, wie so viel an diesem Tag ;(


    Über eine mir fast völlig fremde Strecke ging es nach Schierke. Ich bin lange nicht auf der Brockenbahn gefahren. Das Einzige, was ich erkannt habe, war der Steinbruch Knaupsholz.



    Im Hintergrund ist ein neugebauter Bachdurchlaß zu sehen.


    Impressionen aus dem nun offen wie auf einer Alm daliegenden Bahnhof Schierke:






    Kleines Spielchen, aber ohne Freude daran...:



    Weder Kanada, noch Norwegen, immer noch Schierke:



    Nach ungefähr einer Stunde dann um 12:24 Uhr die Talfahrt.






    Wenn die Borkenkäfer-Kalamität EIN Gutes hatte: Man hat jetzt eine unglaubliche Aussicht!



    Es grüßt das Kalkwerk Hornberg an der Rübelandbahn.



    Wieder ist Drw erreicht. Es schmerzte mich sehr, daß Areal SO zu sehen. Wenn nicht ... wäre, hätte man hier vor Menschen nicht mehr atmen können, bei DEM Wetter und Datum... :kaffee:




    Weiter geht's. Wer erkennt die Stelle? Bei meiner Familie heißt es 'Am Waldbrand'.



    Dort ist es jetzt "invers". Wo vorher eine kahle Stelle im Wald war, ist jetzt eine regelrechte Wald"insel". Verrückt.



    So, hier endet der erste Teil. Bald geht's weiter.


    Liebe Grüße,

    Peter

  • Hallo Peter,

    ich bin schon gespannt auf den Fortgang des Berichtes.

    Endlich mal jemand, der extra und unbedingt mit einem Halberstädter fahren wollte, das Fahrzeug auch entsprechend würdigt und dafür sogar eine weitere Anfahrt in Kauf nahm. . Meistens liest man hier ja nur, dass das Sitze unbequem sind und... und.. und.. Dabei ist das ja wohl persönliches Empfinden der jerweiligen Hintern, meinem gefällt der 187 015 nicht so. Aber die Klappsitze im Halberstädter sind ja nun wirklich weich.

    Das sind schöne Fahrzeugfotos, über die Waldfotos lasse ich mich nicht aus. Da liege ich (zumindest was den Borkenkäfer betrifft) nicht auf der offiziellen politischen Linie meiner Landesregierung von Sachsen-Anhalt.


    cu

    Hans-Jürgen

  • So, es geht weiter an der bekannten "Waldbrand-Fotostelle", die nunmehr völlig anders aussieht.




    Im Drängetal



    Also daran scheitert eine Wiederaufnahme des Dampfbetriebes erstmal nicht:



    EinTreffen an der Einsatzstelle Wernigerode



    Wer mich kennt, weiß, daß ich ein optimistisch denkender humorvoller Mensch bin, aber hier hätte ich gerne Schwarz gesehen! ;):(


    Ich blinzelte durch die Scheiben des Lokschuppens und schemenhaft zeichnete sich '99 6001' ab. Seht selbst, was mein Samsung A40 daraus gemacht hat:




    Daraufhin habe ich die bekannte Aussichtsplattform auf dem Öllager bestiegen. Dabei sind Stillleben ohne Leben entstanden.






    Es kam dann ein Abellio-LINT aus Richtung Ilsenburg eingerasselt, davon habe ich aber kein Foto. Augenblicklich danach quietschten Bremsen und es war ein grollendes Hämmern ('Nageln' ist hier irgendwie nicht angemessen) zu hören. Na das kann doch niemals der PowerPack des LINT sein, eine 232? Also schnell um die Ecke, es war das hier, als Beifang doch ganz nett...:



    Optisch und auch akustisch läßt der Tiger keinerlei Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit aufkommen!



    So, nun zurück zum Westerntor, aber vorher noch in die Bahnhofsbuchhandlung. Dort habe ich etwas Passendes für diesen Tag erstanden. Seht ihr im letzten Bild.


    Unterwegs noch dieses Bild der neuen Dampflokwerkstatt, dort stand die Sonne denkbar ungünstig.



    Das Gelände ist abgesperrt und daran habe ich mich gehalten, auch wenn Türen und Tore verlockend offen standen.


    So, das war meine Defizit-Depression-Sehnsuchts-Reise in den Harz.

    Es hat gut getan. Auch ohne Dampflok, ob ihr es nun glaubt oder nicht. Nur das Genießen der Fahrt durchs Drängetal und Hasserode und nochmals das berühmte 'TokTok' zu hören...


    Schon sehr lange wollte ich den in Tanne ansässigen Brockenbauer Thielecke besuchen, der sich um die Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Rinderrasse 'Harzer Rotes Höhenvieh' verdient gemacht hat und mit seiner Familie einen gut funktionierenden Landwirtschaftsbetrieb mit Hofladen und Restaurant betreibt.

    Das hat auch endlich geklappt.


    Vorher habe ich mich aber noch bei der Landfleischerei Wasserleben im NP-Markt in der Friedrichstraße mit weiteren Harzer Spezialitäten eingedeckt.

    Dann ging es über Tanne nach Hasselfelde, wo ich in einem Getränkemarkt noch Colbitzer Pils vorbestellt hatte.



    Welches alte Ladegleis ist das denn?



    Leider kein altes Ladegleis. Es ist das Bahnsteiggleis! ;(:wall1:



    Einerseits war es ein schöner Harztag, andererseits aber auch sehr beklemmend. Bahnhof Hasselfelde und die Einsatzstelle so zu sehen, das hat mich auch emotional berührt.


    Wird Zeit, daß dieser unwirkliche Spuk ein Ende findet.


    Man muß ja nicht sofort die Brockenbahn öffnen. Aber den Nordhäuser und Gernröder Dampfumlauf könnte man doch fahren. Vielleicht noch einen Umlauf von WR nach Nordhausen mit Kreuzung in Benneckenstein. Das sollte doch möglich sein. Siehe Sachsen.


    Es waren viele Bilder, vielleicht hat es euch gefallen.


    Übrigens: Direkt neben dem Bahnhof Hasselfelde hat eine sehr empfehlenswerte Fleischerei aufgemacht!

    Fleischerei 'Am Bahnhof'!


    Und so kann man den Tag SO zusammenfassen :zwink::wink: :




    Ich wünsche euch allen ein schönes Osterfest, bleibt gesund und laßt euch trotz Allem gute Laune und Humor nicht nehmen!


    Liebe Grüße,

    Peter

  • Hallo Hans-Jürgen,


    Danke für die Rückmeldung.


    Na ja, ein großer Fan bin ich nicht davon. Ein Fischstäbchen hätte ich vorgezogen.

    Ein Plus der Halberstädter ist natürlich die Möglichkeit, die Fenster zu öffnen.


    Aber allem hätte ich einen Dampfzug vorgezogen! :kaffee:


    Peter

  • Guten Abend Peter,


    Danke für die bildliche Mitnahme durch einen Teil des Harzes. Das Waldsterben im Harz, nimmt ja dort schon sehr bedenkliche Ausmaße an. Bei meinem letzten Besuch vor Ort, sah man zwar auch schon ein Waldsterben, aber nicht in diesem Ausmaß.

    Die Bilder der leeren Bahnhöfe und Bahnsteige stimmen einen schon traurig.

    Nach den vielen Kilometern, die Du am 31. März unterwegs warst, hast Du Dir das Bier, die Wurst und das Buch redlich verdient. In diesem Sinne, Prost und guten Appetit.


    Schöne Ostertage allen.


    Gruß

    Norbert

  • Vielen Dank für den aktuellen Zustand im Harz. Alles wirklich sehr schöne Fotos,aber mich stimmen ehrlicherweise die Anblicke vom Zustand der Wälder sehr nachdenklich und auch traurig. Dazu kann man nur noch sagen,das der Wald Todkrank ist,oder mit anderen Worten,es ist 5 vor 12!!!!

    Nachdenkliche Ostergrüße aus dem Zittauer Gebirge,Maik

  • Vielen Dank für den aktuellen Zustand im Harz. Alles wirklich sehr schöne Fotos,aber mich stimmen ehrlicherweise die Anblicke vom Zustand der Wälder sehr nachdenklich und auch traurig. Dazu kann man nur noch sagen,das der Wald Todkrank ist,oder mit anderen Worten,es ist 5 vor 12!!!!

    Nachdenkliche Ostergrüße aus dem Zittauer Gebirge,Maik

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  • Vielen Dank Peter, für die Mitnahme auf Deiner Harztour, die in vielerlei Hinsicht in einigen Jahren als historisch bemerkenswert gelten wird, angesichts der C bedingten Umstände.


    Mich hat besonders der Zustand des Waldes erschüttert. Als wir vor ca. zehn Jahren das letzte Mal in Drei Annen Urlaub gemacht haben sah es da noch ganz anders aus, und so hatte ich das bis heute in Erinnerung.

    Das da der eine oder andere Kahlschlag war hatte ich schon mehrfach gehört, aber das es so schlimm aussieht ...


    Ja, es gibt da nunmehr viele neue Blickachsen, natürlich auch auf die Bahn, aber in solch einem Umfeld sind dann die Bahnmotive auch nicht so prickelnd.

    Alles ziemliche Sch...e!


    Wie auch immer, es wird für mich wieder mal Zeit den Harz zu besuchen um auf dem Laufenden zu sein und die Erinnerungen mit der Realität abzugleichen.


    Übrigens schön zu sehen, wie weit die neue Dampflokwerkstatt der HSB gediehen ist.


    Viele Grüße


    Ralf

    Viele Grüße aus dem Süden - Ralf

  • Hallo zusammen,


    wir im Westerwald sind der Zeit wie immer ein wenig voraus :frech::smash: Das war beim Touristen-Sterben so und geht beim Baumbestand weiter......hoffentlich nicht auch bei der Einstellung der Schmalspurbahn....

    Bei uns hat das große Baumsterben schon etwa 2 Jahre früher beognnen und die gerodeten Flächen dürfen wir hier schon etwas länger bestaunen. Daher kann ich aber auch einen vielleicht etwas positiveren Ausblick wagen: ich war erstaunt, wie verdammt schnell solch eine gerodete Fläche wieder Form annimmt und nicht nur von Brombeerhecken zugewuchert wird - das war meine Befürchtung. Natürlich wird man den Kahlschlag noch Jahrzehnte lang sehen, aber so gräßlich wie derzeit bleibt es - von Fläche zu Fläche - nicht sehr lang.

    Auf lange Sicht gesehen: ich persönlich mag Nadelbäume nicht besonders und sie gehören in der Menge auch einfach nicht hierher. Wenn die HSB in 10 Jahren noch fährt, wird der Harz für mich interessanter, als er es vor dem Sterben für mich war.

    Aber natürlich ist das für den, der den Harz so liebt wie er war, hart.

    Bei uns würde ich sagen: dort wo es schon wieder nachwächst, hat der Wald jetzt schon dazu gewonnen. Optisch und ökologisch.


    Viele Grüße,

    Lenni

  • Moin Lenni,


    die Erfahrung habe ich im Harz auch schon im letzten Jahr gemacht. Da wo schon ein Jahr vorher die Bäume fehlten, fing das Unterholz schon langsam wieder an, sich zu entwickeln. Da wo gerade gerodet war, sah es natürlich wüst aus. Das ändert sich aber wieder. Wenn man mal alte Bilder von vor 80-100 Jahren anschaut, da waren auch viele Flächen bzw. Hänge im Harz gerodet und ohne Bäume. Heute sind diese Flächen entweder "noch" bewaldet oder "schon wieder" kahl. Es ist also ein steter Wandel.

    Kopf hoch und frohe Ostern an Alle.

    Johannes