Harz. Kaiserwetter. 31.03.2021.

  • Hallo Leute,


    Waldsterben u. Borkenkäfer sind ja nun nichts neues, auch wenn das heute oft so dargestellt wird.

    Meine Großeltern berichteten mir oft von dem großen Waldsterben wegen Borkenkäferbefall im Thüringer Wald nach dem zweiten Weltkrieg. Damals war vor allem der mittlere Thüringer Wald um Schneekopf u. Großen Beerberg großflächig betroffen.

    In ganz Thüringen wurden Leute zwangsweise zum Aufräumen in den Wald geschickt.

    Das befallene Holz mußte schnellstmöglich aus dem Wald geschafft werden.

    Der Umgang mit der Katastrophe war damals halt ein anderer.

    Das muß wohl um 1948/50 gewesen sein. Heute gibt man im Harz dem Borkenkäfer den Kosenamen "Borki".

    Anfangs habe ich mich darüber auch noch aufgeregt, heute ist es mir völlig Wurscht ...

    Wald oder nicht Wald ... jede Generation sollte über ihre Zukunft selbst entscheiden.


    Gruß Holger

  • Hallo Zusammen,

    Natürlich wird man den Kahlschlag noch Jahrzehnte lang sehen, aber so gräßlich wie derzeit bleibt es - von Fläche zu Fläche - nicht sehr lang.

    Da wo gerade gerodet war, sah es natürlich wüst aus. Das ändert sich aber wieder.

    so ist es. Ich habe es schon einmal hier im Forum geschrieben. Wir verlieren den FICHTENwald, nicht DEN WALD. Es bleibt ja mitnichten nur blanker Fels zurück. Die Mondlandschaft rund um Schierke und Drei Annen-Hohne wird schon in 2-3 Jahren beginnen, wieder anders auszusehen. Wir müssen das jetzt durchstehen, auch wenn es schwer ist.





    Blick auf Straße und Harzquerbahn bei Drei Annen-Hohne.


    Ja, es gibt da nunmehr viele neue Blickachsen, natürlich auch auf die Bahn, aber in solch einem Umfeld sind dann die Bahnmotive auch nicht so prickelnd.



    Einfahrt Drei Annen-Hohne.


    Auch von hier aus gesehen vor Elend, in dem engen Linksbogen unterhalb der Straße, sieht es völlig anders aus und dort sind neue Fotomotive entstanden. Das konnte ich aus dem Auto sehen.


    Jetzt heißt es, einen langen Atem zu haben.


    Liebe Grüße,

    Peter

  • Ich komme mit dem Anblick ganz gut zurecht. In unserer Gegend sieht es teilweise nicht besser aus. Es ist aber erstaunlich wie schnell der gesamte Boden wieder grün sein wird.

    Noch wichtiger ist der Startschuss für den Bahnbetrieb, die Natur kümmert sich selbst wenn wir sie mal lassen würden...

  • Hallo miteinander,


    als die Fichten-Monokulturen im Harz (und das gilt prinzipiell auch überall anderswo) noch standen, war der Waldboden darunter auch tot und unbelebt. Oben in 25 m Höhe die grünen Kronen, und darunter absolut nichts - kein Unterholz, keine Krautschicht, keine nennenswerten Lebensräume und Versteckmöglichkeiten für diverses Wild, sondern nur streichholzartige Holzststangen und darunter ein lebloser, bodensaurer Nadelteppich, der allenfalls für einige Pilzsorten eine Lebensgrundlage war.


    Das Gejammere mancher Zeitgenossen um den Verlust des angeblich ach so tollen Harzer Waldbestands kann ich insofern überhaupt nicht nachvollziehen!


    Der Borkenkäfer wütet ja nicht erst seit 2020, und es gibt schon genügend Flächen, die seit mehreren Jahren fichtenlos sind, aber keinesfalls leblos. Genau das Gegenteil ist der Fall! Wer diese Flächen aufmerksam beobachtet, wird schnell feststellen, dass sich hier eine Artenvielfalt entwickelt, die es vorher so überhaupt nicht gab. Das gilt gleichermaßen für Flora und Fauna. Auch z. B. der Luchs als "der" prominente, wieder angesiedelte Harzbewohner schlechthin, findet hier viel mehr und viel bessere Lebensräume als vorher.


    Derzeit sieht das nach den Rodungen und Entfernung des Totoholzes in den letzten Monaten zugegebenermaßen alles sehr wüst, leblos und fremd aus. Die Jahreszeit, in der die Vegetation ohne Grün ist, und die von der Sonne ausgetrockneten Böden verstärken diesen Eindruck noch ungemein.


    Trotzdem mache ich mir da wenig Sorgen, im Gegenteil: ich bin mir sicher, dass wir bereits in 10 - 20 Jahren dort etwas im Entstehen vorfinden werden, was die Bezeichnung "Wald" auch wirklich verdient (zumal in einem Nationalpark). Es wird sich dort ein junger Pionierwald entwickelt haben, der - da sich selbst überlassen - sich automatisch auch dem Klimawandel anpassen wird, da nur die standortgeeigneten Baumsorten sich etablieren können und nicht zwanghaft irgendwelche ungeeigneten Hölzer dort angepflanzt werden.


    Wald ist, wie hier schon mehrfach angemerkt wurde, ein Generationenwerk. Das gilt auch in dieser Hinsicht, denn die "fertige" Entwicklung hin zu einem natürlichen, standortgeeigneten Mischwald werden wir alle definitiv nicht mehr erleben, denn wir befinden uns eben im Anfangsstadium dieses min. 80 - 100 Jahre andauernden Prozesses.


    Und noch was zum Tourismus: dass diese in großen Teilen zutiefst verkrustete und am Alten hängende Branche mit dem Wandel des Waldes nicht zurechtkommt, ist ein Problem der Tourismusbranche und nicht des Waldes! Würde man seitens der dort verantwortlichen das Thema proaktiv angehen, könnte man sogar davon profitieren. Dazu, nämlich zu modernem Denken, ist aber die Tourismusbranche im Harz bekanntermaßen nicht in der Lage - man setzt z. B. weiter auf gigantische, Natur zerstörende und wenig klimafreundliche Wintersportprojekte bzw. jammert noch lauter, wenn diese sich erfreulicherweise zu zerschlagen beginnen (Stichwort: Schierker Winterbergprojekt).


    Soweit mein ganz persönliches Statement dazu. Mich wird das Verschwinden der Fichte von weiteren Harzbesuchen jedenfalls nicht abhalten, im Gegenteil: ich werde es spannend finden, dem neu entstehenden Naturwald in seiner Entwicklung zuzusehen.


    In diesem Sinne, frohe Ostern Euch allen!


    Beste Grüße aus dem Bergischen Land


    Thomas

  • Hallo,

    Zitat

    als die Fichten-Monokulturen im Harz (und das gilt prinzipiell auch überall anderswo) noch standen, war der Waldboden darunter auch tot und unbelebt


    Schon irgendwie komisch, das ich teilweise zwischen Fichten Heidelbeeren gesammlt habe und manchmal sogar Rehe beobachten konnte, Büsche sah, Moos fand usw. usf. So kann man das auch nicht sagen, nicht alle Flächen waren mit diesem total dichten Fichtenwald bewachsen der unten auf dem Waldboden so gut wie kein Leben zuließ. Man hat auch ausgelichtet.

    Und ich finde es immer wieder schön, wie man sich über die Monokultur aufregt. Kann es sein, dass die Leute vor x-Jahren es nicht besser wußten?

    Wissen wir heute genau, ob man den wilden Mischwald in einigen (vielen) Jahren auch nicht so gut findet? Zumindest wachsen dann ja auch einige Baumarten, deren Holz nicht unbedingt brauchbar ist. Auch kein Problem, nehmen wir einfach mehr Kunststoff zum bauen... Kann es sein, dass dort wo der Wald stand auch besser Wasser im Boden gehalten wurde? Für einige Zeit dürfte das jetzt wegfallen.... Und wieso hat man plötzlich im Harz Angst vor Waldbränden, die wohl ähnlich über die Gegend hinwegfegen würden wie anderswo.

    Klar , es ist so und man wird dazu nicht viel ändern können, aber aus lauter Naturfreude sich über den Borkenkäfer seitens des Nationalparks zu freuen ist es auch nicht. Dann könnte man ja gleich noch mehr Schädlinge importieren.

    Also so als das Gelbe vom Ei würde ich die Sache auch nicht sehen. Ähmm... Nehmen Bäume nicht auch Kohlendioxid auf und geben tagsüber Sauerstoff ab? Das fällt auch erstmal für einige Zeit weg, blöd, dass aber zur Zeit gerade das CO2 irgendwie besonders negativ ist.

    Richtig große Freude kommt allerdings in mir auf, dass das Seilbahnprojekt und der ganze andere Kram in/um Schierke gescheitert. ist.

    Schierke ist ein Ort, der seit Jahren von uns bei Harzausflügen gemieden wird, eben aus diesen ganzen touristischen Gründen und weil ein schöner Weg ja Fahrstraße zu einem Betonparkhaus werden mußte. .

    Nur was wollen denn viele Urlauber? Viele wollen Äktschen und finden es öde, einfach durch den Wald zu laufen. Bäume anschauen, wie blöd ist das denn?

    Und da muß dann eben solch "tolle Sache" wie der Müll um "Harzdrenalin" gebaut werden..... massenhaft Autoverkehr, Bäume müssen für zusätzliche Parkplätze gerodet werden usw. usf. Da regt sich aber keiner darüber auf.

    Tut mir leid, so wunderbar euphorisch begeistert kann ich über das Waldsterben nicht sehen. Könnte aber auch damit zusammenhängen, dass ich mir den Wald wohl auf Grund des Alters von unten anschauen muß, wenn er wieder dicht bewachsen ist.

    cu

    Hans-Jürgen

  • Hallo Allerseits,

    ich finde es Klasse, wie hier über das Thema Wald diskutiert wird.

    :thumbup:

    Und klar ist, daß die Natur, wenn man sie machen lässt, da wieder einen Wald entstehen lässt.

    Fahrt in den Bayrischen Wald und schaut Euch dort den Nationalpark an, dann kann man sehen, wie es in 20 Jahren im Harz aussehen kann....

    Die einzige Frage, die noch nicht befriedigend beantwortet ist, womit besetzen wir die Wirtschaftswälder angesichts wachsender Trockenheit?

    Fichte und Co. werdens nicht bringen, auch ein Teil unserer heimischen Laubbäume wird es nicht sein.

    Ich hoffe unsere Forstleute haben da eine gute Idee.


    Viele Grüße aus dem Süden

    Ralf

    Viele Grüße aus dem Süden - Ralf

  • Hallo Zusammen,


    vier Tage nach meiner Harzreise hat sich ein weiterer Dampflokfreund in den Harz begeben und die Triebwagentristesse dokumentiert.


    Ich konnte nur mit Fotos dienen, Steven Dampflokfan liefert nun


    bewegte Bilder.


    Ich empfehle Allen, die meinen Bericht betrachtet haben, auch diesen Film anzuschauen, denn die "neuen Realitäten", mit denen man sich im Bereich Drei-Annen-Hohne und Schierke wird arrangieren müssen, sind im Video noch weitaus eindrücklicher. Ebenso die grandiose Fernsicht zwischen DAH und Knaupsholz.

    Der Kollege hatte die gleichen Wetterbedingungen, im Gegensatz zu mir hat er den zweiten Umlauf gewählt.


    Gebt ihm auch einen :thumbup: , wenn es euch gefällt.


    Liebe Grüße,

    Peter

  • Hallo

    In Tharandt an der Forst UNI würden sie sich über euch als Dozenten bestimmt freuen.Und ganz nebenbei könnt ihr erfahren was Eisenbahntechnisch dort so los war oder ist. :kaffee:

    Gruß
    Harald a.F.