Rotten(kraft)wagen am Denkmal in Geyer?

  • Moin,


    Im Sommer 2000 führte mich der Sommerurlaub durch das Erzgebirge, unter anderem war ein Ausflugsziel damals das Denkmal der Verkehrsgeschichte in Geyer.


    Der Personenwagen wurde damals gerade neu gestrichen und war grau grundiert, das sah dann "von vorne" so aus:


    Auf diesem Bild sind natürlich auch die anderen bekannten Fahrzeuge zu sehen, neben 99 534 auch der Zugführerwagen und die beiden Rollwagen auf dem kürzeren Gleis links.

    Damals gab es aber auch auf der anderen Seite, schräg hinter dem Zugführerwagen, ein kurzes Gleisstück, auf dem ein uriges und komplett in Plane eingeschlagenes Fahrzeug zu sehen war, offenbar ein Dienstfahrzeug. Die Beleuchtung und Windschutzscheibe an der Front deuten für mich darauf hin, dass das "Gerät" wohl auch einen eigenen Antrieb gehabt haben dürfte:


    Leider habe ich zu diesem Fahrzeug bisher nirgends nähere Informationen gefunden, weder über Herkunft und Zweck, noch über den Verbleib, denn offenbar ist heute die fragliche Ecke freigeräumt. Ich vermute, dass es sich um eine Draisine bzw. eine Art kleinen Rottenkraftwagen, ggf. unter Verwendung von Gebrauchtteilen, handeln dürfte.


    Kann mich hier vielleicht jemand aufklären?


    Grüße

    Stefan

  • Das Fahrzeug befindet sich seit einigen Jahren im Lokschuppen Carlsfeld, gehört zwei FHWE-Mitgliedern privat und wird von diesen langsam, aber stetig und grundlegend restauriert.


    Das genaue Baujahr der Motordraisine ist, so weit ich weiß, nicht bekannt, sie ist aber vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut und besitzt einen Motor Baujahr 1938. Dieser Motor ist weder m/w/d, noch erfüllt er die Abgasnorm Euro 6d temp. Der Planenaufbau der Draisine wurde dem ursprünglich offenen Fahrzeug wohl in den 1950er Jahren hinzugefügt.

  • Hallo Holger,


    vielen Dank für die "Auflösung des Rätsels"! Schön zu hören, dass das Fahrzeug offenbar in guten Händen gelandet ist, und wir dürfen dann ja gespannt sein, wie es dereinst einmal den Carlsfelder Lokschuppen wieder verlassen wird. Die Sache mit dem Motor klingt spannend, aber nicht ohne Grund wurden ja bei vielen Fahrzeugen in den 50er/60er Jahren die Vorkriegsmotoren gegen neuere, standardisierte Bauarten getauscht.


    Auf jeden Fall ist den genannten FHWElern bei der weiteren Aufarbeitung viel Erfolg zu wünschen!


    Ein Baujahr in den 30er Jahren klingt durchaus plausibel, auch auf den Regelspurbahnen setzten sich die Motordraisinen ja erst ab Mitte/Ende der 20er Jahre durch. Und der Umbau in frühen DDR-Jahren passt auch zu den weiteren Rationalisierungsbestrebungen, zumal der Wetterschutz bei den frühen offenen Motordraisinen wohl eins der dringendsten Probleme darstellte.


    Ist eventuell auch bekannt, wo und bis wann dieses Fahrzeug noch im Dienst stand und wann es nach Geyer und später nach Carlsfeld gekommen ist?


    Grüße

    Stefan

  • Wann das Fahrzeug nach Geyer gekommen ist, weiß ich nicht, jedoch ein Foto vom Herbst 1977 zeigt die Draisine bereits dort am Denkmalszug mit 99 534. Da die ersten Fahrzeuge des Geyrischen Denkmalzuges (der Personenwagen 970-383 und der zweiachsige Packwagen 97-30-04) im Sommer 1970 nach Geyer gekommen sind und die Draisine 1977 schon dort war, ist sie also zwischen 1970 und 1977 dorthin gelangt, das kann man sich ausrechnen. Genauer weiß ich es nicht.


    So weit ich weiß, war diese Draisine tatsächlich der Bm Thum, stammte also aus dem Thumer Netz bzw. war dort im Einsatz.


    Auch, wann sie von Geyer wieder weg kam, müsste ich nachlesen, wobei ich jetzt unterwegs bin. Aus dem Kopf dächte ich, es war 2009. Sie war dann aber erst irgendwo an verschiedenen Zwischenorten gelagert, zeitweise auch mal im Bahnhof Schönheide Ost. Nach Carlsfeld ist sie frühestens im Frühjahr 2017 gelangt, könnte 2018 gewesen sein. Das ließe sich raus kriegen, Blick in die Unterlagen, aber nicht jetzt.

  • Super, herzlichen Dank nochmal für die Details!


    Mindestens 35-40 Jahre Einsatz sind für so ein "Urgetüm" von Fahrzeug ja auch schon eine ganze Menge, und dass natürlich nicht alles detailliert bekannt ist, ist ja (leider) bei Dienst- und Nebenfahrzeugen recht typisch.


    Grüße

    Stefan