Modernisierung der Woltersdorfer Straßenbahn

  • Das Forum hier hat sich nach der Bimmelbahn benannt.

    Es gibt also sicherlich viele leidenschaftliche Eisenbahn-Kaputte, welche sich hier tummeln.

    Da sie das Alte und die Nostalgie lieben. Irrational. Mit viel Liebe. Zu einem toten Gegenstand, den sie als lebendig erleben.


    Und das ist auch gut so.

    Sonst würden viele Relikte (bestehende Schmalspurbahnen, Museumsbetriebe etc.) heute nicht mehr existieren.

    Ohne Leidenschaft - kein Erhalt.


    Dass der Beitragsgründer in seinem Anfangsartikel vielleicht ein bissel arg emotional war: Ja, das stimmt.

    Er hat dabei jedoch keine konkrete Person beleidigt. Einfach nur in einem Allgemeinrundumschlag über's Ziel hinaus geschossen.

    Die folgenden sachlichen Gegenargumente sind schlüssig. Und nachvollziehbar.

    Die Woltersdorfer Strassenbahn liegt wohl mehr im Bereich "echter ÖPNV" als "Tradition und Touristik".

    Okay, das wurde mittlerweile halbwegs sachlich ausgehandelt.


    Aber: Die zuhauf geschriebenen, sehr persönlichen Beleidigungen an eine einzelne Person disqualifizieren den jeweiligen Schreiberling.

    Und den Sinn dieses Forums. Bei mir setzt da hochgradiges Fremdschämen ein.

    Insbesondere, da wir (Modell-)Bahner uns eigentlich immer als etwas Besseres definiert haben.

    Der heute Mittag zu Recht schnell gelöschte Thread (dickes Lob an die Admins) zu "Abellio, Billig Billig Billig" war auch wieder ein hässliches Beispiel mit einer sehr verletzenden Gegenreaktion gegenüber viereka


    Warum muss die Gegenmeinung häufig einhergehen mit der "digitalen" personenzentrierten Vernichtung des Menschen,

    welcher die andere Meinung zu Beginn in den Ring warf?


    Könnt' Ihr Euch annähernd vorstellen (Stichwort: Alle auf Einen!!), wie sich der ansonsten sehr geschätzte G.Holst derzeit fühlt?


    Der Umgang mit Social Media will gelernt sein - und zwar nicht nur bei der jüngeren Generation, sondern auch bei den älteren Jahrgängen!

    Beste Schmalspurgrüße aus dem Spreewald

    Christoph

  • Der Umgang mit Social Media will gelernt sein - und zwar nicht nur bei der jüngeren Generation, sondern auch bei den älteren Jahrgängen!

    Welch wahren Worte die vielleicht von uns ALLEN beherzigt werden sollten?


    Ob das allerdings unter folgender Prämisse funktioniert:


    Zitat von merane

    "Insbesondere, da wir (Modell-)Bahner uns eigentlich immer als etwas Besseres definiert haben."

    Ich meine Nein! Bzw. verstehe nicht, was den Modellbahner aus der Masse der das Eisenbahnhobby in verschiedenen Facetten Betreibenden heraus heben soll.

    Gruß von Niels, der diesen Beitragsbaum weiterhin interessiert beobachtet...

  • vor allem: Barrierefreiheit betrifft ja auch Mutter mit Kinderwagen; Leute, die große Einkäufe getätigt haben oder Sperriges schleppen müssen etc . Natürlich ist es schön, wenn sich Menschen untereinander helfen, aber warum nicht einfach generell allen eine Vereinfachung zukommen lassen?


    Hallo,


    Barrierefreiheit ist das, was nun eben Gesetz ist und nicht mehr diskutiert werden muß.


    Aber eindeutig "nur gut" ist das eben auch nicht. Nur darauf will ich hinweisen, bevor es heißt, das "heutige" oder neue ist immer ausschließlich ein Vorteil.

    Vorteil für "MER" und allgemein faule oder dumme Menschen (das ist nicht der selbe Atemzug! - und dumm meint Leute, die z. B. in riesigen Rollkoffern viel mehr Gepäck transportieren, als sie bei Bedarf oder Notwendigkeit tragen können (die machen sich dadurch selbst zum MER!) und gemäß Beförderungsbestimmungen in Verkehrsmitteln mitnehmen dürfen) ist eben nicht ohne erhebliche Nachteile machbar. Es ist inzwischen baulich und konstruktiv machbar, aber zu einem sehr hohen Preis.

    Ein Teil des Preises besteht aus mangelnder Robustheit gegen Wetter (im Winter stellen Straßenbahnen inzwischen bei Bedarf für alle (auch für systemrelevante Nicht-MER) die Dienstleistung ein), weil baulich niedrige Fahrzeugkästen eben schon mit geringen Schneehöhen nicht zurecht kommen. Die Freihaltung der (nicht nur direkt umliegenden) baulichen Anlagen von MER-feindlichen Bedigungen ist bei entsprechendem Wetter sowieso Makulatur. Einfache und damit kostengünstige Anlagen in Orten wie Woltersdorf sind damit passé, auch so etwas einfaches wie Einsteigen von der Straße usw.. Die Konstruktionen von Fahrzeugen und dem ganzen Umfeld nach heutigen Maßstäben sind (besonders für Kleinbetriebe) inzwischen so teuer, daß die Fragestellung "wollen oder können wir uns das leisten" immer wieder gestellt und öfter auch mal mit Nein beantwortet werden wird (da werden wir uns noch wundern, wo es so ganz unerwartet "knallt"). Umso besser, wenn es in Woltersdorf gelingt, die zuletzt aufgestellte Klippe zu überwinden.

    Ebenfalls kommt kein modernes Fahrzeug mit der Stromrechnung des simplen Zweiachsers aus. Und der ganze EDV-Mist heutiger Fahrzeuge kostet auch erheblich mehr, als es eine Mehrheit wahrhaben will; das begrenzt sogar die technische Lebensdauer der Fahrzeuge durch Mangel an elektronischen Ersatzteilen oder kompatibler Software.


    So, bin schon fertig mit einem Teil meiner Gedanken dazu.

    Gruuß

    217 055

    Einmal editiert, zuletzt von 217 055 () aus folgendem Grund: einzelne Worte geschliffen

  • Hallo, ich nochmal...

    Vor einigen Jahren war ich mit meiner Frau in Prag- einer Stadt mit einem hervorragend ausgebauten Nahverkehrsnetz. Dennoch haben wir sämtliche, für uns interessanten, Sehenswürdigkeiten zu Fuß besucht... und zwar aus dem Grund- weil die Straßenbahn bis auf Ausnahmen eben nicht barrierefrei ist. Das betrifft sowohl die Haltestellen als auch die Wagen... Dabei bin ich ein ausgemachter Fan der CKD- Wagen T3/T4. Wir sind also vom Namesti Republica zum Veitsdom gelaufen, bzw. ich habe den Rollstuhl über Karlsbrücke und Strachow- Kloster bis zum "Goldenen Gäßchen" geschoben...

    Gleiches gilt auch für die polnischen Betriebe- bei denen noch überwiegend 105Na unterwegs sind- auch hier bin ich ein großer Freund der "Akvarium"...


    Hallo Christian,


    ich denke, daß ich verstanden habe, worauf Du hinweisen willst.

    Aber die "einigen Jahre" müssen doch schon eine ganze Weile her sein. Auch in Prag besteht die Flotte der Straßenbahn inzwischen zu mindestens 70% aus Niederflurfahrzeugen oder Fahrzeugen mit Niederfluranteil. Freilich, das Fahrzeug allein ist eben noch lange nicht barrierefrei, wenn es das Umfeld nicht ist. Andererseits wird mir körperlich übel, wenn ich mir (zumindest europaweit) durchstandardisierte barrierefreie Anlagen in allen Städten vorstelle, die durch die absolute Forderung auf örtliche Bedingungen kaum oder keine Rücksicht nehmen.

    Gruuß

    217 055

  • tja es gibt eben zwei Möglichkeiten mobilitäts eingeschränktn Personen einen vereinfachten Zugang zu ermöglichen:

    Niederflurfahrzeuge


    oder eben Hochbahnsteige

    Was in Woltersdorf das Straßenbild weniger negativ beeinflusst, das überlasse ich euch zu entscheiden.

    Solange die alten Fahrzeuge eben auch erhalten werden oder man sie für Sonderfahrten mieten kann ist doch alles gut.

  • Moinsen,


    PKP-modelarz Zu Deinem 1. Beitrag, ich kenne jede Menge - mich eingeschlossen - die wenn sie an der Strecke Bilder machen, sich auch eine Fahrkarte kaufen. Sollte eigentlich selbstverständig sein - ansonsten sauber geschrieben!

    Der Oschatzer Saarsachse

    IV K - Fan

  • Eckhard

    Hat den Titel des Themas von „Traurige Nachrichten.. Die Woltersdorfer Straßenbahn braucht dringend unsere Hilfe!“ zu „Modernisierung der Woltersdorfer Straßenbahn“ geändert.
  • Hallo Kollegen,

    die Forderung nach Barrierefreiheit ist doch nur zur Teilhabe eines immer größer werdenden Bestandteils unserer Bevölkerung geschuldet. Hier geht es auch nicht um die Zerstörung von "Kulturgut" sondern um die Erfüllung eines realen Bedarfes. Es bedeutet auch nicht, daß die alten Wagen dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden. Der eine oder andere wird sicherlich für Sonderverkehre erhalten bleiben. Aber Nahverkehr ist doch keine nostalgische Veranstaltung für einige, wenige Amateure! Ich vermute mal, daß die Fahrgäste in der Überzahl sind. Und denen ist es primär wichtig, einigermaßen komfortabel ans Ziel zu kommen. Und dazu gehört nun auch einmal das Ein- und Aussteigen. Und das nun mal mit Niederflurwagen leichter zu erreichen. Hochbahnsteige bringen bei Gotha- und Rekowagen nicht allzuviel. Es bleiben ja immer noch die Türnischen mit ihren unfallgefährdenten Schächten. Abgesehen davon ist der Fahrkomfort der Rekowagen mehr als fragwürdig. Auch ist der historische Wert nach den ganzen Modernisierungen als eher niedrig einzustufen. Welcher von den Gothawagen hat noch die Deckleisten auf der Beblechung oder die Aluminiumzierleisten...

    Abgesehen davon, mit modernen Fahrzeugen kann man die Fahrzeiten und den Energieverbrauch optimieren.


    Sicherlich gibt es auch unter den Fans solche, die wenigstens einmal die Bahn nutzen. Aber das ist eine Minderheit.

    Viel häufiger habe ich erlebt, daß herumgemeckert wird, daß die Wagennummer nicht aussieht, wie neunzehnhunderteinundleipzig. Das aber mittlerweile eine Hochketten- statt der Einfachfahrleitung mit Wandrosetten montiert ist, die Straße asphaltiert und mit moderner Kreidung statt Kopfsteinpflaster gepflastert ist, wird geflissentlich übersehen. Ja selbst die Mode entspricht nicht mehr der Entstehungszeit.

    In Strykowo (an der Strecke Poznan--Wolsztyn) habe ich einmal erlebt- daß ein Eisenbahn"freund" eine Reisende "aus dem Motiv" "komplimentiert" hat- da sie zeitgenössisch (also eher knapp) bekleidet war... Die Satellitenschüssel wurde akzeptiert.


    So lange ist die Reise nach Prag noch nicht her. Es war im Sommer 2018- bis auf die Klapperschlangen und die Pragoimex- Wannen gab es noch die Tatra-Kurzgelenkzüge mit Niederflurteil. Zudem waren die Haltestellen nur teilweise barrierefrei ausgebaut. Der sich daraus ergebende, logistische Aufwand war uns dann zu groß. So sind wir dann gleich mit "Gebrüder Benekes" durch Prag gereist.

    Dadurch haben wir einige interessante Stellen, abseits der Touristenrouten, entdeckt. Auch ein paar Kneipen- in der vielleicht schon der Schwejk sein Bier gehabt hat. Dort gab es dann auch Knedlicy s vejsem- ein typisch böhmisches Resteessen.

    Auch habe ich DAS Prager Straßenbahnmotiv- die Durchfahrt an der Kirche- ohne zu suchen gefunden. Das dort eine Kneipe war- umso besser. Ein kühles Bier- eine Wurstplatte mit Senf und sauren Gurken. Und dazu alle naselang Straßenbahnen...


    Viele Grüße

    Christian

  • Viele sachliche Pro- und Gegenargumente in diesem Beitragsstrang sind gut argumentiert und schlüssig.


    Bei der Thematik "besserer Energieverbrauch durch Modernisierung" würde ich aber ein grosses Fragezeichen anhängen:


    Die Gesamt-Energiebilanz, wenn man alte durch neue Fahrzeuge ersetzt, muss schon ab der Herstellung gerechnet werden

    (Ressourcenverbrauch, Energie und C02-Ausstoss für Produktion und Transporte etc.).

    Zumeist sind die neueren Fahrzeuge auch grösser, mit Klimaanlagen und weiteren neuen elektrischen Verbrauchern ausgerüstet.

    Der Wenigerverbrauch pro Kilometer hält sich damit zumeist in Grenzen.


    Und damit sich überhaupt solche eine Investition marktwirtschaftlich lohnt, müssen die Fahrgastzahlen gesteigert werden.

    Da ist man dann aber an einem weiteren ökologischen Knackpunkt:

    Die Umwelt braucht weniger Verkehr, nicht mehr.

    Beste Schmalspurgrüße aus dem Spreewald

    Christoph

    Einmal editiert, zuletzt von merane ()

  • Guten Morgen, dem letzten Gedanken ist eigentlich zu widersprechen: Wenn es Veränderungen im Verkehr geben soll, muss der ÖPNV gestärkt und entwickelt werden. Da haben einige Städte und Länder Defizite (denke gerade an Dresden, was ist da an Straßenbahnnetz in den letzten 30 Jahren hinzugekommen?). Hier besteht die politische Aufgabe, jeder kann sich selbst ein Bild machen, welche Politbewerber da mit welchen Aktivitäten aufwarten. Ringsum dünne. Viele Grüße Matthias

  • Guten Morgen, dem letzten Gedanken ist eigentlich zu widersprechen: Wenn es Veränderungen im Verkehr geben soll, muss der ÖPNV gestärkt und entwickelt werden. Da haben einige Städte und Länder Defizite (denke gerade an Dresden, was ist da an Straßenbahnnetz in den letzten 30 Jahren hinzugekommen?). Hier besteht die politische Aufgabe, jeder kann sich selbst ein Bild machen, welche Politbewerber da mit welchen Aktivitäten aufwarten. Ringsum dünne. Viele Grüße Matthias


    Ja, den ÖPNV stärken schon. Um Verkehr von der Strasse auf die Schiene zu bringen.

    Der motorisierte Individualverkehr muss auf's absolut notwendige Minimum reduziert werden.


    Aber keine neuen Bedarfe erzeugen, u. a. im touristischen Bereich.

    Diese Gesellschaft und ihre ökologische Umwelt braucht insgesamt weniger Mobilität.

    Beste Schmalspurgrüße aus dem Spreewald

    Christoph