Moderner schmalspuriger ÖPNV

  • Hallo Harald,


    es gibt Schüler, die lieben ihren Frühzug. Bei gutem Wetter sitzen die schon am Morgen im Aussichtswagen. Andere dösen noch im Wagen und wiederum Andere machen Hausaufgaben. Der SEV ist recht unbeliebt, da fahren dann weniger Schüler mit.


    mfg André

  • Hallo,


    leider kann man die Schweiz nicht mit Deutschland vergleichen. Der Umbau der 13 Kilometer langen Waldenburgerbahn kostet rund 280 Millionen Franken. Man stelle sich mal den Aufschrei vor, wenn die 18 Kilometer lange Döllnitzbahn für 240 Millionen Euro erneuert werden soll.


    ... in einem Land, wo nicht mal Geld für Schulen da ist ...


    Gruss Andreas

  • Tja

    Nur vergisst du eines: Die Bahn, wie sie sich in dem Film präsentiert ist die alte WB, die aus den 80er Jahren, also mit Fahrzeugen und Streckenbau von ca. 1985, als der letzte Modernisierungsschub kam.

    Warum das die Bahn nicht eingestellt wurde, habe ich hier dargelegt:


    Und wenn du schaust, wie der Ursprung war: mit 30 PS Loks, und vergleichst, wie die Bahnen in Sachsen um diese Zeit aussahen, dann ist der Erhalt noch eindrücklicher:
    https://de.wikipedia.org/w/ind…timestamp=20150728080608&

    https://de.wikipedia.org/w/ind…timestamp=20150728082822&

    Und im Weisseritztal:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Weißeritztalbahn#/media/Datei:Weißeritztalbahn1.jpg

    Das ist schon ein Unterschied zuungunsten der WB!

    Interessant auch der Madörinsche Bericht im neuesten Eisanbahnamateur!


    In der Eröffnung wurde gefragt, wie moderner schmalspuriger OePNV aussehen soll.

    Und genau auf das antworte ich.

    Und den gibt es in der Schweiz fast an jeder Ecke zu bestaunen. Das muss ich dir ja nicht sagen.

    Auch die Zillertalbahn und vor allem die Pinzgauerbahn zeigen, auch im Ausland, dass die Erhöhung der Reisegeschwindigkeit und die Verdichtung des Fahrplanes bringen kann.
    eine Steigerung von 230'000 auf eine Millon Fahrgäste ist schon eine Leistung:

    https://www.sn.at/salzburg/chronik/erstmals-eine-million-fahrgaeste-bei-der-pinzgauer-lokalbahn-82949239#:~:text=Nachdem%20sie%20schon%202018%20mit,es%20230.000%20Fahrgäste%20im%20Jahr.


    Aehnliches, wenn auch nicht auf Schmalspur, kann man im Vintschgau beobachten:

    Von null auf 2 Millionen! und jetzt Elektrifikation und weiter Ausbau!

    https://www.provinz.bz.it/news…=4&news_article_id=457391


    In der Schweiz sieht man, zum Beispiel im Vorortsverkehr Bern - Solothurn, der schmalspurig ist, dass es den Leuten wurst ist, wie breit die Spur ist!

    Wichtig ist, dass das Angebot stimmt!
    https://www.flickr.com/gp/r_walther/G4286w

    https://www.flickr.com/gp/r_walther/HEWdM1

    Mit den Nexen, die technisch für 120km/h ausgelegt sind, fährt es sich bequemer als in manchem SBB Wagen.

    https://www.aargauerzeitung.ch…-den-neuen-zug-ld.1982479

    Und hier noch der Fahrplan:

    https://www.fahrplanfelder.ch/…_graphic_tt/2021/GRBS.pdf

    Meines Wissens ist die Doppelspur zwischen Bern und Worblaufen, die am dichtest belegte in der Schweiz.

    Und der Ausbau geht weiter:

    https://www.rbs.ch/sites/defau…otsausbau_allg-screen.pdf


    Gruss Guru

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  • Hallo Freunde,

    gut, den Schulweg im Aussichtswagen hätte ich auch gern gehabt...
    ABER

    ist der Schülerverkehr dann effizienter, als mit dem Bus? Nicht, daß Ihr mich falsch versteht- es wäre nur schön, wenn die Züge gut besetzt sind. Und das ganzjährig- so daß der Schülerverkehr ein Zubrot ist.

    Bei meinen letzten Besuchen in Freital (vor dem Hochwasser), im Lößnitzgrund oder auch in Oberwiesenthal ist mir aber aufgefallen, daß die Züge in Tagesmitte/Wochemitte/Schule, bei mäßigem Wetter, mit einer geringen Auslastung durch die Gegend gefahren sind.


    Kann jemand einmal Zahlen vorstellen, wie die Auslastung der Bahnen ist? Die Zahlen aus der Schweiz zeigen ja recht deutlich, daß es hier einen Bedarf gibt. Hier lohnt es sich dann auch, entsprechende Fahrzeuge zu entwickeln. Zumal die Schmalspurbahnen meterspurig ausgeführt sind. Sicherlich gibt es Unterschiede in der Ausrüstung. Auch Zahnradbahn- typische Ausstattung dürfte im Baukasten der Hersteller zu finden sein...

    In Deutschland müssten wenigstens drei (so es bei den Bahnen überhaupt Interesse besteht) Fahrzeuge entwickelt werden. Aber damit ist es ja auch nicht getan- die Strecken müssten für höhere Geschwindigkeiten und kürzere Takte ausgebaut werden. Also Kreuzungsbahnhöfe in kurzen Abständen und Anschlüsse zu regionalen Buslinien.

    Aber wo gibt es einen realen Bedarf dafür? Eher werden doch Triebwagen für einen Betrieb zu Schwachlastzeiten beschafft. Das beste Beispiel ist doch hier das Selketal. Für mich ist das Selketal "erledigt". In den letzten Jahren habe ich die Züge nur noch genutzt, um zum Ausgangs- oder Endpunkt einer Wandertour gelangen. Aber auch das hat sich ja weitgehend erledigt, wie ich im letzten Herbst feststellen musste.

    Dieses Szenario (nicht das der sterbenden Fichten) befürchte ich aber auch bei den anderen Bahnen.

    Obwohl es bestellter Nahverkehr ist, stellt der Dampfbetrieb doch eher Museumsbetrieb dar.


    Um jetzt aber den Bogen zum attraktiven Nahverkehr zu bekommen. Es gibt genügend Gebiete, denen ein attraktiver Nahverkehr fehlt- gerade im "flachen" Land. Hier kann ich mir einen schmalspurigen Ausbau (ähnlich einer Überlandstraßenbahn) vorstellen- um hier etwas kostengünstiger (wie zur Blüte des Schmalspurbahnbaues) zu bauen. Dazu standardisierte Fahrzeuge. Wobei es hier keine Wasserstoff-, Brennstoffzellen- oder Batteriefahrzeuge sein müssen. Traditionelle Diesel- oder Elektrofahrzeuge sind hier voll ausreichend.



    Achso- Schülerverkehr: uns hat damals keiner gefragt- mit welchem Transportgefäß wir zur Schule gebracht werden. Es war ein brechend voller Ikarus 280 und später ein abgetakelter Schlenkerbus in Berlinlackierung.


    Soweit meine Gedanken


    Christian

  • Verstehe ich nicht! Meine Generation ist zur Schule gelaufen, waren selten mehr als 12 Minuten im Prenzlauer Berg.

    MfG Thomas

  • Ich beziehe mich auf keinen konkreten Beitrag, möchte nur ein Meta-Argument einbringen:


    Das grosse ökologische Ziel sollte es sein, weniger Verkehr zu produzieren. Und nicht mehr.

    Solange es um die Verlagerung von der Strasse auf der Schiene geht - ja, das bringt uns ein Stück in die richtige Richtung

    bei der Reduzierung des C02-Ausstosses. Aber auch hier, selbst bei der "moralisch sauberen" Verkehrswende, muss man das grosse Ganze im Auge haben:

    Die wahnwitzigen Strassenkilometer der Pendler/Reisenden auf der Schiene einfach so weiterzuführen und noch zu steigern, wäre kein

    nachhaltiger Weg für unsere Umwelt.


    Und vielleicht noch ein Kommentar zum grossen "Vorbild" Schweiz

    (ich erlaube mir eine Bewertung, denn ich habe 16 Jahre dort gelebt und auch für die SBB gearbeitet):

    Hinsichtlich Bau-, Konsum-, Steigerungs- und Mobilitätswahn sowie Doppelmoral können den Eidgenossen

    nur wenige andere Länder das Wasser reichen.


    Und da ist das populärste Negativbeispiel (Millionen Touristen auf Gipfeln und schmelzenden Gletschern) nur eines, welches

    durch zigfache Turbokapitalismusverfehlungen aus dem Schweizer Alltag zu ergänzen wäre.

    Beste Schmalspurgrüße aus dem Spreewald

    Christoph

    Einmal editiert, zuletzt von merane ()

  • guru61


    Ich bezog mich mit meinem Beitrag auf die heutigen Bedingungen in Deutschland. Ich kenne die Geschichte der Waldenburgerbahn und die Diskussionen um das Für und Wider des Umbaus.


    In Deutschland zieht man gerne die Schweiz als Vorbild heran ... bis es ums Geld geht. Aus diesem Grund wird es auf Schmalspurbahnen in Deutschland auch nie attraktiven ÖPNV geben. Eben weil es Geld kostet.

    Ein trauriges Beispiel, hat zwar nichts mit einer Schmalspurbahn zu tun, ist aber symptomatisch für die Verkehrspolitik. In den 90ern gehörte die B95 zwischen Röhrsdorf und Hartmannsdorf zu den täglichen Stammgästen in den Verkehrsnachrichten. Als DIE Lösung wurde immer die parallel verlaufende Bahnstrecke Chemnitz - Leipzig erwähnt. Wie sieht es 25 Jahre später aus: die A72 geht bis Leipzig, die Bahn ... Ach, Schwamm drüber.


    Gruss Andreas

  • Moin Andreas,


    Zitat


    die A72 geht bis Leipzig, die Bahn ...

    ...und nicht mal das, sie geht bis kurz nach Espenhain, dann befinden wir uns wieder auf der B95.... <X

    Viele Grüße Ronny :huhu:

  • Hallo Andreas

    Das sehe ich auch.

    Ich habe die Ausgangsfrage halt so interpretiert, dass man auflisten solle, was man unter modernem und attraktiven Schmalspurverkehr versteht.

    Dass Deutschland eine schmalspurige Bahnwüste ist, und dass das Geld fehlt, war mir bewusst!

    Visionen darf man ja haben.


    Auch ist mir bewusst, dass der Zug wohl abgefahren ist, weil man Jahrzehntelang sich keinen Deut um die Modernisierung des Schmalspurverkehrs gekümmert hat, bzw, es für unnötig gehalten hat, etwas in Richtung Attraktivitätssteigerung zu tun.

    Sogar die Schweizer Staatsbahn hat die Loks von 1906, in 2 Schritten bis 1936 auf eine HG von 60 km/h ertüchtigt!

    SBB G 3/4 – Wikipedia

    Ist doch traurig, dass man in Deutschland 49 Jahre später noch Loks mit einer HG von 40km/h bestellt hat!

    Harzer Schmalspurbahnen: Dampflok 99 7231 (harzbahn.de)


    Man muss nicht immer mit der grossen Kelle anrichten: Ich verweise auf den hochinteressanten Bericht: Traktionsbasierte Netzanalyse bei der Rhätischen Bahn in der Eisenbahnrevue 4/2018, wo festgestellt wird, dass schon kleine Korrekturen erstaunliche Geschwindigkeitserhöhungen nach sich ziehen können.

    Ein Zitat daraus:

    Eine genauere Betrachtung und Nachrechnung ergab, dass sich der Radius mit einer geringen Anpassung - eine Verschiebung der Gleisachse um weniger als 75cm - von 350 auf 720 Meter erhöhen lässt, was sie gewünschte Geschwindigkeitserhöhung erlaubt. Die erhebliche Erhöhung des Radius ist so einfach möglich, weil die Ablenkung dieses Bogens lediglich 7° beträgt.


    Gruss Guru