Zukunftsideen für die Harzer Schmalspurbahnen

  • Hallo zusammen,


    Wenn man diesen Abschnitt mit der Westernstadt verbinden will, sollte man die Umläufe nach Hasselfelde mit einem Shuttlebus anschließen, der direkt zur Westernstadt und dann über Rappbodetalsperre/ Hängebrücke wieder zurückfährt.

    Das ganze ordentlich bewerben (z.B mit einem Sonder-Ticket) und den bereits bestehenden "Western-Express-Sonderzug" häufiger fahren lassen. Diesen sowohl von Gernrode, NDH/ Südharz und Wernigerode.

    Eine Zusammenarbeit von den Harzer Verkehrsbetrieben, der HSB und der Westernstadt wäre für alle drei eine gute, machbare und finanzierbare Lösung.

    Jedenfalls lohnenswerter und sinnvoller als eine 15 Mio Euro Neubaustrecke mitten durchs Naturschutzgebiet. Mit der Selketal-Kleinbahnromantik wäre es auf jeden Fall vorbei. Sooo touristisch lohnenswert, dass da solche Unsummen bewegt werden, ist die Westernstadt auf jeden Fall nicht.


    Meint

    Jan

  • [...] Da sind ja die Ideen und Vorschläge, die hier gemacht wurden, z.B der NWE-Zug oder ähnliches geradezu machbar gegen. 8|

    Und deswegen wohl auch viel zu langweilig. ;)

    Ich möchte dir hier nicht widersprechen, sondern daran ansetzen: Der grundsätzliche Knackpunkt an der Selketalbahn ist, dass ausnahmslos jedes dort liegende touristische Ziel viel einfacher mit dem PKW erreichbar ist*. Niemand fährt, weil er zu irgendeinem an der Strecke gelegenem Ziel möchte, extra mit der Bahn. Das machen nur Leute, die sich bewusst für die Bahnfahrt entscheiden. Im Selketal muss also die Bahnfahrt selbst das Ziel sein. Und da ist es kontraproduktiv, dass dort nur irgendwelche Triebwagen (teilweise mit Holzschalensitzen und ohne WC) entlang gondeln und einmal am Tag der Dampfzug. Sowas zieht keine Bahnfans an.


    Im Gegensatz dazu fahren die Leute auf den Brocken, weil sie keinen Bock zum Laufen haben und sonst nicht viele Möglichkeiten haben, zum Brocken zu kommen. Das sind ca. 20 Kilometer von Schierke hoch und runter, immer die langweilige Brockenstraße mit toten Fichten entlang (ich frag mich ernsthaft, wie sich Brocken-Benno da täglich motiviert). Da zahlen eben viele lieber den Brockentarif, um sich hochfahren zu lassen und nicht laufen zu müssen. Irgendwelche tollen Dampfloks sind den meisten Fahrgästen vermutlich völlig schnuppe, die wollen nur irgendwie auf den Berg, um das beim Harz-Besuch abzuhaken. Die würden auch für Elektrotriebwagen, Standseilbahn, Dieselbus, Pferdekutsche oder Rolltreppe zahlen, solange sie bloß nicht alles laufen müssen. Tatsächlich ist das also für den größeren Teil des Publikums eine Verschwendung von Dampfloks. Perlen vor die Säue. Das Selketal könnte man hingegen aufwerten, indem man dort die richtig tollen Züge fahren lässt. Das würde zumindest die Bahnfans anziehen. Ob das genug sind, um für einen messbaren Ausschlag der Fahrgastzahlen zu sorgen - keine Ahnung.


    Oder anders: Für den durchschnittlichen Brockenbesucher ist es relativ egal, ob sie mit dem Traditionszug nach oben gekarrt werden oder nicht. Und für Bahnfans ist es relativ egal, ob sie mit dem Traditionszug auf den Brocken fahren oder woanders entlang. Statt also das für die Massen attraktivste Ziel mit den für Bahnfans attraktivsten Zügen zu paaren, könnte man ja auch mal versuchen, beides zu trennen, um auch abseits des Brockens irgendeine Steigerung der Fahrgastzahlen zumindest zu versuchen.


    __________

    *Ich erinnere nur an den Versuch von 2006, auch in Harzgerode, im Schlosshof, analog zum Brocken ein Musical ("Harzschützen") zu installieren, das mit Sonderzug von Quedlinburg aus zu erreichen war. Hat die HSB nach einer Saison beendet. Nach Harzgerode kommt man auch super mit dem Auto. Wozu den Zug nehmen?

  • Hallo Stefan,


    das sehe ich genauso. Der Tradizug könnte bei gelegentlichen Planeinsätzen im Selketal wahrscheinlich mehr Nutzen bringen als auf der Brockenstrecke, wo Neubaulok und „Rekowagen“ vollauf genügen. Natürlich muss man den historischen Fahrzeugeinsatz im Selketal dann auch bissel geschickt bewerben (Zeitreisezüge o.ä., Zittau und Rügen machen es vor), damit das auch außer ein paar Bahnfans noch möglichst viele Leute anspricht. Von alleine kommen die natürlich nicht darauf, man muss sie schon möglichst zielgruppengerecht mit der Nase darauf stoßen.


    Viele Grüße

    Stefan

    Die „dienstälteren“ Forumsnutzer erinnern sich möglicherweise noch dunkel an mich, seit einigen Jahren vor allem stummer Leser hier... ;)

  • Übrigens wird auf einer Auktion der Karhausen AG am 24. September um 12 Uhr in Berlin unter anderem versucht, das Areal des ehemaligen Sanatoriums Albrechtshaus zu versteigern. Einstiegsgebot für das 13,8 ha große Gebiet sind 580.000 Euro. Es gibt noch immer einen gültigen Bebauungsplan aus dem Jahr 2003. Damals sollte das Gelände schon einmal zu einem Hotelkomplex in offener Bauweise (also überwiegend mit Einzelhäusern) und mit bis zu 300 Betten entwickelt werden. Passiert ist seitens des damaligen Investors nichts. 2013 brannte das damals noch halbwegs intakte Hauptgebäude des zuletzt bis 1993 als Reha-Klink genutzten Komplexes dann ab. In diesem Jahr wurde immerhin die einzigartige Holzkirche aus dem Vandalen anziehenden Ruinengelände durch einen privaten Verein gerettet ...


    Auf der Webseite www.karhausen-ag.de gelangt man zum Online-Katalog, wo auf Seite 14/15 das Objekt mit Fotos und dem damals erstellten Bebauungsplan vorgestellt wird.


    Vielleicht will ja einer der hier Anwesenden helfen, das obere Selketal zu entwickeln und kauft das Gelände für diesen "Schnäppchenpreis". Mit einem großen Hotel am derzeitigen Bedarfshaltepunkt Albrechtshaus würden sicher auch viele neue Fahrgäste für die Selketalbahn gewonnen werden. ;)

  • Vielleicht will ja einer der hier Anwesenden helfen, das obere Selketal zu entwickeln und kauft das Gelände für diesen "Schnäppchenpreis". Mit einem großen Hotel am derzeitigen Bedarfshaltepunkt Albrechtshaus würden sicher auch viele neue Fahrgäste für die Selketalbahn gewonnen werden. ;)

    Ich geh mal schnell einen Lotto-Tippschein abgeben. Je nach Gewinnhöhe würde ich dann eventuell auch gleich die Selketalbahn mit kaufen. Und dann kann die in Albrechtshaus versammelte Forenmann- (und natürlich auch -frauschaft) gemeinsam über neuen Konzepten zur "Entwicklung" der Bahn brüten...


    Lachende Grüße in den Harz!

  • Zwei mal eine Bundesstraße überqueren, das wir Teuer. Dazu noch zwei Flußläufe und sieben Witschaftswege. In diesen Fall ca. vier Weichen. Dann sammelt schon mal. :)

    Beste Grüße Reiner

  • Ich dachte, das zahlt der tolle Harzkreis-Landrat Balcerowski. :D Der hat sich doch im Artikel selbst auf die Schulter geklopft, weil er nach eigener Aussage die beiden Streckenverlängerungsprojekte nach Pullman City und nach Braunlage überhaupt erst in den Entwurf des Koalitionsplanes für die nächste Regierung Sachsen-Anhalts hinein bekommen hat. (Dass beim Gleis nach Braunlage ja wohl die niedersächsische Regierung ein entscheidendes Wort mitzureden hätte, kommt dann nur noch versteckt in einem Nebensatz vor.)

  • Stefan schrieb:

    "Da zahlen eben viele lieber den Brockentarif, um sich hochfahren zu lassen und nicht laufen zu müssen. Irgendwelche tollen Dampfloks sind den meisten Fahrgästen vermutlich völlig schnuppe, die wollen nur irgendwie auf den Berg, um das beim Harz-Besuch abzuhaken. Die würden auch für Elektrotriebwagen, Standseilbahn, Dieselbus, Pferdekutsche oder Rolltreppe zahlen, solange sie bloß nicht alles laufen müssen."

    Haha ^^ . Genauso ist es.

    Ich hätte es nicht besser sagen können :thumbup:.

    Pullman-City, Braunlage, Mallets im Planeinsatz.... alles Unsinn.


    Mfg TRO

  • Das Selketal soll eine eigene Marke werden
    Anrainerstädte Ballenstedt, Falkenstein/Harz und Harzgerode ihre Region gemeinsam vermarkten. Dafür liegt nun ein Konzept vor.
    www.mz.de


    Die Anrainerstädte Ballenstedt, Harzgerode und Falkenstein (a.k.a. Ermsleben) wollen nun also mit einem gemeinsamen Tourismuskonzept mehr Touristen und mehr Übernachtungen generieren. Das ist allerdings erst in Auftrag gegeben worden.


    Für das Selketal stellt man sich die Kulturgeschichte als Kernthema vor, mit dem Touristen angelockt werden sollen.

    Dazu soll es vier Handlungsfelder geben:

    • Angebote für die kulturgeschichtlichen Kernthemen
    • irgendein Leuchtturm, also Hauptanlaufstelle sollte entstehen
    • besondere "Erlebnis"-Beherbergung
    • eine sogenannte Corporate Identity oder gemeinsame Begriffsklammer für alles

    Im Artikel steht noch viel mehr Werbewischiwaschi über angeblich tolle Namen und Begriffe, die man nutzen sollte. Da seufzt man beim Lesen laut auf. Das ist wieder so verkopftes Zeug, das interessiert letztendlich vermutlich niemanden, der ins Selketal fährt.


    Wenn ich zum Beispiel lese:

    Zitat

    Um verschiedene Mobilitätsmöglichkeiten zusammenzubringen - Bahn, Carsharing, E-Bikes -, regte sie an, die Bahnhöfe der Selketalbahn als Knoten- und Umsteigepunkte zu nutzen

    frage ich mich schon, wie lange man dafür studiert haben muss, um auf solche nie dagewesenen, revolutionären Ideen zu kommen, während meine Stirn verzweifelt auf die Schreibtischplatte trifft.


    Was echt jetzt? Bahnhöfe als Knotenpunkte? Unglaublich! Sowas gabs ja noch nie!


    [/Ironie off]


    Diese ganze Beratungs-Industrie ... verdienen mit dem bunten Aufarbeiten und Präsentieren von Binsenweisheiten ein Heidengeld.


    Eher praktische, handfeste Sachen ohne Geschwurbel, die mir entlang der Strecke einfallen würden, wären:

    • Ausflugsgaststätte Sternhaus-Ramberg. 2018 eingestellt. Vermutlich zu wenig Gäste? Konzepte, Werbung etc für einen Neuversuch.
    • Weitere Instandsetzung der Überreste der Mägdesprunger Eisenhütte und Verlagerung des Museumsbereiches zum Eisenkunstguss aus dem Schloss Harzgerode in die Hüttengebäude. Derzeit wurden ja einige wenige Gebäude von einem neuen Investor instand gesetzt, nachdem irgendein Bulgare oder Rumäne als vorheriger Besitzer das Gelände als Sondermülldeponie genutzt hatte, vorher waren alle Metallinstallationen für Schrottverkauf entfernt worden. Das Verwaltungsgebäude harrt noch eines Investors. Das Wohnhaus des Hüttendirektors ebenfalls.
    • Wiederaufbau der abgebrannten Kutscherstube in Mägdesprung. Am besten das ganze Hotel. Vielleicht ja mit irgendeinem historisierenden Konzept alles so in Richtung "gute" alte Zeit (mit entsprechender Einrichtung und Dresscode der Angestellten :D). Irgendein Alleinstellungsmerkmal halt. Wenn man sich das Gelände so anschaut, war davor ein toller Freisitz unter alten Bäumen, die Architektur mit Holzverandas und Balkons wirkte wie aus der Kaiserzeit, das wäre so was für die deutsche Gemütlichkeit. Dazu braucht man einen Investor. Der ganze Ort wirkt einfach nicht schick und herausgeputzt, sondern wie tiefstes Sachsen-Anhalt: heruntergekommen, halb ruinös, tot. Wenn man dort ist, will man eigentlich nur schnell weg.
    • Reaktivierung des Bahnhofs Alexisbad als Reise- Touristik- und Infozentrum von Alexisbad. Gerne auch wieder mit Konditor im Anbau, zu dem man mal mit der Bahn zu Kaffee und Kuchen fährt (oder als Gast im Hotel in Alexisbad geht). Irgendwelche Rabattsysteme zur Verkopplung von Bahn und Kaffeehausbesuch sollten doch auch möglich sein. Aber dazu braucht es einen Investor. (Was das Cafe Drahtzug kann, kann Alexisbad doch schon lange, oder?)
    • Renovierung des alten, vor sich hin gammelnden Betriebsferienheims der Reichsbahndirektion Magdeburg in Alexisbad (Das Fachwerkhotel mit den vier Eckzwiebeltürmen). Aber dazu braucht es einen Investor.
    • Nutzungskonzept für die Hallen der Rinkemühle II in Silberhütte (das mit dem Späneturm). Fällt seit 30 Jahren in Zeitlupe in sich zusammen. Mit den Industriebauten sollte sich doch was anfangen lassen. Künstlerateliers, irgendwelche Firmenräume, was auch immer. Das ist Industriegeschichte des Selketals. Vormals Gelände der Silberhütte. Einzig das Wohnhaus des Hüttendirektors ist als Privatwohnhaus saniert. Der Bremsberg von der Zubringerbahn ist (jetzt als Straße im Ort) auch noch da, das Anschlussgleis der Silberhütte wurde ja auch mal vor einigen Jahrzehnten als Erlebnispfad wieder hergestellt. Die Silberhütter-Neudorfer 750mm-Bahn wäre auch ein Thema. Erlebniswanderweg vielleicht? Der ganze Erzbergbau rund um Silberhütte als Zentrum wäre sowieso ein großes Thema. Die einzelnen Gruben ... Da gibts aber nur ein paar Dennert-Tannen und sonst nichts. Eben das, was Heimatvereine ihm Rahmen ihrer begrenzen Möglichkeiten so hinbekommen. Da alle ehemaligen Bauten übertage weg sind, kann sich keiner mehr vorstellen, wie das mal aussah.
    • Die Entwicklung des Geländes des ehemaligen Albrechtshauses am oberen Ende des Selketals meinetwegen gerne als Hotel wäre auch großartig. Aber das an einen Investor zu verkaufen, wird ja schon seit vielen Jahren vergeblich versucht. Mittlerweile ist ja fraglich, ob die Strom- und Wasserleitungen dorthin überhaupt noch funktionsfähig sind. Das Gelände liegt schließlich kilometerweit von den nächsten Orten entfernt.

    Was auch immer. Im Grunde mangelt es an der Attraktivität des Gebietet für Investoren. Nur wenn es mehr Hotels im Bereich Selketal gibt, wird es auch signifikant mehr Touristen geben und damit mehr potentielle Fahrgäste im Selketal.




    Oder hätte das jetzt in den Ideen-Thread zur Selketalbahn gehört? Ich bin verwirrt.


    Admin: Ja, Beitrag wurde daher verschoben