Loks mit Flüssigbrennstoff

  • Ob es wohl denkbar wäre zumindest kleinere Lokomotivkessel mit Holz-Pellets zu befeuern ? Holzpellets gelten ja als regenerativer Brennstoff und werden gefördert.......

  • Hallo Volker,


    natürlich kann man damit feuern, aber der Heizwert wird nicht besonders hoch sein und somit wird der Kessel seine Leistung nicht erbringen. Das könnte eine Lösung für einen Feldbahn-Vorführbetrieb sein, wenn man nur kurze Strecken fahren muss und dann wieder viel Zeit zur Erholung des Kessels hat.

    Muss der Kessel etwas Leistung bringen, muss auch der Brennstoff eine entsprechende Energie liefern.

    Im Streckenbetrieb dürften solche Feuerungen mit Holz oder Pellets ausscheiden.


    Viele Grüße


    Dampfachim

  • Mahlzeit!


    Die Museumsbahn Rheinbähnle (ehemalige Dienstbahn der Internationalen Rheinregulierung) verfeuert in ihren 750-mm-Dampfloks Holzbriketts und befährt heute noch rund 25 von ursprünglich 33 km Strecke mit recht ansehnlichen Zuglängen für die 80/90PS-B-Kuppler. Es ist also grundsätzlich machbar.


    Nun schauen wir uns aber mal die Zahlen an: Je nach Zusammensetzung und Restfeuchte haben gängige Holzbriketts einen Heizwert von 4,3 kWh/kg (Weichholz)-5,2 kWh/kg (Hartholz). Steinkohle liegt im Mittel bei 8,06 kWh/kg. Somit wird etwa die doppelte Menge an Brennstoff im Vergleich zur Steinkohle benötigt. Der Heizer wird sich bedanken, die Logistik für die Brennstoffversorgung muss auch angepasst werden. Nun zum Preis, der letztlich eine wesentliche Rolle spielt. Da ist die Bandbreite recht weit: rechteckige Weichholzbrikett sind ab etwa 220€/t zu haben. Runde Hartholzbriketts schlagen dagegen mit rund 350€/t im wahrsten Sinne des Wortes zu Buche. Die Tonne oberschlesische Steinkohle liegt bei rund 190€/t. Die berühmte walisische Kohle (welsh steam coal) kostet pro Tonne um die 400€. Dem Kaufmann wird also das Holzbrikett schwer im Magen liegen, muss er doch für den Umstieg von oberschlesischer Kohle auf Weichholzbriketts reichlich das Doppelte zahlen, bei Hartholzbrikett mehr als das Dreieinhalbfache!


    Dazu kommt noch das Problem der Lagerung. Die Holzbriketts sind extrem anfällig für Feuchtigkeit und können nicht im Freien gelagert werden, sondern müssen in trockenen Räumen lagern werden. Sonst quellen sie auf, zerfallen und beginnen zu schimmeln. Das Brennverhalten ist dann unbrauchbar. Jeder, der sich im Baumarkt schon einmal so ein in Folie eingeschweißtes 10kg-Paket angeschaut hat, das ein wenig geschwitzt hat, wird das kennen. Es bedüfte demnach eines geschlossenen und möglichst klimatisierten Brikettbunkers. Aber auch die Kohlenkästen der Loks müssten abgedeckt sein. Die lagerfähigen Steinkohlesorten dagegen können auch längere Zeit im Freien lagern.

    Von den im Handel erhältlichen Sorten sind m.E. auch nur die Weichholzbriketts in der rechteckigen Form aus der Stückpresse zum Schaufeln einigermaßen geeignet. Die langen runden Hartholzbriketts aus der Strangpresse müssten erst gebrochen werden.


    Der geringe Asche-Anteil ist ein wesentlicher Vorteil der Holzbriketts. Änderungen an den Roststäben und den Funkenfängern müssen auch mit Kalkuliert werden. Unterm Strich wäre ein Probeeinsatz sicherlich interessant, doch in Anbetracht der Nachteile ist eine einigermaßen wirtschaftliche Betriebsweise damit unter aktuellen Bedingungen schwer vorstellbar. Auf irgendwelche Förderungen für die Umstellung zu bauen, ist aus der Erfahrung der letzten Jahr sicherlich ziemlich naiv.


    Bei der Bio-Kohle, die aus torrefizierter Bio-Masse besteht, sollen durch die Erhöhung der Engergiedichte ähnliche Heizwerte, wie bei Steinkohle erreicht werden. Die Stückgröße würde ein Verfeuern auch bei manueller Rostbeschickung ermöglichen. Die Preise liegen jedoch wegen des aufwendigen Herstellungsprozesses in Größenordnungen oberhalb von 450-500€/t. Zur Lagerfähigkeit habe ich keine verwertbaren Angaben gefunden.


    BioCoal Herstellung in Steenwijk/NL


    Ein Werbefilm der Stramproy Green gibt einen Überblick über die Herstellung von Bio-Kohle. Die Fabrik, die für die Herstellung von 90.000t/Jahr ausgelegt war ging jedoch im Frühjahr 2013 in Insolvenz.


    Gruß Sven

  • Ich habe jetzt mal rein Interesse halber eine völlig naive Frage.. Ich habe da wirklich keine Ahnung.

    Aber wie sieht das eigentlich mit Holzkohle aus? Mal von den wahrscheinlich viel zu hohen Herstellungskosten / Energieverbrauch abgesehen

    Die dürfte ja im Heizwert nahe an der Steinkohle liegen, immerhin ist sie ja auch zum Schmiedefeuer geeignet.


    Aber könnte man sowas eigentlich in einer Dampflok die für Braunkohle geeignet ist verfeuern?

    Gruß André

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  • Mhh ich denke aber Holzkohle wird erstens zu teuer (Herstellung) sein und zu schnell runterbrennen. Man braucht also viel zu viel davon, was das ganze absolut unwirtschaftlich machen würde.. Meine Frage ist auch mehr so gemeint, ob es prinzipiell gehen würde. Gibt es da überhaupt Erfahrung?

    Interessant finde ich das Altreifen im Brennwert nahe der Steinkohle liegen.. Aber ob man da noch gerne mit dem Dampfzug fährt...?


    Gruß André

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  • Ich habe jetzt mal rein Interesse halber eine völlig naive Frage.. Ich habe da wirklich keine Ahnung.

    Aber wie sieht das eigentlich mit Holzkohle aus? Mal von den wahrscheinlich viel zu hohen Herstellungskosten / Energieverbrauch abgesehen

    Die dürfte ja im Heizwert nahe an der Steinkohle liegen, immerhin ist sie ja auch zum Schmiedefeuer geeignet.


    Aber könnte man sowas eigentlich in einer Dampflok die für Braunkohle geeignet ist verfeuern?

    Gruß André

    Hallo,


    leider hat Holzkohle keine Flammenbildung und gerade diese benötigt man um eine Dampflokomotive zu beheizen.

    Ich selbst habe als Kind einen Lokheizer gefragt, warum man denn nicht mit Anthrazit heizt? Dieser hat doch einen größeren Heizwert als Steinkohle, aber hier gibt es eben das selbe Problem wie mit Holzkohle - sie glüht einfach nur auf dem Rost.


    Da kann ich mir Holzpellets viel eher als Dampflokbrennstoff vorstellen, vor allem, weil der Kessel damit automatisch beschickt werden kann!


    Mal schauen, was da noch passiert.