Betrieb von Dreischienengleisen

  • Hallo zusammen,


    nachdem tobtilo kürzlich nach dem Dreischienenabschnitt der Wusch vor Sibiu (Hermannstadt, Rumänien) gefragt hatte, habe ich dort eine Einschätzung abgegeben, warum ich es für unwahrscheinlich halte, dass dort eines Tages wieder Schmalspurzüge fahren werden: RE: [RO] Die Wusch startet in die Saison 2021

    Zitat

    Auch wenn die Reaktivierung bis Sibiu ein mehr oder weniger ausgesprochenes Ziel des Vereins ist, so glaube ich persönlich nicht daran. Problematisch sind vor allem die Abschnitte als Dreischienengleis. Nicht nur wegen des Mischbetriebs, sondern auch weil man sich dann im Bereich von CFR-Infrastruktur bewegt und dabei alle möglichen europarechtlichen Anforderungen (TSI usw.) der "großen Eisenbahn" erfüllen müsste, sobald irgendetwas sich nicht mehr mit Bestandschutz regeln lassen sollte.

    Nun habe ich weiter über die Sache nachgedacht und mich gefragt: Wie regeln das Thema eigentlich andere Schmalspurbahnbetreiber, die gemeinsam mit der Regelspur ein Dreischienengleis befahren? Der Rechtsrahmen für die Regelspur hat sich in den letzten Jahr(zehnt)en ohne Zweifel durch das EU-Recht stark verändert. "Kleine Bahnen" (auch regelspurige) können sich von manchen Sachen befreien, wenn es im jeweiligen Land geht. Ich nehme hierzu in Deutschland insbesondere den VDMT wahr, der mit seiner Lobbyarbeit (und das meine ich ganz positiv!) versucht darauf zu achten, dass aus den nationalen Umsetzungen von EU-Vorschriften keine ernsthaften probleme für Museumsbahnen erwachsen. Hier dazu mal ein Beispiel, auch wenn es nicht direkt mit Dreischienengleisen zu tun hat. Aber nicht aus jeder Vorschrift kommt man nach meinem laienhaften Verständnis raus.


    So frage ich mich: Erwachsen beim Betrieb von Dreischienengleisen tatsächlich die oben von mir skizzierten Problematiken oder bin ich da auf dem falschen Dampfer unterwegs? Gewiss ist vieles auch von der Umsetzung des Europarechts in den einzelnen Mitgliedstaaten abhängig (s.o.) und sicherlich macht es auch nochmal einen Unterschied, ob das Dreischienengleis gemeinsam mit der Staatsbahn betrieben wird oder nicht!?


    Praxiserfahrungen hierzu würden mich auf jeden Fall interessieren. Spontan denke ich an Leute wie Dampfachim und 2095 007-7 , die sicherlich eine Einschätzung zu den Dreischienengleisen auf Rügen und in Zell am See geben können. Aber es gibt bestimmt noch mehr Leute im Forum, die aus ihrem Alltag darüber berichten können. Ich würde mich freuen, hierüber mehr zu erfahren.


    Viele Grüße

    Julian

  • Hallo,


    in Polen gibt bzw. gab es zuletzt 2 dreischienige Abschnitte, die aber auch nicht wirklich die Problematik aufzeigen, da in beiden Fällen Schmalspur und Normalspur dem selben Betreiber gehören bzw. gehörten und es somit keine Konflikte gibt / gab.


    Pleszew Wask - Pleszew Miasto

    Länge 3,5km

    750mm/1435mm

    Betreiber PKP (bis 2001) bzw. SKPL (ab 2001)


    Chodakow - Plecewice

    Länge 2,5km

    750mm/1435mm

    Betrieber PKP (Normalspur 2004 stillgelegt, Dreischienengleis heute aber noch vorhanden)


    In Italien gibt es in der Region Basilkata Zwischen Potenza und Avigliano einen knapp 9km langen dreischienigen Abschnitt mit 950mm/1435mm. Betrieber der Schmalspurbahn ist die FAL, für die Normalspur ist es die Staatsbahn FS. Dies scheint offensichtlich aber problem- und konfliktlos zu funktionieren.


    Ebenfalls konfliktfrei ist der bekannte dreischienige Abschnitt 760mm/1435mm der JHMD und der SZDC bei Jindrichiv Hradec.


    Viele Grüße

    Toralf

  • Hallo,


    Das sind ja alles Bestandsstrecken.Es geht aber um die Wiederinbetriebnahme

    eines Dreischienengleises.

    Ich weiß nicht,wie da Rumänien drauf ist.Aber in Deutschland wäre es nahezu

    unmöglich. Da wäre das Problem der Zusicherung. Deshalb mussten in Zittau

    beim Neubau des Normalsurteils des Bahnhofs

    bei der Kreuzung von Normalspur und Schmalspur Flankenschutzweichen ein-

    gebaut werden.Die Schmalspurbahn ist Bestandsschutz.

    Viele Grüße


    Daniel

  • ----

    Ebenfalls konfliktfrei ist der bekannte dreischienige Abschnitt 760mm/1435mm der JHMD und der SZDC bei Jindrichiv Hradec.


    Hallo,


    dort kommt die Fragestellung der Problemlosigkeit erst noch, wenn auf der Regelspur die technische Sicherung gegen ungenehmigte Verbeifahrt an Hauptsignalen eingeführt wird (werden muß). Noch ist es nicht so weit - aber das dauert nicht mehr lange, so denn die Ankündigungen zum Umsetzungsrahmen nicht Makulatur werden. Und dann wird sich zeigen, ob jemand die Schmalspur noch für deren Ausrüstung finanziert. Eigenfinanzierung schließe ich als utopisch aus, es wird sich ja um ETCS handeln.

    Gruuß

    217 055

  • Hallo 217 055,


    JHMD wäre ja Bestandsschutz und dort sind m.W. Flankenschutzweichen

    Schmalspurseitig.

    Viele Grüße


    Daniel

  • ....

    JHMD wäre ja Bestandsschutz und dort sind m.W. Flankenschutzweichen

    Schmalspurseitig.


    Meinst Du?

    Wenn der Gesetzgeber eine Aurüstungspflicht verhängt hat, dürfte sich so was wie Bestandsschutz erledigt haben. Da geht es höchstens noch um Abweichungen von Maximalforderungen. Es würde mich freuen, wenn ich mich da irre.

    Gruuß

    217 055

  • Wenn man die aktuellen Berichte zur JHMD liest, kann sich das Thema dort bald von selbst aus erledigt haben... aktuell sind wohl die Zukunftsaussichten nicht so rosig.