Drehgestell-Längsblattfeder

  • Hallo Kollegen,

    die Frage ist sicherlich auch etwas missverständlich gestellt. Daher gibt es auch mehrere mögliche Antworten.

    Ich hatte es auch zunächst so verstanden, daß es um die Federaugen geht. Aber es ist natürlich auch so zu verstehen- daß der Fragesteller wissen möchte- wie die Enden der Federlagen gestaltet sind...

    Zu beiden Möglichkeiten möchte ich mich äußern:

    Üblicherweise werden Blattfedern aus den entsprechenden Federstählen gefertigt.

    Dazu werden die Stähle üblicherweise wärmebehandelt, also gehärtet und geglüht/ angelassen. Das kann, je nach Stahl vor, während und/ oder auch nach dem Verformen geschehen.

    Zur Fertigung selber- zunächst wird das Stahlband auf einer Walze gerollt. Dabei entsteht eine große Rolle. Danach wird diese in der Gegenrichtung gerollt- so daß das Band gestreckt wird. Dieses Band wird auf die Länge der Lagen getrennt. Früher wurde es auf dem Amboss mit einem Meißel "geschrotet"- später mit der Hebelschere abgeschnitten. Bei beiden Verfahren sind die Enden nicht sauber und eben. Beim Schneiden werden die Enden verdreht. Das verdrehte oder aufgewölbte Material würde beim Einfedern die nächste Lage beschädigen.

    Um dieses zu vermeiden werden die Enden Trapetzförmig bearbeitet. Üblicherweise werden die Enden auch großzügig angefast.

    Die so vorbereiteten Federlagen werden dann gerollt um die zeichnungsgerechte Form zu erzeugen.

    Im Kraftfahrzeugbau werden überwiegend flache Lagen verwendet. Diese werden nach dem Sprengen, d.h. biegen, mit einem Bolzen in ihrer Lage gehalten und mit Federprieten, seltener mit einem Federbund am Fahrzeug befestigt. Auf einer der unteren Lagen sind Bunde angenietet und um die Lagen gelegt, so daß sich die Lagen nicht verdrehen können.

    Die trapezförmigen Enden sind durch ihre Form "weicher" und verhindern die Abnutzung der folgenden Lage...

    Bei Lkw und Eisenbahnfahrzeugen werden die Lagen zusätzlich profiliert. Sie erhalten eine Nut und auf der anderen Seite eine Nase. Dadurch können sich die Lagen nicht verdrehen. Mittig werden die Lagen durch einen Federbund gespannt.


    Die Gestaltung der Federaugen kann unterschiedlich ausgeführt werden. Und ist von der Anwendung abhängig. Bei Tragfedern von Wagen ist die einfachste Form ein gerolltes Ende, welches in Schaken an den Federböcken aufgehängt ist.

    Im oben gezeigten Drehgestell ist die Feder auf einer Seite mit einem Auge (als Festlager) befestigt. Das andere Ende liegt auf dem Rahmen auf- und kann beim Einfedern auf dem Rahmen gleiten.

    Allerdings übt die Feder hier erhebliche Schubkräfte auf den Rahmen aus.

    Die hintere Feder des Wartburg 311 war ähnlich ausgeführt. Beim Einfedern ist die Achse zum Festlager ausgewichen- was beim zu schnellen Einfahren in Kurven dazu geführt hat, daß das Fahrzeug ausgebrochen ist. Diese Übung habe ich zwei Mal auf der Frankenhäuser Seite des Kyffhäusers gebracht... aber nach heftigen Schlenkern das Auto wieder in die richtige Richtung gezwungen.

    Diese Bauform mit einseitiger Befestigung der unabgefederten Fahrwerksteile verhindert das Verlieren derselben.



    Ich hoffe, daß ich nicht gelangweilt habe.


    Viele Grüße

    Christian