Die "99 750" Ein Denkmal im Ferienpark

  • Die „99 750“. Ein Denkmal im Ferienpark


    Pfingstsonntag 2021


    Ein Ungeheuer steckte seinen Kopf aus dem Wasser und riss sein riesiges Maul auf.

    War das etwa Nessie?

    Hier im Badesee des TRIXI - Ferienparks von Großschönau?

    Nein.

    Es war nur eine eigentümlich geformte Wasserrutsche.

    Nun, heute um diese Tageszeit war noch nichts los. Ob wegen Corona überhaupt eine Badesaison beginnen konnte stand noch in den Sternen.



    Ein anderes, schwarzes Ungetüm stand unweit des Badesees. Na ja eher ein Ungetümchen.

    Denn es kam auf schmaler Spur daher. Allerdings war auch die Schmalspurlokomotive „99 750“ beileibe kein Leichtgewicht.

    Mit 50t Gesamtmasse konnte sie sich sehen lassen. Da waren manche regelspurige Schwestern leichter. Diese Einheitslokomotiven der Baureihe „99.73–76“, auch ihre Halbschwestern die Neubaulokomotiven der BR „99.77–79“, waren das Schwerste was je auf sächsischen Schmalspurbahnen fuhr.

    Wie schon ihre Nummer „99 750“ zeigt gehörte diese Maschine hier zu der älteren Bauart.

    Zu den Einheitslokomotiven.

    Mit der frisch geladenen Flexaret Va umrundete ich die Denkmallokomotive. Die 12 Bilder des Rollfilms war mir die Maschine auf jeden Fall wert.


    Offensichtlich kam sie von der nahegelegenen Schmalspurbahn Zittau – Oybin / Johnsdorf.

    Denn da wo einst „Deutsche Reichsbahn“, vielleicht auch mal ein „DB-Zeichen“, an der Führerhauswand prangte, stand heute „Sächs. Oberlausitzer Eisenbahn“.

    „ZOJE“ war mir irgendwie geläufiger gewesen.

    Die Lokomotive machte einen sauberen Eindruck. Alle Flächen, an die man mit einer Leiter heran kam, waren abgewaschen und der Rost hielt sich in Grenzen. Nur oben, auf dem Führerhausdach und an einigen Rohren des Kessels hatte sich ein bisschen Bewuchs gebildet.

    Der Film in der Flexaret war voll und ich ging zum Wagen zurück.

    Wenn ich schon mal hier in der Gegend war konnte ich weiter nach Johnsdorf fahren.

    Es war schon komisch.

    Von Zittau nach Oybin bin ich oft gefahren.

    Aber Johnsdorf, das andere Ende der Schmalspurbahn, hatte ich bisher noch nicht gesehen.

    Es wurde Zeit das zu ändern. Vielleicht traf ich dort auch auf einen „Zug Ohne Jegliche Eile“…….

    Wieder zurück in Kirchheim gingen die belichteten Filme zunächst erst mal zum Entwickeln.

    Früher, zu DDR-Zeiten, hatte ich das natürlich selbst gemacht. Doch wenn ich das heute machen würde, stiege mir meine „Chefin“ aufs Dach. Und das zu Recht.

    Auch in Zeiten der digitalen Fotografie gibt es noch Möglichkeiten seine Filme entwickeln zu lassen. Ich habe da ein kleines aber feines Labor in Leipzig gefunden. Meist muss ich nur 14 Tage warten. Dann habe ich meine Filme entwickelt wieder. Nun ging es ans Einscannen.

    Der Großschönauer Film war einer von 10 Streifen die es zu bearbeiten galt.

    Das Buch, in dem diese Geschichte einmal eingebunden sein soll, war noch nicht in der „heißen Phase“. Da waren erst mal andere Projekte abzuarbeiten.

    So kam es, dass ich mich den Großschönauer Bildern erst in der Adventszeit 2021 wieder widmete.

    Die „99 750“ war keine Unbekannte für mich. Auch wenn ich sie bisher noch nie vor die Linse bekommen hatte.

    Mein Geburtstagsgeschenk 1980 war einst ein noch druckfrisches Exemplar des Buches „Schmalspurbahnen der Oberlausitz“, vom transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin gewesen.

    Wer sich damit auskennt der weis, dass derartige Bücher seinerzeit „Bückware“ im Buchladen waren .

    Als Autoren wurden R. Preuß/E. Preuß angeführt.



    Die „99 750“ war in dem Buch jenes „Fotomodell“ an dem die Details der Baureihe „99.73–76“ dargestellt wurden.

    Ein direkter Vergleich meiner 2021-er Aufnahmen mit den Bildern des Buches sollte sehr interessant für mich werden.

    Unterhalb der Rauchkammer fiel mir ein Druckluftbehälter auf. Der war dort bis 1979 definitiv noch nicht gewesen.

    Ursprünglich waren die sächsischen Schmalspurbahnen mit Saugluftbremsen Bauart Hardy und Körting ausgerüstet worden.

    Meines Wissens hatten sie heutzutage Druckluftbremsen. Die Bauart ist mir nicht bekannt aber der Druckluftbehälter dürfte etwas damit zu tun haben.



    Ein weiteres, interessantes Detail fiel mir bei meinen Aufnahmen des Hecks der Maschine auf.

    Statt der bei den Einheitslokomotiven übliche Kohlenkastenklappe hatte diese Lokomotive eine Art Schwänzchen, einen Öleinfüllstutzen, auf dem Tender.

    Okay! Die Beschriftung der „99 750“ war noch original. Also eine „Breitseite“ aufgerufen und den Tender auf Maximum vergrößert.

    Tatsächlich!

    Dort, wo sonst „Kohle“ zu lesen sein würde, stand statt dessen „Öl“.

    Damit dürfte sie das einzige übriggebliebene Exemplar der Baureihe „99.73–76“ mit Ölhauptfeuerung sein.

    Als die Zittau-Oybin/Johnsdorfer Schmalspurbahn noch zur DB gehörte wurden die Stammlokomotiven der Bahn auf Ölhauptfeuerung umgebaut. Der Umbau bewährte sich nicht sodass die noch aktiven Lokomotiven wieder auf Kohlefeuerung zurückgebaut wurden.

    Die „99 750“ hatte man nicht mehr umgebaut. Sie kam, so wie sie war, auf den Denkmalsockel in Großschönau.

    Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher ob die „99 757“, die da im Zittauer Bahnhof als Ausstellungsstück herumsteht, nicht auch noch „ölt“.



    Ursprünglich stand hinter der „99 750“ noch ein Personenzugwagen. Was es damit auf sich hatte weis ich nicht.

    Ältere Internetbilder zeigen noch das Fahrzeugpaar. Auch in dem 2022-er Eisenbahnkalender, den ich 2021 zu Weihnachten geschenkt bekam, zeigt sich die Dampflok noch mit Anhang.

    Doch als ich hierher kam und fotografierte war sowohl der Reisezugwagen als auch das zugehörige Gleisstück verschwunden.

    Wann und warum der Waggon weg gebracht wurde, ebenso wohin er kam, konnte ich bis jetzt nicht ermitteln.

    Der große Manitu namens Internet schweigt sich darüber aus. Nun, vielleicht habe ich die Frage nicht richtig gestellt.

    Es war gar nicht so unlogisch, das man hier im TRIXI - Ferienpark eine Lokomotive aufstellt hatte.

    Meinem Buch konnte ich entnehmen, dass es einst einmal Pläne gab die Schmalspurbahn von Johnsdorf nach Großschönau zu verlängern.

    Auch bis zur Grenze, ins Böhmische, wollte man die Bahn verlängern.

    Leider zerschlugen sich diese Pläne.

    Sonst hätten wir in Sachsen neben dem Thumer, dem Wilsdruffer und dem Mügelner Schmalspurbahnnetzes auch noch ein „Zittauer oder Bertsdorfer Netz“ gehabt.

    Zittau war eh der Ausgangspunkt mehrerer Schmalspurbahnen gewesen. Doch durch Stalins willkürliche Grenzziehung kam es zur Stilllegung der meisten dieser Strecken.

    Lediglich die Bahn nach Oybin und Johnsdorf blieb erhalten.

    Die Lokomotive hier vor dem Ferienpark war eine gute Werbemaßnahme.

    Auf jedem Fall war es besser das Fahrzeug irgendwo aufzustellen als es zu verschrotten.

  • Hallo Altglaser,


    der damals bei 99 750 stehende Theaterwagen ist heute im Bahnhof Oybin zu finden.

    99 757 hat(te) keine Ölfeuerung.


    Schönen Sonntag!

  • Hallo Altglaser, hallo alle anderen. Anbei zwei Fotos von der Lok und dem Wagen.


    Am Trixibad Großschönau 21.04.2015


    Hier der Wagen 970-261


    Wünsche euch noch einen schönen Sonntag. Gerd

  • Hallo Heberlein, hallo Gerd,

    danke für die Rückmeldung. Das mit der "99 757" habe ich mir gleich notiert. Die Info kann ich gleich in den Text einfließen lassen den ich zu dieser Maschine schreibe. Übers Jahr verschlägt es mich sicherlich auch mal wieder nach Zittau. Dann schaue ich mir den Wagen an. Gerd! Um Deine Bilder beneide ich Dich. Mit dem Wagen am Haken sieht die Sache irgendwie besser aus. Schade dass man ihn weggenommen hat. LG Sören