Kuppelbäume auf der Harzquerbahn

  • Guten Abend liebe Forumsteilnehmer,


    zum Thema Kuppelbäume wurde schon viel geschrieben. Dennoch bin ich bei meiner Suche im Forum leider nicht fündig geworden.

    Auf der Harzquerbahn und später auch im Selketal wurde umfangreicher Güterverkehr auf Rollwagen ( Rollböcke sind nicht gemeint) betrieben. Und auch heute, bei der HSB, gibt es noch einzelne Rollwagen. Dabei geht es mir aber um die Kuppelstangen. In meiner Recherche habe ich Bilder von Rollwagenzügen gefunden, die hatten meist zwischen den einzelnen Rollwagen kurze Kuppelbäume und zur Lok oder zum Zugbegleiterwagen lange Kuppelbäume.

    Meine Fragen:

    1. Welche Längen von Kuppelbäumen gab es bei der Harzquerbahn bzw. gibt es heute noch bei der HSB?

    2. Wann wurde welche Länge eingesetzt? Gab es dazu Vorschriften?


    Meine Vermutung ist, dass es bei aufgebockten Wagen, die nicht über die Länge des Rollwagens drüber hinaus ragen, im Zug kurze Kuppelbäume (welche Länge?) eingesetzt wurden.

    Überall dort, wo anhand von Überständen in den Kurven Probleme auftreten können, wurden lange Kuppelbäume (welche Länge?) eingesetzt.


    Weiß das jemand der "Harz-Spezialisten" hier im Forum?

    Mir geht es um den Einsatz im Modell. Künftig möchte ich "richtige" Kuppelstangen (mit Bremsleitung) im Modellzug einsetzen. Und wenn dann schon vorbildgerechter, dann auch in der richtigen Länge.

    Falls das niemand beantworten kann, gehe ich nach meiner Annahme vor.

    Falls das aber jemand weß, wäre ich für seine Antwort sehr dankbar und würde das dann auch später mit Fotos "belohnen", wenn ich die Kuppelstangen dann richtig im Modell einsetze.


    An dieser Stelle vielen Dank im Voraus und einen schönen Abend!

    Beste Grüße, Volker

  • Hallo Volker,


    die Puffer der Regelspurwagen müssen mindestens 40cm Abstand haben. Dementsprechend wird der Kuppelbaum ausgewählt. Standartgrößen sind (glaube ich) 2,5m, 4,00m und 6,00m. Infos dazu stehen auch im neuen Wagenbuch über die sächsischen Schmalspurbahnen. Ich habe bisher nur mal kurz reingelesen.


    Im Modell gefallen mir die Kuppelbäume von technomodell am besten. Es gibt auch welche von Glöckner. Nutzt du Rollwagen von Glöckner? Ich habe die Löcher der Kupplungen auf 1mm aufgebohrt und nutze auch die Kuppelbolzen von technomodell.


    Gruß Lutz

  • Hallo Volker,


    vielleicht hilft dir auch das Büchlein vom Transpress-Verlag: Die Modellbahn-Werkstatt (8) "Schmalspurbahn im Modell" ISBN 3-613-71184-2. Autor Dominik Stroner.


    Gruß Lutz

  • Moin,

    zwischen Lok und ersten Rollwagen waren gekröpfte Kuppelbäume von mindestens 2,50 m vorgeschrieben. Alle anderen längen, wovon es ettliche gab, richteten sich nach den Pufferabständen der aufgerollten Wagen. Möglich waren 1,60 m bis 6 m. Lange Kuppelbäume brauchte man z.B. bei GBS Wagen und selten bei aufgerollten Drehgestellwagen über zwei Rollwagen. Da konnte es auch vorkommen das man zwischen den Rollwagen gar kein Kuppelbaum einbaute. Lange Kuppelbäume durften nur wenige verbaut werden im Zugverband. Kuppelbäume unterlagen einer Fristuntersuchung.


    Beste Grüße Reiner

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  • Hallo Michael, Lutz und Reiner,


    Ihr seid ja echt geballtes Fachwissen hoch Drei!!! Große Klasse!

    Michael, ich habe mir die PDF für Rollfahrzeuge herunter geladen und gerade gelesen. Was da alles geregelt war, im Nachinein ist das völlig klar. Man unterschätzt schnell, wie die Verlagerung des Schwerpunktes nach Oben gerade in engen Kurven, bei Sturm oder beim Rangieren negativ wirken kann!

    Lutz, Du hast völlig Recht mit Deiner Aussage zu den 40cm Pufferabstand der Regelspurwagen!

    Ja, ich habe einige Rollwagen von Fa. Glöckner und aber auch 3 von Weinert. Aufbohren musste ich auch die Glöckner-Stangen schon, um genüg Spiel und Bewegungsfreiheit zu haben.

    Herr Melzer, den ich gut kenne, hat jetzt Kuppelbäume von Fa. Veit im Shop und auf die hab ichs eigentlich abgesehen.

    Reiner, Dein Hinweis zu der Kröpfung ist ja spitze. Das hängt sicher mit der Höhe der geschlitzten Puffer zu den Rollwagen (Schräge) zusammen. Der Hinweis, dass der erste Rollwagen zur Lok immer 2,5m lange Kuppelbäume hat, passt zu meinen Bildern aus meiner Kindheit gut. Ich habe in der Vorschrift jetzt auch das mit den Schutzwagen gelesen etc. . So einfach mal Rollwagen im Personenzug mitzuführen war unmöglich! Und selbst Güterwagen und Rollwagen in einem Zug hatte ihre Reihenfolge hinter der Lok.

    Einen Drehgestellwagen auf 2 Rollwagen habe ich beim Streckenaufbau Strassberg - Stiege gesehen! Klar, das war ganz selten.


    Heute musste ich zur Untersuchung in die Uniklinik nach Dresden, aber es scheint alles okay zu sein. Da schaffe ich das durcharbeiten nicht mehr.

    Aber Dank Eurer Hilfe habe ich jetzt eine echte Grundlage, kann da meine Züge "im Kopf" schon variieren und danach die Kuppelbäume beim Herrn Melzer bestellen. Die bei Pmt (57613) habe ich schon gesehen, aber die sind ja nicht lieferbar.


    Ich will nicht zu viel versprechen, aber ich werde Euch mindestens mit Bildern der Rollwagenzüge "belohnen".

    Kann ich denn sonst etwas für Euch tun oder mich erkenntlich zeigen? Bei den Duos weiss ich aufgrund meiner Arbeit schon recht viel, aber das interessiert sicher nicht so, denke ich mal?


    Zunächst bedanke ich mich ganz herzlich, werde mich kümmern und dann Bilder einstellen, wenn Herr Melzer geliefert hat.

    Einen schönen Abend in die Runde und nochmals herzliches Dankeschön! Volker

  • Ich noch mal.

    Übrigens resultierte das mitführen eines Packwagens bei den Güterzügen schon immer daraus genügend Kuppelbäume, Kuppeleisen und Spannbügel mit Ketten usw. mitführen zu müssen/können. Natürlich auch fürs Zugpersonal und begleitende Grenzsoldaten zum Brocken. Auch in den meisten Reisezugpackwagen lag oft ein Kuppelbaum mit drin. Erst als die Not mit dem Frachtrückstau und auch Personalmangel so groß wurde verzichtete man zuerst in Nordhausen und später auch in Wernigerode auf das mitführen des Packwagens. 10 t gespart. Weiterhin ist kein Zug mit Rollwagen ohne Zugvorbereitung durch einen Wagenmeister aus den Spurwechselbahnhöfen abgefahren. Die Wgm waren auch immer beim aufbocken und oft auch beim abbocken anwesend so das immer nur einwandfreie Züge raus gingen. Dafür gab es in Wernigerode und Nordhausen immer Wagenmeister. Zwischen Wernigerode und Norhausen gab es auch immer ein Zugpaar, 14407 u.14404 als Pmg welches für Leerrollwagenübeführungen diente.

    Beste Grüße Reiner

  • Guten Abend Reiner,

    vielen Dank! Aus diesen Aussagen wird einem erstmal klar, dass das alles auch mit Aufwand und Personal verbunden war, das rundum für die Sicherheit sorgte. Bedenkt man das Frachtaufkommen von damals und die ganz wenigen Unfälle oder Beinaheunfälle, dann weiss man erstmal die Leistung der Bahner damals zu schätzen! Ohne jetzt in Ostalgie zu verfallen, muss man das auch mal beachten. Und, es war die Zeit ohne Computer, Handy oder Internet mit einem Telefonnetz, dass dürftig war.

    Als Jahrgang 66er sind wir halt mit den Eltern damals mehrmals im Jahr von Nordhausen mit der Harzquerbahn nach Wernigerode gefahren und das war DAS Erlebnis. Und zu meiner Tante in Ilfeld gings jede Winterferien mit dem Zug. Von da aus zum Netzkater, rein ne Bockwurst essen! Die Welt war in Ordnung, wir waren zufrieden.

    Entschuldige, aber das alles bricht aus einem heraus, wenn man an die damalige Zeit denkt. Sicher verklärt sich das alles und es gab garantiert andere Probleme.

    Dennoch ist es schön, diese Zeit im Modell und im Kopf mal etwas zurück zu holen!


    Schönen Abend und alles Gute, Volker

  • ... Rollwagen im Personenzug mitzuführen war unmöglich! ...

    Hallo,

    kleine Ergänzung zu dem oben geschriebenen: es gibt ein Foto mit 99 243 bei DAH mit einem Gmp: zwei Rollwagen und danach mehrere Personenwagen. Aus dem Jahr 1964. Das Foto ist wahrscheinlich in "Bahnen im Harz II" abgedruckt, ich habe nur noch einen Scan.

    Also auch Rollwagen im Personenzug gab es ...


    Gruß

    Scottie

  • Hallo Scottie,

    das war äußerst selten wenn überhaupt.

    Es gab ja unterschiedliche Zuggattungen. Und in Gmp und Pmg, äußerlich dem Personenzug sehr ähnlich und von einen außenstehenden nicht zu unterscheiden, war das mitführen von aufgebockten (umgangssprachlich, sonst aufgerollten) Rollwagen wohl zugelassen. Beste Beispieledie GmP nach Schierke und Hasselfelde wo das regelmäßig passierte. Auch im Pmg sind selten aufgebockte Rollwagen mitgeführt worden. In reinen Personenzügen war das nicht zugelassen. Dies war unter anderen im Fahrplan der Züge geregelt. Dort war als Fußnote oder im Kopf angegeben "Für Rollwagenverkehr zugelassen".


    Bild links Personenzug und rechts GmP und Güterzug.


    Beste Grüße Reiner