"Die Zörbiger Saftbahn" - Bitterfeld-Stumsdorf

  • Viele Bahnstrecken haben wohlklingende Namen, welche Landschaften und Regionen beschreiben. Oft wurden diese Namen aus dem Volksmund entwickelt und machten die heimischen Strecken bekannt. Die „Saftbahn“ hat einen weniger wohlklingenden Namen. Dieser mag wohl auf die in Zörbig einst ansässige Zuckerfabrik zurückzuführen sein. Noch heute wird in Zörbig Rübensirup und Marmelade hergestellt und das Zeug ist wirklich gut.

    Schon im Jahr 1897 wurde die ca. 20 Kilometer lange Strecke zwischen Bitterfeld und Stumsdorf eröffnet. Grund war die wachsende Industrie im Raum Bitterfeld-Wolfen, der Braunkohlegewinnung und dabei nicht nur im Güterverkehr, auch Berufspendler nutzten intensiv das Angebot.

    Zwischenzeitlich gab es sogar Überlegungen, die Bahnlinie in Richtung Könnern über das Plötzer Kohlerevier zu verlängern.

    Zörbig hatte sogar noch Anschluss an eine weitere Bahn, der Schmalspurbahn Dessau-Radegaster Kleinbahn, die ab 1946 als Reparationsleistung abgebaut wurde.

    Erst zur Wendezeit ab 1990 wendete sich das Blatt, mit dem Niedergang der Industrie fiel der Güterverkehrt weg und im Personenverkehr stiegen diejenigen auf das Auto um, die noch einen Job hatten.

    Im September 2002 endete der Personenverkehr, trotz erheblicher Widerstand in der Bevölkerung und der regionalen Amtsebene. Der schlechte Gleiszustand und der Einsatz von LVT war schon lange nicht mehr konkurrenzfähig mit Auto und Bus.

    Damit schien das Schicksal besiegelt zu sein, aber es gibt noch Wunder. Im Jahr 2005 begann hier ein neues Zeitalter. Dank einer Ansiedlung eines Bio Ethanolherstellers in Zörbig, gab es Bedarf für einen Gleisanschluss. Dafür wurde die Strecke bitterfeld-Zörbig saniert. Leider bleibt der Abschnitt Zörbig-Stumsdorf ohne Verkehr.

    Anfang der 90er verkehrten noch V100 zw. beiden Endpunkten, hier verlässt die Wittenberger 201 225 den Bf. Stumsdorf

    Am Bf. Stumsdorf hatte die LPG ein Lager, wer war wohl Theodor Roemer?

    In Großzöberitz existierte ein großes Bahnhofsgebäude für ein recht übersichtliches Dörfchen


    Kurz vor Bitterfeld trafen wir nochmals auf 201 225


    Als ich die Saftbahn besuchte, war ich schon n der Nahverkehrsplanung tätig. Mich erwartete ein Freund in Zörbig und ihn haute es fast um,. als ich mit einem 612 anreiste. Aber nein, so viele Privilegien habe ich auch nicht. Am 17.04.2001 ersetzte man beim Bh Leipzig Süd eine ausgefallene Ferkeltaxe mit diesem modernen Triebwagen. ja, damals ging das noch....

    Ab 1997 kamen 628 hier zum Einsatz, diese mussten ab 2000 auf anderen Strecken aushelfen. Es folgte ein reiner LVT Betrieb. und mit diesen endete dann auch der Reiseverkehr. Hier kreuzen in Sandersdorf der 612 und die "Ferkeltaxe"

    771 031 war einer der Stammtriebwagen auf dieser Bahn.,

    Neigetechnik auf der Nebenbahn - nicht ganz - die war ja selbst auf den Einsatzstrecken der 612 mehr Aus- als Eingeschaltet.

    Im stark umgebauten Bf. Bitterfeld war die Regiobahn Bitterfeld sehr aktiv.

    Streckenende Zörbig wurde erreicht - die Kappung nach Stumsdorf kostete zahlreiche Fahrgäste, denn dort war der Anschluss nach Halle und Köthen gegeben, damit orientierten sich Pendler um.

    Und wieder sind wir in Großzöberitz und zum Glück ist das EG ein Wohnhaus.

    In Heideloh reichte eine kleine Hütte

    Das Stumsdorf als Zugziel angezeigt wurde, war eher ein Irrtum - denn hinter Zörbig war der Oberbau gesperrt. Aber bestimmt gab es Zörbig als Endpunkt nicht im Bordrechner.

    Was nutzt einem ein Hightech Pendelzug, wenn man an jedem Bahnübergang bremsen und anhalten musste.-.-..die Bahn musste Kapitulieren.

    Zörbig ist erreicht, von hier aus ging es zurück nach Bitterfeld. Der Einsatz eines 612 blieb einen besondere Eintagsfliege.

    Heutzutage gibt es kaum auf lukrativen Hauptstrecken genügend Reservefahrzeuge. Daher ist der Einsatz eines Ersatzfahrzeuges etwas besonderes.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Plandampf mit 89 1004 auf der "Saftbahn"

    zum 100jährigen Jubiläum der Zörbiger Saftbahn kam die kleine 89 1004 zu Planzug-Ehren. Im Bw Bitterfeld gab es dazu eine Fahrzeugausstellung. Hier eine kleine Auswahl meiner Dias vom 20.05.1995:

    Abfahrbereit in Bittefeld

    Ausfahrt in Zörbig nach Stumsdorf

    Ausfahrt Stumsdorf in Richtung Zörbig

    Bei Heideloh geht es an blühenden Rapsfeldern vorbei.

    Auch ein kleiner Fotogüterzug kam zum Einsatz, hier in Stumsdorf aufgenommen.

    Viele Grüße

    Toralf

    P.S.: BRBler Kannst du bitte den Titel in "Die Saftbahn Bitterfeld - Zörbig - Stumsdorf" umbenennen, so daß hier alles rein kann, was diese Strecke betrifft? Danke. Ich hab auch noch mehr Bilder, muß ich aber noch raussuchen.

  • BRBler 1. Februar 2022 um 19:07

    Hat den Titel des Themas von „Mit Neigetechnik auf der „Saftbahn““ zu „"Die Zörbiger Saftbahn" - Bitterfeld-Stumsdorf“ geändert.
  • Was nutzt einem ein Hightech Pendelzug, wenn man an jedem Bahnübergang bremsen und anhalten musste.-.-.

    Hallo thomas,

    Er mußte sicherlich hinter demBÜ nochmal anhalten,um den Zugbegleiter,der den BÜ sicherte aufzunehmen.

    Denn um ihn hereinzulassen,mußte der Tf die Tür öffnen.Das geht ja nur im Stand.

    ..die Bahn musste Kapitulieren.

    Naja...man hätte die Strecke sanieren können mit BÜ-Sicherungsanlage,modernen Bahnsteigen usw.

    aber der Busverkehr war warscheinlich billiger.Aber das ist ein anderes Thema.

  • Hallo Thomas,

    vielen Dank für dieses Thema und Deinen Beitrag dazu.

    Einige Textstellen möchte ich aber kommentieren oder aber berichtigen.

    Du schriebst: in Großzöberitz .... ist das EG ein Wohnhaus.

    Ja vielleicht war es das mal. Auf Deinem Bild sind aber alle Fensterhöhlen, hinter denen man wohnen könnte, gegen Vandalismus gesichert. Das wird wohl nicht mehr bewohnt gewesen sein. Ein schönes Gebäude ist das trotzdem.

    Und nach Jans Beitrag wird vsl. klar, was gemeint war. Das Gebäude hat eine Weiternutzung als Wohnhaus nach einer "Vollreko" gefunden.

    Warum aber sollte es nur "damals" möglich gewesen sein, für eine Zugleistung (auch mehrere) ein abweichendes Fahrzeug einzusetzen?

    Das geht auch jetzt noch genauso wie damals, sofern die gleichen Bedingungen erfüllt sind, die auch "damals" zu beachten waren. Das Fahrzeug muß die Parameter des Fahrplans erfüllen und der eingeteilte Lokführer muß Fahrzeugkunde besitzen - alternativ ein Ersatzlokführer eben Streckenkunde.

    Wenn der Fahrplan damals auf Br 772 gelautet hat (wohlmöglich noch in Einzeltraktion), dann hat der 612 zumindest mal das Parameter Zuglänge erheblich überschritten. Dafür könnten heute Extramaßnahmen nötig sein (Fahrplan umbestellen oder Einholen einer Abweichung), welche damals vermutlich nicht durchgeführt wurden (oder vielleicht doch?).

    Auf Nebenbahnen ist ein 612 aber damals wie heute im "Fehleinsatz". Dazu ist das Fahrzeug durch seine Ausrüstung und Konstruktion viel zu teuer. Durch die "böse Story" mit den Achswellen ist diese Bauart immer noch arg in Verruf, auch wenn die Gesamtdauer der damaligen Neigetechnikabschaltung inzwischen nur noch eine Fußnote der Fahrzeuggeschichte darstellt und die Triebwagen jetzt seit vielen Jahren stabil und zuverlässig im Einsatz stehen (allermeist auch mit Neigetechnik).

    Noch kurz zum gezeigten Triebwagen. Der 612 010 hatte nach der Auflösung der Bestände in Halle bzw. Leipzig nicht mehr viel Glück. Er fuhr noch mal kurz für Kassel (nach Hagen) und wurde im ersten Halbjahr 2019 (wie fast alle Kasseler 612 aussortiert) und nach Mukran verbracht.

    Gruuß

    217 055

    2 Mal editiert, zuletzt von 217 055 (1. Februar 2022 um 23:07) aus folgendem Grund: Fehler nachgebessert und Nachtrag eingefügt

  • Moin zusammen,

    am 06.06.1996 bin ich extra dorthin gefahren um die Strecke nochmal abzufahren. Einmal Bitterfeld - Stumsdorf und zurück, in Zörbig ausgestiegen und einen Takt später weiter gefahren. Vier Bilder waren es wert gescannt zu werden.

    Mit der RB aus Stumsdorf kam ich mit, nach einem kurzen Sprint gab es noch einen Nachschuß auf die abschiebende RB mit 202 338.


    Dann hatte ich Zeit mich umzusehen, aber viel war nicht los dort. :) Den Gegentakt hatte die 201 619 am Haken. allein das hatte sich schon für mich gelohnt, waren doch die 201er selten geworden. Ausfahrt nach Stumsdorf.


    Dann mußte ich warten bis die Fuhre wieder zurück kam, dann ging es zurück nach Bitterfeld wo noch ein Abschiedsbild der 201 619 entstand. Nicht ganz legal, aber mit dem Zugpersonal abgesprochen.


    Mehr habe ich aktuell von der Bahn nicht zu bieten.

    Gruß

    Carsten

    Einmal editiert, zuletzt von Dieselkutscher (2. Februar 2022 um 22:12)

  • Hallo Thomas, Toralf und Carsten,

    ganz herzlichen Dank Euch für die schönen Fotos dieser mir vollkommen unbekannten Strecke.

    Zörbig verbinde ich allerdings auch sofort mit Zuckerrübensirup, den ich zu DDR-Zeiten schon gern aß und auch heute noch genieße. Den Zörbiger Sirup gibt es zum Glück noch immer.

    Die 89 1004 mit dieser Zirkuslackierung hab ich allerdings nur einmal anlässlich der Fahrzeugparade Riesa gesehen. Dort hatte man ihr eine königlich preußische Beschriftung verpasst. Mein Foto von ihr ist aber nicht zeigenswert. Im Schlepp hatte sie die 98 001 und einige hübsche uralte Wagen.

    Viele Grüße

    Dampfachim

  • Hallo 217 055 ...ich bin ja heute als Verkehrsplaner tagtäglich mit den in Brandenburg zu erbringenden Leistungen beschäftigt. Allein was ich beim RE1 erlebe, wenn da eine 182 aushaucht, gibt es nur im Ausnahmefall Ersatz durch 112. Leider fallen viel zu oft Züge komplett aus und das bei der wichtigsten Brandenburger Linie. Bei den anderen Leistungen im Land ist es ähnlich. Allerdings gehe ich favon aus, dass es noch schlimmer kommt, wenn im Dezember die ODEG den RE1 übetnimmt.

    Stimmt, in Großzöbetitz wurde zwar schon am EG gewerkelt, aber das konnte man nicht sehen.

    Die Website http://www.saftbahn.de war der Grund für den Besuch in Zörbig. Ein 612 machte diesen Tag zu etwas besonderem

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas