Die Baureihe V75 / 107 der DR - vor 35 Jahren war Schluss

  • Die Baureihe V75 / 107 der DR

    Für den immer schwerer werdenden Rangierdienst vor allem in Leipzig Hbf war der aufwändige Dampfbetrieb schon lange nicht mehr zeitgemäß.

    Doch es fehlte Anfang der 60er einfach an einer geeigneten modernen Rangierlok. Überlegungen sich an die Beschaffung von vierachs. Französischen Rangierloks durch das Stahlwerk Brandenburg anzuschließen, wurden wegen der hohen Devisenlast und Ersatzteilversorgung verworfen.

    Doch der Blick über den Tellerrand verblieb in Tschechien, wo bei CKD schon länger die T435 produziert wurde. Immerhin wurde diese dieselelektrische Lok in den 50ern schon entwickelt.

    Das Auspuffgeräusch des langsamlaufenden Dieselmotors (750/min Nenndrehzahl) war unverkennbar und erinnerte an einen Fischkutter. Die Lokomotiven erhielten in Anlehnung nach US-amerikanischem Vorbild einen Endführerstand und einen hohen, schmalen Vorbau. Während die ersten Lokomotiven auf Schwanenhalsdrehgestellen laufen, erhielten die meisten Lokomotiven Achslenkerdrehgestelle.

    Von 1958 bis 1962 produzierte CKD die klassischen T435. Davon wurden 150 an die CSD geliefert und 83 gingen in die Industrie. Aber auch Albanien, der Irak und letztlich die DDR waren Abnehmer. Für die russische Staatsbahn wurden 587 Breitspurfahrzeuge hergestellt.

    Die DR beschafft im Jahr 1962 selbst 20 Lokomotiven und bei diesem Einkauf wurden nochmals 18 Lokomotiven für DDR Industriebetriebe eingekauft, welche in Leuna, Schwedt, Schwarze Pumpe und im Zementwerk Karsdorf zum Einsatz kamen.

    Haupteinsatzgebiet war der Rangiereinsatz am Leipziger Hbf, aber auch leichte Güterzüge und Übergaben standen in den Umläufen. Für den Heidelbeerexpress Leipzig-Pretzsch in den Sommermonaten, kam eine 107 auch mit Reisezügen auf die Strecke bzw. bei Ausfall anderer Zugloks.

    Obwohl sich die 107 bewährte, war ihr kein langes Leben beschieden.

    Der Bestand war einfach zu klein und die Besonderheiten der 107 einfach zu umfangreich. Vor allem die Ersatzteilhaltung sorgte für Probleme. Auch lieferte CKD nicht sehr schnell fehlende Teile nach.

    So kam es schon in den 70ern zu ersten Verkäufen und Abstellungen.

    Auch die nun produzierte V60 / 106 bewährte sich besser im Einsatzgebiet der 107 und löste diese bis Ende der 70er vollständig in Leipzig ab. Es folgten erste Ausmusterungen und die Umsetzung von 107 003, 005, 015 nach Falkenberg – Est Eilenburg. Hier waren sie im Übergabeverkehr und am Ablaufberg eingesetzt. Für mich als Kind war es ein tolles zu Bett gehen, denn wenn die 107 den Ablaufberg hochknatterte, war nicht an Einschlafen zu denken und das ging die ganze Nacht so.

    Leider habe ich auch nie ein ordentliches Bild einer 107 in Eilenburg hinbekommen. Zum einen war die immer da und gehörte fast zum Hausstand und wie übel war es zu jener Zeit, als letzte Dampfloks ihre Runden drehten, dass man eine Diesel- oder E Lok fotografiert. Naja, habe ich eben verpasst – leider….

    Bis 1985 gab es noch vereinzelte Einsätze der 107 in Eilenburg. Zum Schluss von 107 013 die buchmäßig weiterhin beim Bw Lpz Süd beheimatet war und auch vor Arbeits- und Unkrautvernichtungszügen bis 1986 zu beobachten war.

    Heimliche Traditionslok war die bestens gepflegte 107 004, leider verkaufte die DR diese an das Zementwerk Karsdorf. Mit der Ausmusterung der 107 013 wurde auch sie im Mai 1987 an das Zementwerk Karsdorf verkauft.

    Mit der Wende wurde man wieder aufmerksam, denn ein Bild in einer Eisenbahnzeitschrift zeigte die jetzt leuchtend weiße 107 018 des Karsdorfer Zementwerkes, welche die Firmenfarben trug.

    Letztlich übernahm die KEG die Anschlussbahn des Werkes, inkl. Fahrzeuge und Werkstatt. Dann kam die Insolvenz und der neue Anbieter ARCO. Dieser verscherbelte leider recht schnell die Werte und wenn es Schrott wurde und so war 107 004 recht schnell zerschnitten.

    Zum Glück gibt es heute noch 107 018 im Originalzustand und ich kann euch nur empfehlen, ihrem Sound zu lauschen. Einmalig schön.

    So kannte ich die Baureihe 107, schon längst etwas angeschmuddelt und tuckernd auf dem Ablaufberg in Eilenburg

    107 013 übernahm als letzte diese Aufgabe und war bei Personal auch sehr beliebt. Ungewöhnlich, der Arbeitsplatz des Lokführers wir nur zur langen Schnauze voll ausgestattet, auf der Rückseite war nur eine einfache Ausstattung.

    Das große CKD Logo glänzte auf dem Vorbau, die Rangiertritte sollen wohl gut gewesen sein.

    Bei einer Sonderfahrt traf ich dann 1988 wieder auf das Modell T435, diesmal als Werkloks des Zementwerkes. Karsdorf. Beide wurden direkt ans Werk geliefert.

    Neben der 0556 präsentiert sich hier 0554 noch mit den alten Drehgestellen und der ungewohnten Farbgebung.

    Im Jahr 1985 kam dann 107 004 sogar zu Sonderzugehren auf der Strecke Eilenburg - Wurzen, hier in Zschepa Hohburg.

    Paradeaufstellung im Bahnhof Zschepa-Hohburg

    Dabei waren die Stars 86 001 und 52 5679, kaum Beachtung fand die Diesellok.

    Im Jahr 1983 traf ich 107 015 schon halb zerfallen in Leipzig Süd an. Von ihr blieben Rahmen und Fahrgestell übrig zum Achsentransport.

    Das Ende im Bw Leipzig Süd, die beleuchtete Nummer vom Vorbau ist im Fenster zu sehen.

    Erst in der Wendezeit wurde es wieder interessant und ich suchte das Zementwerk auf und hoffte auf die altbekannten Klänge. Und tatsächlich, die etwas betagt aussehende 0556 kam wie ein Hund angebellt und ich kann mir gut vorstellen, warum die Tschechen die Lok "Hektor" nannten.

    Der Tfz Führer war begeistert, dass sich jemand für sein Schätzchen interessierte. Ich wurde daher zur Mitfahrt eingeladen. Interessant auch die Betriebsführung - kam ein Bahnübergang, sprang der Kollege ab lief vor und lies die Schranken runter - ich tuckerte dann alleine auf der Maschine über den Übergang - welcher der Lokführer dann wieder öffnete und seine Lok im Sprint einholte. das wiederholte sich dreimal.

    Die Sicht nach Vorn war schon recht eingeschränkt.

    Einfach und funktional, so war es in einer 107 und es erinnerte eher an ein Vorkriegsmodell....

    Im Schuppen stand dann 107 018 im neuem Farbkleid und die Mitarbeiter in der Werkstatt waren derart über mein Interesse überrascht....

    Das man diese herausschleppte und auch die V60 ins neue Licht brachte.

    Schon bald sollte die KEG kommen und aus 107 018 wurde 012 und die Farbgebung wandelte sich etwas.

    In Stassfurt lächelte mich dann ein roter Stern an

    Die 0554 war es wieder, welche bei meiner ersten Begegnung noch Schwanenhalsdrehgestelle besaß.

    Leider wollte an diesem Tag die T435 0554 nicht so recht und blieb "kalt" - ohne meinem geliebten Tuckern....

    Ich kann noch einige Bilder zusammentragen, sicherlich habt ihr ja auch welche zur Ergänzung.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von BRBler (16. Februar 2022 um 15:03)

  • Hallo Thomas,

    die V 75 oder welche Nummern sie auch hatte ist keineswegs vergessen. 2018 hatten sich einige aus dieser Zunft in Schwarzenberg getroffen.

    Dieser Gast kam über die Grenze aus Böhmen

    Eine "018" ist für mich immer interessant

    Auf zur Drehscheibenrunde

    Mit dem dritten Gast habe ich mich leider nicht weiter beschäftigt, Wir waren ja hauptsächlich wegen der 94 2105 dort.

    MfG

    Helmut

  • Hallo,

    Danke für das zeigen der Bilder aus Schwarzenberg. Zu sehen ist aber nur eine V75 (T435/ 720) .

    Die anderen zwei sind T458er (721). Ich habe dazu schonmal im Preßkurier eine Abhandlung geschrieben: https://www.presskurier.de/145/tschechisc…hwarzenberg-vse

    Erkennen kann man die einfach, sie haben in der Seitenwand vor der Kühlerkammer noch Wartungsklappen, die fehlen bei der V75.

    "Die ab 1965 ebenfalls von ČKD gelieferten Loks der Reihe T458 sind die verbesserten Nachfolger der Reihe T435 und ihr äußerlich ähnlich. Durch eine geänderte Übersetzung der Getriebe sind sie aber nicht nur für 60, sondern für 80 km/h Höchstgeschwindigkeit zugelassen. Dazu sind diese Lokomotiven höher, länger, schwerer und haben einen größeren Tank. Sowohl in den T458 als auch T435 befinden sich je ein langsam laufender stehender 6-Zylinder-Reihenmotor mit maximal 750 U/min und einer Leistung von 552 kW bzw. 750 PS. "

    Nur mal ein kleiner Exkurs in den tschechischen Lokbau ;).

    Liebe Grüße TRO.

  • Danke Tom, über den "großen" Hektor wusste ich nicht viel. Auch das Führerhaus war größer und hatte drei Seitenfenster.

    Liebe Grüße von der Havel, Thomas

  • Hallo, ein kleine Episode dazu :

    Während unserer Lokschlosserausbildung waren wir das letzte Halbjahr 1970/71 zur Praxisaubildung im Bw Leipzig Süd. Dort waren ja die Loks stationiert und die Lehrlingsbrigade unter Anleitung eines Meister nur für die Instandhaltung und Wartung der V 75 Loks zuständig. Die Motorenbauteile waren mächtig gewaltig, denn es waren ja nur 6 Zylinder, aber mit einem Durchmesser von 32 cm. Wir mussten da auch mal einen Kolben austauschen,

    was nur mit einem Kran möglich war, denn Kolben und Pleul wogen ca. 150 Kg. Bei dem Anschließenden Zusammenbau, haben wir dann zu viert, mit einem entsprechend großen Inbusschlüssel, die Zylinderkopfschrauben angezogen.

    Recht einfach war dafür der Wechsel der Bremsssohlen, da diese schon mit Spurkranzführung ausgerüstet waren.

    Aber wie das halt so ist, man hatte viel Umgang mit diesen Maschinen, aber an ein Foto hat damals keiner gedacht.

    Ja es ist lange her und nur die Erinnerung an diese Zeit ist noch geblieben.

    MfG Opizug.

  • Guten Abend,

    ich kann zu dem Thema auch ein paar Bilder beisteuern - allerdings "nur" welche der tschechischen T435.

    Das erste Mal begenete mir eine dieser Loks im Mai 2017. Damals war der eigentlich für die Fahrt von Chomutov nach Vejprty geplante M131 (der aus Krimov) defekt, weshalb kurzerhand T435.0597 aus Cernovice vorgespannt wurde. Das Bild hab ich leider versemmelt und da ich nur mit dem Fahrrad unterwegs war habe ich nicht auf die Rückfahrt nach Chomutov warten wollen - hätte ich nur ...

    2018 konnte ich dann die beiden von Helmut bereits thematisierten tschechischen Hektoren auf der Rückfahrt aus Schwarzenberg in Vejprty festhalten. Im Zwischen den Loks befindlichen Wagen befand/befindet sich eine Modellbahnanlage:


    Eine weitere T435 begegnete mir auf einem Ausflug nach Mittelböhmen im Jahr 2020. T435.0145 war mit einem Sonderzug von Luzna u Rakovnika über Rakovnik nach Kralovice unterwegs. Die Strecke Rakovnik - Kralovice hat vergangenen Dezember ihren Personenverkehr verloren, lediglich im Sommer gibt es noch ein nach Prag durchgebundenes Ausflugszugpaar - aber das wäre eine andere Geschichte.

    Nummer 1 entstand in der Ortslage Rakovnik:


    Nummer 2 in der Steigung hinter Rakovnik:


    Nummer 3 bei der Ausfahrt aus Zavidov. Hier ist auch die schöne Zweiachsergarnitur mal zu sehen:


    Gruß

    Julius

  • Hallo zusammen,

    ein schöner Beitrag. Ich hänge mich mal mit den KEG-Lokomotiven ran. Alle Links hinter den Fahrzeugnummern führen zu http://www.rangierdiesel.de.

    An erster Stelle die 0701, hier im Mai 2002 im Chemnitzer Hbf

    Drei auf einen Streich erwischte ich am 01.03.2001 in Dresden-Neustadt. Der Nachschuss zeigt die 0703, 0704 und 0702.

    Im Mai 2002 rollte die 0703 durch Köln Süd.

    Weiter geht es mit der 0751, am 18.04.2002 in Chemnitz Hbf ...

    ... und am 08.10.2003 in Würzburg-Zell.

    Zum Schluss noch die 0752. Das Foto zeigt die Lok unbekannten Datums (zwischen 2000 und 2003) in Chemnitz Hbf.


    Gruss Andreas

  • Hallo,

    "für die Fahrt von Chomutov nach Vejprty geplante M131 (der aus Krimov) defekt, weshalb kurzerhand T435.0597 aus Cernovice"

    Ein Bild davon findet man hier: https://eisenbahnseite.de/2017-2/

    Auf den Bildern sieht man aber nicht die grüne T435.0145 sondern die T435 0139? Nur als Frage. Die war schon mehrmals auf unserer Seite des Erzgebirges zu Gast und gehört glaube ich zum Depot in Cheb.

    Mich freut es auch zu sehen das es auch hier so viele Freunde des "Hektors" gibt. Ich hoffe mal ganz sehr das die V75 018 auch wieder im Erzgebirge im Einsatz sein wird. Aktuell weilt sie ja noch in im südbrandenburgischen Brieske bei der Firma WISAG zur HU.

    Mfg TRO.