[PL] Schmalspurbahnen in Polen (Sammelordner)

  • Hallo allerseits,

    nach mehreren Jahren Abstinenz und Verhinderung (auch durch das häßliche C) habe ich es nun umgesetzt und einige Schmalspurbahnen in Polen erstmals ausführlicher oder überhaupt erstmalig besucht und kann damit einen aktuellen Status überliefern. Vollständigkeit ist nicht zu erwarten, auch weiß ich nur darüber zu schreiben, was ich selbst gesehen bzw. gelesen habe und ich beschränke mich auch darauf. Persönliche Einschätzungen oder Wertungen bezeichne ich sprachlich deutlich als solche.

    Zur Sicherung der Übersichtlichkeit nutze ich für jeden Ort bzw. jede Strecke einen neuen Beitrag - außerdem ermöglicht das eine übersichtliche Zeit bei der Erstellung des Beitrags und die Möglichkeit der Unterbrechung zwischen den Themen.


    Freundliche Grüße

    217 055

    Gruuß

    217 055

  • 1. Die Bahn des Museums Sochaczew und das Museum selber.

    Zuerst der Link zum Betreiber - inhaltlich aber recht übersichtlich.

    Seite des Museums der Schmalspurbahnen in Sochaczew

    Nie war es mir bisher gelungen, in Sochaczew an einem Einsatztag des "Retrozuges" in der Nähe zu sein - und das Museum hatte ich auch noch nicht besucht. Dies "mußte" nach der Sichtung von Bildern stilreiner Züge auf dieser mir bis dato unbekannten Strecke unbedingt nachgeholt werden. Am 9. Juli 2022 war es nun so weit und diesem Mißstand konnte abgeholfen werden.

    Lxd2-342 verläßt mit dem Zug am späteren Vormittag das Museumsgelände durch ein nur ganz kurz geöffnetes Tor. Der Bahnkörper wird vielfach als Fuß- und Radweg benutzt, wie die Sandstreifen neben dem "begrünten Gleis" zeigen.


    Das Museum selber hat einen relativ kleinen Bereich einer Ausstellung allgemein zur Entwicklung der Eisenbahn und speziell der Schmalspurbahnen mit Bildern und einigen Utensilien. Außerdem gibt es eine Modellbahnanlage mit den wesentlichen Höhepunkten der dortigen Strecke, die man als Besucher gegen Münzeinwurf auch in Verkehr setzen kann. Allerdings fährt nur ein einzelner Zug rasend einmal über die Strecke. Trotzdem ist diese Anlage ein schönes Andenken an die Regelbetriebszeit (die 1986 endete) und enthält neben den wesentlichen Bauwerken auch die Abschnitte mit parallelem Regelspur-Anschlußgleis bzw. später mit Dreischienengleis.

    Der Außenbereich enthält eine große Sammlung von Fahrzeugen des schmalspurigen Sektors, deren Pflege sichtbar die Möglichkeiten des Museums und seiner Mitarbeiter übersteigt. Früher wurde ganz konkret beschrieben, daß sich in Sochaczew das Museum für die Spurweite 750 mm befindet. Aktuell gibt es aber auch Exemplare der 600, 785 mm-Spurweite und auch der 1000 mm-Spurweite dort zu sehen. Letztere meine ich vor einigen Jahren noch in Gryfice im Museum der 1000 mm-Spur angetroffen zu haben. Aber dort soll es ja in jüngerer Zeit einige Abgänge gegeben haben.

    Hier stehen drei meterspurige Dampfloks hintereinander auf einem sehr provisorisch erweiterten Spurmaß. Dabei handelt es sich um die Loks Tyb6-3406, Tya6-3326 und Ty6-3286.


    In der Saison 2022 fahren die "Retrozüge" an Freitagen mit der Dampflok Px29-1704 und am Wochenende mit Diesellok Lxd2. Im Einsatz stand an meinem Besuchstag die Lxd2-342 (was ich auch sehr erhofft hatte). An diese Lok habe ich vielfältige Erinnerungen an Erlebnisse auf den Strecken um Sompolno. Das ist nun schon über 20 Jahre her und rund um Sompolno ist seit geraumer Zeit nur noch "eisenbahnfreie Wüste". Der Zug bestand aus 5 grün lackierten Bx(hpi) der Bauart 1AW und war somit sehr hübsch anzusehen.

    Bei der Durchquerung von Sochaczew wechselt das Umfeld zwischen städtisch und Gartensiedlung. Hier kurz hinter Sochaczew Miasto. Der Zug fährt oberbaubedingt so geneigt, das Foto selbst ist "gerade".

    Kurz hinter dem ehemaligen Zweispurbahnhof Chodaków vereinigten sich die beiden Spurweiten zu einem Dreischienengleis, welches in Teilen auch jetzt noch vorhanden ist. Der unmittelbar an den Bahnhof anschließende Abschnitt wurde aber extrem neuzeitlich aufgerüstet. Der Zug fährt ampelgesichert durch einen Kreisverkehr, dann etwa 100 Meter mitten in der Straße, um dann nach einer Verschwenkung der Straße in östlicher Seitenlage weiterzuführen. Mit Krawall geht es im Straßenraum zur Sache.

    Der Zug fährt bis nach Wilcze Tułowskie (ca. 18 km), wo Zugang zu einem Naturpark und Anschluß an einen Bus zur Weichsel besteht, dort umfährt die Lok und 40 Minuten später geht es etwa 2,5 km zurück nach Tułowice, wo es eine ausgedehnte "Freßpause" am Grill gibt.

    Das zweite Wendemanöver der Lok beim Umfahren des Wagenparks in Wilcze Tułowskie findet auf der Straße statt.

    Nun fährt der Zug in den Bahnhof Tułowice ein, wo ein Neubau-Empfangsgebäude zu besehen ist. Es folgen rund 90 Minuten Aufenthalt.

    Auf seiner Rückfahrt wurde der Zug noch einmal zwischen Sochaczew Miasto und dem Museumsbahnhof fotografiert, wo es entlang der ul. Marszałka Józefa Piłsudskiego schon eher städtisch aussieht. Froh über das nur einzige geparkte Auto in der Sackgasse, fuhr sofort nach Auslösen des Fotoapparates ein "weißer Kastenwagen" eines Lieferdienstes an mir vorbei und zeigte auf, was für ein Glück ich mit dieser Situation hatte.


    Leider ist der Stützpunkt der Einsatzfahrzeuge in Sochaczew sehr abgeriegelt und dadurch nicht zu besichtigen. Deshalb konnte ich nicht erfahren, welche Fahrzeuge außer den am 9. Juli eingesetzten noch zum Einsatzbestand zählen. Auf jeden Fall war noch ein Einrichtungs-Triebwagen über bzw. durch die Mauer zu erspähen.

    Hier paßt die Lok nach Rückkehr des Zuges gerade zwischen das Zauntor des Museums und die Blechmauer des Betriebsgeländes. Die Lok umfährt wieder und drückt den Wagenpark anschließend ins Betriebsgelände. Links steht das Empfangsgebäude des Schmalspurbahnhofs als Teil des Museumsgeländes. Der Eingang zum Museum befindet sich aber auf der Nordseite des Geländes.

    Und nun geschoben vom Museumsbahnsteig in den abgeschirmten Betriebsteil.

    Die "besondere" Form der oberen Lampe an der Lok ist übrigens ein Teil der Individualgeschichte dieser Lok. Diese war zumindest schon zum Ende ihrer Regeldienstzeit in Kujawien so (oder ähnlich, nämlich ohne Chromring) vorhanden. Ob es auch zu ihrer Zeit in Jędrzejów schon so war, entzieht sich meiner Kenntnis. Normalerweise ist dort oben ja ein großer Lampenkörper eingebaut.

    Gruuß

    217 055

    9 Mal editiert, zuletzt von 217 055 (7. August 2022 um 22:18) aus folgendem Grund: Ergänzung und fehlende Buchstaben nachgeliefert sowie kleine Fehlerbeseitigung. Zuletzt Bilder eingefügt und Texte dazu.

  • Na Klasse, hier macht man wohl den gleichen Unsinn, wie in Wolsztyn. In der Woche Dampf (weil da auch so viele Touristen unterwegs sind) und am Wochenende fährt man mit Diesel...

    Es ist schön, daß Du die polnischen Schmalspurbahnen vorstellst. Einiges ist mir nur (noch) dem Namen nach, bekannt. Zum Museum in Sochaczew habe ich es leider nie geschafft, und der Regelbetrieb war bei meinem ersten Besuch in Polen nur noch Geschichte.

    Ich freue mich schon auf weitere Folgen...

    Viele Grüße

    Christian

  • 2. Die Bahn von Piaseczno (früher Grójecka KD).

    In den Jahren um 2000 herum war ich zwar auch schon mal in Piaseczno, hatte aber nicht das Glück, dort Fahrbetrieb zu erleben. Der Güterverkehr war schon 1996 eingestellt worden und Reiseverkehr gab es auch keinen mehr außer einzelnen Sonderzügen. Lediglich die Anlagen des Bahnhofs und Betriebswerks Piaseczno Miasto sowie des Unterwegsbahnhofs Grójec und des Endbahnhofs Nowe Miasto nad Pilicą habe ich damals besichtigt.

    Auch die beiden meinerseits als Teilnehmer erlebten Bereisungen zahlreicher Strecken per Fotosonderfahrten machten einen Bogen um die meterspurige Bahn von Piaseczno.

    Am Nachmittag des 9. Juli 2022 und am Vormittag des 10. Juli sollte diesem Mißstand nun teilweise abgeholfen werden. Teilweise deshalb, weil nur noch ein relativ kleiner Teil des ehemals sehr umfangreichen Streckennetztes noch bzw. wieder befahrbar ist. Die benutzte Strecke reicht noch über ca. 15 km nach Tarczyn (Ruda). Dabei ist die Strecke recht abwechslungsreich und führt mitten durch die Stadt entlang von Straßen, zwischen zwei Straßen bzw. Wegen rechts und links der Strecke durch Eigenheimgebiete hindurch bis hin zu "mitten durch den Wald".

    Am 10. Juli war es zeitweise recht naß, besonders zur Abfahrtszeit des Zuges gegen 11:00 Uhr. Hier ist der Zug schon auf dem hinteren Drittel der aktuell befahrbaren Strecke kurz vor dem Bahnhof Złotokłos recht zügig unterwegs.

    Auch in Ortslagen ist die Geschwindigkeit des Zuges mit wenigen Ausnahmen recht hoch, so daß ein Ein- bzw. Überholen nur sehr eingeschränkt möglich ist. 25 bis 40 km/h wurde nahezu durchgehend gefahren, die Unterwegshalte wurden teilweise ausgelassen. Am Endbahnhof umfährt die Lok den Zug und nach nur kurzem Aufenthalt geht es zurück in den Wald zum ... na? Grillplatz natürlich!

    Lxd2-454 zeigt sich beim Umfahren im Bahnhof Tarczyn zusammen mit dem Wasserturm in einer Bauart, welche einst für diese Strecke typisch war. Der Turm wird von der Vegetation hart bedrängt ist nur noch vom Bahnhof her einigermaßen frei sichtbar.


    Das touristische Konzept scheint wie in Sochaczew sehr gut anzukommen, waren doch die gesehenen Züge stark ausgelastet. Dabei wird am Sonnabend nachmittags gefahren (Abfahrt 14:00 Uhr), an Sonntagen vormittags (Abfahrt 11:00). Zusätzlich gibt es weitere Fahrtage (z. B. Freitag) und öfter mal einen Zu- und Abbringerverkehr mit historischem Bus aus Warschau zu den Zügen.

    Am 9. Juli wartete dieser Bus (in diesem Fall Ikarus 280) auf die kurz bevor stehende Rückkehr des Zuges und auch "seines" Personals.


    Für uns Fans geht auf beiden Strecken die Rechnung ebenfalls auf, da die Zugbildung nicht die eines kunterbunten Spaßzuges ist. Leider war es mir nicht möglich, wie gewünscht auch ohne Mitfahrt Fahrkarten zu erwerben, wofür man sich im Büro der Bahn melden sollte. Ich wurde dort aber auf den Schaffner im Zug kurz vor oder nach der Abfahrt verwiesen, für den ich nun wieder keine Zeit hatte - wollte ich doch die Strecke ausreichend und rechtzeitig für aussagefähige Fotopunkte erkunden. Am Sonnabend (ich war nur anwesend bei der Rückkehr des Zuges auf den letzten 3 km) bestand der Wagenpark aus 4 rumänischen "Beiwagen" in klassisch weiß-roter Farbgebung, einem Barwagen in grün und einem ebenso gefärbten Packwagen. Der vierachsige Barwagen hatte Oberlicht und wird als Nachbau eines Wagens "Typ Wernigerode" bezeichnet. Am Sonntag wurde der Zug identisch, jedoch nur mit 2 rumänischen Sitzwagen gebildet. Da regnete es auch zeitweise, trotzdem war es eher zu wenig Platz. Unangemeldeter Zustieg wäre zumindest schwierig geworden.

    Sehr wertvoll ist es, nach oder vor dem Zugverkehr noch Zeit zu haben, werden doch alle Fahrzeuge außer dem Packwagen jede Nacht in den Schuppen gefahren. Wegen kurzer Länge des Ausziehgleises kann die Lok immer nur einen Wagen zwischen Schuppen und Bahnsteig befördern, muß also recht oft pendeln. Dadurch hat man streßfrei die Möglichkeit zur Umsetzung vieler verschiedener Bahnhofsmotive in Piaseczno Miasto. Maximal 5 rumänische Wagen sind einsatzbereit, was dann auf der Strecke die Lok schon tüchtig fordert.

    Nach Ankunft des Zuges im Bahnhof Piaseczno Miasto strömten die vielen Fahrgäste über 15 Minuten lang davon, die Lok umfuhr den Wagenpark und dann wurden die Wagen geputzt. Anschließend wurde begonnen, die Personenwagen einzeln abzuziehen und über ein kurzes Stumpfgleis in einen vierständigen Schuppen zu verbringen. Nach dem Wenden im Stumpfgleis geht es leicht abwärts ins Betriebsgelände und zur großen Halle, vorbei an dem Kreuz neben dem zweiten Schuppen, in dem Lxd2-465 und MBxd2-302 erkennbar waren.


    Nachdem die ersten beiden Wagen weg waren, waren bei der Abholung des dritten Wagens dann auch ein Teil der Anlagen und Gebäude gut ins Bild zu integrieren. Auf gehts für den nächsten Wagen unters Dach.


    Damit komme ich zu dem Punkt, der mir nicht so sehr gefallen hat. Die eingesetzte Lok Lxd2-454 wurde vor geraumer Zeit außer an den "Pufferbohlen" fast vollständig schwarz lackiert und wirkt trotz einiger roter Zierlinien eben wie ein schwarzer Klotz - macht dadurch beim Belichten bzw. Einstellen des Fotoapparats ähnliche Schwierigkeiten wie sonst Dampfloks. So ganz für sich allein sieht es nicht wirklich schlecht aus, vor hellen Wagen oder Gebäuden ist es aber nicht schön. Die Lok scheint auch ausschließlich oder zumindest überwiegend eingesetzt zu werden - ich hab jedenfalls in letzter Zeit keine Fotos mit anderer Traktion von dieser Bahn gesehen.

    Laut eigener Darstellung wäre auch die Lxd2-465 noch betriebsfähig - die ist klassisch rot mit gelbem/orangem Streifen lackiert. Neben dieser steht der MBxd2-302 im Schuppen in Piaseczno.

    Im Bahnhof selber steht noch eine (regelspurige) SM03 auf einem Rollwagen und die Lxd2-466 ohne Drehgestelle (und ohne manch anderes Bauteil des Innenlebens) ausgestellt, dazu ein regelspuriger E-Wagen auf einem Rollfahrzeug und ein Schneepflug. In einer Schrottecke stehen u.a. ein weiterer rumänischer Anhänger und die Reste der Lxd2-453 herum.


    Südlich von Tarczyn sind die Gleise der Strecke stark überwuchert bzw. geklaut, so daß eine Wiederbefahrbarkeit wohl nicht zu erwarten ist.

    Nachtrag: noch der Link zum Betreiber

    Kolej Piaseczno

    Gruuß

    217 055

    7 Mal editiert, zuletzt von 217 055 (11. August 2022 um 11:46) aus folgendem Grund: Ergänzungen, zuletzt die Fotos und die zugehörigen Texte.

  • Hallo 217 055,

    vielen Dank für Deinen Bericht, auf deren Fortsetzung ich schon gespannt bin.

    Auf den Unsinn der Bespannung ist ja Christian schon eingegangen :crazyeyes: Gerade am Wochenende hätte ich ja eine Dampflok erwartet.

    Mein Besuch in Sochaczew liegt nun leider auch schon über 20 Jahre her. Damals war der interessante Bereich hinter den Mauern leider auch abgesperrt. Wie siehts im Museum aus? War da etwas von den sächsischen Wagen zu sehen? Oder war da der angeblich vorhandene MBxd1 zu sehen?


    Gruß Tilo

  • Hallo Tilo und Christian,

    ich schließe mich der Kritik am Termin der Dampflokbespannung in Sochaczew ausdrücklich nicht an. Ich kenne nämlich die Begründung nicht - und bei den polnischen Nutzern habe ich keinerlei Mißstimmung wahrnehmen können. Vermutlich sind die Ansprüche eben durchaus anders als "bei uns".

    Bezüglich Wolsztyn hingegen schließe ich mich der Meinung, daß Dampfbespannung ausschließlich an Arbeitstagen am Bedarf völlig vorbei geht, durchaus an.

    Im Museum in Sochaczew ist mir kein Wagen sächsischen Ursprungs aufgefallen. ich nehme aber nur an, daß mir so einer gleich aufgefallen wäre. Explizit danach gesucht habe ich nicht und das Zeitbuget war begrenzt, nutzte ich für den Museumsbesuch doch die (Freß-)Pause im Zugverkehr. Der Museumsbesuch dauerte trotzdem zu lang, so daß es im Restabschnitt des Dreischienengleises nicht mehr für ein aussagefähiges Foto reichte - der Zug kam schon entgegen, bevor ich den dreischienigen Abschnitt erreichte.

    Einen MBxd1 habe ich in Sochaczew nicht gesehen - im abgesperrten Bereich ist so etwas möglicherweise trotzdem vorhanden. Dort gab es auch einige weitere Exemplare Lxd2 in unterschiedlichem Zustand zu erkennen sowie die MBd1-130 und MBd1-126 in gutem Zustand. Diese kann man als Sonderzug mit einem in der Mitte eingestellten Personenwagen auch mieten.

    Freundliche Grüße und Danke für das Interesse

    217 055

    Gruuß

    217 055

  • 3. Die Strecke von Rogów nach Biała Rawska

    Fährt man von Piaseczno über Grójec weiter nach Südwesten erreicht man nahezu "automatisch" das Städtchen Biała Rawska, an dessen östlichem Rand die Reste des Bahnhofs zu finden sind. Zur Zeit der letzten Personenzugfahrpläne fuhren außerhalb einer Werkstattanbindung von und nach Rogów Züge des Personenverkehrs nur noch zwischen Biała Rawska und Rawa Mazowiecka. Die Umladung von Regelspurwagen auf Rollwagen gab es aber nur in Rogów Towarowy, so daß stets die Gesamtstrecke in Betrieb blieb.

    Auch auf dieser Strecke hatte ich bislang nur einen Besuch des Bahnhofs Rogów Towarowy auf der Haben-Seite (also außer zuglosem Ansehen von Bahngelände) - Zugverkehr zur Endzeit der PKP oder eine Sonderfahrt waren mir nicht vergönnt. Leider meist nur noch ein Mal im Jahr wird die Gesamtstrecke (ca. 50 km) berechenbar befahren - ob und wie oft das als Sonderfahrt möglich ist, weiß ich leider nicht. Regulär wird im Sommerhalbjahr noch bis Anfang Oktober immer sonntags die 7 km lange Strecke von Rogòw Osobowy Wąsk. nach Jezów befahren, dafür aber mit 4 Zugpaaren im 100 Minuten-Takt.

    Zu meiner Überraschung war das Profil entlang der Gleise der Gesamtstrecke fast vollständig freigehalten, auch gab es relativ wenig Wildwuchs, so daß eine regelmäßige Pflege der Anlagen auch in verkehrsloser Zeit sichtbar ist. Natürlich sind die Spurrillen so manchen Bahnübergangs nicht frei, sondern müßten vor einer Befahrung erst behandelt werden - aber anders als bei der Bahn von Piaseczno ist die Gesamtstrecke nicht aufgegeben.

    Trotzdem ist im Sommer gerade auch im befahrenen Abschnitt der Bewuchs neben dem Gleis recht hoch, was Fotos auf freier Strecke nahezu unmöglich macht, will man "Schiff ohne Fahrwerk in der Wiese" vermeiden.

    In Rogów ist dann schon eher das unterwegs, was so üblicherweise die polnischen Touristenzüge ausmacht - allerdings in gemäßigter Form. Am 10. Juli fuhr entgegen meiner Befürchtung keine Lyd1 bzw. WLs 150, sondern die Lxd2-264 mit einem Pafawag-Wagen in blau-weißer Lackierung sowie zwei Aussichtswagen, entstanden durch Umbau von Güterwagen unter Aufsatz eines Daches. Dies Wagen waren aber wenigstens nicht quietschbunt, sondern einfarbig lackiert. Die Lok war in optischem Topzustand und wurde (wie auch die Lxd2-342 und 454 der beiden anderen Strecken) von einem Henschelmotor angetrieben.

    Am Betriebsgelände in Rogòw Towarowy Wąsk. gibt es einen Souvenirverkauf, aber nichts zum Mampfen. Letzteres wurde nach Jezów ausgelagert, wodurch es einen Grund gibt, mit dem Zug dorthin zu fahren. Das dortige Angebot war durchaus ansehnlich, man konnte ein Menü aus 2 dicken Bratwürsten, Brot und vielfältigem Salat sowie Soßen erwerben und war anschließend gut und schmackhaft gefüllt.

    In Jezów hat die Lxd2-264 den Wagenpark schon umfahren und wird nun wieder angekuppelt. Anders als verbreitet in Sachsen zur Neuzeit wird auch das Schlußsignal bald entfernt bzw. am neuen Zugschluß angebracht werden. Einige Fahrgäste hatten es nicht so mit dem Speisen oder ließen sich damit noch Zeit, schauten lieber dem Treiben am Zug zu.

    Hier nun verläßt der Zug den Betriebsmittelpunkt Rogów Towarowy und erreicht nach vielleicht 500 m den Endpunkt Rogów Osobowy Wąsk., gelegen gegenüber des Bahnhofsgebäudes der Regelspur auf der anderen Straßenseite. Dort entstand ein weiteres Bild von der umfahrenden Lxd2-264.

    In Rogòw Towarowy Wąsk. sind verschiedene Wagen und Lokomotiven in recht unterschiedlichem Zustand ab- bzw. ausgestellt, u. a. auch eine Px48.

    Neben der eingesetzten Lxd2-264 soll auch die Lxd2-265 betriebsfähig vorhanden sein (der Lokschuppen war aber nicht zugänglich und diese Lok nicht zu sehen). Auf einem Gleis steht vor 3 rumänischen Wagen die Lok Lxd2-340 (nicht einsatzfähig in dunklem roten Lack) ausgestellt, woanders leuchtet Lxd2-309 in blau-weiß-rotem Farbkleid, während "im Gebüsch" die Reste der Lxd2-249 herumgammeln.

    Und dann sind da noch weitere Reste eines der rumänischen Triebwagen-Wracks aus ehemals Krośniewice zu finden. Reste meint, daß schon vor 20 Jahren eigentlich nur die Außenhaut und der Bodenrahmen samt Fahrwerk übrig waren. Das Wrack soll wieder aufgebaut werden und die zugehörige Legende soll MBxd2-215 sein. Aktuell sind auch noch die Seitenbleche abgebaut, so daß es eher nach einer Verschrottung aussieht. Jedenfalls ein großes Projekt, was da versucht wird. Außerdem ist in ebenfalls schlechtem äußeren Zustand der MBxd1-203 im Freien abgestellt.

    Neben der Lxd2-309 vor einem Güterwagen steht eine Px48 vor einem Personenwagen abgestellt im Gelände vor dem Lokschuppen. Der Dampflok und dem Personenwagen fehlt so manches zu einem guten Zustand, so z. B. einiges an Glas (Fenster), dafür ist anderes eindeutig unerwünschtes (Korrosion) nicht zu knapp vorhanden.

    Hier noch mal ein Porträt der Lxd2-309, an der äußerlich die alte Bauart der L45H von Faur gut sichtbar ist - glatte Bleche und (weniger) große Luftschlitze. Das waren die Merkmale der Loks ab 1967 bis 1981.

    Die Lxd2-340 entspricht im Äußeren den Merkmalen der Loks aus den 1980ern - und war die erste davon für die PKP. Gesickte Bleche an allen Haubenaufbauten, mehr und kleinere Luftschlitze. So sahen die Exemplare für die PKP der Baujahre 1982 und 1983 aus. Die Loks aus dem Jahr 1985 hatten dann auch unterhalb der Fenster des Führerhauses und unter dem Rahmen zwischen den Drehgestellen gesickte Bleche.

    Die Nummerierung der Loks geschah nicht nur in durchgehender Reihe aufsteigend (ab 268, 351 und 451), verschlüsselte teilweise die Spurweite (750, 785 oder 1000 mm - passend zu den drei genannten Startnummern), sondern geschah in späten Baujahren bei der 750mm-Spur auch abwärts rückwärts von der ältesten Lok her (267-239). Aber das ist wieder ein Kapitel für sich.

    Und dann gab es noch nicht gerade wenige Loks, deren Nummern, Fabrikschilder und/oder Aufbauten getauscht wurden, bzw. um Tauschteile anderer Loks ergänzt wurden. So hatte die Lxd2-264 mal (z. B. im Film von Joachim Kaddatz zu sehen) die Kühlerhaube einer Lok der alten Serie. Jetzt hat sie das aber nicht mehr, sondern zeigt sich so, wie zur Nummer passend.

    Alle drei bisher vorgestellte Strecken sind gut auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, in Sochaczew, Piaseczno und Rogów bestehen gut vom Zugverkehr frequentierte Bahnhöfe an Hauptbahnen mit Direktumstieg oder aber nur kurzem Weg.

    Und hier noch der Link zum Betreiber:

    Rogowksa Kolej

    Gruuß

    217 055

    5 Mal editiert, zuletzt von 217 055 (11. August 2022 um 02:05) aus folgendem Grund: Link ergänzt, Feinschliff und zuletzt Bilder eingefügt mit entsprechenden Texten und Anmerkungen zur "Baureihe" Lxd2.

  • Hallo Kollege,

    wenn ich dort in der Nähe wäre, würde ich nicht wegen des dieselgeführten Zuges zu dieser Museumsbahn fahren.

    Hallo Christian, 


    so unterschiedlich ist das eben. 

    Ich habe auf den polnischen Schmalspurbahnen Dampfloks nur noch als Ausnahme bei Sonderfahrten bzw. vor Touristenzügen und auf der Strecke Środa - Zaniemyśl erleben können. Für mich wie viele andere "noch nicht bald 60-jährige" ist auf der polnischen Schmalspur die rumänische Dieseltraktion das ehemals "Normale", an das vielfältige Erinnerungen bestehen. Freilich, die Px29 hätte ich mir auch gern angesehen, nur war aufgrund der vorhergehenden Wettersituation in Mitteleuropa am Freitag Sochaczew noch in zu großer Entfernung, um darüber überhaupt noch nachzudenken. Die Anfahrt begann an diesem Sonnabend um 5:00 Uhr aus dem Raum Kalisz mit Unterwegshalten in Zbiersk und Krośniewice. Mein Wunsch war aber von vornherein ein Wiedersehen mit der Lxd2-342, somit hatte ich als Hauptziel für Sochaczew von Anfang an den 9. Juli.

    Gruuß

    217 055

    2 Mal editiert, zuletzt von 217 055 (26. Juli 2022 um 18:22)