Von Hunten und Stollen - Bergbaudenkmäler im Erzgebirge

  • Hallo Toralf,

    danke für die schönen Impressionen. Die Grabentour am Röhrgraben ist für dieses Jahr schonmal vorgemerkt.

    Empfehlen kann ich auch die Grabentour am Roten Graben zwischen Halsbach und Halsbrücke.

    Vor etlichen Jahren konnte man im Huthaus in Geyer auch übernachten. Die Gästezimmer waren im ausgebauten Dachboden. War sehr urig mit Blick auf die Binge. Scheint es aber nicht mehr zu geben, da ich dazu nichts mehr im Internet finde.

    Schöne Grüße

    Jens

  • Hallo Bergbau- und Grubenbahnfreunde,

    über Pfingsten war ich mal wieder in meiner Heimat Erzgebirge unterwegs und habe ein paar Relikte der Bergbaugeschichte besucht, die ich euch nun wie gewohnt in mehreren Teilen vorstellen möchte. Schwerpunkt ist diesmal das böhmische Sankt Joachimsthal / Jáchymov.


    St. Joachimsthal

    Stadt- und Bergbaugeschichte

    Die Gründung der Stadt Joachimsthal geht auf das Jahr 1517 zurück. In dieser Zeit begann auch der Bergbau von Silber, Kobald, Zinn und Nickel. Joachimsthal ist auch Herkunftsort des Silbertalers, der hier ab 1520 in großer Stückzahl geprägt wurde. Neben dem Rathaus befindet sich heute das Museum der Königlichen Münze. 1992 wurde das Stadtzentrum von Joachimsthal unter Denkmalschutz gestellt und aufwendig saniert.

    Das 1782 - 1784 errichtet Rathaus, rechts daneben die Königliche Münze.

    Im Jahr 1727 diente das in Johanngeorgenstadt und Joachimsthal geförderte Uranerz erstmalig zur wissenschaftlichen Beschreibung der Pechblende, 1789 wurde das neue Element "Uranit" offiziell bekannt. Seit 1840 wurde in Joachimsthal Uranerz weltweit erstmalig systematisch abgebaut, das überwiegend zum Färben von Glas und Porzellan Verwendung fand, daher auch der Begriff Uranfarben.

    Nachdem im Jahr 1905 in den Grubenwässern eine erhöhte Radioaktivität nachgewiesen wurde, entstand 1906 das weltweit erste Radon-Bad. Hier begann nun die neue Geschichte des Ortes als Kurort und Radiumbad Sankt Jochimsthal.

    Nach 1945 durchlebte die Stadt das finsterste Kapitel ihrer Geschichte. Durch die Beneš-Dekrete wurden die Deutschböhmen vertrieben. Gleichzeitig wurden Bergbau und Stadt unter sowjetischer Überwachung gestellt, um Uranerz in großem Stil für die Produktion der Atombombe zu gewinnen. Es begann ein regelrechter Raubbau, ohne Rücksicht auf die Menschen und die Umwelt. In 12 großen Bergwerken arbeiteten 100.000 politische Häftlinge und etwa 250.000 Zwangsarbeiter, die in umliegenden Arbeitslagern inhaftiert waren. Etwa die Hälfte der Menschen soll dieses Martyrium nicht überlebt haben. Oberhalb des Bergwerkes Svornost erinnert heute eine Gedenkstätte auf dem Gelände eines Arbeitslagers an die Opfer.

    Ende der 1950 Jahre waren die abbauwürdigen Uranerzvorkommen nahezu erschöpft. 1964 wurde die Uranerz-Förderung endgültig eingestellt und die beiden Bergwerke Svornost und Josef an den Betrieb der Tschechoslowakischen Staatsbäder abgegeben.

    Blick auf den oberen Teil mit Rathaus, Schacht Svornost und die Kirche St. Joachim und St. Anna.

    Blick auf den unteren Teil mit dem Schacht Josef im Hintergrund.

    Im ehemaligen Uran-Bergwerk Bratrstvi in Joachimsthal befindet sich übrigens seit 1972 das Endlager für radioaktive Betriebsabfälle aus den Kernkraftwerken. Wer hier eine Hochsicherheitsanlage erwartet, wird allerdings enttäuscht sein.

    Von 1896 bis 1957 besaß Joachimsthal Bahnschluß durch eine Lokalbahn von Schlackenwerth (Ostrov). Mehr zur Geschichte dieser Bahnstrecke: https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrec…93J%C3%A1chymov

    Die Burg Freudenstein hoch über Joachimsthal wurde 1817 - 1820 zum Schutz des sehr ertragreichen Silberbergbaus errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg stark beschädigt und nicht wieder aufgebaut. Heute sind noch zwei Wehrtürme und Teile der Festungsmauern erhalten.

    Erhaltener Wehrturm mit Resten der Festungsmauer, rechts im Hintergrund der 1244 m hohe Keilberg.

    Zweiter erhaltener Wehrturm der Burg Freudenstein.

    Fortsetzung folgt ... Im nächsten Teil geht es in den Kur-Park und zu den dort ausgestellten Grubenbahnfahrzeugen.

    Viele Grüße

    Toralf

  • Kurpark und Grubenbahndenkmal in Joachimsthal

    Nach einem bahnfreien Beitrag über die Stadt- und Bergbaugeschichte Joachimsthals geht es heute in den Kurpark, wo wir auch auf schmalspurige Schienenfahrzeuge treffen.

    Das prachtvolle Kurhotel "Radium Palace" ist unübersehbarer Mittelpunkt des Kurviertels und wurde 1912 erbaut.

    Im angrenzenden Kurpark kann man die Seele baumeln lassen. Auf dem Gelände befanden sich früher die Uranfarbenwerke. Dementprechend hoch ist heute noch die Radioaktivität im Boden.

    Zur Erinnerung an die Bergbaugeschichte wurde im Kurpark ein künstlicher Schaustollen errichtet.

    Die Grubenlok vom Typ BND 30 ist der Mittelpunkt der kleinen Ausstellung. Dieser Lok-Typ wurde von 1951 bis 1976 von verschiedenen Herstellern in der Tschechoslowakei gebaut, hat eine Leistung von 30 PS und erreicht eine Höchstgeschindigkeit von 14km/h.

    Im Kurpark stehen auch mehrere Grubenhunte. Dieser hier trägt die Prägung der Grube "Svornost". Diese und die benachbarte Grube "Josef" stelle ich euch im nächsten Teil vor.

    Viele Grüße

    Toralf

    Einmal editiert, zuletzt von Toralf750 (1. Juli 2023 um 17:43)

  • Heute möchte ich die beiden noch erhaltenen Bergwerke und deren frühere schmalspurige Verbindungsbahn vorstellen.

    Grube Svornost (Einigkeit)

    Die Grube Einigkeit entstand 1525 durch die Beilegung eines Streits mehrere Grubenbesitzer über die Abbaurechte einer Silberader, die 1518 entdeckt wurde. Neben Silber wurden hier später auch Kobald und Arsen, ab dem 19. Jahrhundert begleitend auch Uran abgebaut. 1658 kaufte die Stadt Joachimsthal das Bergwerk.

    Anfang 1905 wurde erstmals Radioaktivität in den Grubenwässern entdeckt. Hierdurch begann die Nutzung der radioaktiven Wässer in den neu errichteten Heilbädern der Stadt.

    Nach Kriegsende im Mai 1945 wurde die Region durch die Sowjetarmee besetzt und zum Sperrgebiet erklärt. Es begann ein gigantischer Raubbau an Natur und Menschen, selbst die Zeit konnte die Wunden bis heute nicht heilen. Zum Uranerz-Abbau für den Bau der sowjetischen Atombomben wurden vorwiegend politische Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt, diese waren in streng bewachten Lagern untergebracht. Das Arbeitslager der Grube Svornost befand sich direkt oberhalb des Bergwerkes und ist heute eine Gedenkstätte.

    Ab 1962 wurde die Uranerzförderung schrittweise zurückgefahren und 1964 komplett eingestellt. Die Gruben Svornost und Josef wurde am 1. April 1964 an den Betrieb der Tschechoslowakischen Staatsbäder zur Gewinnung von radioaktivem Wasser abgegeben, seit 1990 ist die Heilbad Jachymov AG Betreiber.

    Besichtigungen des Bergwerks sind nach vorheriger Anmeldung und Registrierung in der Kurverwaltung an Einzelterminen möglich.

    Vergleichsaufnahme von 1928. Quelle: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70003149


    Grube Josef

    Die Grube Josef geht auf das Jahr 1520 zurück. Auch hier wurde Silber, Kobald, Arsen und ab dem 19. Jahrhundert auch Uranerz abgebaut. Der Privatbesitzer verkaufte das Bergwerk 1764 an die Stadt Joachimsthal, die zu diesem Zeitpunkt ja bereits die Grube Einigkeit besaß. So wurden die Abbaugebiete miteinander verbunden.

    Nach Kriegsende 1945 kontollierte die Sowjetarmee auch dieses Bergwerk. 1962 endete die Uranerzförderung. Heute dient des Bergwerk ebenfalls der Gewinnung von radioaktiven Wässern für den Kurbetrieb sowie als Lüftungsschacht und Notausstieg für die Grube Svornost.


    Schmalspurbahn

    Zwischen den Gruben Einigkeit (Svornost) und Josef bestand von ca. 1850 bis 1901 eine mit Pferden betriebene Schmalspurbahn. Die überdachte Strecke war 630m lang und diente dem Transport von Abraum aus der Grube Einigkeit zur Halde der Grube Josef. Heute ist diese Halde in einem früheren Seitental von Joachimsthal komplett von einer riesigen Halde aus dem Uranerzbergbau bedeckt, die das ganze Tal und die Straße nach Marianska unter sich begrub.

    Der letzte Rest dieser Strecke befindet sich bis heute am Bergwerk Svornost. Interessant ist dabei das Dreischienengleis aus 450mm und 600mm Spurweite, über deren Ursache ich aber bisher nichts finden konnte. Auch im Besucherbergwerk "Stollen Nr. 1", das ich im nächsten Teil vorstelle, findet man Gleise in beiden Spurweiten, allerdings separat.

    Fortsetzung folgt ...

    Viele Grüße

    Toralf

    Einmal editiert, zuletzt von Toralf750 (5. Juli 2023 um 17:27)

  • Heute gibts die volle Grubenbahn-Dröhnung.

    Stollen Nr. 1

    Der Stollen Nr. 1 ist einer von zahlreichen Erkundungsstollen des sowjetischen Uranerzbergbaus und wurde ab dem 01.07.1952 aufgefahren. Hierzu wurden Häftlinge und Zwangsarbeiter des benachbarten Arbeitslagers Svornost eingesetzt. Bei 190m ab Eingangsportal wurde ein Stollen des Altbergbaus getroffen, dessen Zugang mit einem großen Eisentor gesichert wurde, um Fluchtversuche zu verhindern. Auf einer Stollenlänge von insgesamt 260m wurde allerdings kein abbauwürdiges Uranerz gefunden, so daß die Arbeiten zum 01.12.1953 eingestellt wurden und der Stollen in Vergessenheit geriet.

    Mitte der 1990er Jahre wurde der Stollen geöffnet, ab 2006 erfolgte die Herrichtung als Museumsbergwerk. Seit 2008 ist der Stollen für Besucher geöffnet.

    Vor dem Stolleneingang hoch am Hang über Joachimsthal steht eine Diesellok vom Typ BND30 und ein Grubenhunt.

    Seitenkippwagen, Mannschaftswagen und Grubenholzwagen.

    Verzweigung

    Ende des Stollens mit Grubenhunten.

    Interessant ist das Auflegeblech in Form eines Hosenträgers (doppelte Gleisverbindung), das allerdings die falsche Spurweite von 450mm hat. Das hier liegende Grubenbahngleis hat 600mm.

    Zurück zur Verzweigung ...

    ... und ab in den abzweigenden Stollen, wo der Durchbruch zum Altbergbau ist.

    Die "Spurwechselstelle": Hinten 600mm mit dem Tor zur Verhinderung von Ausbrüchen der Häftlinge, vorn 450mm des Altbergbaus.

    Ende des befahrbaren Altbergbaus. Das Gleis hat hier 450mm Spurweite.

    Am Hang unterhalb des Stollen Nr. 1 gibt es einen weiteren Stolleneingang, über den ich aber nichts in Erfahrung bringen konnte. Rechts davon liegt ein Gleis mit 450mm Spurweite.

    Fortsetzung folgt ...

    Viele Grüße

    Toralf

  • Bergarbeitersiedlung Nové Město

    Neben zahlreichen großen Arbeitslagern für politische Häftlinge und Strafgefangene wurden auch Siedlungen für zivile Bergarbeiter gebaut. Ähnliche Siedlungen wurden auch im deutschen Teil des Erzgebirges, z.B. bei Raschau errichtet.

    Die ehemalige Bergarbeitersiedlung Nové Město liegt hoch über Joachimsthal (Jachymov). Hier wohnten die Bergleute der umliegenden Schächte Rovnost, Adam und Elias. Heute werden die Gebäude zum Teil als Ausflugsgaststätten, Pensionen und Hotels genutzt. Das einizigartige Flair dieser Siedlung ist aber geblieben, inklusive der grandiosen Aussicht.

    Die Bergarbeitersiedlung Nové Město ...

    ... und das Betriebsfahrzeug der Ausflugsgaststätte "Anton", ...

    ... von der man eine herrliche Aussicht auf das Erzgebirge mit dem 1244m hohen Keilberg ...

    ... und dem Kurort Joachimsthal mit dem dahinterliegenden Duppauer Gebirge hat.


    Uranbergbau in der Region Joachimsthal

    Alle schönen Bilder dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Region in und um Joachimsthal bedingt durch den völlig rücksichtlosen Uranbergbau der Sowjetunion einer der radioaktivsten Orte der Erde ist.

    Für alle Interessierten hier mal eine kurze und knappe Zusammenstellung der früheren Uranbergwerke. Sollte ich es irgendwann schaffen, mir die Überreste der Bergwerke anzuschauen, werde ich die Bilder davon selbstverständlich hier ergänzen.

    Bitte nicht lachen. Hier mal eine selbst gezeichnete Karte mit den Standorten der Uranbergwerke.

    Barbora: Vom Bergwerk (1948- 1957) und dem angeschlossenen Arbeitslager existieren noch einige Grundmauern, südlich der Straße nach Abertham befindet sich die große Halde.

    Eduard: Das Bergwerk (1948 - 1961) hatte kein eigenes Arbeitslager, die Häftlinge kamen aus dem benachbarten Lager Nikolaj. Neben der riesigen Halde stehen noch einige Ruinen des Bergwerks.

    Elias: Die Silbererzgrube geht auf das Jahr 1512 zurück und wurde 1892 zugeschüttet. 1946 wurde der Schacht wieder geöffnet und 200kg Uranerz gefunden. Vom Uran-Bergwerk (1948 - 1956) mit angeschlossenen Arbeitslagern Elias I und II ist heute nur noch wenig zu erkennen.

    Eva: Auch diese Grube geht auf die Zeit des Silbererzbergbaus zurück und wurde um 1850 zunächst geschlossen. 1947 wurden größere Uranvorkommen entdeckt. Im neu errichteten Bergwerk (1948 - 1958) wurden Zwangsarbeiter aus den Lagern Elias und Marianska eingesetzt. Nach dem Ende des Bergbaus wurden Gebäude und Gelände zu einer Freiluftschule des Bezirkes Brüx (Most) umfunktioniert. Einige Grundmauern und die große Halde sind bis heute sichtbar.

    Adam: 1947 wurde bei Erkundungen Uranerz gefunden und im neu errichteten Bergwerk (1951 - 1958) durch Häftlinge aus den Lagern Elias und Marianska abgebaut. Nach dem Ende des Bergbaus wurde eine Teil der Gebäude als Zweigstelle der Neudeker Spinnerei genutzt. Neben der großen Halde sind auch noch ein paar Grundmauern erhalten.

    Rovnost I: Ursprünglich wurde hier ab 1736 Silbererz abgebaut, ab ca. 1850 Uranerz für die Uranfarbenherstellung. Im selben Jahr wurde das Bergwerk in Werner-Schacht umbenannt, nach dem Geologen Abraham Werner, Professor an der Bergakademie in Freiberg. 1945 wurde das Bergwerk in Rovnost (Gleichheit) umbenannt und bis 1964 betrieben. Es war eines der größten und tiefsten Bergwerke der Region und hatte ein eigenes Arbeitslager. Ein paar Ruinen und die große Halde sind bis heute sichtbar.

    Rovnost II: Vom benachbarten Zweigschacht ist nur noch die Versiegelungsplatte sichtbar. Gleich gegenüber befindet sich das Ausflugslokal Havlovka.

    Zentrale Kompressoranlage: Hier wurde für die Bergwerke Adam, Eva, Rovnost, Eduard, Barbora und den Stollen Nr. 12 und 14 zentral Druckluft mit 8 Atmosphären für pneumatisch betriebene Maschinen erzeugt. Das beeindruckende Gebäude steht heute noch als Ruine im Wald.

    Bratrstvi: Die Chronik reicht als Sibererzbergwerk ins Jahr 1540 zurück. Ab ca. 1850 wurde hier auch Uranerz für die Uranfarbenherstellung gewonnen. Ab 1950 wurde hier das Zentrallager des sowjetischen Uranerzbergbaus errichtet. Der Schacht selbst war bis 1954 in Betrieb. Heute befindet sich darin das Endlager für radioaktive Abfälle aus den Kernkraftwerken Tschechiens.

    Panorama: Bergwerk aus der Sowjetzeit, leider kaum etwas bekannt. Das Gelände wird heute als Bauhof der Stadt Joachimsthal genutzt.

    Plavno: Vom Bergwerk sind neben der großen Halde noch ein paar Reste und die Bodenplatten des Schachtes und des benachbarten Arbeitslagers erhalten. Auch die Trasse der ehemaligen Grubenbahn zur Halde ist im Gelände noch zu erkennen.

    Eingang zum Schacht Svornost

    Damit bin ich (vorerst) am Ende meiner Reise zu den Relikten des Bergbaus im Erzgebirge angekommen. Eine weitere Tour, eventuell im Herbst, ist schon geplant ... also Fortsetzung folgt!!!

    Viele Grüße

    Toralf

    2 Mal editiert, zuletzt von Toralf750 (11. Juli 2023 um 20:32)

  • Nachtrag

    ... für alle, die noch nicht genug haben.

    Im Netz habe ich vor einiger Zeit eine Karte mit ALLEN Aktivitäten des Uranbergbaus gefunden. Neben den oben in meiner Karte eingezeichneten und im Text beschriebenen Bergwerken sind hier auch alle weiteren Lüftungs- und Materialschächte sowie Erkundungsstollen eingezeichnet.

    Und zum allerletzten noch ein (für mich bedrückendes) Video, das einige Überreste der von mir beschrieben Bergwerke zeigt. Das engischsprachige Video darf leider nicht auf anderen Seiten wiedergegeben werde, also schaut es euch bitte direkt bei Youtube an.

    Das wars nun aber erstmal wirklich von mir zu diesem Thema, sonst besteht beim Blick über den Tellerrand noch die Gefahr des Runterfallens. :zwink: Aber ich hoffe, nicht nur für mich ist dieses Stück Heimatgeschichte interessant.

    Noch ein Hinweis: Sollten euch meine Beiträge anregen, selbst auf Entdeckungstour zu gehen, achtet bitte stets auf eure eigene Sicherheit. Abgesehen von der nicht ganz unbedenklichen Strahlung in manchen Bereichen gibt es Erdspalten und Erdfälle, verdeckte Schächte oder herabfallende Teile von Ruinen. Auch Halden können durchaus ins Rutschen kommen. Die Warnschilder stehen (zumindest in Tschechien) nicht zum Spaß da.

    Viele Grüße

    Toralf

  • Glück Auf Toralf!

    sehr interessante Beiträge vor allem die letzten beiden.

    Da muss ich wohl demnächst mal auf Entdeckertour gehen!

    Danke fürs erstellen und einstellen der beiden Karten!

    in Nové Město beim Anton kann man gut und günstig essen, in einer urigen Atmosphäre bei toller Aussicht :cheers:

    Grüße Toni

  • Ein herzliches Glück Auf aus dem Erzgebirge,

    das Schreiben der heutigen Zeilen fällt mir nicht gerade leicht. Am letzten verlängerten Wochenende war ich nach über einem Jahr mal wieder in der Heimat, so daß ich euch auf einen weiteren Beitrag in dieser Reihe einladen kann. Leider wird es wahrscheinlich auch mein letzter Beitrag sein, denn aufgrund schwerer Erkrankungen ist die Lebenszeit meiner Eltern nur noch sehr begrenzt. Zudem fehlen mir nun die "Fahrdienste" meines Vaters. Den Rest meiner Familie und Verwandten hat es bereits nach der Wende in alle Himmelsrichtungen verstreut, mich selbst ja auch, so daß die Zelte in meiner Heimat Erzgebirge wohl demnächst für immer abgebrochen werden.


    Huthaus Pauckner Stolln in Zwönitz

    Im Jahre 2000 wurde auf einem alten Stollen zu Demonstrationszwecken das Huthaus als Vereinsstätte des 1995 gegründeten Bergmännischen Traditionsvereins Zwönitz e. V. eingeweiht. Das frühere Mundloch des bereits 1763 aufgegebenen Pauckner Stolln befand sich in der Nähe. Dieser diente noch bis 1898 zur Trinkwasserversorgung von 14 Häusern.

    In und um Zwönitz gab es ab dem 14. Jahrhundert mehrere kleinere Stollen, in denen nach Silber und Zinn gegraben wurde. Sonderlich ergiebig waren diese jedoch nicht, bereit kurz nach 1800 ging die Bergbautradition in Zwönitz zu Ende. Von 1945 bis 1955 untersuchte die Wismut die alten Bergwerke, fand aber kein abbauwürdiges Uran. Auch mehrere Tiefenbohrungen um 1960 blieben erfolglos.

    Alle Fotos vom 03.10.2024


    Huthaus Pauckner Stolln mit dem Denkmal-Hunt davor.


    Grubenhunt vor dem Huthaus


    Neben neben Huthaus wurde ein Stollenausbau nachgebaut, darunter steht ein Grubenbahnzug.


    Die Grubenlok B360 wurde 1988 von BBA mit der Fabrik-Nr. 5350.836 gebaut. Wo sie vor ihrer musealen Aufstellung in Zwönitz im Einsatz war, ist leider unbekannt.


    Grubenhunt und Mannschaftswagen


    Drehschemel für Grubenholz


    Rosenbusch-Stolln in Walthersdorf

    Zum (voraussichtlichen) Abschluß dieser Beitragsreihe möchte ich euch noch das historische Bergwerk meines Heimatortes vorstellen. Als Kind war das für mich immer ein kleiner Abenteuerspielplatz.

    Mit Unterbrechungen wurde von 1550 bis 1838 in der Rosenbuschzeche am nördlichen Rand von Walthersdorf Silber, Kobalt, Bleiglanz und Schwefelkies abgebaut. Im Tiefen Rosenbuschstolln wurde dazu eine Radkammer mit Wasserrad angelegt, wie es im Markus-Röhling-Stolln in Frohnau heute zu bestaunen ist. Für das Aufschlagwasser wurde ein etwa 200m langer Wasserkanal angelegt. Der Schacht selbst erreichte eine Tiefe von 32 Metern und auf zwei Ebenen wurden Strecken bis etwa unter die heutige Bahnstreckes und in Richtung Scheibenberg geschlagen. Die Gesamtlänge der aufgefahrenen Stollen betrug laut alten Unterlagen 727 Meter.

    1995/96 wurde das alte Bergwerk dokumentiert und kartographiert. Ab 2010 wurden die Stolleneingänge gesichert und wieder hergerichtet sowie ein kleiner Abschnitt des Bergwerks für Besucher befahrbar gemacht. Im Frühjahr 2024 erfolgte der Abschluß der Arbeiten. Als Attraktion für kleine Besucher wurde ein Steinhalde aufgeschüttet, Kinder können dort mit Steinhämmern nach Mineralien suchen.

    Alle Fotos vom 05.10.2024


    Grubenhunt am touristischen Wegweiser am Bahnhof Walthersdorf. Hier beginnt der ausgeschilderte Weg zur Rosenbuschzeche.


    unterer Stollenmund


    Fluterstolln (Wasserkanal) und Radkammer


    oberer Stollenmund


    Schautafel

    Das soll es nun von mir gewesen sein. Aktuell bin ich noch im Kontakt mit der Bergsicherung Schneeberg, um über deren wichtige Arbeit in einem weiteren Beitrag zu berichten. Hier gibt es auch noch aktive Grubenbahnen zu erleben.

    Viele Grüße
    Toralf

    Einmal editiert, zuletzt von Toralf750 (9. Oktober 2024 um 21:57)