Liebe Freunde,
ich hatte schon vor längeren einen ausführlichen Bericht zu den Bahnstrecken in der Dübener Heide geschrieben. Erst kam es zur Verbindung Torgau - Pretzsch - Lutherstadt Wittenberg, dem sich 5 Jahre später noch die Verbindung Eilenburg - Pretzsch anschloss.
Der Erfolg der Verbindung Eilenburg - Pretzsch war deutlich und die Verbindung Torgau - Pretzsch hatte immer nur sekundären Charakter.
Schnell wurde die Strecke Eilenburg - Pretzsch - Wittenberg zur "Dübener Heidebahn" , im Volksmund auch einfach nur "Heidexpress" genannt, zu einer Art Marke für die drei Kurorte Bad Düben, Bad Schmiedeberg und Pretzsch. Der Kurbetrieb in Pretzsch wurde später eingestellt, aber das Kurhaus existiert heute noch. Über die Jahre siedelten sich zwischen Eilenburg und Pretzsch Unternehmen an mit Anschlußbahnen bzw. örtliche Verlader an den Bahnhöfen. Unrühmlich dabei waren die mitten in der Heide versteckten Sprengstoffwerke Buche bei Bad Schmiedeberg. In den 40ern fuhren sogar Berufspendelzüge aus Eilenburg und Wittenberg direkt ins Anschlußgleis. Meine Oma musste als holländische Zwangsarbeiterin auch dort tätig sein, meinte aber das die osteuropäischen Zwangsarbeiter richtig schlecht behandelt wurden.
In Laußig entstand ab den 50er Jahren ein großes Betonwerk, dem sich später eine Produktion von Porenbeton anschloss und nach der Wende ein Werk für Bahnschwellen (Leonard Moll Werke). Noch heute gibt es hier umfangreichen Güterverkehr und auch der Kies wird weiterhin hier verladen.
Über Jahrzehnte war die Bahnstrecke durch die Dübener Heide unverzichtbar. Menschen fuhren mit dem Heide Express zur Arbeit oder Schule. Ungünstige Lagen von Bahnhöfen zu den Ortsmitten wie in Mörtitz, Pristäblich, Bad Düben waren noch kein Thema.
Doch mit der Wende kam alles anders. Noch in den 90ern erhielt Wittenberg für die Güterverkehre 204 zugewiesen und diese kamen auch vor den Personenzügen zum Einsatz. Doch die Reisezüge wurden immer kürzer, 2 oder gar 1 Waggon reichte in der Woche aus. An Wochenenden mit Ausflugswetter natürlich nicht, aber die Bahn war unflexibel und so gab es volle Züge und nicht alle Fahrräder konnten mitfahren.
Im Jahr 1995 gab es dann noch das große 100 jährige Streckenspektakel mit Eisenbahnausstellung in Bad Schmiedeberg und Einsatz von 38 1182 vor einem Sonderzug. Schon da war bei den schlauen Reden der Politiker zu vernehmen, dass man hoffe, dass die bahn noch ein paar Jahre fahren würde.
So kam es auch, dass Sachsen Finanzminister das Geld für das sächsische Eisenbahnnetz stark kürzte und die Regionen sollten entscheiden, welche Bahnstrecke Priorität haben sollte. Man gründete eine Landes Verkehrs Gesellschaft (LVG), welche eher als Abwicklungsbehörde tätig wurde. In den Regionen reagierte man mit wenig Verständnis. Vor allem wurden zig Landesgrenzen überschreitende Bahnstrecken abbestellt. Sollten doch die Nachbarn zahlen, wenn sie wollten....
Wir gründeten in Eilenburg eine Bürgerinitiative mit erfolgreicher Unterschriftensammlung und Dialogen zw. Politik und Bahn. Hier offenbarte sich, wo Landräte Interesse an der Bahn hatten und zudem sich fachliche Unterstützung holten und wie beim Landkreis Delitzsch, denen die lukrativen Busgelder (Ersatzleistungen) interessanter erschienen. Der Bürgermeister von Bad Schmiedeberg sagte es 1998 sehr deutlich. ".....schneidet man an dieser gewachsenen Strecke etwas ab, dann entsteht ein Dominoeffekt und nicht nur der sächsische Teil ist dann ohne Bahnverkehr". Er sollte Recht behalten.
Am 23. Mai 1998 wurde trotz Proteste aus der Region, wo zwei erfolgreiche Kur- und Krankenhausstandorte hängen, der Bahnverkehr zw. Eilenburg und Bad Düben abbestellt. Von jeher waren die Anreisen der Patienten aus Richtung Leipzig über Eilenburg, auch nach Bad Schmiedeberg.
Die NASA GmbH in Sachsen Anhalt hielt aber vorerst an Bad Düben als Endpunkt fest.
Da Sachsen die Streckenabbestellungen mit Viel Geld für den Bus Verkehr versüßte, konnte zw. Eilenburg und Bad Düben ein 1 h Takt angeboten werden, den gab es aber auch nur 1 Jahr lang. Theoretisch sollten die Busse zwischen Eilenburg und Bad Düben so verkehren, dass man den Zug erreichte und dann weiter Richtung Bad Schmiedeberg kam. Meine Selbstversuche zeigten, dass war illusorisch und funktionierte nicht.
Hinzu kam, dass lange diskutiert wurde, dass der Einsatz der 202 vor 1 oder 2 Bom Waggons unwirtschaftlich war, die NASA organisierte dann 3 628.2 für den restlichen Streckenbetrieb, hier stieg sozusagen die Moderne ein. und was kaum einer wusste, 3mal täglich gab es betriebliche Fahrten zum Heimatbetriebswerk nach Leipzig Süd und zurück, leider war hier kein Durchkommen, dass man solche Fahrten auch als Planfahrten mit Fahrgästen umsetzen wollte.
Doch auch dieser Verkehr hielt auch nicht lange, denn die nachfrage zum Stummel Bad Düben war sehr gering. So endeten 2002 die Züge in Bad Schmiedeberg und letztlich war selbst die DB Regio zu teuer und 2007 sollte der bahnverkehr gänzlich eingestellt werden. Es folgten Versuche eines Busunternehmens als privates EVU, allerdings fehlte hier viel Erfahrung und dann kam es zur Bürgerbahn, die es auch nicht mehr gibt. Das Ende auf raten ist eine noch lange Geschichte, die mich irgendwann weiter erzählen werde. ..
Typisch für die ehemalige KBS 218 sind lange Walddurchfahrten, diese machten die Strecke auf so reizvoll und beliebt bei den Fahrgästen. So verkehrte ab den 40ern der sogenannte "Heiderbeerzug", dieser verkehrte Saisonal am Wochenende zw. Leipzig und Pretzsch für Ausflügler und vor allem zur Versorgung mit Beeren und Pilzen. Hier der Sonderzug mit 38 1182 im Jahr 1990 südlich vom Hp Rotes Haus.-
Das Stellwerk AW befindet sich hinter der Eilenburger Muldebrücke, hier zweigte die Bahnstrecke nach Wurzen ab und rechts um Vordergrund die Anschlussbahn zum Eilenberger Chemie Werk. Bis Eilenburg Ost war dieser Abschnitt Dreigleisig.
Mit noch ein paar Pferden mehr war hier 204 445 unterwegs. Bahnhof Eilenburg Ost 1992
1999 - 1 Jahr nach der Abbestellung, fand in der Dübener Heide der 99. Deutsche Wandertag statt. Ein touristisches Highlight und hierfür organisierten wir einen Sonderzugverkehr auf der Gesamtstrecke. So konnte man organisieren, dass eine der letzten altroten 232er - die 232 176 mit Bom zum Einsatz kam und ab Wittenberg die V100 003. Hier kurz vor Eilenburg Ost - vom Dach der Getreide Silos.
Selber Sonderzug, an einem anderen Tag in Eilenburg Ost
Blick zu den Güterverkehrsanlagen der Fa. Moll in Laußig mit der eigenen Werklok.
in den 90ern war hier noch die Hölle Los im Güterverkehr. Holzverladung in Söllichau, Tonwaren aus Bad Schmiedeberg und Laußig hatte sogar zweimal täglich eine Bedienung notwendig. Hier kommt 232 669 in den Bahnhof Laußig gerollt.
Die preußischen Empfangsgebäude waren typische Einheitsbauten und konnten dem Bedarf entsprechend erweitert oder reduziert werden. Von Eilenburg bis Bad Düben bestanden diese Gebäude aus rotem Klinker und einem Walmdach, ab Söllichau waren es dann gelbe Klinker und Walmdach, was dann ab Pretzsch in ein klassisches Satteldach wechselte, die Klinker war auch bis Wittenberg weiterhin gelb. Bad Düben hatte die große Variante des EG, mit einer Bahnhofswirtschaft. Schon seit frühen Kindheitstagen war der Bahnhof mein Revier, wohnte doch viel Verwandtschaft hier und zudem waren sie bei der Bahn tätig. Auch die Straße zum Bahnhof war malerisch, altes Kopfsteinpflaster gesäumt von alten Alleebäumen und zwei Bahnbeamtenhäusern in Klinkerbauweise. Hier wieder der Sonderzug zum 99. Deutschen Wandertag.
Ab 1998 kamen hier 628.2 zum Einsatz und diese endeten leider in Bad Düben. Der Wasserturm verfiel Zusehens.
Die Schranken wurden hier noch per Hand gekurbelt, noch hatte der Wasserturm seine Spitze.
38 1182 fährt soeben an der erwähnten Schranke vorbei und in den Bahnhof Bad Düben ein.
Noch 1995 wurde hier mit viel Aufwand Gleise und Bahnsteige an der gesamten Strecke erneuert. Das war dann auch ein Zeichen für DB Netz, sich weniger den Nebenbahnen zu widmen, was man später in Thüringen spürte.
Typische Zug der 90er - eine 202 und ein Bom. Ausfahrt Bad Schmiedeberg.
Auch Bad Schmiedeberg hatte ein erweitertes Bahnhofsgebäude mit einer Pergola und schönen alten Kastanien. Hier bei einer Zugkreuzung beim Abschied des Streckenabschnitts Eilenburg-Bad Düben am 23. Mai 1998. 202 855 war mit einer der letzten Wittenberger 202.
Am Wochenende wurde als Sandwich gefahren, bei einem Bom war das natürlich das Argument für die Unwirtschaftlichkeit. Hier sieht man nochmals deutlich die tollen Bahnsteige, die 1995 erreichtet wurden.
202er Treffen in Pretzsch. Links die RB nach Eilenburg, diese kreuzt die RB nach Wittenberg und recht steht Abfahrbereit die RB nach Torgau. In Pretzsch war die Zeit stehengeblieben. Wohl auch daher kam Hollywood schon 3mal hierher zu Filmausnahmen und auch das ZDF dreht hier im Umfeld.
Die Wasserkräne stehen noch heute.
Nun wurden die 628 auch noch Verkehrsrot und moderner. Aber dafür fuhren sie nicht mehr nach Sachsen. Rackith erhielt leider keinen neuen Bahnsteig und wirkt daher etwas morbide.
Abfahrbereit in Wittenberg. Interessant war hierbei das Zuglaufschild - diesen Durchlauf durch die Dübener Heide hätten wir uns gewünscht.
Die gute alte V100 003 war hier lange in Wittenberg und auf der Heidebahn zuhause. Hier im Heimat Bw.
Die zahlreichen unbeschrankten Bahnübergänge sorgten für regelmäßige Unfälle. Nicht selten war das ein Grund, die Loks gleich auszumustern. Hier krachte 202 674 gegen einen Getränke LKW und wird nun transportfähig gemacht. Schlimm nur das dann künftig die Züge vor jedem Übergang anhielten und dann in Schritt mit Warnsignal weiterfuhren, dass war der Kniefall vor dem Autoverkehr.