Aktuelles aus Rittersgrün

  • Hallo an alle,

    beim diesjährigen Neujahrsempfang der Gemeinde am 11.01.25 wurde der Museumsleiter Bernd Kramer für seine lange Tätigkeit in dieser Funktion geehrt und mit einem kleinen Präsent zum Abschied bedacht. Dessen Tätigkeit wird zukünftig mit dem Tourismuszweig der Gemeinde zusammen gelegt. Die ehrenamtliche Tätigkeit von Andreas Fritzsche fand ebenfalls gesonderte Erwähnung.

    Anlässlich des Fototages im Oktober vergangenen Jahres mussten wir leider feststellen, das beide Ofenrohre der Kanonenöfen im Schneepflug-Begleitwagen 970-617 so stark korrodiert waren, das ein Austausch zwingend erforderlich wurde. Entsprechende Neubauten wurden in der eigenen Werkstatt erstellt und mittlerweile auch eingebaut. Somit kann der Wagen nun auch wieder in der kalten Jahreszeit als Aufenthaltsraum genutzt werden.

    Anlässlich der Jahreshauptversammlung am 15.03.2025 wurde der Vorstand des museumsführenden Vereins neu gewählt. Als 1. Vorsitzender wurde Andreas Fritzsche sowie als 2. Vorsitzende Bernd Ratajzcak gewählt, weiterhin als Beauftragter für die Feldbahn Ingo Döring. Als neuer Beisitzer bleibt dem Verein der bisherige Vorsitzende Bernd Kramer erhalten und so können die kommenden Arbeiten weiter mit viel Erfahrung erledigt werden.

    Beim vierachsigen Gepäckwagen 974-308 werden im Zugführer-Abteil teilweise neue Bretter und neuer Fußboden-Belag eingefügt, da hier der Verschleiß besonders hoch war. Anders beim vierachsigen Sitzwagen 970-328; hier werden jetzt nach der Fertigstellung der Bremsanlage die beiden Perrons fußbodentechnisch komplett neu aufgebaut. Bei der Feldbahn wurde der neue Haltepunkt „Schanze“ errichtet, um so eine direkte Anbindung an den Pfad zum Dorfbegegnungsplatz an der Karlsbader Straße zu schaffen.

    Gruß vom Rittersgrüner, Gert.

  • Hallo an alle,

    nach längerer Pause möchte ich kurz auf das restliche Jahre 2025 zurück blicken:

    Auf unserer Feldbahn gab es einige, teils sehr gutbesuchte Veranstaltungen und neben der Streckenunterhaltung findet der neue Haltepunkt „Schanze“ hier nochmal besondere Erwähnung. Unsere Lok „Annelie“ befindet sich aktuell in der Werkstatt und wartet zur weiteren Aufarbeitung noch auf einige Ersatzteile. Die Mondscheinfahrten im August und die Nikolausfahrten im Dezember rundeten das Jahr ab.

    Auf den Museumsgleisen war es neben den üblichen Programmpunkten wie einem Fotonachmittag oder dem Bahnhofsfest im Juni insbesondere das erste Whisky Tasting im Lokschuppen und das Freiluftkino auf dem Parkplatz, das für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte. Im Juli startete unsere neue Spendenaktion zur Aufarbeitung unseres Schneepfluges 97-09-91; mehr dazu am Ende. Im September hatte unsere Handhebeldraisine ihren ersten Ausseneinsatz in Carlsfeld. Die Aussenanlagen des Museumsgeländes waren ebenso zu unterhalten wie auch die Arbeiten an Weiche 1 oder das neue Fundament unseres GGw-Kastens 97-13-89.

    Ansonsten wurde viel an unseren Exponaten gearbeitet; beispielhaft seien hier erwähnt die Präsentation des bis auf die Beschriftung fertiggestellten Postwagen 1700 im Aussengelände, farbliche Arbeiten am GGw 97-10-98, Zugstange für 970-328 oder Arbeiten im Zugführerraum des Packwagens 974-308. Als letzte Jahresaufgabe wurden die Achsen unseres Schneepfluges mithilfe unseres Multicars von Dresden nach Zittau gebracht. Wer uns beim Aufbau dieses Unikates unterstützen möchte, sei hiermit auf unsere Spendenaktion verwiesen. Die Anschrift unseres Spendenkonto lautet: Sächsisches Schmalspurbahn-Museum Rittersgrün e.V., Erzgebirgssparkasse, IBAN: DE19870540003641000458, bitte im Verwendungszweck angeben ,,97-09-91“. Danke im Voraus!

    Weiterhin möchte ich auf unsere Sozial-Media-Kanäle bei Facebook bzw. Instagram verweisen, auf denen wir auch aktueller berichten.

    Ein gutes Neues Jahr und Gruß vom Rittersgrüner, Gert.

    Mit einer leichten Schneedecke bedeckt ist unser neu aufgearbeiteter Hw 97-24-11 am 11.01.26.

  • Hallo,

    unter Bezug auf den Beitrag #33 möchte ich noch etwas zur historischen Entwicklung insbesondere auf diesen Drehschemelwagen zeigen.

    Wie „modern“ waren Eisenbahnwagen vor über 100 Jahren

    Im Rittersgrüner Schmalspurmuseum wurde im vergangenen Jahr ein nicht nur für Langholztransport gebauter Zweiachser wieder museumsgerecht aufgearbeitet und ist wieder im Freigelände des Museums zu besichtigen.

    Nachdem der verschlissene Holzbelag entfernt wurde konnte man das gesamte Fahrwerk problemlos betrachten und die technische Ausführung von Heberleinbremse, Achsen samt Lenkvorrichtung sowie Kupplung und Zugstange in Funktion sehen.

    Doch nun zur technischen Ausrüstung Die bei fast allen sächsischen Schmalspurfahrzeugen von Beginn an eingebaute Heberleinbremse befindet sich im Fahrgestell , aber die zur Bedienung notwendige Leine wird über die Fahrzeuge bzw. wie bei Rungenwagen unterhalb der Ladung geführt. Der eigentliche Hauptteil der Bremsvorrichtung ist nur an einer der beiden Achsen vorhanden. Gebremst werden aber beide Achsen. Der eigentliche Bremsvorgang setzt dann ein, wenn durch lösen der „Bremsleine“ die in Bildmitte sichtbaren Reibrollen durch das Eigengewicht der Konstruktion sich an die drehende Achse heranschwenken und eine Drehbewegung einsetzt. Dabei wird die in der Mitte sichtbare Kette gestrafft. Das Bremsgestänge zieht dabei die Bremsklötze auf die Räder. Das Fahrzeug wird dann bis zum Stillstand abgebremst. Die über die meist auf dem Dach der Wagen verbauten Seilrollen werden die einzelnen, aber verkuppelten Bremsleinen von der Lok bis zum letzten Wagen geführt. Der Lokführer kann mit einer Seilhaspel im Führerhaus diese Leine straff ziehen und damit die Bremsen lösen oder durch lockern den Bremsvorgang einleiten. Der mit dieser Vorrichtung erreichte Fortschritt war die Bremsung eines Zuges durch den Lokführer ohne dass Handbremsen einzelner Wagen durch Bremser bedient werden mussten. Gleichzeitig diente dies als Handbremse des Fahrzeuges.

    Die unterhalb der Achshöhe verlaufende Stange ist die Bremszugstange für die zweite Achse. Die oberhalb verlaufende wesentlich stärkere Stange ist die Zugstange an deren Enden die Trichterkupplungen montiert sind.

    Über 40 Jahre lang wurden sächsischen Schmalspurwagen mit dieser Bremse bzw. die Lokomotiven mit der notwendigen Haspel zur Bedienung ausgerüstet. Die hier gezeigten Drehschemelwagen wurden zwischen 1889 und 1917 in 140 Exemplaren gebaut. Die meisten davon wurden durch eigene Werkstätten der Eisenbahn gebaut. Erst die letzten 40 Exemplare wurden von der Waggon- und Maschinenfabrik AG vorm. Busch in Bautzen geliefert. Die Fahrzeuge konnten nicht nur als Rungenwagen für den Langholztransport, dabei natürlich als Pärchen, verwendet werden. Es konnten Bordwände eingesetzt werden und dann war es ein offener Güterwagen für den Transport von Schüttgütern oder landwirtschaftlichen Produkten wie Rüben u.ä. Nach über 40 Jahren im Einsatz bei der DRG bzw. DR wurden sie für diese Zwecke nicht mehr zwingend benötigt. Langsam eroberte der Langholz- LKW diese Aufgabe. Auch begann der Verkehrsträgerwechsel die Schmalspurbahnen ins Abseits zu drängen. Aber damit war das Schicksal dieser Wagen noch nicht besiegelt. So wurden 14 dieser Fahrzeuge an den VEB DKK Scharfenstein Werk Niederschmiedeberg für den innerbetrieblichen Transport verkauft und teilweise mit Blechaufbauten ausgerüstet. Als sie in den späten 1970ern durch normalspurige G Wagen auf Rollfahrzeugen ersetzt wurden, konnten glücklicherweise durch den zuständigen Wagenmeister der DR einige Exemplare auch für das im Entstehen befindliche Schmalspurmuseum in Rittersgrün gesichert werden.

    Aber nicht alle dieser Wagen wurden abgestellt und kamen zu Museumsehren. Als Unkrautbekämpfungswagen diente dieser ehemalige Drehschemelwagen bis zur Betriebseinstellung auf den Gleisen der Anschlussbahn in Niederschmiedeberg

    Die Heberleinbremse an sächsischen Schmalspurfahrzeugen wurde im Laufe der Zeit durch die Saugluftbremse abgelöst. Die Lokomotiven der Baureihe IV K wurden bereits ab 1912 damit ausgerüstet. Sie hatten aber bis Ende der 1980er Jahre weiterhin die Heberleinbremse. Auch alle ab 1920 neu gebauten Schmalspurloks in Sachsen erhielten nachwievor die Seilzugbremse. Die letzten damit gebremsten Züge fuhren 1987 zwischen Oschatz- Mügeln und Kemlitz im Güterverkehr mit Rollwagen.

    Doch an den Zweiachsern gab es noch eine Neuerung, die die durch den relaitiv größeren Achsstand bedingten schlechten Laufeigenschaften in Gleisbögen verminderten. Sogenannte „Vereinslenkachsen“, genau genommen sind es einachsige Drehgestelle. Wenn eine Achse in einen Gleisbogen einlief konnte sie sich in geringem Umfang radial einstellen. Durch eine Verbindungsstange zur anderen Achse mit dazwischen geschaltetem Doppelhebel stellte diese sich ebenfalls radial ein und eine weitgehend leichtere Kurvenfahrt war die Folge.

    Am Untergestell des aufgearbeiteten Fahrzeuges ist die Verbindung zwischen den beiden Lenkachsen unterhalb des Rahmens samt Doppelhebel in der Mitte zu sehen.

    Nach über 100 Jahren eines wechselvollen Schicksals können Eisenbahnfreunde auch heute noch die Neuerungen des 19. Jahrhunderts bestaunen.

    MfG Helmut