HSB-Werkstätten Wernigerode

  • Hallo Zusammen,

    ich eröffne hiermit einen Sammelthread zum Thema Fahrzeuginstandhaltung bei der HSB. Ich habe den Titel bewusst so gewählt, da die bestehende Werkstatt am Bahnhof Westerntor in Zukunft parallel mit der neugebauten Dampflokwerkstatt betrieben wird und sicherlich Berichtenswertes aus beiden Teilen "anfallen" wird.

    Die alte Werkstatt soll die leichteren Fälle, Fristarbeiten, Plantage, Bedarfsreparaturen auch unter Dampf und dem rollenden Rad leisten, die neue Werkstatt hingegen die schwere Instandhaltung, Hauptuntersuchungen inkl. Kesselaufarbeitung.

    Hier ein Link zur HSB, wo eine Übersicht der Arbeitsbereiche gegeben wird, so sieht es freilich im Moment noch nicht aus, aber das wird schon kommen:

    Harzer Schmalspurbahnen | Werkstattführungen
    Abenteuer Dampflok - Werkstattführungen. Harzer Schmalspurbahnen
    www.hsb-wr.de

    Zunächst einige Bilder von außen, aufgenommen am 20.05.23:

    Einige Eindrücke vom 19.07.23, mittlerweile ist die Werkstatt für Besucher geöffnet :

    Linkerhand im Eingangsbereich befindet sich der 'Lokshop'. Hier kann man zum Glück keine 99er kaufen, aber Souvenirs, Getränke und auch Fahrkarten. Und natürlich Eintritts- bzw Besichtigungskarten.

    Durch ein Treppenhaus oder Aufzug gelangt man nach oben auf die Besuchergalerie.

    ...von wo man die "Richthalle" überblicken kann.

    Die meisten werden es wissen, die Lok ist die 7235, der Rahmen ist der der 38, zu der auch die draußen gelagerten Teile gehören.

    Das DLW Meiningen baut einen neuen Rahmen und neue Zylinder.

    Der verworfene Kessel der 7239 (im DLW) dient mit den anderen Baugruppen auch zur Mitarbeiterschulung vor Ort.

    Welche Lok nun einen neuen oder Tauschkessel bekommt usw., darüber habe ich keine Informationen, ich war froh, wenigstens ein paar Worte mit dem ehemaligen Werkmeister Boose wechseln zu können.

    In den Mittelteil der Halle, wo derzeit der Kessel liegt, soll ein Bohrwerk, um z.B. Rahmen, Zylinder usw. spanend bearbeiten zu können.

    Im Bereich unter der Galerie wird die Kesselaufarbeitung sowie der Strahl- und Lackierbereich sein.

    Umrißbearbeitungen von Radsätzen werden zur Zeit vollumfänglich im DLW durchgeführt, da die alte Radsatzdrehmaschine "von gegenüber" in Chemnitz zum Retrofit ist. (So heißt 'Reko' bei Werkzeugmaschinen).

    Sie wird wieder auf den bisherigen Standort zurück kommen, zusätzlich wird eine komplett neue Maschine beschafft.

    Die geplante Arbeitsstand-Belegung (Abbau/Montage usw.) könnt ihr dem Link entnehmen.

    Es gibt für beide Teilbereiche der "FZI" geführte Besichtigungen, die derzeit sehr begehrt sind (so hatte ich gestern Pech) und die Möglichkeit, derzeit noch an zwei Tagen pro Woche auf die Galerie gehen zu können.

    Auf beiden Seiten gibt es Balkone, einen mit Blick auf Stadt und Schloss für die Ehefrau, und den zweiten mit Blick auf den Bahnhof Westerntor für die Männer...

    Im Außenbereich wird derzeit noch eine Verweilmöglichkeit, auch für Kinder angelegt.

    Wünschen wir der HSB daß es mit dem Fahrzeugpark und der neuen Dampflokwerkstatt steil nach oben gehen möge!

    Liebe Grüße,

    Peter Preis

  • Vom Männerbalkon noch ein paar weitere Bilder:

    Hier wird der o.g. Verweilbereich mit einem Lokbrunnen angelegt:

    Was mit den verbliebenen Fragmenten des VEB Harzer Holzwerke geschehen soll - ich weiß es nicht.

    Und hier

    befindet sich diese Webcam:

    Nochmal liebe Grüße,

    Peter

  • Hallo Peter,

    die HSB hat sich ja offenbar einen ordentlichen Kohlevorrat hinschütten lassen.

    Zur neuen Werkstatt mal ein paar Frage. Hat man Euch auch gesagt, wie viele Mitarbeiter dort inzwischen beschäftigt sind? Gibt es eine strikte Trennung von Personal der alten und neuen Werkstatt, oder werden die Kollegen mal hüben und mal drüben eingesetzt?

    Es war wohl gerade Frühstückspause. Es ist außer einem Fahrrad überhaupt keine Spur von Aktivität zu entdecken.

    Viele Grüße

    Dampfachim

  • Hallo Peter,

    Radsatzbearbeitung im DLW erstaunt mich, da doch Halberstadt und Benndorf mit entsprechender Technik im selben Bundesland und gleich um die Ecke liegen.

    MfG Thomas

  • Zur neuen Werkstatt mal ein paar Frage. Hat man Euch auch gesagt, wie viele Mitarbeiter dort inzwischen beschäftigt sind? Gibt es eine strikte Trennung von Personal der alten und neuen Werkstatt, oder werden die Kollegen mal hüben und mal drüben eingesetzt?

    Es war wohl gerade Frühstückspause. Es ist außer einem Fahrrad überhaupt keine Spur von Aktivität zu entdecken.

    Hallo Achim,

    wie sich das mit den Mitarbeitern verhält, weiß ich nicht. Ich könnte mir es aber vorstellen, daß sie zumindest gelegentlich mal hin und her müssen.

    Wie gesagt, ich konnte an der Führung nicht teilnehmen, ausgebucht, aber danach hatte ich wenigstens kurz im Lokshop die Möglichkeit mit Herrn Boose zu sprechen. Das passte nicht, meinen ganzen Fragenkatalog loszuwerden.

    Es war mittlerweile nach 15 Uhr, drei Arbeiter waren noch da.

    Dieses Bild habe ich noch nicht gezeigt. Es erfolgen Arbeiten an Radsätzen, die nach Kö aussehen. Die betriebsfähige exHallenser Kö hobelte aber fleißig draußen rum.

    LG Peter

  • Hallo Peter,

    da hast Du uns aber etwas "an der Nase herum" geführt. ;)

    Einige Eindrücke vom 19.07.23, mittlerweile ist die Werkstatt für Besucher geöffnet :

    Ich dachte, Du warst heute früh gleich in der Werkstatt. Jetzt schreibst Du aber:

    Es war mittlerweile nach 15 Uhr, drei Arbeiter waren noch da.

    Da kann man schon mal den Überblick verlieren. ;)

    Auf jeden Fall ist das ein sauberer und moderner Arbeitsplatz. Das wird hier ja auch bald Realität.

    Viele Grüße

    Dampfachim

  • Hallo Achim!

    Du sagst es, ein sauberer und moderner Arbeitsplatz. Bei aller nostalgisch verklärten Sichtweise der Eisenbahnfreunde ist es das, was heute in der Arbeitswelt wichtig ist. Sowohl zum Wohlbefinden der Arbeiter, zum Arbeitsschutz, als auch für die Arbeitsqualität.

    Viele Grüße

    Thomas

  • Hallo Peter,

    vielen Dank für diesen neuen Thread! Somit bekommen alle, die sich das noch nicht vor Ort ansehen konnten, einen guten Eindruck. Auch ich bin überrascht, wie jetzt (endlich und Gott sei Dank) "Leben" in die neue Werkstatt einzieht! Man versteht jetzt viel mehr, wie es gedacht ist. Und natürlich wirft das auch Fragen auf, und auch gibt es noch Zweifel, ob das alles so kommt wie gedacht. So muss es aber auch sein, denn alles ist niegelnagelneu und muss sich erstmal finden/ einspielen.

    Da man drüben in der alten Werkstatt nicht filmen durfte, besteht jetzt mit der neuen Werkstatt Chancen für mehr Transparenz und Gesamtverständnis. Das kann für die HSB, die Bahnfreaks, die Kritiker und die Besucher am Ende nur gut sein.

    Ich empfinde das als gut und drücke der HSB die Daumen, dass sich das richtig gut weiterentwickelt!

    Gruß, Volker

  • Hallo und guten Abend in die Runde,

    heute geht es mir um die Arbeitsabläufe in der neuen Dampflokwerkstatt. Peter hat zuvor die tollen Bilder eingestellt, Klasse.

    Prinzipiell bin ich offen für alles Neue, denn wer Zukunft will, muss Neuem gegenüber auch offen sein.

    Ich will hier bewusst nichts kritisieren an so einer neuen Werkstatt, aber doch gern mal mehr zu deren Konzept wissen.

    Wie sieht der künftige Ablauf in dieser Werkstatt aus? Was hat man sich mit diesem Neubau erhofft und ist das Ganze technisch untersetzt/ machbar?

    Ich skizziere hier mal selsbt, wie ich mir das technologisch vom Ablauf her vorstelle:

    1. Eine Neubaulok wird zur HU in die neue Werkstatt geschleppt.

    2. Nach klaren Prozessen und Abläufen werden alle Bauteile, Einzelteile, Baugruppen etc. von Spezialisten der HSB begutachtet, kontrolliert und geprüft, so dass im Ergebnis dessen klar ist, was überarbeitet, ausgetauscht oder ggfs. neu anzufertigen ist. Dabei werden die Vorschriften zum Betrieb einer Dampflok, so will ich das mal bezeichnen, beachtet, insbesondere aller sicherheitsrelevanten Teile.

    3. Nach der Aufnahme der umzusetzenden Arbeiten wird nach klaren Vorgaben entschieden, welche Arbeiten in der alten und auch neuen Werkstatt in WR durch die HSB selbst ausgeführt werden, welche Arbeiten durch z.B. Spezialisten in Meiningen oder durch qualifizierte und auditierte Zulieferer erfolgen.

    4. Im Zuge dessen wird so eine Lok komplett zerlegt, die internen und externen Beauftragungen starten.

    5. Es gibt klare Kosten- und Terminvorgaben, an die sich alle möglichst halten, weil sie vertraglich vereinbart sind.

    6. Mit der Umsetzung der Arbeiten kommen alle Teile der Lok wieder in der Werkstatt in WR an, die Lok wird wieder montiert.

    7. Nach erfolgreichen Feinarbeiten, Justagen etc. erfolgt dann die erste Wiederinbetriebnahme der Lok und ist diese, incl. der ggfs. erforderlichen Kesselprüfung erfolgreich, kann eine erste Probefahrt und danach die Abnahmefahrt erfolgen.

    8. Die Lok wird in den vorhandenen Fuhrpark wieder eingegliedert und entsprechend den Notwendigkeiten des Fahrplans eingesetzt.


    Nun wird das sicher alles nicht so 100% exakt von mir dargestellt sein, aber so in etwa stelle ich mir das vor.

    Und jetzt aber meine "echten" Fragen:

    1. Bestehen gewisse Risiken, dass bei der Vergabe und Aufarbeitung von Bauteilen diese in ihrem Zusammenspiel nach der Montage eben nicht mehr exakt miteinander funktionieren? Ist es nicht so, dass man so eine Lok an bestimmten kritischen Stellen als "Ganzes" betrachten muss und nicht Teile fremd vergeben kann, weil es dann beim Zusammenbau nicht mehr klappt?

    2. Gibt es andere Bahnen, bei denen ein solches Konzept schon getestet wurde und waren diese Tests erfolgreich?

    3. Welche Risiken können auftreten (Terminverschiebungen?, Kostenerhöhungen?, Reklamationsabläufe/ Verantwortlichkeiten?, unvorhersehbare Ereignisse? ) ?

    Ich gehe davon aus, dass das alles und noch mehr im Konzept zur neuen Werkstatt zuvor durchdacht worden ist. Natürlich gehen meine Fragen sehr stark an die Firmeninternas der HSB heran. Dennoch habe ich das hier mal thematisiert, denn es interessiert mich halt sehr.

    Wenn dieses neue Konzept so funktioniert, ist es in Bezug auf Dampflokreparatur sehr, sehr innovativ und effektiv.

    Wer von Euch hier im Forum kann dieses Thema fachlich fundiert untersetzen? Wenn das hier im Forum nicht geht, was ich verstehe, dann gern über eine PN an mich.

    Ich sehe diese und andere Fragen im Gesamtzusammenhang für ein fundiertes Zukunftskonzept der HSB.

    Bisher sind mir die Abläufe in einer Lokwerkstatt so bekannt, dass bestimmte Untersuchungen/Reparaturen/ Prüfungen in der eigenen Werkstatt erfolgen, aber dann "wichtige, sicherheitsrelevante Arbeiten" nur von externen Spezialisten mit den erforderlichen Sonderqualifikationen umgesetzt werden (z.B. dem DLM). Dem ist mit der neuen Werkstatt dann nicht mehr so.

    Vorab bedanke ich mich für alle sachdienlichen Hinweise und Antworten.

    Gruß, Volker