Aktivitäten an der Strecke Zwönitz - Scheibenberg

  • Hallo Dietmar,

    genau deshalb ist die Brücke seit Jahren weitläufig mit einem Sperrband abgesperrt . Wenn die Baustelle erst einmal eingerichtet wird, wird aber garantiert eine andere Sicherungsmaßnahme erfolgen, guckt mal, wie die ganzen Baustellen für die Windkraftanlagen "in der Wallachei" abgesichert werden (Kamera, Näherungssensoren, ...)

    Was ich damit andeuten will, daß jeder, der die Brücke noch einmal "in voller Pracht" fotografieren will, sich beeilen sollte.

    Viele Grüße

    Arndt

  • Glück Auf,

    Ich möchte nachfolgend Auszüge aus dem Befund der letzten Sonderbegutachtung der Fuchsbrunnbrücke durch die damalige DB Netz AG aus dem Jahre 2019 wiedergeben. Diese verdeutlichen sehr genau den schon damals besorgniserregenden Zustand des Bauwerkes. Inzwischen hat sich dieser weiter verschlechtert.

    Um den nachfolgenden Befund besser nachvollziehen zu können, folgt hier eine Übersicht der Brücke mit der genauen Benennung der einzelnen Bauteile gemäß Richtlinie 804:

    Zur Erläuterung: Eisenbahnbrücken werden in aufsteigender Kilometrierung in der Längsachse in Streckenteilbauwerke gegliedert. Die erste Ziffer bezeichnet die Öffnung bzw. den Überbau an sich, die Ziffern 0 und 1 (sprich null eins) kennzeichnen das Streckenteilbauwerk insgesamt. Bei einer eingleisigen Brücke erscheint demzufolge immer die 01 am Ende der Ziffernfolge.

    Zum Befund (auszugsweise Zitate; alle Fotos entstanden am 19. Juni 2026 durch mich):

    Hauptträger

    Überbau 101 – 501, genietete Blechträger, erheblich gerostet. Träger zum Teil mit erheblichen Querschnittsverlusten und stellenweise durchgerostet, sowie alle Bauteilanschlüsse im Ober- und Untergurtbereich mit starkem Plattenrost und Abrostungen.

    Überbau 101, Rosttreibungen zwischen Hauptträger und Fahrbahnträger.

    Überbau 501, durchgerosteter Fahrbahnträger.

    Überbau 501, Abzehrungen an den Fahrbahnträgern.

    Verbände

    Quer- Schlinger- und Windverbände aus zusammengenieteten Winkelstahl. Flansche der Verbände stellenweise weggerostet, zahlreiche Winkel messerscharf abgerostet, Anschlüsse mit Abrostungen und Plattenrost.

    Überbau 101, Querverband Nr. 3 und 5-7 vollständig weggerostet, Feld 6 unterer Windverband durchgerostet. Knotenbleche mit starken Rosttreibungen bzw. Abrostungen.

    Überbau 201, Querverband Nr. 2 durchgerostet, Knotenbleche mit starken Rosttreibungen bzw. Abrostungen, besonders bei den Endquerträgern auf Seite 1 und 2 stark abgerostet.

    Überbau 301, Querverband Nr. 4-6 durchgerostet, Feld 3 und 5 unterer Windverband durchgerostet. Knotenbleche mit starken Rosttreibungen bzw. Abrostungen.

    Überbau 401, oberer Verband Feld 2 durchgerostet sowie unterer Querverband Nr. 2 durchgerostet. Knotenbleche mit starken Rosttreibungen bzw. Abrostungen.

    Überbau 501, unterer Windverband Feld 4-6 sowie Querverbände Nr. 3 und 4 weggerostet. Knotenbleche mit starken Rosttreibungen bzw. Abrostungen.

    Überbau 501, Verbände und Rosttreibungen.

    Überbau 501, fast weggerosteter Verband.

    Pfeiler

    2 Gerüstpfeiler, genietete Fachwerkkonstruktion mit erheblichen starken Abrostungen. Verbände bis 70% abgerostet, starker Plattenrost und stellenweise Durchrostungen. Diagonalverbände links und rechts, Innenseiten größtenteils weggerostet.

    Pfeiler 1, Auflagerbereich Stützenfundament C.

    Pfeiler 1, Auflagerbereich Stützenfundament A.

    Pfeiler 1, durchgerosteter Diagonalverband.

    Gerüstpfeiler 2, Diagonalverbände links und rechts ohne Funktion, ca. 90% weggerostet. Anker Nr. 4 lose.

    Stützenfüße aus Beton mit Sandsteinabdeckplatten. Beton der Stützenfüße abgewittert, stark abplatzend und mit zahlreichen hohlen Schalen, Beton verwittert zunehmend. Bei allen Stützenfüßen Auflagerfugen der Abdeckplatten zu 70% ausgebrochen. Draufsicht der Platten in den Fugen stellenweise Bewuchs z.T. beginnender Baumwuchs.

    Pfeiler 1, Stützenfüße B und D.

    Es wird sehr deutlich, das hier (überspitzt gesagt) mit Drahtbürste und Rostschutzfarbe nicht viel zu erreichen ist. In der ursprünglichen Planung von 2022, die noch von einer Sanierung des Bestandsbauwerkes ausging, ist detailliert beschrieben, welche Konstruktionselemente erhalten und welche ersetzt werden müssen. Wer daran Interesse hat, möge sich per Konversation bei mir melden.

    Viele Grüße

    Mike, IG ZS

  • Hallo Mike,

    so schön die Brücke ist und so wünschenswert es wäre sie - dann eben als Radwegbrücke - zu erhalten. Bei den Bildern wird aus Sanierung aber ganz schnell kompletter Neubau; da dürfte nicht mehr viel erhaltungswürdige Substanz vorhanden sein. Schade, aber ist wohl so.....

    Gruß Jens

    Einmal editiert, zuletzt von sounder (22. Juni 2026 um 17:12)

  • Hallo Mike,

    vielen Dank für deine Darstellung des Zustands, den ich so schlimm nicht erwartet hatte. Mit einem Wort: Erschreckend! Da muß ich mein Aussagen im Beitrag #146 auch etwas revidieren. Nach dem Sandstrahlen dürfte von der Brücke nicht mehr viel übrig bleiben. Als ich mir die Brücke 1998 angeschaut habe, habe ich solche schlimmen Schäden definitiv nicht gesehen.

    Wie sieht es denn aktuell mit der Standsicherheit des Bauwerks aus?

    Die Frage ist natürlich auch, was will man tun, um den weiteren Verfall der Brücke zu verlangsamen, wie es angedacht ist? Ist das überhaupt möglich? Aufzuhalten wird der endgültige Ver- bzw. Zerfall des Bauwerks nicht mehr sein. Schade!

    Viele Grüße
    Toralf

  • Bei den Bildern wird aus Sanierung aber ganz schnell kompletter Neubau, da dürfte nicht mehr viel erhaltungswürdige Substanz vorhanden. Schade, aber ist wohl so.....

    Gruß Jens

    Hallo Jens,

    Wie schon angedeutet, wenn man die entsprechenden finanziellen Mittel (gehabt) hätte, würde schon noch etwas gehen. Natürlich nur unter Austausch der am meisten geschädigten Teile.

    Wie sieht es denn aktuell mit der Standsicherheit des Bauwerks aus?

    Die Frage ist natürlich auch, was will man tun, um den weiteren Verfall der Brücke zu verlangsamen, wie es angedacht ist? Ist das überhaupt möglich? Aufzuhalten wird der endgültige Ver- bzw. Zerfall des Bauwerks nicht mehr sein. Schade!

    Viele Grüße
    Toralf

    Hallo Toralf,

    Wie der neue Eigentümer des Bauwerkes (also die Stadt Zwönitz) die Standsicherheit einschätzt, ist mir bzw. der IG nicht bekannt. Dies wird aber sicherlich im Rahmen der Planung für den Erhalt der Brücke bewertet. Damit ist unseres Wissens bereits ein Ingenieurbüro beauftragt worden. Zunächst soll ein massiver Zaun um die Brücke für die Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht sorgen.

    Wenn man es "richtig" angehen will, müsste man sich meiner Ansicht nach an der Sanierungsplanung von 2022 orientieren und zumindest die am stärksten geschädigten Elemente austauschen. Wobei das natürlich auch nicht mit "mal eben was einschweißen" getan ist, denn an der bestehenden Konstruktion darf auf Grund des verwendeten Baumaterials (Schweißeisen) nicht geschweißt werden. Bedeutet, geschädigte Teile komplett ausbauen, Nietverbindungen öffnen und bei Einbau der neuen Teile durch Passchrauben ersetzen. Am Ende hat man dann vielleicht eine Brücke, die so instandgesetzt wurde, dass man auch hätte den Radweg darüber führen können.. Wir müssen es einfach abwarten.

    Grüße Mike

  • Hallo Mike,

    ganz große Klasse und vielen Dank für das Einstellen des Berichtes. Wenn man das liest und die Bilder sieht wird einem aber schlecht bei dem Zustand des historischen Bauwerkes ;(.

    Naja, 82 (!) Jahre nach dem Aufbringen des letzten Schutzanstriches aber eigentlich auch kein Wunder muss man ehrlich zugeben.

    Genauso grenzt es an ein Wunder das die Brücke von 1947 bis 1989 (!) jeder "Schrottkampagne" entgangen ist. Ein ziemlich außergewöhnlicher Vorgang muss man dazu noch feststellen.

    Hoffen wir das Beste nicht das sie jetzt doch noch wegen "Mangelnder Standsicherheit" entsorgt werden muss.

    Anmerkung noch zum Thema "Hintergrundwissen" um einige Entscheidungen verstehen zu können... Die vor einigen Jahren sanierte "Beckerbrücke" (Fachwerkstahlbrücke) in der Innenstadt in Chemnitz sollte ja weggerissen werden und als Betonbrücke neu gebaut werden, was aber durch eine Bürgerinitiative und schlussendlich auch durch die Intervention der Stadt Chemnitz verhindert werden könnte.

    Mir war das als Lokführer da schon ein Rätsel warum die Brücke da so schlecht sein soll, da ja weder Last- noch Geschwindigkeitseinschränkungen da zu finden waren. Ich habe es erst verstanden als mir jemand mal gesagt hat das eine Sanierung "die Bahn" bezahlen muss, einen Neubau aber "der Bund". Da ist einem dann auch Schlagartig klar, warum man das "blöde alte Ding" lieber weggerissen hat und es zum doppelten Preis (meine Interpretation) lieber "schön neu" gebaut hätte.

    Mfg TRO.

  • Hallo

    Zitat

    Glück Auf,

    Ich möchte nachfolgend Auszüge aus dem Befund der letzten Sonderbegutachtung der Fuchsbrunnbrücke durch die damalige DB Netz AG aus dem Jahre 2019 wiedergeben.

    Obwohl die Strecke längst eingestellt und entwidmet ist, die Brücken sogar zwei Eigentümer hatte, prüft die DBAG.:/

    Wie erklärt sich denn das?

    Vielen Dank im Voraus vom

    Schlafwagenschaffner

  • Obwohl die Strecke längst eingestellt und entwidmet ist, die Brücken sogar zwei Eigentümer hatte, prüft die DBAG.:/

    Wie erklärt sich denn das?

    Hallo,

    Allgemein: Auch für Bauwerke an von Bahnbetriebszwecken freigestellten Strecken besteht eine Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers. Und da 2019 noch eine Hälfte der Brücke der DB gehörte (und diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt war), musste diese natürlich auch begutachtet werden. Nun macht es allerdings wenig Sinn, diese Begutachtung nur auf einen Teil der Brücke zu beschränken. Inwieweit es da eine Art "Amtshilfe" für die Stadt Zwönitz gab, weiß ich allerdings nicht. Im Nachgang dieser Begutachtung und als immer mehr Bilder und Videos vom illegalen Betreten und Beklettern der Brücke im Internet auftauchten, war man gezwungen zu handeln. Es wurden sodann die weiträumigen Absperrungen ringsum die Brücke und die massiven Zäune auf den Brückenköpfen angebracht, versehen mit dreisprachigen Warnschildern (D, ENG, CZ) "Bahnanlage" und DB-Logo (auch an der der Stadt Zwönitz gehörenden Brückenhälfte).

    Viele Grüße

    Mike

  • (…)

    Anmerkung noch zum Thema "Hintergrundwissen" um einige Entscheidungen verstehen zu können... (…)

    Mir war das als Lokführer da schon ein Rätsel warum die Brücke da so schlecht sein soll (…). Ich habe es erst verstanden als mir jemand mal gesagt hat das eine Sanierung "die Bahn" bezahlen muss, einen Neubau aber "der Bund". Da ist einem dann auch Schlagartig klar, warum man das "blöde alte Ding" lieber weggerissen hat und es zum doppelten Preis (meine Interpretation) lieber "schön neu" gebaut hätte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Viadukt_Beckerbr%C3%BCcke

    Mfg TRO.

    Ganz ähnlich in Hamburg übrigens: Die Sternbrücke mitten in HH, denkmalgeschützt und inmitten einer kleinen „Kulturlandschaft“ stehend, wird mitsamt den nun schon abgerissenen denkmalgeschützten Häusern in Kürze abgerissen und durch einen extrem hässlichen wuchtigen Neubau ersetzt, wofür die Verbindungsbahn umfangreich gesperrt wird. Alle Bürgerproteste brachten nichts, ebenso wurde das von der Kulturbehörde 2018 erstellte Gutachten ignoriert, dass eine Sanierung der hochfest gebauten Brücke als möglich und sinnvoll bewertet.
    Der Senat hat sich - wie immer in HH -durchgesetzt, bei den Planungen so viel als möglich vor der Öffentlichkeit verschleiert. Denn: Die DB AG müsste die Sanierung der alten Brücke selbst bezahlen, der „Monster-Neubau“ wird aber zu großen Teilen von den Hamburger Steuerzahlern und -zahlerinnen aufgebracht werden müssen. (Quelle: Stadtteilarchiv Ottensen -Geschichtswerkstatt für Altona e.V.: Der Zug ist abgefahren! Eine kritische Betrachtung der Altonaer Eisenbahngeschichte)


    Als nächstes soll dann der große Kopfbahnhof Hamburg-Altona plattgemacht und durch eine kleinen Durchgangsbahnhof zentrumsfern ersetzt werden …

    Verkehrt statt Verkehrsplanung.