Ein herzliches Glück Auf,,
wie ich bereits in meiner erzgebirgischen Bergbau-Reihe schrieb, war ich am ersten Oktoberwochenende mal wieder in meiner Heimat. Passend zur eher bedrückten Stimmung zeigte sich auch das Wetter naßkalt und ungemütlich. Eigentlich wollte ich mal im Preßnitztal vorbeischauen, aber das schied nicht nur wegen des Wetters aus. Auch die Busfahrpläne der Region sind zu absolut nichts zu gebrauchen und die Fahrdienste meines Vaters stehen gesundheitsbedingt leider nicht mehr zur Verfügung.
Daher fuhr ich kurzerhand mit dem Linienbus nach Crottendorf Markt und wanderte bei Nieselregen meine alte Hausstrecke ab. So schön wie der Rad- und Wanderweg heute ist, in meinem Herzen tut das trotzdem ganz schön weh. Unterwegs habe ich an ein paar Stellen Fotos gemacht, wo ich weiß, daß ich dort früher schon fotografiert habe. Das alles aber nur aus dem Gedächtnis heraus, denn meine alten Fotos hatte ich natürlich nicht zur Hand. In den meisten Fällen habe ich es aber ganz gut getroffen und so kann ich euch ein paar Bildvergleiche Einst & Jetzt zeigen.
Alle Damals-Aufnahmen sind Scans vom KB-Negativ (ORWO) oder KB-Dia (ORWO und Agfa).
Von Crottendorf ob. Bf. bis Ortseingang Walthersdorf
Damals: Auf dem oberen Bild vom 07.10.1995 erreicht 50 3616 mit einem Sonderzug Crottendorf oberer Bahnhof.
Heute: Fast auf den Tag genau 29 Jahre später ist die gleiche Stelle auf dem unteren Fotos zu sehen. Das heute als Wohnhaus genutzte Bahnhofsgebäude wird gerade saniert. Der ehemalige Gleisbereich wird als Garagenzufahrt und als Vorgarten genutzt.
Damals: Oben seht ihr 86 (1)001 mit einem Sonderzug anläßlich des 100jährigen Streckenjubiläums am 05.08.1989 abfahrbereit in Crottendorf oberer Bahnhof. Am Zugschluß hängt noch 86 (1)501.
Heute: Reichlich 35 Jahre später zeigt sich die gleiche Stelle deutlich grüner, um dem ganzen wenigstens etwas positives abgewinnen zu können. Das massive Nebengebäude rechts neben dem Bahnhofsgebäude ist verschwunden, der Holzschuppen daneben hat aber bis heute überlebt.
Damals: Der Bahnübergang am Rathaus (sowie ein weiterer in Walthersdorf) wurde kurz vor der Einstellung noch mit einer handbedienten Ampel ausgerüstet. Durch diese Schikanen verdoppelte sich die Fahrzeit fast, ein weiterer Todesstoß für die kurze Stichstrecke. Oben passiert 202 778 den Bahnübergang am 12.09.1995 und überquert sogleich die Zschopau. Danach hält der Zug nochmals zum Ausschalten der Ampel.
Heute: Fast 29 Jahre später ist kaum noch zu erahnen, daß hier mal ein Zug fuhr, Bahnübergang und Eisenbahnbrücke sind längst verschwunden. Nur anhand der Häuser und der kleinen Straßenbrücke läßt sich die Situation nachvollziehen.
Damals: Leider mußte ich zuhause feststellen, daß ich nur ein einziges Foto von Crottendorf unterer Bahnhof habe, auf dem der Güterschuppen mit drauf ist. Oben hält hier 86 1001 mit dem Mittags-Pmg nach Crottendorf oberer Bahnhof. Mit diesem Zug fuhren auch wir Schüler von der Schule in Schlettau nachhause.
Heute: Der Güterschuppen steht noch heute und wurde auch irgendwann mal saniert. Auch die Schuppen rechts stehen Jahrzehnte später noch unverändert. Nur das Bahnhofsgebäude, das im oberen Foto vom Zug verdeckt ist, wurde leider vor ein paar Jahren abgerissen.
Damals: Am Ortsausgang Crottendorf in Richtung Walthersdorf führte das Gleis direkt an der Straße lang. Im Winter 1989/90 bringt 110 875 ihren Personenzug von Crottendorf nach Schlettau. Die Zugbildung ist mit Daa + Baag + Bghw recht interessant.
Heute: Das Gleis wich dem Rad- und Wanderweg, die Baumreihe der Straßenverbreiterung. Ansonsten braucht man schon viel Phantasie, um sich die Situation von damals heute vorzustellen.
Damals: Am Ortseingang Walthersdorf überquerte die Bahn erst die Zschopau, dann den Bahnübergang mit der Hauptstraße. Am 24.05.1988 fotografierte ich an dieser Stelle 86 1501 mit dem Nachmittags Gmp von Crottendorf nach Schlettau. Die Fahrzeiten dieses Zuges waren sehr "variabel", so daß wir manchmal viel zu spät zum Pionier- oder FDJ-Nachmittag nach Schlettau kamen.
Heute: Auch der Rad- und Wanderweg auf der Bahntrasse überquert erst die Zschopau, dann die Hauptstraße, nur heute hat hier der Straßenverkehr Vorfahrt. Dafür sind in den fast 36 vergangenen Jahren eine Reihe echt erzgebirgischer Tannen am Bahndamm gewachsen und verbergen die Sicht auf die dahinter stehenden Häuser.
Damals: Blick in die Gegenrichtung wo im Frühjahr 1989 die 110 104 den Mittags-Pmg nach Crottendorf befördert und gleich Hauptstraße und Zschopau überqueren wird. Die Nummer der Lok trägt übrigens das BTTB-Modell. Links außerhalb vom Bild steht das Haus meiner Eltern, in dem ich aufgewachsen bin.
Heute: Kaum noch vorstellbar ist heute, wie der Zug mitten durch die Orte Walthersdorf und Crottendorf fuhr. Ruhiger ist es allerdings dadurch nicht geworden, der Straßenverkehr hat um ein vielfaches zu damals zugenommen. Insbesondere der schwere Lkw-Verkehr ist eine Zumutung für die Anwohner. Für den werden gerade weitere Straßen im Erzgebirge ausgebaut, Verkehrspolitik im Jahre 2024.
Hier an meinem Elternhaus unterbreche ich nun erstmal die Zeitreise. Bei Gelegenheit werde ich diesen Beitrag mit weiteren Bildvergleichen fortsetzen. Ich hoffe, daß ich noch mehr als ein mal die Gelegenheit dazu habe.
Viele Grüße
Toralf