Anfang Oktober 2024 besuchte ich an 2 Tagen ausführlich die Cumbres & Toltec Scenic Railway, eine von 2 Museumsbahnen in den Rocky Mountains, die vom einst riesigen 914mm Schmalspurnetz übrig geblieben sind. Davon möchte ich Euch hier einen aktuellen Bildbericht geben.
Im Vorfeld hatte ich schon einiges gelesen und gesehen von der Bahn, die Realität übertraf meine Erwartungen deutlich, was die Authentizität der Bahn betrifft. Nach vielen bisherigen USA-Besuchen in anderen Landesteilen hatte ich deutlich mehr Kommerz und Show erwartet.
Am ersten Tag plante ich eine Fahrt mit dem Zug von Antonito nach Chama, Rücktransport zum Ausgangspunkt mit dem Bus, da die Bahnfahrt den gesamten Tag dauert. Die Zugtickets dazu sollte man unbedingt im Vorfeld buchen, da die Züge (1 Zug pro Tag und Richtung) fast ständig ausgebucht sind. Am 2. Tag habe ich mit dem Auto und zu Fuß einige Strekenaufnahmen gemacht, denn das phantastische Wetter und die tolle Laubfärbung wollten auf den Chip. Dabei übernachtete ich stilecht im Steam Train Hotel in Antonito, auch das sehr authentisch und mexikanisch geprägt, wie der gesamte Ort.
Direkt hinter dem Hotel ist noch der alte Haltepunkt der "Flachlandstrecke" von Alamosa, auf Regelspur umgebaut und mittlerweile stillgelegt und zusehend verfallen. In 10 min ist man zum jetzigen Schmalspurbahnhof gelaufen und taucht in eine alte Welt ein.
Während der Zug schon am Bahnsteig steht, fährt die Lok zum Wasserkran, um sich dann an den Zug zu setzen. Hier bei der Cumbres&Toltec wird noch mit Kohle geheizt, in Durango rüstet man alles auf Ölfeuerung um. Damit soll der Waldbrandgefahr entgegen gewirkt werden. Auf dem Bild unten erkennt man in der Bildmitte noch Reste des 3-Schienengleises, der gesamte Bahnhofsbereich war zu Zeiten des Regelbetriebes vom Güterverkehr geprägt, da wurden später die touristisch notwendigen Gebäude errichtet.
An unserem Zug hing die K36 Nr. 484, während kalt vor dem Schuppen die ältere K27 Nr. 463 betriebsfähig abgestellt war.
Pünktlich 10:00 Uhr verlassen die Züge an beiden Endbahnhöfen Antonito und Chama, um sich auf die über 100km lange Strecke über den 3.000m hohen Cumbres-Pass zu fahren. Wir starten in Antonito und fahren erst einmal durch flache Steppe.
Langsam wird das Gelände hügeliger und die Strecke erklimmt in vielen Bögen langsam an Höhe, von den gewaltigen Rocky Mountains mit dem 3.000m hohen Paß sieht man irgendwie noch nichts ... ![]()
Immer mal wieder gibt es einen Wasserhalt, den unsere Lok hat Durst, es geht auch ständig bergauf mit den 8 Wagen. Dann wird es immer bergiger der Zug erklimmt an den Talrändern gewaltig an Höhe. Immer mal wieder tauchen verlassene Stationen oder Überholgleise auf, die auf den intensiven Güterverkehr von früher hinweisen.
Gegen Mittag erreicht unser Zug den offiziellen Kreuzungsbahnhof Osier Station, der Gegenzug aus Chama ist auch schon eingetroffen. Mitten im nichts hat man vor einigen Jahren ein größeres Bahnhofsgebäude im alten Stil errichtet, hier gibt es für die Fahrgäste beider Züge ein ausgiebiges Mittagsessen vom Buffet, 1 Stunde Aufenthalt sind eingeplant. Hinweis für Eisenbahn-Fans, sofort nach Ankunft die Züge fotografieren, man ist allein da draußen, alles stürzt zum Buffet. Nach 30 Minuten wälzen dann die Touristenmassen zu den Lokomotiven und gerade unsere asiatischen Gäste müssen alle einzeln vor den Loks posieren.
Pünktlich nach 1 Stunde ertönen die Pfeifen der Lokomotiven und mahnen zur Weiterfahrt. Nach dem Verlassen der Station kann man dem Gegenzug noch lange nachschauen.
Nach einem weiteren Wasserhalt erreicht unser Zug irgendwann den Cumbres-Pass auf 3.000m Höhe, hier überholen wir einen Bauzug, der vom kontinuierlichen Gleisbau an der langen Strecke zeugt.
Von hier geht es dann steil bergab nach Chama, rauchende Bremsbeläge an allen Wagen und ein bestialischer Gestank davon sind ein untrüglisches Zeichen, welche Schwerstarbeit auch die Bergabfahrt darstellt. Nach Ankunft in Chama steht sofort der Bus zur Rückfahrt nach Antonito bereit und nach knapp 1h Fahrzeit ist man wieder am Ausgangspunkt des Tages, die Lok des Gegenzuges wird vor dem Lokschuppen gerade abgeschmiert.
Begeistert von den Eindrücken der Strecke, des tollen Wetters und des optimalen "Indian summers" beschließen wir, am nächsten Tag noch das eine oder andere Foto zu machen. Dazu muss man wissen, das große Teile der Strecke in fast unzugänglichem Gebirgsgebiet liegen, nur der Teil von Chama bis zum Cumbres-Pass und ein kleines Stück danach sind parallel zu einer Straße. Aber ein paar Kilometer Wanderung haben wir eingeplant, andere Wanderer haben wir nicht gesehen, auch wandern geht der Ami mit seinem Pickup
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Am nächsten Morgen verlässt unser Zug Antonito wieder pünktlich und durchfährt die steppenähnliche Ebene.
Weiter verfolgen geht hier nicht, also rauf über den Pass und dem Gegenzug aus Chama entgegen.
Der muss sich mühsam die lange starke Steigung zum Cumbres-Pass hoch quälen und ist bald erreicht.
Hier hat der Zug den Bahnhof am Pass erreicht und die Lok nimmt erstmal wieder Wasser.
Kurz danach kann man nochmal einige Fotomotive relativ leicht erreichen. Interessant auch die weitere Streckenführung im Vordergrund...
... auf der unser Zug kurze Zeit später angerollt kommt, es geht ja nun bergab.
Wir wandern nun in ein Seitental, welches nur von der Bahn befahren wird und erwarten einige Zeit später den Zug aus Antonito, den man hier schon lange das Tal herauf schnaufen sieht und hört.
Nun hat auch dieser Zug den Pass erreicht und verlässt die Station Cumbres Richtung Chama ins Tal.
Die Grenze zwischen den Bundestaaten Colorado und New Mexiko wird mehrfacht überquert, immer gut markiert. Der Startbahnhof Antonito liegt in Colorado, der Endbahnhof Chama in New Mexiko.
Einst ging die Strecke von Chama aus weiter gen Westen und bis 1969 konnte man auf dem Schienenweg weiter anch Durango reisen.
Wir mussten unseren Mietwagen dazu nutzen und konnten auf der 2. Museumsbahn der ehemaligen Denver and Rio Grande Western Railroad diesen Zug mit den beiden K28 Nr. 473 und 476 fotografieren.
Fazit: ein tolles Erlebnis, welches einen guten Eindruck von den ehemaligen Schmalspurbahnen in den Rocky Mountains vermittelt, ohne dabei dem üblichen amerikanischen Kitsch zu verfallen. Klare Empfehlung ![]()
Ralph Teumer


