Im Erzgebirge 1993

  • Es ist mal wieder an der Zeit für einen Reisebericht. Schauen wir über 30 Jahre zurück auf das Erzgebirge im Jahre 1993. Ja, das war, wie ich gerade in diesem Forum lernte, die Zeit der 'Tarnnummern' an schmalspurigen Dampflokomotiven. Den Begriff kannte ich noch nicht.


    Im Jahr 1993 war noch viel Eisenbahnbetrieb wie zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn geboten (von den neuen Nummern abgesehen), noch waren die Stilllegungswellen nicht durchgerauscht, noch gab es etwas Güterverkehr, aber, die Zeiten würden sich absehbar ändern und zwar vermutlich bald.

    Daher sprach mich ein Freund an, er wusste, dass ich dank verwandschaftlicher Kontakte das Erzgebirge schon früher öfters bereist hatte und einige Orte wusste, wo 'etwas eisenbahnmäßig geboten wäre', vor allem, was den Dampfbetrieb anging.

    Waren es früher Tagestouren, die ich von Jena aus unternahm, so schlug er nun vor, eine kleine Rundreise durch das Erzgebirge über mehrere Tage zu unternehmen. Es sollte das lange Wochenende um Christi Himmelfahrt, im Erzgebirge eher als Vatertag begangen, werden, also vom 20. bis zum 23. Mai 1993.

    Na gut, ich war noch ungebunden, er stellte das Auto, ich die Ortskenntnis, dann mal los.

    Wir kamen aus dem Raum Stuttgart und so ereilten wir die ersten Dampfloks noch im tiefsten Bayern.... 'tschuldigung Oberfranken. Denn da will man ja nicht am Deutschen Dampflokmuseum vorbei jagen, ohne einen Höflichkeitsbesuch vorzusehen. Also, die erste 'Bimmelbahn' war ziemlich klein.

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    Der Grund, dass wir dort vorbeikamen, wenn die erste Etappe in Oberwiesenthal vorgesehen ist, ist die Möglichkeit einer eleganten Abkürzung über Karlsbad und seinen wunderschönen Jugendstillfassaden.

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    Und von da kommt man ziemlich rasch zum Fuss des Fichtelberges, nach Oberwiesenthal. Es war wegen des Vatertages einiges an Volksfeststimmung geboten. Und ja, die Bahnanlagenwaren so wie früher, so kannte ich es.


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    Schön... aber, Moment mal... was stand denn da im letzten Sonnenlicht vor dem Schuppen? Äh, damit hatte ich aber nicht gerechnet... eine IVK in Oberwiesenthal und unter Dampf? Bringt die denn einen ganzen Zug die Steigungen hoch?

    Das war eine Überraschung, die ich erstmal nicht verstand..

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    Aber, keine Zeit zum Wundern, der Nachmittagszug aus Cranzahl näherte sich hörbar. Wegen des Feiertages zünftig geschmückt und mit Vorspann.


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    Und kaum war der Zug 'drinn' macht sich offenbar die IVK bereit mit einem sehr kurzen Zug und schließlich sogar auf den Weg, Na, vielleicht erfahren wir noch, was die hier gemacht hat... sie sollte uns am nächsten Tag tatsächlich noch eine Überraschung bereiten.

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    Anschließend macht sich im letzten Sonnenlicht der Planzug ins Tal bereit, den wir aber nicht weiter verfolgten, da das Licht schlecht wurde und wir noch eine Unterkunft für die Nacht suchen mussten.


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    Die Unterkunft fanden wir aber in Bahnhofsnähe, was den Vorteil hatte, dass man noch den letzten Abendzug die Ehre erweisen konnte.

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    Dann, Freitag der 21.05.1993. Ein neuer Tag, ein neuer Zug läuft ein.


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    Es gibt auch sowas wie Güterverkehr, wenn auch nur für den internen Bedarf, das dürfte die Kohle für den Betrieb sein.


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    Aber auch der Personenzug bereitet sich auf die Rückfahrt vor.


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    Den haben wir dann in Hammerunterwiesenthal abgepasst.


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    Hier war auch eine Zugbegegnung vorgesehen.

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    Sehr schön, aber hier haben wir die Fichtelbergbahn verlassen, wir wollten ja noch weiter.

    Ein kurzer Blick zum Bahnhof Bärenstein. Zu diesem Zeitpunkt ruhte der Personenverkehr.


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    Auch aus der Tschechischen Republik ist nichts zu erwarten.

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    Nächster Halt: Jöhstadt. Mal sehen, wie es da aussieht. Ich war längere Zeit nicht dort gewesen. Ich wusste vom Plattenbau auf dem ehemaligen Gleisvorfeld und ich wusste, dass man engagiert dabei war, wieder einen Museumsbetrieb zu eröffnen.


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    Als wir ankamen, war großer Betrieb... was ist denn hier los?

    Und Überraschung: Kennen wir diese Lok denn nicht? Gestern haben wir sie in Oberwiesenthal noch davonfahren sehen, heute wurde sie offenbar gerade mit dem Kranwagen hier abgesetzt.

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    Offensichtlich frisch aus dem Ausbesserungswerk. Dass sie betriebsfähig war, das hatte sie ja am Vortag unter Beweis gestellt.

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    Aber, gleich gab es ein Problem. Man wollte ein Bild aller vorhandener Maschinen nebeneinander. Nur, es gab keine Rangierlok betriebsbereit. Wie bekommt man diese Lokomotive vor den Lokschuppen verschoben?

    Nun, es zeigte sich, dass das gar kein Problem war, es war ja genug Manpower da....

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    Dann die alten Damen mit dem Wasserschlauch noch etwas frisch machen …

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    Und alles ist bereit für das Gruppenfoto.

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    Das war es dann für uns bereits in Jöhstadt, der Streckenausbau war zu dem Zeitpunkt auch noch nicht so weit gediehen. Wir wollten weiter.

    Ostwärts...wo noch Gleise auf der Karte vermerkt waren. Reitzenhain bot nur noch einen abgeräumten Bahndamm., der nächste richtige Bahnhof, wo wir auch auf einen Zug warten konnten, war Neuhausen im Erzgebirge.

    Der hölzerne Lokschuppen war bereits gesperrt und ist mittlerweile weg. Die Gleisanlagen waren aber noch recht umfangreich.

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    Weiter, nächster Halt, heute die Freiberger Eisenbahn bei Rechenberg-Bienenmühle.

    Heute wirken bereits diese Zuggarnituren historisch.

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    Von da ist es nicht mehr weit zur nächsten 'echten' Bimmelbahn: Wir landeten in Dipoldiswalde.

    Hier ist das Bahnsteigdach gerade in Reparatur. Es erwartete uns ein Güterzug, möglicherweise ein Bauzug, der die Kreuzung mit dem Personenzug nach Kipsdorf abwartete.

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    Und der ging dann weiter südwärts. Da ist noch viel Kohle auf Güterwagen unterwegs....

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    Eis schöner Aussichtspunkt liegt über der Haltestelle Rabenauer Grund.


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    Richtung Kipsdorf verschlechterte sich leider das Wetter. Regen kam auf... und gegen Abend war verstärkt mit Dunkelheit zu rechnen.


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    Auf der anderen Straßenseite fand sich eine Pension. Der Vermieter war sehr verwundert, dass wir ein Zimmer zur wirklich stark befahrenen Hauptstraße hin haben wollten. Aber, für diesen Ausblick mussten wir so nicht mehr in den Regen hinaus.

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    Für den Blick auf den letzten Abendzug, ging man zwar schon...

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    Aber die ersten Frühzüge noch vor dem Frühstück konnten uns so nicht entgehen.

    Samstag 22.05.1993


    Wieder zurück nach Rabenau, das Wetter wurde leider nicht besser.

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    Also fuhren wir weiter, es half ja nichts.

    Wir kreuzten die Strecke Heidenau-Altenberg. Das war mal eine Schmalspurbahn...

    Wir passten zwei Züge ab, ich meine beim Haltepunkt Hartmannmühle, bin mir da aber nicht mehr ganz sicher.

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    Dann haben wir wieder etwas Strecke gemacht. Das nächste Schmalspurgleis hatte sogar Fahrdraht, aber leider keinen Betrieb. Die Kirnitzschtalbahn wurde gerade komplett überarbeitet.


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    Und so kamen wir schließlich in ein Revier, was für meine Tagesausflüge früherer Zeiten immer unerreichbar war: Zittau.


    Und hier war der volle Betrieb geboten mit Zugbegegnungen von drei Zügen alle Stunden in Bertsdorf.

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    Wir fuhren gleich mal die Strecken ab: Nach Oybin,


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    nach Jonsdorf


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    Und auch nach Zittau.


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    Das ganze setzten wir, nach einer erholsamen (und im Gegensatz zur letzten) ruhigen Nacht in einem kleinen Hotel in Oybin, am folgenden Tag fort.

    Sonntag 22.05.1993


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    Dies ist natürlich nur eine kleine Auswahl an Bildern, die wir trotz teurem Filmmaterial und trotz des nassen Wetters noch machten.

    Irgendwann mussten wir aber auch an den Heimweg denken. Um etwas abzukürzen, wählten wir die Route von hier durch Tschechien. Größere Erkundigungen von Bahnanlagen wären sicher interessant geworden, aber dafür fehlte die Zeit und irgendwann das Tageslicht. Nur eine Überraschung harrte unserer noch. Und das war sie wirklich, ich wusste nicht, was im kleinen Örtchen Oberoderwitz am Straßenrand stehen würde, und da eigentlich nicht in die Gegend gehört: Diana, vorletzte aktive Lok der Waldeisenbahn Muskau wurde 1978 hier als Denkmal aufgestellt. Warum sie und warum gerade hier, weiß ich nicht. Sie wurde im folgenden Jahr bereits zurückerworben und ist mittlerweile wieder betriebsfähig gemacht auf ihre alte Strecke zurückgekehrt.

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    Einige dieser Orte habe ich später mit Familie oder Freunden nochmal besuchen können. Viel verändert hat sich oft gar nicht (bis auf die Tarnnummern). Vielleicht bietet das noch Material für Ergänzungen...


    Bis dahin wünsche ich eine schöne Woche.


    Wolfgang der opus