Farbgebung und Beschilderung Übergang K.Sächs.Sts.E.B zur DRG

  • Hallo Kollege,

    Niels Moh wäre auch meine Idee gewesen- nur war mir der Name entfallen. Mir war nur noch sein Username (irgendwas mit XXh) in einem Forum im Hinterkopf.

    Viele Grüße Christian

  • Hallo Thorsten-

    nein, daher kannte ich Niels nicht. Hier bin ich ja erst kurz unterwegs. Es war ein anderes Forum, in dem von einigen sehr Sachkundigen über die Farbgebung von Fahrzeugen diskutiert wurde.

    Viele Grüße Christian

  • Ich war letzte Woche in Dresden ohne meine Bibliothek, aber ich hab schon mit Andre' ueber den Thread hier gesprochen :)

    Da die Lokomotiven noch 1918 fotografisch nachweisbare dunkle Zierstreifen bekamen, waren sie sicherlich zur Staatsbahnzeit gruen.

    Im Februar 1921 bekam die Generaldirektion Dresden Wind von neuen Vorgaben des EZA (Eisenbahnzentralamt) in Berlin.

    Diese gingen im Maerz 1921 an die Waggon- und Lokfabriken (nachweisbar auch SMF Chemnitz) fuer Neufahrzeuge.

    Im April 1921 gingen sie auch an die Werkstaetten zur Wagenunterhaltung ("nach Aufbrauch vorhander Farbe"). Die Weitergabe zur Lokunterhaltung liegt nahe, kann ich aber nicht nachweisen.

    Die neuen Vorgaben weisen nur neue Farben an, im Falle der Wagen gab es noch jahrelang Schriftwechsel wie die Anordnung der Farben sein soll.

    Die angewiesenen Lokfarben waren praktisch die preussischen, d.h. oben gruen, unten rotbraun. Diese Vorgaben sind im Dresdner Hauptstaatsarchiv mit eingeheftet und auch auf meiner Seite bei den Quellen abgebildet.

    ( suche nach 31.373 auf https://ksaechsstseb.de/farbenseite/quellen_zeitungen_k.html )

    Modellbahner behaupten die saechsischen und preussischen Farben seien verschiedene gewesen aber dazu hab ich keine Quelle.

    Dieners von F.Witte aus dem Lokmagazin uebernommene Angabe "1922" widerlegt folgende Tatsache:

    Noch 1924 wurde 58 457 mit saechsischer Zierstreifenanordnung aber schon DRG-Beschilderung (sorry Andre') geliefert.

    (Bild suche 58 457 hier https://ksaechsstseb.de/farbenseite/loks_k.html )

    Laut W.Diener (Lokfarben S.36) traten 1926 schwarz/rote Vorschriften fuer Neuloks und 1929 schwarz/rote Vorschriften fuer Bestandsloks in Kraft.


    Als die Loks schwarz wurden war die Umzeichnung schon durch.

    Ich rate davon ab eine Kleinserienlok schwarz zu machen und sich spater darueber zu aergern.

    Ich wuerde die Lok in sehr dunklem gruen lackieren und die Raeder in einem ziemlich hellen rot und die Ungewoehnlichkeit auf die Ersatzfarbstoffe gegen Ende des 1. WK. schieben. Beschilderung demnach als "K.Sächs.Sts.E.B." oder als "_.Sächs.Sts.E.B." mit ausgemeisseltem K (aber nicht mit den neuen Schildern "Sächs.Sts.E.B.", weil das eher gegen einen Neuanstrich kurz vor Kriegsende spricht)

    Welche Schilder wirklich angebracht und welche nur noch gelb aufgemalt worden muss man Vorbildfotos entnehmen, die man im Buch von SSB-Medien findet.

    Soweit meine Gedanken dazu, das ist aber nicht mein Fachgebiet

    Nils


    P.S. wer schwarze Lok mit republikanischen saechsischen Schildern will, muss eine kkStB 170 als IX V nehmen

  • mit der Verreichlichung der Länderbahnen 1920 (womit es keine richtige "Gründung" war) stand man vor ganz anderen Herausforderungen als sich um einheitliche Farben zu kümmern!

    Falsch! Das Eisenbahn-Zentralamt wollte seit Jahrzehnten die Farben vereinheitlichen aber die ungezogenen Laenderbahnen zogen einfach nicht mit.

    Jetzt konnte es seine Farben anweisen und tat das auch. ;)

  • Mahlzeit!

    Ich finde das Thema sehr spannend, habe ich mich doch im Rahmen der Aufarbeitung der JUNG 8293/1938 der Waldeisenbahn Muskau auch intensiv mit dem Thema Lackierung auseinandergesetzt.

    Im Rahmen meiner Recherche wurde ich auf ein Schreiben der Sitzung des Lokausschusses von 1936 (ggf. auch 1938) in Buckau (-Magdeburg) aufmerksam gemacht, das im Original bei der Auflösung des Maschinenamtes Siegen gefunden und wegen des schlechten Zustandes von Gerhard Moll abgeschrieben wurde.

    Eingeladen waren die Maschinentechnischen Abteilungsleiter, Werkstättenvorsteher und der mit der Unterhaltung von Schienenfahrzeugen betrauten Beamten der Nichtreichseisenbahneignen Bahnen.

    Beachtet man den Zeitpunkt der Sitzung und den Umstand das man schwarze und grüne Lokomotiven gleichermaßen erwähnt, so sind m.E. durchaus Zweifel an der schnellen und flächendeckenden Durchsetzung des schwarz/roten Farbkleides angebracht. Die langsamtrocknenden Ölfarbenanstriche mit bis zu einem halben Dutzend Schichten benötigten tagelang zum Trocknen, so das die Lackierung einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten der Lokomotivneufertigung/-Hauptrevision verursachte. Es würde mich demnach nicht verwundern, wenn man in den späten 20er Jahren noch einzelne grüne Reichsbahnlokomotiven antreffen konnte. Aus wirtschaftlichen Gründen wird man die Vorräte an Farben zunächst aufgebraucht und grundsätzlich erst bei den Hauptrevisionen neue Lackierungen ausgeführt haben. Fotografische Belege gibt es dazu ja.

    Gruß Sven

  • Beachtet man den Zeitpunkt der Sitzung und den Umstand das man schwarze und grüne Lokomotiven gleichermaßen erwähnt, so sind m.E. durchaus Zweifel an der schnellen und flächendeckenden Durchsetzung des schwarz/roten Farbkleides angebracht.

    Vorsicht, wir reden hier im Thread von Staatsbahnlokomotiven. Privatbahnen konnten ihre Lokomotiven auch anders streichen.

  • Hallo,

    so - schön, jetzt hat mein Vereinsfreund Niels aus Thüringen das Ruder übernommen - gut so, denn er ist nach meinem Urteil einer der führenden Forscher im Gebiet Lackierung und Beschriftung von Sachsens Eisenbahnen in der Zeit vor 1920. Entsprechend beschäftigt er sich auch mit der Zeit nach 1920 - aber kann trotzdem für die Zeit vor dem RAL keine RAL-Nr. benennen - eben weils es a) den RAL noch nicht gab - und b) weil er (wie z. B. auch Rainer Fischer und Thomas B.) nachweisen kann, dass es keine einheitlichen Farbtöne zur Länderbahnzeit gab/gegeben haben kann!

    Zu zwei Sätzen von Nils kurze Hinweise von mir:

    "Modellbahner behaupten, die saechsischen und preussischen Farben seien verschiedene gewesen, aber dazu habe ich keine Quelle."

    Nicht nur Modellbahner, Nils! Ich versuche Dir den Augenzeugenbericht vom Dresdner Hbf zu beschaffen, demnach man die sächsischen und preußischen Loks an den Farben unterscheiden konnte.

    "Noch 1924 wurde 58 457 mit saechsischer Zierstreifenanordnung aber schon DRG-Beschilderung (sorry Andre') geliefert."

    Kein Grund für Entschuldigungen von Dir, Nils - wohl eher von mir, weil ich in der Tat diese Fälle von Auslieferungen einiger Loks (nicht nur sächs.) mit Reichsbahnnummern gemäß vorläufigem Umzeichnungsplan von 1923 nicht mehr im "Arbeitsspeicher" meines Kopfes hatte ...!

    Wobei im zitierten Satz von Nils auch ein Fehler steckt: Als der Plan von 1923 fertig war, gab es noch keine DRG! Entsprechend trugen die Loks keine "DRG-Nummern", wie eben die ab 1992 gültigen 099-Nummern an DR-Schmalspurloks weder Bundesbahn- noch "DB AG-Nummern" waren. Es gilt stets den zeitlichen Kontext zu beachten!

    Doch zurück in die Zeit nach 1920: Man möge doch bitte endlich die überstrapazierten und oft zeitlich falsch eingesetzten Buchstaben "DRG" über Bord werfen und lieber von der Reichsbahn sprechen und schreiben! Denn ob die Reichsbahn nun von 1924 bis 1937 von der DRG geleitet wurde oder zuvor und danach direkt vom Reich hat in Bezug auf die Farben und Nummern keinerlei Bedeutung!

    Und damit gehört der Staffelstab hier Dir, Nils, der Du vorige Woche eine Woche Deines Jahresurlaubes in Dresdner Archiven zugebracht hast, um nach Primärquellen zur Lackierung und Beschriftung in Sachen zu suchen. Meine Hochachtung vor diesem Fleiß!

    Herzliche Grüße

    André

  • Vorsicht, wir reden hier im Thread von Staatsbahnlokomotiven. Privatbahnen konnten ihre Lokomotiven auch anders streichen.

    Das ist mir schon bewusst, doch es gibt ja genügend Bilder von grünen Staatsbahnloks den 20er Jahren. Bei den bekanntermaßen schwierigen finanziellen Verhältnissen in der Epoche wird man die Lokomotiven nicht einfach zwischendurch umlackiert haben, sondern dies erst bei der nächsten Hauptrevision gemacht haben, wie das aus oben zitierten Schreiben auch interpretiert werden kann. Der grüne Lokomotivanstrich hat sich im Privatbahnbereich auch bei Neubauten noch bis in die späten 50er/frühen 60er Jahre gehalten.

    Gruß Sven