Hallo in die Runde,
beim Besuch der HSB am Wochenende kam das Thema "Neubaukessel" auf und die in der Diskussion gemachten Aussagen veranlassten mich, hier einen neuen Thread zu eröffnen, denn meine Suche nach Vergleichbaren hier im Forum hat keine Ergebnisse gebracht.
Es geht um die Lebensdauer neu gebauter Dampflokkessel in der heutigen Zeit.
Dabei möchte ich die gesamten Randthemen der Pflege eines Kessels, des Auswaschens, des ph-Wertes des Wassers etc. alles bewußt "ausblenden".
Es geht ALLEIN um die Aussage, dass in der heutigen Zeit neu gebaute Kessel bei gleichen Pflege- und Einsatzbedingungen eine deutlich kürzere Lebensdauer besitzen als ihre Vorgänger.
In unserem Gespräch kam es dann im Kern zur Aussage, dass durch die Zuführung von Alteisen beim "Stahlkochen" immer mehr negative Eigenschaften (schnellere Korrosion, Materialabbau, geringere mechan. Belastung.....) auftreten als das früher der Fall war.
Nun bin ich zwar Elektroniktechnologe (gewesen), aber auch dort gibt es Zusammenhänge, denn Löten ist auch ein Thema der Werkstoffkunde incl. der Zuverlässigkeit/ Lebensdauer von Lötstellen und Materialien, bei dem es auch um atomare Gefüge/Phasenbildung etc. geht. Also soooo weit weg ist man dann doch garnicht.
Deshalb klang das Argument zu den heutzutage eingesetzten Stählen recht plausibel, zumal man ja anhand der 996001 gesehen hat, wie schnell ihr neuer Kessel in kurzer Zeit "gealtert" ist.
Ich denke, den "alten Hasen" der Eisenbahn ist klar, dass sich neue Materialien/ neue Stähle nicht immer nur positiv im heutigen Einsatz in einer Dampflok oder in einem Eisenbahnwaggon auswirken!
Ich denke, die früher eingesetzten Materialien, z.B. in Radsätzen oder in Fahrzeugrahmen kann man mit den Heutigen garnicht mehr vergleichen! Und höchstwahrscheinlich wir auch gerade an neuralgischen Punkten wie den Radsätzen heutzutage auf Normen und Empfehlungen der Materialprüfung zurückgegriffen, die eher einem ICE-Hochgeschwindigkeitsradsatz entsprechen als einem Nostalgieverkehr mit max 60km/h. Und durch diese neuen Messverfahren findet man "Fehler", die in Wirklichkeit NIE eine Auswirkung auf die Zuverlässigkeit des geprüften Teils haben werden!
Die Welt ist im Wandel. Einerseits wird alles überengineert , weil u.a. (gibt auch andere Gründe) niemand mehr die Verantwortung für den gesunden Menschenverstand übernehmen will! Auf der anderen Seite passiert aber genau das komplette Gegenteil, weil niemand mehr bewusst über die in der Zwischenzeit umgesetzten technologischen Prozessänderungen nachdenkt, denn vielfach denkt keiner mehr in technologischen Ketten!
Kann es denn tatsächlich sein, dass "unser heutzutage hergestellter Stahl" mit seinem hohen Recyclinganteil eher ungeeignet für die Verwendung in Neubaukesseln ist?
Wenn dem so ist, ist ein neuer Kessel nicht nur extremst TEUER, er HÄLT auch nicht mehr so lange wie vergleichbar früher!
Kann es sein, dass es zu diesem Problem doch Lösungen gibt?
Kann man sich in irgendeiner Art und Weise mit allen Dampflokbetreibern als Gemeinschaft zusammenschließen und aufgrund der hohen Bedarfe dann den best geeignetsten Stahl( Stahllegierung) gießen lassen kann?
Diese Frage ist an alle die gerichtet, die Fachwissen vom Dampflokkesselbau, von Stahllegierungen und von Werkstoffkunden haben oder es anhand IHRER EIGENEN Erfahrungen als Dampflokführer bestätigen bzw. auch anders kennen.
Na klar kann ich diese Fragen auch im DLW oder bei der MaLoWa oder in anderen Werkstätten stellen, nur ob man da in dieser Tiefe eine Antwort bekommt, ist fraglich.
Ich bin mal gespannt.
Gruß,
Volker