[PL] Eine Reise mit historischen und antiken Straßenbahnen durch Polen.

  • Hallo
    Am vergangenen Samstag, dem 29. November 2025, habe ich Łódź besucht, wo sich das ehemalige Intercity-Straßenbahn-Depot namens BRUS befindet. Das Depot wird derzeit vom Verein der Liebhaber alter Straßenbahnen verwaltet. Dort haben mehrere historische Wagen, die auf ihre Renovierung warten, ein neues Zuhause gefunden. Leider unterstützt die Stadt den Verein außer durch die Bereitstellung der Räumlichkeiten in keiner Weise finanziell, weshalb die Reparatur der stillgelegten Wagen nur sehr langsam vorankommt. Am Tag meines Besuchs wurde der 115. Jahrestag der Eröffnung des Depots und der Straßenbahnlinie nach Konstantynów Łódzki gefeiert. Aus diesem Anlass öffnete der Verein die Türen seines Depots für Besucher und nahm eine Sonderlinie Nr. 115 vom Depot zum Endpunkt in Konstantynów in Betrieb. Ich lade Sie zu einer Fotoreportage ein. Ich habe versucht, hier nur Fotos von Wagen zu veröffentlichen, die zuvor noch nicht hier zu sehen waren.

    Dienstwagen vom Typ 2N Nr. 42011 und Personenwagen 803N Nr. 2 – dank der kürzlich erfolgten Wiederanschließung der Oberleitung an die Halle konnten die Wagen wieder in Betrieb genommen werden und das Gebäude verlassen.


    Dienstwagen vom Typ 2N Nr. 42011 auf dem Gelände des Depots.


    Wagen 803N Nr. 2 und seine modernisierte Version, also 803N Nr. 37. Die Front sieht aus wie bei KT4D, aber der Rest ist für meinen Geschmack leider nicht besonders schön. Ich bevorzuge das klassische Aussehen, das Wagen Nr. 2 repräsentiert.


    Ein Wagen vom Typ Lilpop I, gefunden in der Nähe von Chojnice – diesmal nicht im Gras, sondern auf einem Fahrgestell eines Wagens der Generation N. Ich bin gespannt, ob er jemals renoviert wird.


    Ein Zug aus Wagen vom Typ 805Na Nr. 1830 + 1831 auf dem Gelände des Depots.


    Der Wagenkasten des Herbrand VNB 125 Nr. 11 aus dem Jahr 1898, gefunden in einem Schrebergarten und vor über 20 Jahren in historischen Farben neu gestrichen.


    Dienstwagen Nr. 5N Nr. 12107. Solche umgebauten Personenwagen wurden in Łódź „osiołek” (Esel) genannt. Weil man ihnen eine Ladung auf den Rücken werfen und sie ans andere Ende der Stadt transportieren konnte. Eine typische Arbeit für Esel in früheren Zeiten. Das Fahrzeug ist ebenfalls fahrbereit.


    Personenwagen vom Typ 5N Nr. 4092. Seine Renovierung dauert schon viele Jahre. Aber Liebhaber aus Łódź behaupten, dass er 2026 aus eigener Kraft auf die Touristenlinie fahren wird. Der Wagen wird in der Version aus den 80er Jahren mit Falttüren aus dem 803N umgebaut.



    Der Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 bereitet sich darauf vor, das Depot zu verlassen und auf die Sonderlinie 115 zu fahren. Der Wagen war zuvor in Innsbruck (Österreich) und Bielefeld (Deutschland) im Einsatz.


    Der Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 an der Haltestelle vor dem Depot Brus.


    Der Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 neben dem Depot Brus fährt rückwärts auf das Rangierdreieck, um gewendet zu werden.


    Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 auf den Straßen von Konstantynów Łódzki.


    Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 auf den Straßen von Konstantynów Łódzki.


    Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 auf den Straßen von Konstantynów Łódzki.


    Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 auf den Straßen von Konstantynów Łódzki.


    Wagen vom Typ GT6 Nr. 4038 auf dem Wendegleis in Konstantynów Łódzki. Früher führte die Strecke weiter nach Lutomiersk – einem kleinen Ort, der 7 km entfernt liegt. Die einzelne 1000-mm-Gleisstrecke verlief wie eine Schmalspurbahn entlang der Straße. Leider fehlt es trotz der Erhaltung der Strecke an Geld für ihre Sanierung. Deshalb enden die Straßenbahnen ihre Fahrt auf dem Wolności-Platz in Konstantynów.


    Mit freundlichen Grüßen

    Paweł

  • Hallo!

    Ich möchte eine interessante Information und gleichzeitig eine Frage hinzufügen. Über die Wagen vom Typ K habe ich bereits im Zusammenhang mit Warschau und anderen Städten geschrieben. Hier ist die Geschichte:

    Kurz gesagt: Die Wagen wurden 1939 im Auftrag von Warschau gebaut. Als der Krieg ausbrach, wurden sie nach Berlin gebracht, wo Bedarf an zusätzlichem Rollmaterial bestand, und fuhren dort bis 1945 unter der Bezeichnung TF-40. Nach 1945 kehrte alles, was noch reparaturfähig war, im Rahmen der Repatriierung nach Polen und Warschau zurück.

    Und nun zum Kern der Sache: 2017 wurde ein Wagen von den Warschauer Straßenbahnen an einen privaten Sammler aus Berlin verkauft. Hier ein Auszug aus dem Buch von Dariusz Walczak (Historiker der Warschauer Straßenbahnen) zu diesem Thema.



    In Warschau sind gerade viele K-Wagen erhalten geblieben, daher ist es sinnvoll, dass ein Wagen in Deutschland bleibt, da sie dort ganze 7 Jahre lang im Einsatz waren.
    Hat jemand Informationen darüber, was mit diesem Wagen geschieht und wo er sich befindet?

    Mit freundlichen Grüßen

    Paweł

  • Vor kurzem ist der Atlas Tramwajów (Straßenbahnatlas) von Tomek Gieżyński und Remik Grochowiak erschienen. Ein sehr interessantes Werk, das grundlegendes Wissen über Straßenbahnen in Polen vermittelt. Es enthält einen kurzen historischen Überblick über alle Straßenbahnnetze (bestehende und nicht mehr existierende), derzeit betriebene Straßenbahnen sowie historische Straßenbahnen. Ich empfehle es weiter.

    Atlas Tramwajów - KOLPRESS - Biuro Wydawniczo-Handlowe

    Mit freundlichen Grüßen

    Paweł Korcz

  • Hallo

    Aber möglicherweise handelt es sich um eine Verwechslung mit einer KSW-Triebwagen-Lieferung die für Graz vorgesehen war. Tatsache ist, dass für Graz 10 KSW-Triebwagen (inkl. der elektrischen Teile, bei der Firma ELIN) und 20 KSW-Beiwagen bestellt und im Frühjahr 1944 bereits vollständig bezahlt waren. Von diesen 30 Wagen gelangten jedoch nur 4 Beiwagen nach Graz. Sollte es zu dieser Lieferung einen möglichen Kontakt nach Posen (oder anderen Quellen) geben, wäre ich daran sehr interessiert - Martin Bauer

    In der neu erschienenen Publikation „Komunikacja miejska w Poznaniu w latach okupacji 1939–1945” (Öffentlicher Nahverkehr in Posen während der Besatzungszeit 1939–1945) von Remigiusz Grochowiak findet sich sogar eine Reproduktion des Schreibens der Wiener Verkehrsbetriebe an das Reichsverkehrsministerium in Berlin, in dem gegen die Übergabe der KSW-Wagen an Posen statt an Wien protestiert wird. Damit dürfte die Frage, wer Posen diese Wagen weggenommen hat, geklärt und dokumentiert sein. Möglicherweise hat Wien dann die für Graz bestimmten Fahrzeuge weggenommen, sodass letztere Stadt schließlich die zuvor vertraglich vereinbarten Wagen verloren hat.


    Mit freundlichen Grüßen

    Paweł

  • Hallo!

    Im Dezember habe ich die Depots „Madalińskiego” und „Franowo” in Posen besucht. In „Madalińskiego” warten historische Wagen auf die nächste Touristensaison: 4N1 - 2041, 105Na - 82, 13N - 407 (aus Warschau), 102Na - 71 und 102N - 1. Der Wagen 105Na Nr. 148 ist ebenfalls abgestellt.






    In „Franowo” warten hingegen hauptsächlich Wagen des Herstellers Düwag auf ihr weiteres Schicksal. GT8-712 soll an ein Einkaufszentrum verkauft und vor dessen Eingang aufgestellt werden, der Wagen R1.1 Nr. 9467 aus Bonn wartet darauf, an die polnischen Vorschriften angepasst und mit der Posener Nummer 972 in Betrieb genommen zu werden. GT8-702 ist ein historischer Wagen, und der dahinter stehende 3G Nr. 800 aus Amsterdam diente als Ersatzteilspender für den renovierten 3G-610 (der übrigens kein Produkt von Düwag ist). Dahinter steht ein weiterer R1.1 aus Bonn.



    Und das ist der ehemalige Wagen GT6-603, später Dienstwagen für Gleisarbeiten Nr. 2603. Jetzt ist er das Schmuckstück des Depots.


    Mit freundlichen Grüßen

    Paweł

    Einmal editiert, zuletzt von Stoker (13. Januar 2026 um 20:03)

  • Hallo !
    Am Samstag hatte ich die Gelegenheit, an den Feierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläum des Straßenbahnverkehrs in Pabianice (einer Stadt in der Nähe von Łódź, die von Überlandstraßenbahnen angefahren wird) teilzunehmen. An der Veranstaltung nahmen die sehr selten aus den Depots kommenden Vorkriegswagen Lilpop II Nr. 48 und Lilpop III Nr. 158 sowie die Wagen 5N + 5ND Nr. 337 + 644 teil. Auch der GT8N Nr. 4512 war für kurze Zeit zu sehen.












    Viele Grüße
    Paweł

  • Schöne Fahrzeuge!

    Ob man damit "durch Polen" kommt, glaube ich nicht so ganz; die laufen mit unter 1000V Fahrdrahtspannung, in Kassel beispielsweise 750V.

    Ich hänge mich hier mal rein, da auch in Kassel alte TWs verkehrten und man lange diese aufbewahrte und später unaufgearbeitet ins dortige Technikmuseum stellte.

    Meine Recherche dazu erbrachte, dass die alten Herren welche diese stets fristeten und in Betrieb hielten, nicht mehr da sind und die KVG diese "Ausbremser" der Takte im Netz eher als Störenfriede sah (neue fahren schneller incl. Beschleunigung).

    Hier mal Bild aus dem TM Kassel:

    (Bilder von mir aus 2021)