Saisonrückblick der RhB mit Ausblick in die Zukunft

  • Im Zweifelsfall bleibt dann die Museumsbahn von Blonay nach Chamby.

    Tja, da bin ich mir nicht so sicher. Für einzelne Fahrzeuge vielleicht schon, aber:


    Die haben nämlich dort ein ungeschriebenes Gesetz, und das lautet: Übernimmt man ein Fahrzeug, gibt man ein anderes in gute Hände ab. Der Platz dort oben in Chaulin ist begrenzt. Zudem wollen die nun einmal dort nicht wirklich Fahrzeuge zum Haben einlagern.

    Da sich die meisten der rund 80 Fahrzeuge in einem guten bis sehr guten betriebsfähigem Zustand befinden, gibt man auch nur ungern eines ab, ist doch jedes dieser Fahrzeuge Teil der ausgewogenen Sammlung von Meterspur-Fahrzeugen, nicht nur aus der Schweiz.

    Dass das so ist und wohl auch so bleiben wird, liegt wohl auch am Sachverhalt, dass man dort, um stimmberechtigtes Mitglied sein zu können, mindestens 40 Stunden an Benevol-Arbeit pro Jahr leisten müsste.


    RhB ABe 4/4 35 der Rhätischen Bahn (RhB), bei der Museumsbahn Blonay–Chamby (BC) in Chamby-Musée (Chaulin) oberhalb Montreux an der Waadtländer Riviera, im Sommer 2011. Quelle des Bildes aus der Wikimedia https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blon…n_-_35_-_01.jpg


    Der Triebwagen mit der Nummer 35, bei der Museumsbahn Blonay–Chamby, übrigens der einzige aus dieser Serie der seine rote Farbe bewusst behalten hat die sogar erneuert wurde und sich in einem geschichtlich korrekten authentischen Zustand befindet (den Gelben von der Bernina gehören in der gelben Farbgebung Lyrabügel aufgesetzt und die Schürze müsset auch weg, wäre jetzt nicht wirklich so eine Sache) befindest sich nach wie vor in einem Top-Zustand, da man sich um den Triebwagen kümmert.

    Das dereinst einzelne oder mehrere aktuellen historischen Fahrzeuge am Bernina auf Wechselstrom umgebaut werden betrachte ich zudem nicht als ausgeschlossen und wäre der Sache wegen gar nicht so schlecht, könnten dann die entsprechenden Fahrzeuge auf dem ganzen Netz der Rhätischen Bahn eingesetzt werden.

    Ich weis, ist letztendlich auch eine Frage des Geldes, aber primär eine Frage des Willens und könnte für die eine oder andere Fachhochschule ein interessantes Projekt geben.

    Christoph

    2 Mal editiert, zuletzt von Christoph 2021 (20. November 2025 um 16:25)

  • Hallo an die Schweiz-kundigen,

    Wieso gibt es bei der Rhätischen Bahn die zwei Stromsysteme? Waren das mal zwei Bahngesellschaften?
    Ich gehe davon aus, dass die Neufahrzeuge, wie die Alegra und Capricorn Zweisystemfahrzeuge sind.
    Ich hoffe auch, dass die historischen Fahrzeuge der Berninabahn umgebaut werden können.

  • Moin,

    Ich kann sagen das die RhB damals drei Gesellschaften waren. Die Chur Arosa Bahn, die Bernina Bahn und die RhB. Die Funsionierten so um 1940 rum zur RhB. Die Chur Arosa Bahn und die Bernina Bahn Fuhren beide mit Gleichstrom, die Chur Arosa Bahn ist in den 1990er Jahren auf Wechselstrom umgebaut worden. Seitdem gibt es nur noch auf der Bernina Bahn Gleichstrom. Der Allegra ist ein Zweisystem Fahrzeug, der Capricon nicht.

    Zu den ABe 4/4 l diese wurden in den 50er Jahren so umgebaut das sie auch auf der Chur Arosa Bahn eingesetzt werden konnten. Also ein Umbau hatten sie schon…

    Ich hoffe ich konnte dir helfen.

    Liebe Grüße Simon :wink:

    Einmal editiert, zuletzt von HSB ist toll (21. November 2025 um 13:36)

  • Hallo 970-316 ,

    die Capricorn sind nur Einsystemfahrzeuge, die können nur unter 11kV AC eingesetzt werden. Einen Umbau der historischen Fahrzeuge auf Wechseltrom halte ich für nicht trivial, da dafür die ganze Motoransteuerung etc. geändert werden müsste und auch die Isolationsabstände für 11kV ja ganz andere sind als für 1 kV. Man darf ja nicht vergessen dass bei alten Gleichstromfahrzeugen oft die Motoren mehr oder weniger direkt auf die Oberleitung geklemmt sind und für die unterschiedlichen Geschwindigkeiten dann nur zwischen Parallel- und Reihenschaltung gewechselt sowie Widerstände zwischengeschaltet werden.

    Im Übrigen steht in der Präsentation auch nicht dass dann definitiv umgestellt wird sondern nur dass nach dem Umbauten prinzipiell umgestellt werden könnte (ohne konkretes Datum o.ä.). Der Umbau (vor allem im Querschnitt der Tunnelprofuile) wird ja jetzt erst mal vorrangig angedacht um längere Personenwagen einsetzen zu können um durch Einsparung eines Wagens pro Zug das höhere Gewicht neuer Wagen ausgleichen zu können. Genau aus dem Grund sind aus der bereits erfolgten Ausschreibung für EW V ja keine Wagen beschafft worden, weil die angebotenen Wagen zu schwer waren und somit die Allegra hätten auf der Berninalinie nur 1 Wagen weniger ziehen können.

    Gruß Michael

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  • Hallo Simon,

    Die Chur Arosa Bahn, die Bernina Bahn und die RHB (bis 2003 auch Misoxer Bahn)

    wenn du die Misoxerbahn aufzählst: die war auch mal eine eigenständige Gesellschaft. Die drei Gleichstrombahnen BB, ChA und BM mussten in den 40ern aufgrund eines Gesetzes mit der RhB fusionieren, damit es finanzielle Unterstützung durch den Schweizer Bund zur Sanierung dieser Strecken gab.

    Die Bernina Bahn ist auch die einzige gewesen die von Anfang an Elektrisch betrieben wurde.

    Alle drei genannten Gleichstrombahnen wurden von Anfang an elektrisch betrieben (sieht man mal von Dampfeinsätzen während des Baus ab).

    Ich will keineswegs besserwisserisch daherkommen, aber manche Dinge lassen sich schnell recherchieren, bevor sie falsch ins Forum gelangen. Daher sehe meinen Beitrag bitte als nett gemeinte Aufforderung zur Eigenrecherche.

    Und noch eine abschließende Bitte habe ich: Die Rhätische Bahn bitte immer als RhB abkürzen. Die "RHB" ist im Schweizer Kontext die Rorschach-Heiden-Bahn am Bodensee.

    Gruß, Julian

  • Hi Leutz:

    Als ´42 die Bellinzona-M- Bahn, die Chur-Arose und später die Berninabahn zur RhB wurden, bekam deren Streckennetz zusätzlich drei verschiedene Gleichstromsysteme.

    Dabei kamen oder kommen folgende Spannungen zum Einsatz:

    • Bellinzona–Mesocco-Bahn: 1500 Volt
    • Chur–Arosa-Bahn: ursprünglich 2200 Volt, später 2400 Volt
    • Berninabahn: 1908–1935 750 Volt, seither 1000 Volt

    Bereits in den 40igern prüfte die RhB den Umbau der Arosabahn auf 11000 Volt Einphasenwechselstrom, verblieb aber wegen der damals unzureichenden Leistung des Bahnstromnetzes im Raum Chur beim Gleichstrombetrieb.

    1997 wurde dann die Strecke nach Arosa auf Wechselstrombetrieb umgestellt. Auf der vom Stammnetz isolierten Strecke Bellinzona–Mesocco stellte die RhB Ende 2003 ihren Betrieb ein.


    Hier gibt es mehr Info: LINK


    Grainger

    Nepomuk002.jpg


    Unterm Strich wird alles besser.....


    JUPP ! Voll Geil hier !

  • Danke denen, die zwischenzeitlich noch Interessantes zum Thema geschrieben haben.

    Dass die Berninabahn (Bahnstrecke St. Moritz–Pontresina–Tirano) dereinst auf Wechselspannung umgestellt wird, betrachte ich schon als realistisch. Es könnte dann auch schneller gehen, als angedacht.

    Das Bundesamt für Verkehr (BAV) unternimmt seit Jahren vieles zur Vereinheitlichung der technischen Vielfalt unter den Privatbahnen in der Schweiz.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass Bahnstrecken von Gleichspannung auf Wechselspannung in der Schweiz umgestellt wurden. Das Beispiel der meterspurigen Bahnstrecke Chur–Arosa wurde ja bereits erwähnt.

    Über eine Totalsanierung wird derzeit auch die normalspurige Bahnstrecke Orbe–Chavornay, die einst einem Wasserkraftwerk gehörte, von Gleichspannung auf Wechselspannung umgestellt. Dies ermöglicht dann direkte Verbindungen von Lausanne über Renens, Cossonay und Chavornay nach Orbe, was wohl zu einem signifikanten Verkehrszuwachs führen wird.

    Auch eine weitere Bahnstrecke, die einst einem Wasserkraftwerk gehörte, ist vorgesehen, von Gleichspannung auf Wechselspannung umzustellen: die meterspurige Bahnstrecke Meiringen–Innerkirchen.

    Solche Umstellungen beginnen meist viel früher als mit einem offiziellen Beschluss, und zwar mit kleinen Massnahmen im Vorfeld im Zusammenhang mit dem ordentlichen Unterhalt, wie beispielsweise dem Ersatz der bestehenden klassischen Fahrleitung in den nicht gerade kurzen Tunnels der Bahnstrecke Meiringen–Innerkirchen durch Stromschienen im Bereich der Aareschlucht. Dort sind jetzt bereits Isolatoren für Wechselspannung verbaut (Quelle Rubrik Szene, Artikel Viel Betrieb vor Streckensperre, Seite 64 im Magazin Loki 12/2025).

    Für mich ist der Umbau von Gleichspannung auf Wechselstrom bei ausgewählten historischen Triebfahrzeugen durchaus machbar. Man muss das nur wollen.

    Was künftig viel schwieriger wird, ist der Einsatz von normalspurigen historischen Triebfahrzeugen aufgrund zeitgemässer Zugsicherungssysteme (Stichwort ETCS). Historische Fahrzeuge damit auszurüsten, ist sauteuer. In der Schweiz rechnet man mit Kosten von bis zu 250.000 Franken (etwa 260.000 Euro) pro Führerstand (Quelle: Historischen Erhalt eines SOB NPZ RBDe 566 aus den 1990er Jahren, dieser aktuelle Thread im Schweizerischen Modellbahnforum zeigt deutlich, dass da einige Bahnfahns ein bisschen Naiv in die Zukunft blicken und lieber noch einen Zug für Franken 30‘000.- retten, bezüglich den Folgekosten nicht wirklich offen kommunizieren und denken das könnte man dann mit Extrafahrten erwirtschaften). Auf den ersten Bahnstrecken in der Schweiz ist der Einsatz von historischen Triebfahrzeugen in Kürze nicht mehr wirklich möglich, oder ist jetzt schon nicht mehr möglich.

    Ein aktuelles Beispiel: die Bahnstrecke Bern–Schwarzenburg (Früher eine Bimmelbahn, Heute eine moderne Vororts-Bahnstrecke, sorry Nahverkehrs-Bahnstrecke). Diese Bahnstrecke wird wohl nicht wirklich auf dem Radar der Deutschen sein. Aber die Bahnstrecke Bern–Schwarzenburg ist wohl der Start für die zeitnahe Umstellung eines Grossteils des Bahnstreckennetzes der BLS, was noch nicht umgestellt ist (Quelle Rubrik Szene, Artikel Mit Dampf nach Schwarzenburg, Seite 62, im Magazin LOKI 12/2025) was dann zu signifikante Einschränkungen für den Einsatz von historischen Fahrzeugen im Grossraum Bern führen wird, wie dies auf dem Meterspurigen Bahnstrecken der RBS auch im Raum Bern bereits der Fall ist, dort jedoch aus andern Gründen (Streckenaulastung).

    Christoph

  • Über eine Totalsanierung wird derzeit auch die normalspurige Bahnstrecke Orbe–Chavornay, die einst einem Wasserkraftwerk gehörte, von Gleichspannung auf Wechselspannung umgestellt. Dies ermöglicht dann direkte Verbindungen von Lausanne über Renens, Cossonay und Chavornay nach Orbe, was wohl zu einem signifikanten Verkehrszuwachs führen wird.

    Christoph

    Hallo

    Wo man übrigens in Chavornay auch eine neue Linienführung baut, damit die Linie konfliktfrei nach Lausanne geführt werden kann:

    Projet de modernisation de la ligne Orbe-Chavornay - Travys Mit Karte im Text

    Auf Deutsch:

    997travys9

    Gruss Guru