Technomodell mal anders: Eine Datsche/Bungalow in H0e

  • Unverhofft kommt oft...

    Mitte Sommer des letzten Jahres wurden auf einer bekannten Plattform einige riesige H0e-Konvolute zum Verkauf angeboten. Man konnte nur beten, dass man ein selbst gesuchtes Modell nicht in einem dieser Lote wiederfinden würde. Und es kam, wie es kommen musste: Ein Konvolut mit 19 Wagen hatten einen neuen Besitzer gefunden, zugestellt an die gleiche Adresse meines Hauses8).

    Schlussendlich wurden 16 Modelle wieder abgegeben. Eines ging des Weg des Irdischen. Und bei zwei Wagen pflanzten sich ziemlich hartnäckige Ideen in die Halbschalen. Einzige Möglichkeit, jene wieder aus dem Kopf zu bekommen: Basteln und Machen:saint:. Über ein Projekt soll hier kurz berichtet werden. Die Ausgangsbasis ist ein alter Technomodell-Personenwagen (hier die Ausführung ohne Artikelnummer, später die 2201):


    Das Gemetzel...

    Das Umbauprojekt selbst ist schnell erzählt. Es geht eigentlich nur um die Idee: Eine Datsche/Bungalow/Gartenlaube in H0e aus einem Technomodell-Personenwagen. Das Basteln hin zum Ziel selbst ist keine Hexerei. Es erfordert vielmehr etwas Mut und eine gewisse Grobschlächtigkeit, was einem bei geringen Buchwert leichter von der Hand geht.

    Der erste Bauschritt ist das Auseinandernehmen. Und das Abtrennen des unteren Fahrwerks, mit viel Schneide- und Schleifarbeit. Die Beschriftung ist auf dem übernächsten Foto auch bereits entfernt:


    Mit etwas feinerer Klinge...

    ... werden die fehlenden Fugen in die ebenen Beschriftungsflächen eingeritzt. Und dann der gesamte Wagenkasten, das Dach und die Bühnenteile lackiert und patiniert. Alles per Hand und mit Pinsel, eine Airbrush habe ich mir noch nicht aufbürden wollen:


    Auf dem Weg zur Datsche

    Die Bastelkiste gibt nach 5 Jahren Wiederaufnahme der Modellbahn-Tätigkeit mittlerweile einiges her. Und so finden Teile von Weinert, N-Train und dem Modellbau-Kaufhaus einen neuen Verwendungszweck. Zurecht geschnitten passen die Neusilber-Ätzteile von Weinert (Toranlage mit Stacheldraht, Artikel-Nummer 3259) ziemlich gut für den geplanten Einbau. Fertig zum Lackieren aufgereiht:


    Weiter geht's dann demnächst im zweiten und letzten Teil mit den letzten Bauschritten und der fertiggestellten Technomodell-Datsche.

    Beste Schmalspurgrüße

    merane

  • Im zweiten und letzten Teil zeige ich Euch, wie versprochen, kurz und knapp ein paar Fotos von der fertiggestellten Datsche/Bungalow/Gartenlaube. Der Bau ist keine grosse Schwierigkeit, es geht ein bissel um's kreative Basteln und die Freude daran.

    Nach den Lackierarbeiten wurde alles zusammengesetzt und verklebt. Das Dach ist aufgrund der Beleuchtung nur lose aufgelegt. Die Antenne ist gesteckt, falls man es mal fernsehlos mag. Hier ein paar Impressionen:

    Die vier "Blindfenster" entstanden aus zweckentfremdeten Neusilber-Ätzteilen eines Weinert-Zauns. Die beiden "Wohnfenster" und deren Rahmen sind kompletter Selbstbau mittels Resteteilen von N-Train, Klarsichtfolie, einer rosa Gardine und Metallic-Edding-Stiften. Die ursprünglichen Technomodell-Fenster fanden nur hinter den zwei "Loch-Platten" eine neue Verwendung. Dort sind sie dunkelgrün lackiert und dienen als Schutz gegen ein unpassendes Durchleuchten.


    Der Aussenwandheizer stammt von Auhagen und ist eigentlich für Gebäude gedacht. Farblich behandelt wirkt er etwas dezenter und macht sich auch ganz gut am Wagenkasten. Hier wird also noch mit Gas geheizt8)


    Insgesamt war ich vom Detail-Reichtum des alten Technomodell-Wagens überrascht. Wenn man ein paar Farbakzente setzt, kommen herzige Dinge zum Vorschein:


    Die Bühne mit der Dampflok (Hier wohnt in der Datsche wohl ein Eisenbanfan :saint:) erhielt eine LED-Beleuchtung. Das Lampenglas wurde etwas unkonventionell aus Klebstoff hergestellt. Durch 3D-Druck ginge es sicherlich tausendmal einfacher und leichter - aber es ist wieder eine Investition, das Ding muss irgendwo rumstehen. Und ein weitere Konsequenz ist, dass man noch mehr vor'm PC sitzt. Das traditionelle Ergebnis per Hand ist dabei ooooookay geworden. Schlussendlich wurde es nach Schleifarbeiten und viel Rumprobiererei dann die rechte Halbkugel:


    Richtig tolle und recht preiswerte Artikel bietet mittlerweile Preiser an. Findet Ihr nicht auch, dass der Hasenstall zur Technomodell-Gartenlaube herrlich passt?:S:love:

    Vielen Dank, wer es bis hierher geschafft hat und dabei etwas Ablenkung, Inspiration und/oder Lese- und Guckfreude hatte.

    Beste Schmalspurgrüße

    merane

  • Hallo Kollege,

    Dein Wagen gefällt mir gut- auch wenn ich ganz stark annehme, daß er Deiner Phantasie entsprungen ist. Aber das mach doch die Beschäftigung mit der Modelleisenbahn aus- wir geben unserer Phantasie Form.

    Dennoch möchte ich noch einige Bemerkungen loswerden. Da sind die vergitterten Fenster- leider sind die Gitter ziemlich derb. Auch könnte ich mir eher vorstellen, daß man die Fenster verbrettert hat. Die grünen tm- Fenster wirken hier realistischer. An den "Fensterbänken" und der Lufthutze für den "Gamat 4000" noch ein paar Spuren (durch Regenwasser) ausgekreidete Farbe.

    Die Figurengruppen finde ich ausgesprochen "herzig" , hier lassen sich schöne Szenen gestalten (ich kann von den Figuren nicht genug bekommen).

    Jetzt bin ich gespannt- wie der Garten um die Laube (oder wird es ein Schuppen auf einem Bauernhof?) aussehen wird.

    Die Idee, abseits des Maistreams, ist richtig gut. Bitte mehr davon!

    meint

    Christian

  • Und irgendwann kommt @AM André Marks, entdeckt den Kasten und holt ihn auf die Räder zurück...

    Das wird, wenn es fertig sein wird, eine schöne Szene!

    Helge

  • Hallo Ihr,

    naja, es gibt ja noch ein, zwei derartige Kästen von Zweiachsern, die in ähnlicher Art privat genutzt werden ...

    Und der 107K der Stiftung Sächsische Schmalspurbahnen, der 235K der IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff e.V. sowie der Dresden K1616 der Schwarzbachbahn haben (wie die drei noch vorhandenen Einzelwagen der "Doppelwagen") genau auf diese Art bis zu ihrer Bergung überlebt: Als Gartenlauben ...!

    Außerdem liegen genügend Fotos von leider inzwischen längst verschrotteten Kästen solcher Personenwagen vor - sogar in Kurort Rathen und in Königstein an der Hauptstrecke gab es das.

    Daher ist diese Umsetzung im Modell nur konsequent und richtig!

    Viel Freude beim Hobby und viele Grüße

    André

  • Tolle Idee und super umgesetzt, vielen Dank für's zeigen. :thumbup:

    Kannst du sagen, wie du die Dampflok an der Wand hergestellt hast? Die ist echt klasse.

    Was das Gitter angeht, stimme ich Christian zu, das ist sehr grob. Da würde ich dir Tüll empfehlen. Davon habe ich mir vor Jahren mal eine 5m-Rolle mit 3cm Breite gekauft, um daraus Maschendrahtzäune zu bauen. Passend lackiert ist das viel feiner als das Weinert Blech.

    Viele Grüße aus Castrop-Rauxel

    Matthias

  • Ich finde sowohl Idee als auch Umsetzung super :)
    Und mit den Lampen hast Du alles richtig gemacht - mit 3D Druck bekommst Du so runde Lampen zwar hin, aber das ist erstmal alles trübe. Die Arbeit, die Du dann da reinstecken musst, führt das völlig ad absurdum.

    Ich kenne mich ja auch: Hat man einen Hammer, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus. Aber hier wäre Drucken nur die Fünftbeste Lösung (wenn überhaupt)

  • Vielen Dank für die zahlreichen positiven Rückmeldungen und das grosse Interesse. Das macht unser schönes Hobby aus und freut mich sehr :thumbup:Der H0e-Wagenkasten des ehemaligen Zweiachsers selbst ist eigentlich sehr klein (nur um die 6 cm Länge). Die recht grossformatigen und hochaufgelösten Fotos wirken daher etwas zu mächtig. Die kleine Dampflok ist beispielsweise nur ein Winzling von wenigen Millimetern...

    Die angesprochene Verblendung der beiden Fenster (mit dem Weinert-Zaun) soll übrigens kein Gitter o. ä. darstellen. Vielmehr ist es eine Nachbildung der auf Baustellen und häufig auch bei Lost Places verwendeten "Lochplatten". Bei verlassenen Bahngebäuden (Stellwerke, Empfangsgebäude) sind mir diese in letzter Zeit immer häufiger als wahrlich hässliche Verrammelung ehemaliger Fenster aufgefallen. Meine Gartenlaube würde ich auch in die Epoche 4b bis 6 verorten. Hier ein paar Beispiele des Vorbilds:

    Ruine eines Stellwerks mit Lochplatten

    Bahngebäude mit Lochplatten


    MK.Matthias Die kleine Dampflok an der Seitenwand ist eine wilde Quer-Idee aus meiner Bastelkiste. Für mein Schloss-Restaurant hatte ich mir einige Wirtshaus-Schilder vom Modellbau-Kaufhaus bestellt:

    Forumsbeitrag Schloss-Restaurant

    Aus dem Nasenschild für ein "Restaurant zur Eisenbahn" wurde die Dampflok ausgeschnitten, patiniert und landete dann an der Gartenlaube des Bahnfans:

    Beste Schmalspurgrüße

    merane