Narrow Gauge & Short Line Gazette

  • Obwohl dieses Forum sehr ostlastig ist, will ich doch mal zeigen, dass es z.B. in den USA eine Zeitschrift gibt, die sich explizit mit Schmalspurbahnen und Kleinbahnen beschäftigt. Außer hervorragenden Beiträgen über sehr obskure "Bimmelbahnen" ist diese Kultzeitschrift ein Tummelplatz für das Zeigen hervorragende Anlagen und Fahrzeuge. Der Herausgeber und Chefredakteur Bob Brown ist in den USA auch als Förderer verschiedener Museumsbahnnen bekannt. Wie ich eben erfahren habe, ist er mit 93 Jahren Anfang Februar verstorben. Er hatte bis zum Schluss an Artikeln gearbeitet.
    Ich kannte ihn und zwei meiner Modelle (Guinness Sept/Oct 2016 und Betsy Nov/Dec 2018) hatten die Ehre, in seiner Zeitschrift zu erscheinen. Er hatte eine sehr schöne Anlage in On3 nach Szenen der Waldbahn "West Side Lumber". Er kannte noch John Allen, einen der ersten Modellbauer, die schon 1951 sehr naturgetreue Anlagen gebaut haben. Bob hat einige der Fahrzeuge von John in seiner Sammlung und ich bin stolz, diese gesehen zu haben:

    Hier zwei meiner Fotos von Bob Brown's Anlage (in leider minderer Qualität)

    und

    Bob war auch ein förderndes Mitglied der SPCRR, einer Vereinigung, die sich der Restaurierung und Erhalt von Schmalspurfahrzeugen der Carter Brothers in der San Francisco Bay Area zur Aufgabe gemach haben. An einem der Bautage war ich beteiligt:

    und

    Aus dem Abfall beim Bau des Wagens habe ich mir eine Scheibe mitgenommen, die jetzt in meiner Werkstatt als Feilenhalter dient.

    Bob Brown hatte auch eine exzellente Gartenbahn. Eine Fahrt auf dieser Bahn mit meiner Guinness ist hier zu sehen:



    Gruß
    Henner


  • Na ja, die Anzahl der Antworten zu diesem Beitrag war ja nicht gerade überwältigend, allerdings hat es offenbar denjenigen, die ihn gelesen haben, doch ganz gut gefallen. Das ermutigt mich, noch ein bisschen mehr vom Ardenwood Park zu berichten. Ich habe 20 Jahre lang ca. 10 Autominuten von dort gelebt und gearbeitet.
    Die Museumsbahner der SPCRR (South Pacific Coast Railway) haben einige schöne originale Fahrzeuge der ehemaligen 3 Fuß (ca. 900 mm) Strecke von Alameda (gegenüber San Francisco) nach Santa Cruz als auch von der SP (Southern Pacific) in ihrem Besitz. Hier eine Combine (Pack/Personenwagen):

    Außer einigen Dieselloks hatte Ardenwood bisher keine eigenen Dampfloks. Hier ein Gast auf der Strecke (für meine Begriffe über-restauriert):

    Am Flachwagen hinter der Lok habe ich mitgearbeitet. Übrigens hatten die Amerikaner eine sehr pragmatische Methode, verschlissene Güterwagen wieder zu erneuern. Die Dinger wurden angezündet und alle Metallteile wieder aus der Asche gefischt. Die waren dann gleich entrostet und "schwarz gebrannt", sodass mit dem Neubau sofort begonnen werden konnte.
    An vielen Tagen kam eine 1PS Lok zum Einsatz:

    Der Einsatz des Pferdes ist sogar historisch korrekt, da zwei Zweiglinien (Andrews und Niles Fremont Centerville) so betrieben wurden.
    Auf der Strecke kommen sogar Schleppweichen vor:

    Die Museumsbahner in Ardenwood arbeiten bei der Aufarbeitung so weit wie möglich mit originalen Materialien und Werkzeugen.
    Viele Jahre lang wurde ein riesiger Dampftraktor in Betrieb vorgeführt:

    Dieses Unikum ist zweistöckig(!). Unten der Heizer und oben der Fahrer.

    Dieser Traktor ist von hohem historischen Wert. Die Firma Best wurde später über Umwege zu Caterpillar, die heute noch Raupenschlepper bauen.
    Zum Schluss noch einen Link zu der WEB Seite von Finescalerailroader, die zeigt, dass Amerikaner nicht nur Burger vertilgen, sondern auch hervorragende Modelle bauen können. Wer sich die Seite genau ansieht, wird allerdings mindestens drei Europäer als Autoren finden.
    Gruß
    Henner

    Einmal editiert, zuletzt von md95129 (5. Februar 2026 um 13:10)

  • Hallo Henner,

    besten Dank für Deine beiden Beiträge aus einem hier bisher nicht so präsentem Gebiet.

    Na ja, die Anzahl der Antworten zu diesem Beitrag war ja nicht gerade überwältigend, allerdings hat es offenbar denjenigen, die ihn gelesen haben, doch ganz gut gefallen.

    Bitte nicht den Kreis der wirklich Interessierten überschätzen. So wie die Schmalspurbahnen im allgemeinen nur einen Bruchteil der Eisenbahn-Fans begeistern, so ist solch ein "exotisches" Thema natürlich noch einmal geringer beachtet. Aber von wirklich über den deutschen Tellerrand Guckenden nicht geringer geschätzt.

    Und viele der hier Versammelten möchten eben ihre ganz eigenen Erfahrungen mit vielen Anderen teilen. Der Kreis für solch eine weit entfernte Bahn ist dann halt klein. Ich denke in amerikanischen Foren wäre (nicht wertend) beispielsweise die Mansfelder Bergwerksbahn auch nicht ein Thema, das tausende Aufrufe und hunderte Antworten erhält. Oder kannst Du aus Deiner amerikanischen Zeit Anderes berichten?

    Hinzu kommt, daß viele Nutzer hier nicht täglich rein schauen. Und Dein erster Beitrag ist kaum 24h her...
    Manchmal kommen die interessantesten Reaktionen erst nach Wochen, Monaten oder gar Jahren. Deshalb ist es gut, daß die "alten" Bimmelbahn-Foren hier im aktuellen integriert sind. Ein schönes Archiv aus tausenden Erlebnissen und Erfahrungen.

    Gruß von Niels

    +-+-+-+-+-+-+-+- Klasse statt Masse! Wer macht mit? -+-+-+-+-+-+-+-+
    "Der Zweck des Forums liegt im Austausch zu Schmalspurbahnen,
    schmalspurigen Modellbahnen, historischen Eisenbahnen und damit verwandten Themen."

  • Niels,
    Ich glaube, mit dem Ausspruch

    Ich denke in amerikanischen Foren wäre (nicht wertend) beispielsweise die Mansfelder Bergwerksbahn auch nicht ein Thema, das tausende Aufrufe und hunderte Antworten erhält. Oder kannst Du aus Deiner amerikanischen Zeit Anderes berichten?

    irrst du dich. Amerikaner - und ich schließe da ausdrücklich die Trump Magas aus - sind eigentlich sehr weltoffen, zumal viele ja auch Wurzeln in anderen Ländern hatten. Wie erklärst du dir sonst, dass
    der Bericht über den Bau einer Feldbahnbrücke einer obskuren Bahn in Norddeutschland in dem oben angegebenen Forum über 450000(!) Klicks und ca. 1000 Antworten bekommen hat?
    Oder ein Modul der Plettenberger Kreisbahn mit ca. 330000 Klicks und 600 Antworten?
    Ich glaube, dem Bimmelbahnforum könnte etwas mehr Blick über den Tellerrand nicht schaden, solange Schmalspur/Kleinbahn behandelt wird.
    Gruß
    Henner

  • Hallo Henner,

    schöne Bilder aus USA hast du da eingestellt, vielen Dank. Bisher war ich bei meinen Aufenthalten dort nur der "großen" Bahn nachgefahren, bspw. hatte ich mich seinerzeit für die "Norfolk Southern" an der Ostküste interessiert. Dies auch durch einen Bekannten vor Ort mit dem ich 'Trainspotting' war.

    Bei mir harren noch eine Roundhouse Shay und Wagen auf's Umspuren nach H0m :)

    Gruß aus Goslar

    Peter

  • Wie erklärst du dir sonst, dass

    Naja, ich hätte "auf die Schnelle" drei Erklärungsansätze:

    Erstens: Der amerikanische und kanadische (oder allgemein englischsprachige) Markt ist vermutlich deutlich größer wie der deutschsprachige. Hohe Klickzahlen sind da fast zwangsläufig zu erwarten.

    Zweitens: Das erheben der Gartenbahn zur Heimanlage, inklusive der damit verbundenen höheren Detaillierung ist vermutlich in Amerika leichter umzusetzen wie in einer deutschen 2/- oder 3-Raumwohnung.

    und Drittens: Die Detaillierung ist schon Wahnsinn. Die Handwerkskunst und Akribie ist schon faszinierend. Egal in welchem Maßstab man modellbahnert - einfach beeindruckend!

    ---

    Wer sich die Links von Henner ins amerikanische Forum nicht antun möchte - und sich damit die seitenlange Übersetzungaus dem englischen sparen will - der kann auch im deutschsprachigen Buntbahn-Forum nachschauen:

    Feldbahnmodule mit Schiff - buntbahn.de

    Quiet earth - buntbahn.de

    Gruß

    Willi