Hallo,
ich werde unter diesem Thema regelmäßig über die Aufarbeitung der Fahrzeuge in Georgenthal berichten. Nach der Aufarbeitung des Personenwagen 901-252 geht es nun mit dem Gepäckwagen 99-61-51 (ex GMWE 9) weiter.
Seit August 2018 befindet sich der Wagenkasten 99-61-51 der ehemaligen GMWE in der Sammlung thüringer Schmalspurfahrzeuge der IG Hirzbergbahn in Georgenthal.
Gebaut wurde der Wagen 1901 von der Aktiengellschaft für Fabrikation von Eisenbahnmaterial zu Görlitz als kombinierter Post- und Gepäckwagen für die von Vering & Wächter gebaute Strecke Gera-Pforten - Wuitz-Mumsdorf (GMWE). Dort erhielt er die Betriebsnummer 9. Ende 1920 wurde auf der Strecke die Postbeförderung eingestellt und als inflationsbedingt im September 1923 der Personenverkehr eingestellt wurde, forderte die Eisenbahnaufsicht eine Mitfahrgelegenheit für Reisende in den Güterzügen. Somit baute die Werkstatt der GMWE in das ehemalige Postabteil zwei Längsbänke mit je 8 Sitzplätzen ein. Die Flügeltüren des ehemaligen Postabteils wurden verriegelt und der Zugang zum jetzigen Personenabteil fand über das Gepäckabteil statt. Dafür wurde in der Zwischenwand eine Tür eingebaut. Zeitweise wurde die Personenbeförderung im Wagen eingestellt, erst im 2.Weltkrieg kam das Personenabteil wieder zum Einsatz. Als der Wagen in den Bestand der Deutschen Reichsbahn kam, wurde ihm lt. Umzeichnungsplan von 1950 die Nummer 10.245p (CPw) zugeordnet. Wann genau die Sitzbänke ausgebaut wurden, lässt sich nicht mehr zweifelfrei ermitteln. Lt. Betriebsbuch war für den Wagen die Nummer 903-252 vorgesehen, aber mit dem Wegfall die Sitzbänke zur Personenbeförderung wurde ihm die Nummer 99-61-51 zugewiesen. Bei der Hauptuntersuchung des Wagens im RAW Karl-Marx-Stadt 1956 wurden die Flügeltüren ausgebaut und der Bereich durch große Fallfenster ersetzt. So wurde der Wagen 1968 von der DR ausgemustert und an eine Privatperson in Gera-Thieschitz verkauft. Dort stand er auf einer Kirschplantage nahe der A4. Nach jahrelangen Verhandlungen konnte im August 2018 die IG Hirzbergbahn den Wagenkasten übernehmen.
Ziel der Aufarbeitung ist der Zustand des Fahrzeuges Anfang der 50er Jahre. So werden im ehemaligen Postabteil wieder Sitzbänke eingebaut und die Flügeltüren nachgebaut. Als kleiner Kompromiss erhält der Wagen wieder eine Lichtmaschine, die er erst in den 60er Jahren erhielt. Ausschlaggebend ist noch der vorhandene Batteriekasten im Gepäckabteil, der sich in einem sehr guten Zustand befindet.
Werkfoto des Schwesterfahrzeuges GMWE 10 in Görlitz (Quelle Sammlung Verkehrsmuseum Dresden)
Die Aufnahme von 2017 zeigt den Wagenkasten auf der Kirschplantage bei Gera-Thieschitz (Foto Thomas Becher)
Im August 2018 ist der Wagenkasten in Georgenthal angekommen.
Um den Wagenkasten in der Werkstatt bewegen zu können, wurde er im September 2018 aufgeachst. Hier noch ohne Tragfedern.
Im nächsten Jahr bekam er seine Federn und konnte trocken in der Halle untergestellt werden. In den Folgejahren wurde am Wagen keine Arbeiten ausgeführt, da andere angefangene Projekte erst einmal fertiggestellt werden mußten!
Im Mai 2025 war der Startschuss zur Aufarbeitung. Schubkarren voll mit Kirschkernen wurden aus dem Inneren des Wagenkasten entsorgt. Im August waren Arbeiten an der Handbremse zu sehen. Auch die Zug- und Stoßvorrichtung muss komplett neu gebaut werden.
Im Bereich des Daches über der Bühne war das Holz nicht mehr zu retten und wurde neu gebaut. Auch der neue Puffer hat probeweise seinen Platz gefunden.
Hier einmal eine Zeichnung, wie der Wagen nach der Aufarbeitung einmal aussehen soll.
08 - 99-61-51 - Gesamtzeichnung als 10.245p - 16 Sitzplätze - 2026.02.05.pdf
09 - 99-61-51 - Gesamtzeichnung als 10.245p - Schnitte - 16 Sitzplätze - 2026.02.05.pdf
Leider sind die Schriften in der PDF-Datei gestaucht ![]()
Grüße vom Harzkamel