Hallo!
Heute habe ich beschlossen, eine neue Fotoserie zu starten. Nach den Straßenbahnen in Polen und Prag ist nun die Zeit für … Deutschland gekommen. Ich beschäftige mich erst seit relativ kurzer Zeit damit – nämlich seit gerade einmal zwei Jahren. Es ist mir jedoch bereits gelungen, mehr Straßenbahnunternehmen zu besuchen als in Polen (bei uns sind es 15). Einige sogar mehrmals. Aufgrund meiner Interessen wähle ich vor allem kleine Netze mit älterem Rollmaterial, hauptsächlich Schmalspurbahnen, die in Ostdeutschland liegen. Während meiner Fotoreisen ist es mir an vielen Orten gelungen, KT4D-Wagen oder deren modernisierte Version KTNF6 mit einem zusätzlichen Niederflurwagen zu sehen – derzeit werden sie vielerorts durch neue Modelle aus dem Skoda-Werk in Tschechien ersetzt. Ein paar Mal habe ich auch Ausflüge mit historischen Straßenbahnen unternommen. Es gibt also einiges zu zeigen.
Vor dem Jahr 2024 interessierten mich ausländische Eisenbahnen oder Straßenbahnen außerhalb Polens eher nicht. Deutschland habe ich zu Hobbyzwecken nur ein paar Mal besucht:
- ca. 2010 – Zugfahrt mit der SU45 von Rzepin nach Frankfurt (Oder) + Aufnahme einiger Fotos der KT4D im Linienverkehr,
- Februar 2011 + Dezember 2011 – Besichtigung der Überreste der „Schwarzen Jule“ in Forst (dieses Thema hat mich schon vor langer Zeit interessiert und interessiert mich im Grunde immer noch),
- September 2014 – Innotrans-Messe in Berlin + Besichtigung des Berliner Hauptbahnhofs (ein bisschen beruflich – aber ich betrachte es eher als einen Ausflug, den ich dank meines Arbeitgebers machen konnte),
- September 2022 – Fahrt mit der HF-Brigadelok in Cottbus und Bad Muscau (in Polen gibt es schon lange keine funktionstüchtige HF-Lok mehr, dabei waren sie früher sehr beliebt – deshalb wollte ich sie schon immer einmal in Betrieb sehen),
- März 2023 – Ausflug zur polnischen Dampflok LAS „Luise“ auf der Parkbahn in Berlin
- Dezember 2023 – ein zweistündiger Besuch in Görlitz, um mit der KD-Bahn die Grenze zu überqueren, Fotos von KT4D-Straßenbahnen im Betrieb zu machen und für 10 Minuten einen Blick auf die zu dieser Zeit stillgelegte Parkbahn zu werfen.
Wie man sieht, handelte es sich größtenteils um kurze Ausflüge, manchmal im Rahmen einer anderen Reise, oft in irgendeiner Weise mit polnischem Rollmaterial in Deutschland verbunden. Doch dann kam der Januar 2024. Seit einiger Zeit hatte mich ein Arbeitskollege, der ebenfalls Eisenbahnliebhaber ist, zu einer Reise nach Berlin ermuntert. Da wir als Bahnmitarbeiter Zugang zu kostenlosen internationalen FIP-Fahrkarten haben, hatte ich diese Möglichkeit noch nie genutzt. Es bot sich also die Gelegenheit, es auszuprobieren. Nur hatte ich keinen Vorwand, um nach Berlin zu fahren. Mein Kollege interessiert sich für die S-Bahn und die U-Bahn – und ich, was sollte ich tun? Und dann kam mir die Erleuchtung! „Hör mal – irgendwo in der Nähe von Berlin, in einem Dorf, fahren noch zweiachsige Straßenbahnen im Linienverkehr, die bald durch Moderus aus Polen ersetzt werden sollen – vielleicht fahren wir dorthin! Warte, ich schaue mal nach – wo ist das – WOLTERSDORF!“ Der Vorwand war da, also fuhren wir los!
Mittwoch, 17. Januar 2024. Die deutsche Hauptstadt empfing uns mit frostigem, sonnigem Wetter und einer verschneiten Landschaft. Wir erreichten Rahnsdorf, und nach 10 Minuten Wartezeit fuhr der Gotha T57 Nr. 32 aus dem Wald heraus.
Eine Fahrt mit einer zweiachsigen Straßenbahn auf einer regulären Strecke war ein ganz besonderes Erlebnis. Schließlich wurden in Polen die letzten derartigen Attraktionen um 1996 abgeschafft (abgesehen von der Linie 38 in Bytom, die im Pendelverkehr von einem einzigen N-Wagen bedient wurde). Außerdem fuhr dieser Wagen zunächst durch den Wald und dann durch die Gassen des malerischen Ortes. Wir erreichten die Endhaltestelle an der Schleuse.
Anschließend kehrten wir ins Dorfzentrum zurück und machten in der Nähe des Depots einige Fotos von den Wagen 32 und 28.
Natürlich musste auch das Hauptmotiv der Straßenbahnen in Woltersdorf mit der Kirche festgehalten werden!
Auf dem zentralen Platz weckte ein Denkmal mit einem roten sowjetischen Stern unser Interesse – bei uns sind solche Symbole gleich nach 1989 verschwunden!
Neben der Linie 87 hatten wir auch die nahegelegene Linie 88 auf dem Programm, zu der wir mit dem Bus fuhren. Leider verkehrten auf dieser Linie nur neuere Wagen. Im Depot hingegen standen Wagen der Firma Duwag bereit, die entweder als Reserve dienten oder für die Nachmittagsspitzenzeiten vorgesehen waren: GT6ZR Nr. 48 und M6C-NF Nr. 78
Damals wusste ich noch nicht, dass alte, bei Duwag hergestellte Wagen wie der Tw Nr. 48 in Deutschland im täglichen Betrieb eigentlich fast nicht mehr zu finden sind. Einige Monate später kam es zu einer Beinahe-Kollision zwischen den beiden Wagen, die mit der Verschrottung des Tw Nr. 78 endete. Der Tw Nr. 48 konnte gerettet werden, indem der gesamte Wagenzug mit dem Tw Nr. 47 ausgetauscht wurde.
Daneben standen der GT6ZR Nr. 47 (der später sein Mitglied an die Nr. 48 abgab) und der KT4DM Nr. 22.
Damit war der Straßenbahnteil der Reise beendet. Wir fuhren nach Berlin.
Ich kehrte nach Hause zurück. Aber irgendetwas stimmte nicht. Der Ausflug, der auf Anraten eines Freundes als einmaliger Spass geplant war, hinterließ in meinem Kopf etwas, das schwer zu beschreiben war. Einige Wochen später kaufte ich auf eBay ein Buch über die Gotha T57-Straßenbahnen. Das Interesse an Deutschland war in meinem Kopf gesät worden und begann zu keimen und zu wachsen ....
Ende von Teil 1
Viele Grüße
Paweł