Vergessene Nebenbahn im Erzgebirge: Königswalde ob. Bf. - Annaberg-Buchholz ob. Bf.

  • Hallo zusammen,

    bereits vor längerer Zeit hatte ich in der Reihe "Vergessene Nebenbahn im Erzgebirge" die Plattenthalbahn und die Bahnstrecke Schlema unt. Bf. - Schlema ob. Bf. vorgestellt. Heute möchte ich an eine weitere Nebenbahn im Erzgebirge erinnern. Eigentlich hätte diese Strecke zu recht den Namen "Erzgebirgische Aussichtsbahn" verdient.

    Die Nebenbahn Königswalde oberer Bahnhof - Annaberg-Buchholz oberer Bahnhof

    Geschichte

    Bereits 1866 erhielt die Bergstadt Annaberg Bahnanschluß von Chemnitz ausgehend. 1872 wurde die Bahnstrecke von Komotau über Weipert nach Annaberg eröffnet. Der Bahnhof Annaberg lag aber tief unten im Tal auf 537 ü. NN., während die Stadt bis zu 150 Meter höher lag. Der Transport von und zu den Fabriken war daher teils sehr schwierig und umständlich. Daher gab es immer wieder Forderungen nach einem zweiten, höher gelegenen Bahnhof für die Stadt.

    Am 1. August 1906 wurde ausgehend vom Bahnhof Königswalde an der Strecke Weipert - Annaberg die 6 km lange Nebenbahn nach Annaberg oberer Bahnhof eröffnet. Aus dem bisherigen Bahnhof Annaberg wurde Annaberg unterer Bahnhof. Mit der Vereinigung von Annaberg und Buchholz im Oktober 1949 wurde daraus Annaberg-Bucholz unterer Bahnhof und oberer Bahnhof und aus dem Bahnhof Buchholz wurde Annaberg-Buchholz Süd. Als 1928 die Plattenthalbahn bis Königswalde unterer Bahnhof verlängert wurde, erhielt der bisherige Bahnhof Königswalde den Zusatz oberer Bahnhof.

    Die Bahnstrecke Königswalde ob. Bf. - Annaberg ob. Bf. diente fast ausschließlich dem Güterverkehr. Nur von 1917 bis 1921 sowie kurzzeitig 1927 und 1944 gab es einen bescheidenen Personenverkehr vorwiegend für Schichtarbeiter der AEG-Werke am oberen Bahnhof in Annaberg.

    Nach der Wende sank das Güterverkehrsaufkommen deutlich. Zum Schluß wurden nur noch ein Kohlen- und Schrotthändler bedient. Zum Jahresende 1994 fuhr der letzte Güterzug, zum 1.10.1996 erfolgte die offizielle Stillegung. In den Jahren 2000 und 2001 baute man die Gleise zurück, heute verläuft auf der Trasse ein Rad- und Wanderweg.

    1999 gab es kurzzeitig Pläne zur Reaktivierung der Strecke. Die BVO Bahn GmbH wollte die Bahnlinie auf 750mm umspuren und mittels Dreischienengleis mit der Fichtelbergbahn in Cranzahl verbinden.


    Auszug aus dem Anhang III zur Dienstvorschrift für die Ermittlung der Betriebsleistungen vom 1. April 1962

    Fotos vom regulären Güterverkehr

    Ich habe in der Nachwendezeit die planmäßigen Güterzüge von Annaberg-Buchholz Süd nach Annaberg-Buchholz oberer Bahnhof mehrfach fotografiert. Die Fahrt mit dem Fahrrad vom Buchholzer Bahnhof durch Cunersdorf war aber aufgrund der gewaltigen Höhenunterschiede alles andere als ein Vergnügen.

    In einem weiteren Teil werde ich noch einige Fotos von Sonderzügen auf der Strecke zeigen.


    Königswalde ob. Bf. mit einem Personenzug nach Bärenstein im Februar 1990. Hinten links geht es in großen Schleifen hinab nach Cranzahl und Annaberg-Buchholz Süd, geradeaus zum oberen Bahnhof von Annaberg.


    Am 11. Oktober 1994 wartete ich bei Cunersdorf auf den morgendlichen Güterzug nach Annaberg oberer Bahnhof. Tief unten im Tal hinterm Zug liegt das Dorf Königswalde mit dem ehemaligen unteren Bahnhof. Die Streckenführungen im Erzgebirge sind für Außenstehende echt verwirrend.


    Ein paar Meter weiter und der von 201 813 gezogene Güterzug kann vor dem 834m hohen Pöhlberg fotografiert werden.


    Am späten Vormittag fuhr der Güterzug wieder zurück nach Annaberg-Buchholz Süd. Bei Kleinrückerswalde vor der Kulisse von Annaberg mit seiner Sankt Annenkriche wartete ich auf den Zug.


    Am 12. Oktober 1994 lauerte ich dem Güterzug nach Annaberg ob. Bf. wieder auf. Im Hintergrund der 1244m hohe Keilberg (links) und der 1214 m hohe Fichtelberg (rechts). Heute hatte 201 888 Dienst.


    Ein paar Meter weiter noch ein Schnappschuß mit "Vuglbärbaam" und dem 807m hohen Scheibenberg. Erzgebirgischer gehts nicht mehr.


    Ich bin dann mit dem Fahrrad hinterher und hab ein wenig beim Rangieren in Annaberg oberer Bahnhof zugeschaut.


    Dann war der Güterzug wieder abfahrbereit und ich mußte kräftig in die Pedalen treten, um an die Strecke zu kommen.


    Bei Cunersdorf wartete ich dann auf die Rückfahrt, rechts der Pöhlberg. Was für eine Panoramastrecke!


    Der Zug kurz vor dem unbeschrankten Bahnübergang an der Kreuzung Gasthof Morgensonne in Cunersdorf.


    Nochmal in die Pedalen getreten und den Zug in Königswalde ober Bahnhof fotografiert. Heute würde ich wahrscheinlich nach 500 Metern am Straßenrand qualvoll verenden.


    Um nach Annaberg-Buchholz Süd zu kommen, mußte in Königswalde oberer Bahnhof die Fahrtrichtung gewechselt werden. Interessant ist auch der stets mitgeführte Begleitwagen für das Zug- und Rangierpersonal.


    Wir schreiben den 16. Dezember 1994 und es ist Winter im Erzgebirge geworden. Diesmal zu Fuß unterwegs, wartet ich im Wald oberhalb von Kleinrückerswalde auf den Güterzug nach Annaberg oberer Bahnhof.


    201 813 rangiert in Annaberg ob. Bf., zum Schluß gab es meistens nur noch wenige Wagen Fracht.


    Annaberg ob. Bf.: Der Lokführer der 201 813 prüft nochmal alles vor der Rückfahrt nach Annaberg-Buchholz Süd. Nur noch wenige Tage, dann wird der Schnee auf den Schienen ungestört liegen bleiben ...

    Im nächsten Teil zeige ich dann noch einige Dias von verschiedenen Sonderzügen, die die Strecke nach Annaberg-Buchholz oberer Bahnhof befahren haben.

    Viele Grüße
    Toralf

    Einmal editiert, zuletzt von Toralf750 (25. März 2026 um 19:30)

  • Hallo Toralf!

    Vielen lieben Dank für diese wunderschönen Bilder, mir fehlte manchmal die Weitsicht, da es eben Alltag war. In Königswalde liegen meine väterlichen Wurzeln und ich bin diesem Landstrich unweigerlich verfallen. Wie oft hab ich damals gesagt, dass ich mal ein paar Bilder machen müsste. Und dann war es zu spät…

    Viele Grüße

    Thomas

  • Hallo,

    zunächst vielen Dank an Toralf, ein Beitrag ganz nach meinem Geschmack! Leider habe ich die KA nicht wirklich zu Betriebszeiten erlebt. Zum Tag der Sachsen 1994 waren wir mit dem Zug in Annaberg unt Bf, aber leider nicht beim Pendelbetrieb "oben".

    Hallo, solche Gepäckwagen waren 1994 noch im Einsatz?

    Das war aber auf der Strecke damals schon einer der letzten seiner Art. Der Wagen ist übrigens nach einem rund 30-jährigen Intermezzo (mit einer Kö, die nun im Bf Schlettau steht) am Frohnauer Pflegeheim seit ca. 2023 in Grüna ob Bf auf dem verbliebenen Gleisstück vorhanden.

    2009 hat ein Eisenbahnfreund im Gebirge eine schön zusammengestellte DVD zur Strecke unter den Fans vertrieben. Darin war auch die genaue Abbauchronik. Der obere Bf und das erste Stück an der B 95 bis zur Elektroinstallation sind 2000 und 2001 entfernt worden, letzteres wohl durch die IGP. Der Großteil der Strecke ist aber erst zirka 2006-08 beim Radwegbau abgebaut worden.

    MfG

    MBC

  • Hier nun auch ein paar Bilder von den Pendelfahrten zum Tag der Sachsen 1994. Da ich die meiste Zeit im Zug beschäftigt war, Geld einzusammeln,war, gibt es relativ wenig von außen.

    Abfahrt am Parkplatz bei Kleinrückerswalde

    Temporärer Haltepunkt an der EIA (Elektroinstallation Annaberg).

    Annaberg-Buchholz oberer Bahnhof war der Abstellort über die Nacht

    Viele Grüße

    Falk

  • Traumhafte Bilder, heute sehr wertvoll, hab es leider verpennt, dort zu fotografieren!

    Mein Favorit ist Bild 12 mit dem Zug vor der Kulisse des Pöhlberges!

    Vielen Dank, Thomas!

  • Hallo,

    zur Frage des Zugbegleiterwagens in Toralfs Beitrag wage ich mal eine konkrete Antwort. Dies dürfte zu DDR Zeiten ein Zugbegleiterwagen der Transportpolizei gewesen sein. Mindest einer dieser Wagen war damals ständig auf dem Bahnhof Schönfeld-Wiesa stationiert. In der Nähe des Bahnhofes befand sich ein größerer Betrieb der Verteidigungsindustrie. Wenn dessen Produkte mit der Bahn abgefahren wurden stand ein Begleiterwagen mit weiteren gedeckten Güterwagen an der Ladestraße.. Wenn Eisenbahnfreunde zu dieser Zeit Fotos vom Schmalspurbetrieb machen wollten, dann hatten sie schlechte Karten. Das Betriebsschutzkommando der Polizei sorgte für die nötige Geheimhaltung. Ich hatte als bekannter Eisenbahnfotograf dort zwar relative Narrenfreiheit, ab er an solchen Tagen habe ich mich dort auch nicht betätigt Wenn dann auf diesem Wagen der Schornstein rauchte war das Begleitkommando schon im Zug und begleitete diese Fuhre bis zum Empfänger. Das war in der Regel ein Waffenlager. Ich habe mal ein Zufallsfoto aus dieser Zeit beigefügt. Nach der Wende wurde diese Produktion dort eingestellt. Unterlagen verschwanden bei einem Geheimdienst und die Wagen wurden nicht mehr gebraucht. Leider kann man auf dem o.g. Foto die Anschriften nicht entziffern um Näheres dazu zu sagen.

    Wie schon gesagt, Zufallsfoto. Der Greifer diente zur Bekohlung der Schmalspurloks bis 1985. Auf dieser Strecke wurden i.R. nur Briketts verheizt, die selten 1. Qualität waren. Aber für die 1,45 Km Strecke reichte es aus.

    Ob der Arbeitsplatz des Heizers bei der Bekohlung den damaligen Arbeitsschutzvorschriften entsprach darf ernsthaft bezweifelt werden. Aber die Eisenbahner waren froh, wenn der Lader der dortigen Bäuerlichen Handelsgenossenschaft die Bekohlung unterstützte.

    Noch eine Geschichte zum Tag der Sachsen 1994 in Annaberg-Buchholz. Wenige Tage zuvor kam es bei einem Verkehrsunfall auf der Straße in der Nähe dieses Bhf in Annaberg Obere Stadt zu einer Streckensperrung bei der Eisenbahn. Ein LKW mit einem Kessel Sattelauflieger hatte Zement geladen und lag nicht profilfrei im Gleisbereich. Die zur Bergung gesperrte Bundesstraße 95 führte zu einem mittleren Verkehrschaos auch wegen der anreisenden Aussteller zum Sachsentag. Der dabei ablaufende Feuerwehreinsatz dauerte auch seine Zeit. Die sogenannten Hochdruck-Hebekissen konnten Freiheit für Anschlagmittel zur Bergung mittels Autokran schaffen.

    MfG Helmut

  • Hallo,

    Danke für die tollen Bilder. Auf youtube gibt es verschieden Filmchen über diese Strecke, welche ich entdeckt habe. Ich bin nur zu doof, diese zu verlinken


    Pesche