Besuch im Deutschen Erdölmuseum in Wietze

  • Moin,

    was hat das Deutsche Erdölmuseum in Wietze (NIedersachsen) im Bimmelbahn-Forum verloren?

    Es gibt dort einen kleinen Feldbahnkurs in den 900 und 600 mm Spurweite. Teilweise werden Feldbahnen noch heute bei der Erdölgewinnung genutzt. So gibt es noch heute im Rühlermoor (Emsland) ein recht großes Feldbahn-Netz.

    Wietze selbst ist ein bedeutender Ort in der weltweiten Ölförderung. Bereits ab Mitte des 17. Jahrhunderts hat man dort Öl aus Ölsandgruben ausgewaschen. 1858 fand jedoch die weltweit erste Bohrung nach dem heute noch begehrten Bodenschatz statt. Das war mehr oder weniger ein Zufallsfund, da man eigentlich auf der Suche nach Braunkohle war. Der Zufallsfund löste einen wahren Ölboom in der Nähe von Celle aus.


    Rechts am Bildrand erkennt man einen Waschtrog, in dem in der Angangszeit der Ölsand gewaschen wurde. Das Öl wurde in den Holzfässern gelagert und transportiert.


    Hölzerne Bohrtürme


    Tiefenpumpen und ein Doppelschwengelantrieb, der bis zu 4 Pumpen antreiben konnte.


    Mit diesem Ölabscheider wurde das Öl-Wasser-Gemisch von Sand und Wasser gereinigt.


    Da es in der Anfangszeit noch keine direkte Bahnanbindung gab, musste das gewonnene Öl mit Pferd und Wagen zu den Bahnhöfen Celle bzw. Schwarmstedt befördert werden. Der Ölboom löste jedoch auch einen Bauboom aus. So wurde 1903 die Allertalbahn eröffnet und Wietze bekam seinen Ölbahnhof. Auch wurde der Aller schiffbar gemacht und die elektrische Energie kam.


    Hier haben wir eine elektrische Winde auf einem Feldbahn-Fahrgestell. Diese Winde war für die DPAG Deutsche Petroleum AG und später für die DEA Deutsche Erdöl AG im Einsatz.


    Ein Schienenkuli der Wintershall AG.


    Lok EMMA (600mm Spurweite) wurde 1940 bei F.W. Hoffmann (bis 1938/39 Feldbahn- und Lokomotivfabrik Smoschewer & Co) in Breslau hergestellt und war in einem Ölfeld bei Salzgitter im Einsatz.


    Diese Aufwältigungswinde gehörte damals auch zur Lok EMMA. Sie wurde u.a. für die Instandsetzung von Bohrlöchern genutzt.


    Die Schöma LO36 (900mm) ist Baujahr 1955 und stammt aus dem Ölfeld Rühlermoor.


    Ein schienengebundener Bohrturm (900mm Spurweite), der bei der Salzgitter Maschinenbau AG gebaut wurde.


    Loren und Gleise.

    Ein Feldschmiede im Wellblechschuppen - da wird Feldbahnfreunden warm ums Herz.

    Später geht es noch mit einem kleinen 2. Teil weiter.

    Gruß

    Stefan

    Einmal editiert, zuletzt von V10C (16. April 2026 um 09:45)

  • Moin,

    und weiter, wenn auch ohne Bahn, geht es hier. Auch die Allertalbahn ist inzwischen Gesichte. Sie hat mit Einstellung der Ölförderung 1963 einen wichtigen Kunden verloren. Bereits 1913 hatte man mit 113.518 t Rohöl die maximale jährliche Fördermenge erreicht. Das waren damals 80% der gesamten Fördermenge in Deutschland.

    1970 errichtete man im kleinen Ort Wietze bereits das Deutsche Erdölmuseum.

    Das markantes Ausstellungsstück ist der 1961 gebaute Bohrturm. In 25 Betriebsjahren war er auf 32 Bohrplätzen im Einsatz. 1986 ging er a.D. und wurde im Museum aufgestellt.

    Vor dem Bohrturm parkt dieser formschöne Mercedes. Aufgebaut wurde er beim Busspezialisten Kässbohrer (SETRA). Er diente zwischen 1958 und 1992 als Mess- und Kabelwagen für die Untersuchung von Bohrlöchern.

    Richtig bullig ist dieser gummibereifte mobile Bohrturm auf Basis eines Faun L912. Der Aufbau stammt von der Salzgitter Maschinenbau AG. Auch in der DDR griff man auf solche Fahrzeuge zurück. Wer in Gommern mal die kleine 99 4301 besucht, wird in dem Ort auch einen Faun vom VEB Kombinat Erdöl-Erdgas Gommern finden. Das Fahrzeug bekam damals eine leichte Modernisierung in Form eines Tatra-Fahrerhauses hinter der dicken Faun-Haube. Es steht heute auf einem Firmengrundstück an der B246a in Gommern (allerdings schlecht zu fotografieren).

    Vom VEB Kombinat Erdöl-Erdgas Gommern stammen diese beiden Ausstellungsstücke. Die S-100 Raupe mit Sondenbehandlungsgerät war dort eingesetzt. Die blaue Tiefenpumpe stand einst im heutige Landkreis Halberstadt und förderte das begehrte "Schwarze Gold".

    High-Tech der 1980er Jahre für Suche nach Erdöl- und Erdgasfeldern mittels Erschütterungswellen. Das Fahrzeug wurde 1983 bei der Praka-Seimos GmbH gebaut. Meistens waren die Fahrzeuge in Kolonne unterwegs.

    Kleines Raupenmonster aus norddeutscher Fertigung: Hanomag K90 Raupe mit Menck-Planierschild und Schäfer-Winde. Bei Hanomag in Hannover werden heute noch Baumaschinen gefertigt, nur heißen diese seit einigen Jahrzehnten Komatsu. Menck ist heute noch in der Rahmtechnik aktiv. Schäfer scheint vom Markt verschwunden zu sein.

    Zum Abschluss noch eine kleine Tiefenpumpe. Das schöne ist, dass viele Ausstellungsstücke mittels Knopfdruck in Bewegung gesetzt werden können. Das ist doch ideal für Kinder und jung gebliebene alte Säcke ;) (wie mich).

    Nicht minder spannend ist auch die Erdölförderung unter Tage, die man ab den 1920er Jahren in Wietze aufbaute. Ich muss gestehen, dass ich diese Art Förderung bis zu meinem Besuch überhaupt nicht kannte. Daher kann ich einen Besuch in Wietze nur empfehlen. Schön ist auch, dass man auf die unschönen Seiten des "Schwarzen Goldes" auch eingeht.

    Fazit für mich: Ich muss nochmals in das Museum. Auch will ich den Ölberg einmal besteigen. Die Halde ist das letzte Zeugnis der Ölförderung unter Tage.

    Gruß

    Stefan

  • Hallo Stefan,

    vielen Dank für deinen interessanten und richtig genialen Beitrag. Und vielen Dank auch für das Schließen einer (fast schon peinlichen) Bildungslücke. Vom Ölmuseum Wietze habe ich selbstverständlich schon gehört und die Öl- und Torfbahnen im Rühlermoor sind mir wohl bekannt. Nur dachte ich bis eben gerade, das Ölmuseum Wietze liegt irgendwo im Rühlermoor. Im festen Glauben daran habe ich allerdings meine "Theorie" auch noch nie überprüft. Erst dein Eingangstext machte mich stutzig.

    Zumindest vom über 100km langen Netz Rühlermoor hab ich ein paar Aufnahmen. Hier die Torfbahn Schöninghsdorf am westlichen Ende des Netzes direkt an holländischen Grenze.

    Viele Grüße
    Toralf

  • Hallo Stefan,

    sehr interessant, was Du uns zeigst! Jetzt weiß ich, was ich alles verpasst habe, als ich zu frühen Corona-Zeiten nicht rein kam, weil ich Depp den Corona-Test vergessen hatte. War trotzdem eine schöne Fahrradtour u.a. über die Kreisstraße 5, die südlich von Wieckenberg unter Denkmalschutz steht.

    In diesem Zusammenhang zwei tagesaktuelle Bilder von einer moderneren Version einer Pferdekopfpumpe, gerade noch auf hannoverschem Stadtgebiet gelegen. Leider habe ich sie weder fotografiert noch gefilmt als sie vor wenigen Jahren noch in Betrieb war. Feldbahn gab es jedoch hier nur schräg gegenüber A7 und Mittelandkanal im Zementwerk Höver.


  • Interessant.

    Aber fahren tut dort nichts oder?

    Grüße Jan

    Moin Jan,

    der Schienenkuli und die beiden Loks sollen betriebsbereit sein, aber fahren tut man nach meiner Kenntnis aktuell nicht. Man arbeitet aber an einer Lösung. 2019 hatte man extra den Schwarztorfwagen (Bj.: 1929) erworben. Die Streckenführung für den Museumsbetrieb ist auch nicht gerade ideal. Es gibt nur eine Weiche und es ist kein Gleisoval, sondern ein "Tropfen".

    Hier noch ein paar Schätze des Museums, mit denen man teilweise nicht so zufrieden ist (Überrestaurierung).

    Fahrbare Dampfwinde aus England.


    Aufbauwinde, die um 1940 in Celle gebaut wurde.

    Die farbliche Gestaltung sagt den Museumsmachern nicht zu.


    Dampfmaschinen wurden auch zur Ölförderung eingesetzt. In dem Fachwerkgebäude im Hintergrund wird der Öl-Bergbau unter Tage dargestellt.


    In der ARD Mediathek gibt es noch eine interessante Fernsehreihe unter dem Titel "Schwarzes Gold". Die Vorlage für diese Serie war der Ölboom in Wietze. Drehort war allerdings nicht Wietze, sondern u,a, das Museumsdorf Hösseringen und ein ehemaliger Truppenübungsplatz bei Schneverdingen. Zusätzlich gibt in der Mediathek noch eine Dokumentation über Wietze.

    Gruß

    Stefan