Die Fernsprechverbindungen zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal zur Reichsbahnzeit und zur Zeit der Deutschen Bahn AG

  • Glück Auf,

    Noch kürzer als die Sicherungstechnik kommen in der geschichtlichen Betrachtung einer Eisenbahnstrecke die Fernmeldeanlagen. Im Falle der schmalspurigen Nebenbahn Cranzahl - Kurort Oberwiesenthal soll hiermit nun Abhilfe geschaffen werden:

    Die Fernsprechverbindungen zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal zur Reichsbahnzeit und zur Zeit der Deutschen Bahn AG

    Auf der schmalspurigen Nebenbahn Cranzahl – Kurort Oberwiesenthal (CW-Linie) bestanden zwei Fernmeldeverbindungen:

    1. Fernsprechbezirksverbindung (Fb) 6140 Cranzahl – Oberwiesenthal

    2. Fernsprechnahverbindung (Fn) 7261 Annaberg-Buchholz Süd - Oberwiesenthal

    1. Die Bezirksverbindung Fb 6140 Cranzahl – Oberwiesenthal

    Fernsprech-Bezirksverbindungen (Fb) dienten dem allgemeinen dienstlichen Sprechverkehr. Auf Nebenbahnen hingegen durften Fb gemäß Betriebsfernsprechvorschrift auch als Streckenfernsprech- und Zugmeldeleitung genutzt werden. Im Bereich der Reichsbahnämter Zwickau und Chemnitz/Karl-Marx-Stadt war dies die Regel, denn auf den allermeisten Nebenbahnen gab es keine getrennten Streckenfernsprech- und Zugmeldeleitungen. Dafür hatte man stets an Handvermittlungen (Hvm) angeschlossene Fb eingerichtet. Die Hvm wiederum standen über Nahverbindungen (Fn) mit einer Fernsprech-Bahnselbstanschlussanlage (Basa) in Verbindung. Im Falle der CW gab es zwei Handvermittlungen, namentlich in Cranzahl und in Oberwiesenthal. Beide Hvm waren an die Basa Annaberg-B. Süd über die Fernsprech-Nahverbindungen (Fn) 7258 nach Cranzahl und Fn 7261 nach Oberwiesenthal angeschlossen und untereinander wiederum mit der Fb 6140 verbunden. Auf die Fn 7261 Annaberg-B. Süd – Oberwiesenthal wird später gesondert eingegangen.

    Übersicht der von Annaberg-B. Süd ausgehenden Fernverbindungen im Sprechstellenverzeichnis der Rbd Dresden, Ausgabe 1959. In der linken Spalte sind die Kennzahlen der Handvermittlungen Cranzahl und Oberwiesenthal zu finden.

    Die originale 10-teilige Hvm Cranzahl entspricht der Bauform "Einheitshandvermittlung mit Wählscheibenzusatz" (Siemens) und ist bis heute bei einem in Rente befindlichen Fernmeldehandwerker voll funktionsfähig erhalten und wird in der hauseigenen Telefonanlage genutzt. Foto vom 27. April 2026.

    Die Fb 6140 wurde mittels Ortsbatterie-Fernsprechern OB 33, den so genannten „Kurbeltelefonen“, betrieben. Neben den Bahnhöfen als Zugmelde- bzw. Zuglaufmeldestellen waren auch sämtliche unbesetzte Sprechstellen der freien Strecke in die Verbindung eingeschaltet.

    Im vom heutigen Bahnmeister der CW liebevoll eingerichteten Museum in der einstigen Fahrkartenausgabe des Bahnhofs Neudorf ist der originale OB 33 dieser Dienststelle ausgestellt.

    Jeder Sprechstelle war (bzw. ist bis heute) ein Rufzeichen nach dem Morsealphabet zugeordnet, bestehend aus kurzen und langen Weckzeichen. Das kurze Weckzeichen – 1 Kurbelumdrehung – wurde mit einem Punkt dargestellt, das lange Weckzeichen – 3 Kurbelumdrehungen – mit einem Strich. Wollte nun beispielsweise ein Teilnehmer in der Reichsbahndirektion Dresden mit dem Bahnhof Neudorf sprechen, so mußte er in Dresden mit seinem Basa-Fernsprecher folgende Kennzahlen wählen: 844 (Einwahl in die Basa Annaberg-B.)/672 (Kennzahl der Hvm Cranzahl) oder 844/671 (Kennzahl der Hvm Oberwiesenthal). Sodann meldete sich die Vermittlungsperson in Cranzahl oder Oberwiesenthal und stellte nach Abfragen des Gesprächswunsches und der Frage „Spricht jemand?“ in die Fb per Morsezeichen kurz-lang-kurz-kurz (Rufzeichen Bf Neudorf) die Verbindung her.

    In die Fb 6140 waren auf Grund der Nutzung als Streckenfernsprech- und Zugmeldeleitung auch die unbesetzten Sprechstellen eingeschaltet. Man konnte also von Dresden aus beispielsweise auch die Fernsprechbude an der Warnlichtanlage am Wegübergang mit der Fernverkehrsstraße 95 in Oberwiesenthal erreichen!

    Übersicht der Fernsprechstellen der Bezirksverbindung 6140 mit ihren Rufzeichen.

    Ende der 1970er Jahre erfolgte eine Modernisierung der Fernmeldeanlagen in Cranzahl und Oberwiesenthal. In Cranzahl richtete man eine an die Basa Annaberg-B. Süd angeschlossene Unterbasa ein, die mit der Kennzahl 844/75 erreichbar war. Die Fb 6140 blieb unverändert in Betrieb und bekam mit der Kennzahl 66 Anschluß an die Unterbasa Cranzahl. Fortan war im ankommenden Verkehr keine Vermittlungsperson mehr notwendig. Der Bahnhof Neudorf konnten nun direkt von Dresden aus über die Unterbasa Cranzahl mittels Kennzahl 844/75 (Unterbasa Cranzahl)/66 (Einwahl in die Fb 6140)/2922 (Rufzeichen Bf Neudorf) erreicht werden. Die Ziffern 2 und 9 bilden dabei das kurze und das lange Morsezeichen. Wollte man aus der Fb 6140 ins Basa-Netz heraus telefonieren, musste jedoch weiterhin in Cranzahl vermittelt werden. Diese Aufgabe oblag dem Fahrdienstleiter, dem dazu eine Einheitsvorzimmeranlage 67 zur Verfügung stand.

    Übersicht der Unterbasa Cranzahl im Sprechstellenverzeichnis der Rbd Dresden 1979.

    Im Bahnhof Oberwiesenthal ging im Zuge der oben genannten Modernisierung am 1. November 1977 eine Kleinbasa mit 10 Teilnehmern in Betrieb. Darauf wird im folgenden Abschnitt näher eingegangen.

    2. Die Nahverbindung Fn 7261 Annaberg-Buchholz Süd – Oberwiesenthal

    Über die Fn 7261 war ausschließlich die Handvermittlung im Bahnhof Kurort Oberwiesenthal an die Basa Annaberg-B. Süd angeschlossen, es gab keine Zwischenstellen. Die Kennzahl der Hvm Oberwiesenthal lautete 671, wie schon im vorherigen Abschnitt beim Verbindungsaufbau von Dresden nach Neudorf erwähnt. Mit Inbetriebnahme der Kleinbasa Oberwiesenthal am 1. November 1977, neue Kennzahl 844/78, ging die alte Handvermittlung außer Betrieb. Zwischen der Unterbasa Cranzahl und der Kleinbasa Oberwiesenthal wurde als Verbindung eine (Kabel-)Leitung der Deutschen Post gemietet.

    Kleinbasa Oberwiesenthal mit ihren Teilnehmern im Sprechstellenverzeichnis 1979.

    Die Fernmeldeverbindungen zwischen Annaberg-Buchholz Süd und Oberwiesenthal, Stand 1987 (zur besseren Übersicht sind nur die in diesem Aufsatz besprochenen Verbindungen dargestellt).

    3. Bauliche Ausführung der Verbindungen

    Baulich ausgeführt waren die Fernsprechverbindungen als Doppel-Freileitungen aus 3 Millimeter starkem Hartkupferdraht. Die vier Drähte waren an vier Porzellanisolatoren auf Einzelstützen an hölzernen Gestängen befestigt, aufgestellt überwiegend bahnlinks. Um in die Fb 6140 als Streckenfernsprechverbindung problemlos einen tragbaren Fernsprecher einschalten zu können, verlief sie stets auf den beiden unteren, die Fn 7261 auf den beiden oberen Isolatoren. An jedem zweiten Stützpunkt war die Fb 6140 mit S-Haken als Streckenfernsprechverbindung gekennzeichnet. Bei Querungen von Wegübergängen kamen statt der Einzelstützen Querträger zur Anwendung, um die Leitungen so hoch wie nötig über die Kreuzung hinweg führen zu können.

    Bis zum Jahre 2026 erhalten gebliebene Stützpunkte mit dem ursprünglichen Stützpunktbild im Bereich der Haltestelle Vierenstraße.

    Man sieht sehr gut die an den unteren Stützen befestigten S-Haken als Kennzeichnung der Streckenfernsprechverbindung sowie den grünen Ring an den Isolatoren, der als Unterscheidungsmerkmal zwischen Reichsbahn- und Postleitungen dient. Das Luftkabel wurde nachträglich montiert und steht nicht in Zusammenhang mit den bahneigenen Fernmeldeanlagen.

    Querträger mit dem alten Stützpunktbild und S-Haken im Bereich der nördlichen Zufahrt der Ladestraße an der Haltestelle Vierenstraße. Links war die Fb, rechts die Fn befestigt.

    In Höhe des Einfahrsignals A des Bf Oberwiesenthal ging die Freileitung unmittelbar vor dem Jungfernbachtalviadukt in ein Kabel über und verlief zunächst in einem Kabeltrog über die Brücke und dann unterirdisch bis zum Bahnhofsgebäude.

    Wenn zwei Fernsprechleitungen auf langer Strecke nebeneinander verlaufen, kommt es vor, daß ein auf der einen Leitung geführtes Gespräch in der anderen Leitung mehr oder weniger verständlich gehört wird. Diese Störungserscheinungen haben ihre Ursache in den magnetischen und elektrischen Feldern, die sich in der Umgebung strom- oder spannungsführender Leiter ausbilden. Die Felder rufen in benachbarten Leitern – hier in den Fernsprechleitungen – durch Induktion Ströme hervor, die sich in den Hörern der Fernsprecher als Geräusche störend bemerkbar machen. Um dies zu unterbinden, müssen die Doppelleitungen gemäß Dienstvorschrift über den Schutz von Fernsprechfreileitungen gegen elektrische Störungen (Störungsschutzvorschrift, DV 864) in bestimmten Abständen gekreuzt werden. Zu diesem Zwecke stellte die Reichsbahndirektion für jede Freileitungslinie einen Störungsschutzplan auf, der für die Strecke Cranzahl – Oberwiesenthal aus dem Jahre 1953 stammt, erhalten geblieben ist und hier gezeigt wird:

    Wir sehen zunächst oben das Streckenbild (a), welches einen schematischen, geradlinigen Übersichtsplan der Bahn- bzw. Freileitungslinie mit ihrer Kilometereinteilung darstellt.

    Es folgt darunter das Linienbild (b), auf dem die beiden Leitungslinien der Fb 6140 und Fn 7261 mit ihren Schutzfolgebuchstaben und Kreuzungen dargestellt sind. Ein Kreuzungsabschnitt ist auf der Strecke CW immer 1,084 Kilometer lang. Zur Anwendung kommt der Schutzplan von Pinkert (verstorbener Abteilungspräsident der Deutschen Reichspost in Hamburg) mit den Kreuzungsfolgenummern 2 für die Fb 6140 und 3 für die Fn 7261. Dies bedeutet, die Leitungsdrähte der Fb 6140 werden auf den Stützpunkten bei Kilometer 4,336 CW (in Höhe der untere Trapeztafel des Bf Neudorf) und Kilometer 13,008 CW (am Wegübergang mit der Haltlichtanlage vor Hammerunterwiesenthal), also zweimal untereinander gekreuzt. Bei der Fn 7261 ist dies ebenso der Fall, zusätzlich ist noch eine Kreuzung auf etwa halber Strecke bei Kilometer 8,672 CW hinter Kretscham-Rothensehma eingebaut, also insgesamt drei Kreuzungen in der Fn 7261.

    Schließlich ist unten noch das Stützpunktbild (c) dargestellt, welches auf der Gesamtstrecke unverändert gleich aussieht, zumindest im Hinblick auf den Störungsschutzplan. Allerdings ist dem Zeichner ein Fehler unterlaufen, denn die Verbindungen waren in der Wirklichkeit nicht so angeordnet, wie auf der Zeichnung dargestellt. Die Fb 6140 verlief stets auf den unteren beiden Isolatoren, das ist auf Fotos eindeutig belegt.

    Mit Inbetriebnahme der Kleinbasa Oberwiesenthal entfiel zwischen Cranzahl und Oberwiesenthal die Fn 7261 als Freileitung und wurde abgebaut. Die Stützpunkte blieben jedoch unverändert, nur die oberen Isolatoren trugen nun keine Leitung mehr.

    Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß zwischen dem Stellwerk im Bahnhof Cranzahl und dem Einfahrsignal O aus Richtung Oberwiesenthal bis zur Inbetriebnahme des Licht-Einfahrsignals eine zunächst als Einfach- später als Doppellleitung ausgeführte Meldeverbindung zum Betrieb des Signalhaltmelders installiert war.

    Auch heute ist die Fb 6140 überwiegend als Freileitung noch vorhanden und teilweise in Betrieb. Das Stützpunktbild wurde jedoch etwas umgebaut, die Einzelstützen entfielen und die verbliebenen zwei Isolatoren wurden auf kurzen Querträgern befestigt. Nur zwischen Unterneudorf und Neudorf ähnelt auf einem kurzen Abschnitt das heutige dem alten Stützpunktbild, da in diesem Bereich Einzelstützen neu eingebaut worden sind.

    Stützpunkte mit neuen Einzelstützen nahe den sogenannten "Berghäusern" zwischen Unterneudorf und Neudorf, April 2026.

    Abschnittsweise kommen auch Schienenfuß- oder Luftkabel zur Anwendung. Im Bereich der Ladestraße in Vierenstraße sind noch funktionslose Stützpunkte mit dem alten Stützpunktbild zu finden (siehe Fotos weiter oben).

    Herzlichen Dank fürs Durchhalten bis hierher🙃

    Fragen werden gern beantwortet.

    Viele Grüße

    Mike

    Eisenbahntechnische Schauanlage Neudorf

  • Hallo,

    DANKE für diesen tollen, sehr viel Wissen vermittelnden Beitrag. Unglaublich, was man daraus lernen und damit in Zukunft einen gezielteren Blick auf noch vorhandene Freileitungen werfen kann.


    VG, Rba 4

  • Hallo Mike!

    Ich habe damals also oft genug diese Leitungen und Kurbeltelefone für Zuglaufmeldungen bei Güterzügen, wenn kein Zugführer dabei war, benutzt. Mach weiter so!

    Es war vor 2 oder 3 Jahren auch sehr schön, den eigenen Namen in alten Übergabebüchern der Lokomotiven zu finden. Steffen B. hat diese vor der Vernichtung gerettet. 😃👍

    Viele Grüße vom Uwe aus dem Urwald.

  • Mike, großes Dankeschön für diesen Beitrag. Interessant auch hier, dass die Eisenbahn für alles einen Plan hat(te). ;)

    VG Steffen

    Viele Grüße, Steffen

  • Hallo Mike, wie schon in meiner FB-Gruppe geschrieben: ganz großes Kino! Was heißt hier "durchhalten"!? Verschlingen, einsaugen und genießen... :thumbsup:

    Als gelerntem Fernmelder, der das alte Handwerk auch heute noch so ein bisschen pflegt, geht mir bei diesen Beschreibungen das Herz auf.
    Besonders gefällt mir die Akribie, mit der die technischen Details recherchiert wurden und damit längst (fast) vergessene Zusammenhänge der Fernmeldetechnik der Bahn lebendig erhalten werden. Schön, wenn dazu vor allem auch alte Unterlagen erhalten geblieben sind.
    Das ist ja in den wenigsten Fällen der Fall. Umso mehr ist es ein Glücksfall, daß Du diese einmalige Möglichkeit nutzt um diese Sachverhalte detailiert und fundiert zu recherchieren und für den Leser sehr interessant lesbar aufzubereiten.

    Dein Bericht hilft meinen Kollegen und mir, die ehemalige fernmeldetechnische Ausrüstung auch für die damaligen Strecken der Ost- und Westprignitzer Kreisbahnen (heute als Reststück und Museumsbahn "Pollo" zwischen Lindenberg und Mesendorf erhalten) einzuordnen.
    Interessant sind hier besonders alte Fotos, wo zum Teil an der Strecke recht umfangreiche Freileitungen zu sehen sind, im Gegensatz dazu aber auch Freileitungen mit 3 Leitungen auf Einzelstützen (Nein: Keine Energiefreileitung 3 Phasen!) und sogar eine nur 1polige Freileitung Richtung Kyritz zu sehen sind (ziemlich sicher an dieser Stelle keine "Wäscheleine" :-D).

    Wir hatten in der Ausbildung noch in den 80er Jahren sogar in Berlin die Grundlagen der Freileitung in der Berufstheorie gelernt, dabei aber immer gelehrt bekommen: Fernmeldeverbindungen sind immer 2polig oder Vielfache davon.
    Deshalb mein erster Kommentar beim Pollo: Hier habt Ihr "Drehstrom" gebaut! 8|
    Meine Aussage wurde keine Stunde später anhand historischer Fotos entschieden widerlegt und ich bekam die Aufgabe, zu erklären, warum das nun genau so war... Und damit bin ich auf ähnlichen Spuren unterwegs, wie Du. :thumbup:
    Grüße aus Berlin - vielen Dank und vielleicht mal demnächst mal auf eine kleine Fachsimpelei im Erzgebirge. War schon viel zu lange nicht mehr dort gewesen. Michael

  • Hallo Mike,

    ein echt großartiger Beitrag über eine kaum beachtete Nebensächlichkeit. Wie oft hab ich wohl die Telegrafenleitung und die Fernsprecher dankend als "Deko" mit ins Bild genommen, ohne mir weitere Gedanken darüber zu machen.

    Viele Grüße
    Toralf

  • Im Unterricht bei einem, in der Fernmeldetechnik der DR recht bekannten Lehrer (W.B. :)), hatten wir auch das Thema "Störschutz" und damit auch den "Pinkert-Plan", den Du in Deinem Beitrag erwähnt hattest. Wenige meiner Fachkollegen können sich an diesen Begriff noch erinnern.

    Mir ist er im Gedächtnis geblieben, weil wir Jugendlichen diesen "alten Kram" damals nicht allzu ernst genommen hatten (in Berlin gab es eh keine Freileitungen mehr) und das mit dem Pinkert-Plan dann als "Pinkert-Clan" verulkt hatten.
    Natürlich durften wir uns mit solcherlei Verballhornungen nicht von unserem gestrengen Lehrer erwischen lassen...

    Hier noch ein wohlbekanntes Zitat aus dem Repertoire unseres Lehrers zu Beginn einer Unterrichtsstunde: "Haben Sie noch Fragen an mich? ...
    Nein, dann hab ich jetzt ein paar Fragen an Sie! ...ein halbes A4-Blatt reicht... "
    Und dann durften wir kurz schriftlich darlegen, was aus der letzten Stunde so alles hängen geblieben war (außer solchem Blödsinn wie Pinkert-Clan). :D

  • Übrigens sind bei uns in Zwickau im Bereich Niederhohndorf - Zwickau B7 - Lichtentanne die Kurbeltelefone als allerletzte Rückfallebene noch in Funktion und Betriebsbereit.



    Wir führen das auch immer mal wieder vor weil es immer mal Ungläubige Leute gibt die denken das das nicht mehr funktioniert.
    Gruß André

  • Hallo,

    Herzlichen Dank für die positiven Reaktionen. Es freut mich wenn derartige Beiträge Anklang finden, zeigt es doch, wie vielschichtig das Thema Eisenbahn ist🙂

    Ich möchte gleich noch eine Frage in den Raum werfen: Wer hat Fotos vom Bereich der unteren Trapeztafel des Bf Neudorf (km 4,33 CW, unmittelbar hinter dem heutigen Anwesen eines Gewerbetreibenden) aus den 60er-90er Jahren, auf denen man die Freileitungsmasten deutlich erkennen kann? Dort stand ja früher auch ein Wagenkasten, vielleicht hat den der ein oder andere fotografiert und die Freileitung ist schmückendes Beiwerk? Bei km 4,33 CW befand sich nämlich der Freileitungsstützpunkt mit der im Störungsschutzplan erwähnten ersten Kreuzung nach DV 864. Mich würde sehr interessieren, wie diese technisch am Mast durchgebildet war. Mir bekannte Bilder, auch im CW-Album von SSBMedien, sind leider zu unscharf. Dennoch erkennt man eine sehr merkwürdige Anordnung der Isolatoren, die ich gern ergründen würde.

    Vielen Dank und beste Grüße zur Nacht

    Mike

  • Glück Auf,

    Der Zufall wollte es und ich bin im Zuge meiner weiteren Recherchen zum Thema an einen heute im Ruhestand befindlichen Fernmeldehandwerker der DR "vermittelt" worden, der früher für die Fernmeldeanlagen der CW-Linie zuständig war.

    Dieser hat tatsächlich die alte Siemens-Einheitshandvermittlung des Bahnhofs Cranzahl beim Einbau der Unterbasa Ende der siebziger Jahre vor der Verschrottung bewahrt:

    Die Hvm ist weiterhin voll funktionsfähig und wird in der hauseigenen Telefonanlage genutzt! Es war äußerst faszinierend, wenn man mittels OB 33-Kurbeltelefon über die Handvermittlung sein eigenes Handy anrufen kann😁

    Der Text im Aufsatz wurde entsprechend ergänzt. Sollten Fragen zur Funktionsweise der Hvm bestehen, gern stellen.

    Viele Grüße

    Mike

    Eisenbahntechnische Schauanlage Neudorf