Herzliche Grüße an alle Boardmitglieder von der Insel Rügen!
Hier gibt es ab morgen vier Tage lang historischen Planbetrieb auf der Regelspurstrecke Bergen auf Rügen–Putbus–Lauterbach Mole – mit 86er, DR-V100 und LVT 2.09. Und das alles ohne Aufpreis mit dem Deutschlandticket. Komplett irre.
Mein Vorhaben:
Zwar ist der an diesem Wochenende ebenfalls verkehrende Nordstreckenzug der RüBB sehr schön, aber auch die Regelspur-Bimmelbahn hat ihren Reiz. Ich bin für vier Tage hier hergekommen, um in der Nähe der 12,53 Kilometer langen Strecke zu wandern und dabei immer wieder den Bahndamm aufzusuchen. Da ich kein Auto habe, mit dem ich von Bahnübergang zu Bahnübergang fahren kann, ist eine solche mehrtägige Veranstaltung mit dichtem Takt für mich ideal, um zu ausreichend Fotogelegenheiten zu bekommen. Vier Tage lang hat man hier zweimal pro Stunde die Gelegenheit für ein interessantes Eisenbahnbild. Besser geht es nicht. Dafür auch herzlichen Dank an die PRESS, die all das hier möglich macht.
Fotografieren werde ich alles wieder mit meiner über 23 Jahre alten Vintage-Kamera, einer Canon PowerShot G5. Diese Kamera gibt allen Bildern einen warmen, weichen, malerischen Charakter. Damit sieht alles so schön nach frühe Nuller-Jahre-Fotografie aus. Fünf Megapixel müssen ausreichen.
Die Strecke:
Ein paar Worte zur Strecke für diejenigen, die sie nicht kennen: Die eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn zweigt in Bergen auf Rügen südlich von der Hauptstrecke ab. Sie führt durch eine sanft hügelige Gegend, über Felder und durch kleine Wälder mit Lichtungen. Zudem gibt es einige sehr fotogene Landschaftseinschnitte.
An markanten Bauwerken seien eine Stahlträgerbrücke, der Kleinbahnviadukt der RüBB-Nordstrecke und die Stahlträgerbrücke in Lauterbach Mole kurz vor dem Bahnsteig erwähnt. Hier kann man die schweren Loks herrlich im Seitenprofil langsam an den Bahnsteig kriechen sehen. In Pastitz gibt es einen nicht mehr bedienten Haltepunkt, der leider völlig verfallen und verwildert ist. Erster Halt ist nach 9,9km der zentrale Bahnhof der Strecke in Putbus, an dem die Regelspur auf die Schmalspurbahn der RüBB trifft. Hier gibt es viel zu sehen: Lokwerkstätten, Bekohlung, Wagenhallen, Formsignale und vieles mehr. Auch das Bahnhofsgebäude mit klassischem Bahnhofsrestaurant ist wunderschön restauriert.
Ab Putbus führt die Strecke auf einem Dreischienengleis weiter bis Lauterbach. Der dortige Bahnhof am Streckenkilometer 12,0 wurde auf einen Haltepunkt reduziert. Nach weiteren 600 Metern erreicht der Zug den Endhaltepunkt Lauterbach Mole. Hier führt das Gleis tatsächlich über eine Mole direkt bis ans Wasser.
Wie gesagt: Landschaftlich ist das alles ungemein lieblich und fotogen. Hervorzuheben ist außerdem, dass die PRESS offenbar erst kürzlich sämtliche Bahnübergänge freigeschnitten hat. Der frische Grünschnitt lag noch da. Der Fotograf dankt es von Herzen.
Betriebliches:
Da am Ende der Strecke in Lauterbach Mole nicht umgesetzt werden kann, wird alles im Sandwich gefahren. Richtung Lauterbach üblicherweise die 86er kesselvoraus, hintendran für Schub und die Rückfahrt die DR V100. Der Schub ist laut Personal auch wirklich notwendig um den Zug schnell genug auf Tempo 80 zu bringen, schließlich muss der auf moderne Fahrzeuge optimierte Fahrplan auch an diesen Tagen eingehalten werden. Nach drei Umläufen mit der 86er/DR V100 am Vormittag wird unter Mittag auf den LVT 2.09 (Ferkeltaxi) gewechselt damit die Lok bekohlt und bewässert werden kann. Dafür muss sie nach Putbus fahren. Am Nachmittag folgen drei weitere Umläufe mit dem 86er/DR V100 Gespann.
Als Zugkomposition waren in den vergangen Jahren stets zwei Halberstädter Mitteleinstiegwagen vom Typ Byu bzw. AByu. Heute standen zwei Exemplare im grünen DR Lack davon in Putbus, aber auch ein weiterer Ex-DR Schnellzugwagen Bom 281 und ein Halbgepäckwagen BDomsb (jeweils elfenbein/grüner DR Lack). Wird spannend was da morgen fahren wird.
Der Anreisetag (22.7.2026):
Gleich nach der Ankunft auf der Insel begrüßte mich die 86 1333-3 vor dem Lokschuppen in Bergen auf Rügen. Und weil ich den Regio-Shuttle nach Lauterbach verpasst hatte, blieb ausreichend Zeit für die ersten Fotos. Das Lokpersonal befindet sich gerade in der Grube unter der Lok. Mit viel Probieren findet man dann auch einen guten Winkel, ohne dass irgendetwas die Lok im Bild schneidet – ganz klassisches Lokporträt in Dreiviertelansicht.
Weiter ging es nach Putbus. Dort bin ich ausgestiegen, um mich etwas umzuschauen. Nach wenigen Minuten stellte ich zu meiner Verwunderung fest, dass uns die 86er gefolgt war. Für kurze Zeit stand sie am Bahnsteig und wartete darauf, über die Weichenstraße ins Bw fahren zu können. An diesem Bild sieht man gut, warum ich mit dieser Kamera arbeite. Alles wirkt warm, ruhig und stabil. Keine überschärften Strukturdetails, Farben leicht gedämpft, Braun- und Grautöne in wunderbaren Schattierungen. Ich werde mich bemühen, nicht bei jedem weiteren Bild zu erwähnen wie begeistert ich von dieser 23 Jahre alten Digitalkamera bin.
In Lauterbach gibt es einen Bahnparallelweg, von dem aus man gut fotografieren kann. Hier einmal der ZU|G|BRINGER-RS1 der PRESS. Aber auch wirklich nur einmal! Ab morgen ist er nicht mehr unterwegs, und dann geht es mit dem historischen Betrieb richtig los – mit der 86er, der 110er und dem LVT 2.09.
Der Post wird täglich ergänzt.
Viele Grüße von der Insel Rügen
— Thilo