Das erste Mal auf dem Brocken - Oder: Harzer Diesellokomotiven mit erzgebirgischer Vergangenheit

  • Glück Auf,

    am 29. Juli 2026 ging es für mich zum allerersten Mal auf den Brocken. Für die Hinfahrt nutzten wir den P 5925 , 10.40 Uhr ab Wernigerode, die Rückfahrt erfolgte im P 8936, jedoch erst ab Schierke, da wir den Weg vom Gipfel nach dem Bahnhof Schierke zu Fuß durch das Eckerloch und über den Bahnparallelweg zurücklegten. Es war eine wunderschöne Fahrt bei bestem Wetter, schönen Aussichten, pünktlichen Zügen und freundlichem Personal in den Zügen und auf den Betriebsstellen. Seht nun selbst:

    Bespannt wurde der P 5925 von 199 861-6, die früher auch beim Bw Aue beheimatet war. Zu dieser Tageszeit ist das "Fotolicht" in Wernigerode nicht optimal, man möge es mir verzeihen. Auch auf anderen Bildern stand die Sonne nicht immer günstig, aber das ist zweitrangig, aus zeitlichen Gründen durfte ich da nicht wählerisch sein.

    Vom letzten Wagen hatte man in den Bögen schöne Blicke auf die Diesellok und die Infrastruktur. Zur Infrastruktur der HSB hatte ich Ende 2011 schon einmal einen Beitrag verfasst, als ich zwischen Wernigerode und Nordhausen unterwegs war. Bei Gelegenheit werde ich diesen Beitrag wieder mit Bildern versehen.

    Kreuzung in Schierke mit dem P 5932, bespannt mit 199 874-9.

    Nach der Ankunft auf dem Brocken und dem Ausstieg der zahlreichen Fahrgäste, hatt 199 861-6 ihren Zug inzwischen umfahren. Als P 5926 steht dieser nun zur Talfahrt bereit.

    Die "V 100" in ursprünglicher Lackierung ist für mich eine der schönsten Lokomotiven. Da kommen Erinnerungen hoch, wie ich Ende der 80er Jahre als kleines Kind von der Rücksitzbank des Trabis meiner Großeltern eine rangierende V 100 in Schönheide Süd gesehen habe. Wir standen unmittelbar vor der geschlossenen Schranke und die in meinen kindlichen Augen riesige rote Lok fuhr vorüber..Gänsehaut!

    Vier Impressionen vom P 8922 mit 199 874-9 im Eckerloch.

    199 874-9 wartet mit dem P 8923 auf den Abfahrauftrag der Aufsicht des Bf Schierke.

    Mein persönliches Lieblingsbild des Tages: Nochmal der P 8923 in Schierke, flankiert von den typischen DDR-Leuchten des Typs RSL 1, in Modellbahnkreisen teilweise vertrieben als Straßenlaterne "Harz/Wernigerode".

    Einfahrt unseres P 8936, mit dem es dann zurück nach Wernigerode ging.

    In Drei Annen Hohne fand ein Lokwechsel auf Dampflok statt, 199 861-6 setzt gerade weg.

    Ich hoffe, der kleine Ausflug hat gefallen.

    Viele Grüße

    Mike

    Eisenbahntechnische Schauanlage Neudorf

  • Hallo Mike und alle Mitleser,

    irgendwann zieht es eben jeden auf den Brocken, mich allerdings "etwas" eher, denn das ist inzwischen fast 35 Jahre her. Genauer gesagt, am Tag der Brockenbahneröffnung am 15. Sept. 1991 haben wir damals den Berg zu Fuß erstürmt, um die besten Fotostellen für uns zu besetzen. Das ist auch gelungen, die Ausbeute an dem Tag war sehr schön und alles in allem bleibt das ein unvergeßliches Erlebnis. Ein paar Bilder von damals hatte ich hier im Forum schon mal gezeigt. Die Fotos vom Mike vom Eckerloch haben mich nun doch veranlasst, den Deckel der alten Fotokiste nochmal zu öffnen. So schön die Fotos vom Mike sind, die Landschaft im Harz ist mittlerweile schockierend, besonders wenn man es von früher kennt. Genau an der gleichen Stelle im Eckerloch habe ich damals beim Rückmarsch den Zug 2 (bespannt mit 99 5902 und 99 244) talwärts fahrend nochmal abgelichtet, der "rauschte" seinerzeit durch einen dichten Hexenwald, schaut mal:

    Unglaublich, wenn man es mit den aktuellen Bilder vergleicht. Es ist etwas passiert mit dem Klima und der Landschaft in den vergangenen 35 Jahren, leider. Bewahren wir unsere Eindrücke von einer intakten Umwelt wenigstens in Bildform für die Nachwelt auf...

    meint ein nachdenklicher Lindenauer

    Micha

  • Hallo,

    anbei noch zwei Bilder vom Eckerloch. eines vom Juni 1976 und eines vom Mai 2016

    Juni 1976 - Wer als FDGB-Urlauber im Besitz eines Pasierscheines für das Grenzgebiet um Elend war, der konnte auf der Brockenstrecke bis zur Eckerlochbrücke wandern. Hinter der Brücke begann der Schutzstreifen. Und da war Betreten verboten Im Schatten der Bäumer sitzen zwei Grenzsoldaten, die uns natürlich kontrolliert haben. Man mußte den Personalausweis und den Passierschein immer bei sich haben.

    Mai 2016 - da war der Wald noch halbwegs in Ordnung.

    Viele Grüße
    Dietmar

  • Hallo Mike

    Dein Bericht von deinem ersten Brockenbesuch ist toll und ungeschminkt und da kommen bei mir meine Erinnerungen an meinen ersten Besuch oben 1993 und da waren die Züge in denen ich fuhr mit Diesel bespannt war und die Gegenzüge mit einer Dampflok . Das war für mich Ansporn genug 3 Jahre später nochmal in den Harz zu fahren , es hat sich gelohnt . Jede Strecke bin ich mit Dampf gefahren und auf dem Brocken war ich sogar 2mal , die 6001 habe ich in der Einsatzstelle Wernigerode gesehen und auf dem Brocken ist mir ein Sonderzug mit 2 Mallets begegnet, toll hat sich gelohnt . Ab Quedlinburg bin ich mit der Fertkeltaxe noch normalspurig nach Gernrode geschaukelt , Nebenbahn pur . In Stiege ging es mit dem Zug auch durch die Wendeschleife , ein Erlebnis . In Hasselfelde war ich auch , aber der Fahrplan hat seinerzeit ein Abstecher nach Harzgerode nicht erlaubt . Seinerzeit habe ich nur Papierbilder gemacht , die gegenüber heute garantiert nicht mithalten können. Vor 30 Jahren hatte ich mit dem Fotografieren angefangen um Erfahrung zu sammeln und seit gut 10 Jahren habe ich eine kleine Videocam . So habe ich eine Erinnerung in bewegten Bildern an meine Besuche in Sachsen . Der Harz steht bei mir ganz oben auf der Liste und ich komme von meinem Wohnort auch mit vertretbaren Aufwand per Nahverkehr in den Harz , machbar und das mit dem Deutschlandticket . Der Weg zu dem anderen Schmalspurbahnen ist ohne Auto zu aufwändig, leider . So begnüge ich mit den vielen Aufnahmen hier im Forum .

    Glück auf

    Armin Ahlsdorf

    Einmal editiert, zuletzt von Schüppe66 (3. August 2026 um 13:34)

  • Hallo Dietmar. Da wo die 1976 sitzen war ein mit Sand aufgefüller ständig geharkter Sandspurstreifen. Der auch oft mit einen Spannstolperdrähtchen oder Band an ein Karabinerschloß mit Platzmunition bestückt Unbefugtes Betreten melden sollte. Und Gegenüber am Bahnsteiganfang war ein Unterschlupf für die Grenzer als Schwellenstapel getarnt. Die weißen Farbringe an den Bäumen markierten die Grenze des Schutzstreifens.

    Übrigens gefällt mir persönlich der Harz ohne Bäume viel besser. Man kann die ganze Landschaft mit den vielen Markanten Felsformationen viel besser erkennen. Früher war alles im Hochwald versteckt. Aber sehr bald wird alles wieder zugebuscht sein. Kann man auch wieder an der zugewachsenen Infrastruktur erkennen welche früher zu DR Zeiten zwei mal im Jahr mit Unkraut Ex durch die Spengzüge behandet wurde, so das da nichts wuchs.

    Gruß von ganz oben, der Bergmensch. 🙋‍♂️

    Einmal editiert, zuletzt von Bergmensch (4. August 2026 um 10:55) aus folgendem Grund: g

  • [...] Übrigens gefällt mir persönlich der Harz ohne Bäume viel besser. Man kann die ganze Landschaft mit den vielen Markanten Felsformationen viel besser erkennen. Früher war alles im Hochwald versteckt. Aber sehr bald wird alles wieder zugebuscht sein. Kann man auch wieder an der zugewachsenen Infrastruktur erkennen welche früher zu DR Zeiten zwei mal im Jahr mit Unkraut Ex durch die Spenzüge behandet wurde, so das da nichts wuchs.

    Die stundenlange Fahrt durch Fichtenkulturen empfand ich früher zwar als typisch, aber dennoch oft auch als monoton. Die heutigen Ausblicke könnten stellenweise gerne beibehalten werden. Andere Ecken dagegen sehen schrecklich aus. Vielleicht sah die Hochfläche bei Benneckenstein aber genau so aus als der Mensch dort begann Wiesen zu kultivieren.

    Hier noch zwei Eindrücke vom Eckerloch von vor mehr als 100 Jahren.


  • Die stundenlange Fahrt durch Fichtenkulturen empfand ich früher zwar als typisch, aber dennoch oft auch als monoton. Die heutigen Ausblicke könnten stellenweise gerne beibehalten werden. Andere Ecken dagegen sehen schrecklich aus. Vielleicht sah die Hochfläche bei Benneckenstein aber genau so aus als der Mensch dort begann Wiesen zu kultivieren.

    Hier noch zwei Eindrücke vom Eckerloch von vor mehr als 100 Jahren.

    Hallo

    Ich sehe zwischen den umgefallenen "Telegrafenstangen" allenthalben wieder Neubewuchs!

    Erinnert mich an den Sturm Viviane anfangs der 90er:

    Oberhalb Disentis sah es so aus:

    GraNat - Graubünden & Naturgefahren - Sturm Vivian in Graubünden, 1990

    Da war buchstäblich alles am Boden! Ich erinnere mich noch, wie ich fassungslos war, als ich kurz danach mit der Bahn daran vorbeifuhr!

    Heute ist da wieder ein (Misch) Wald nachgewachsen

    2 Via Mompé Tujetsch - Google Maps

    Auch beim Brocken wird sich in den nächsten 30 Jahren wieder ein Wald bilden. Und wenn man das richtig macht, vielleicht sogar ein Mischwald, und keine Fichtenplantage! Das war es nämlich: Eine Plantage zur Erzeugung von Holz. Sozusagen eine Monokultur!

    Sieht man auch anderswo:

    Badener Höhe, nach Lothar zum Beispiel: Nach 10 Jahren, 2010:

    https://www.flickr.com/gp/r_walther/AYBo4394w2

    Und 2020 etwa der gleiche Weg:

    20207012_DSC0624BX FRIEDRICHSTURM
    Friedrichsturm (Allemagne Forêt-Noire)
    flic.kr

    Gruss Guru

    Einmal editiert, zuletzt von guru61 (6. August 2026 um 07:14)

  • Und wenn man das richtig macht, vielleicht sogar ein Mischwald, und keine Tannenplantage! Das war es nämlich: Eine Plantage zur Erzeugung von Holz. Sozusagen eine Monokultur!


    Ich stimme dir voll zu, allerdings waren es Fichten und keine Tannen. Die Fichte wächst wesentlich schneller und versauert den Boden sehr heftig, was anschließendes alles sehr begünstigt hat.


  • Ich stimme dir voll zu, allerdings waren es Fichten und keine Tannen. Die Fichte wächst wesentlich schneller und versauert den Boden sehr heftig, was anschließendes alles sehr begünstigt hat.

    Danke, Ich habe es geändert.

    Gruss Guru

  • Hallo Mike und Mitleser,

    danke für Deinen schönen Bericht. Ja, die 110 861 verbrachte ihr "erstes Leben" von 1976 bis 1990 beim Bw Aue und da ergänze ich gern Deinen Bericht mit einem Bild aus der Auer Zeit, als sie am 05.04.1989 mit P 5697 vom Bst. 8 den Zwickauer Hbf verläßt:

    Es war ein trüber Tag, aber meine einzige Begegnung mit der Lok in ihrer Auer Zeit. Sieht fast wie ein heutiger VSE-Sdz aus ...

    Viele Grüße Ulli