Hallo in die Runde,
vor zwei Monaten habe ich von der Firma Veit meine VII K bekommen. Ich hatte ein bereits digitalisiertes Modell mit Beleuchtung bestellt. Grundsätzlich war ich sehr zufrieden, bis ich die Lok das erste Mal analog betreiben wollte. Durch den Heißwolf-Fahrregler war ich quasi perfekte Fahreigenschaften gewohnt und habe diesen auch wieder hergenommen. Doch die Lok wollte einfach nicht ordentlich fahren. Soweit das Grundproblem, meine Lösung möchte ich hier beschreiben.
Ich habe zunächst versucht, die Analogfahreigenschaften über die Einstellungen des ESU LokPilot 5 micro zu verbessern. Nach rund drei Stunden Programmieren, Testfahrten und wiederholtem Nachjustieren wurde das Verhalten zwar etwas besser, von einem wirklich brauchbaren Analogbetrieb war die Lok aber noch weit entfernt.
Ob dabei eine Einstellung von mir nicht optimal gewählt war oder ob sich Decoder, Motor und Heißwolf-Fahrregler einfach nicht besonders gut vertragen, kann ich nicht sicher sagen. Das Verhalten beim langsamen Hochdrehen der Spannung ist jedenfalls ziemlich auffällig: Zwischen 0 und etwa 4 V passiert zunächst gar nichts. Ab ungefähr 4 V schaltet sich die Beleuchtung ein und der Motor beginnt unter deutlichen Geräuschen zu drehen. Dieser Zustand hält jedoch nur bis etwa 4,7 V an, anschließend gehen Licht und Motor wieder aus.
Erst ab rund 6,5 V schalten sich Beleuchtung und Motor erneut ein. Die Lok fährt dann einigermaßen normal, setzt aber bereits mit einer merklichen Geschwindigkeit ein. Ein kontrolliertes Anfahren oder sehr langsames Rangieren ist so nicht möglich, der Langsamfahrbereich ist damit im Analogbetrieb leider praktisch nicht nutzbar.
Nun habe ich überlegt, wie ich das Problem lösen könnte, und bin auf die Idee gekommen, einen Schalter in die Lok zu bauen, mit dem man zwischen Analog- und Digitalbetrieb umschalten kann. Also kurz einen Plan gemacht, wie man das möglichst einfach umschalten kann. Dabei bin ich auf folgende Schaltung gekommen:
Der Decoder bleibt immer am Gleis angeschlossen. Ich schalte nur den Motor von den Motorausgängen des Decoders (rot) weg und direkt auf die Gleisspannung (grün).
Dann habe ich in meinem Sammelsurium geschaut, was ich für Umschalter vorhanden habe, und bin bei einem SMD-Umschalter von sol-expert-group (Art.Nr.: 00414) hängen geblieben. Dieser ist schön klein, man braucht aber zwei davon, weil er nur einpolig ist. Ich habe zwei dieser Schalter auf ein kleines Stück 0,5 mm dicke, beidseitige Leiterplatte gelötet und nach einer Position in der Lok gesucht. Diese war auch schnell gefunden, siehe Bild.
Man könnte meinen, die Firma Veit hat die Position so vorgesehen, denn in dem Gussteil, in dem der Motor eingeklebt wird, ist an einer Stelle unten ein Ausschnitt, der sehr guten Zugriff auf die beiden Schalter ermöglicht.
Ich hatte die Lok nun also auseinandergebaut, um genauer zu sehen, wie ich die Schalter am besten befestige und wo ich die Kabel entlangführe. Dabei stellte ich fest, dass im Führerstandsbereich sehr viel „Luft“ ist. Da ich ein Fan von möglichst großen Schwungmassen bin, habe ich gedacht, dass man diesen Platz über der Platine im Führerstand eigentlich für eine zusätzliche Schwungmasse nutzen könnte. Kurz gemessen, was Veit für einen Motor verbaut hat (8 × 16 mm). Diese Größe gibt es auch mit zwei Wellenenden – und ich hatte sogar einen davon da. Also den Motor vorsichtig ausgebaut und den alternativen Motor reingelegt. Und siehe da: Eine Schwungmasse mit 8 mm Durchmesser und 10 mm Länge passt ohne Probleme in den Führerstand.
Nach dem Abziehen der Schwungmasse-Schnecke-Kombination vom alten Motor konnte der neue Motor, ein 0816D – 12 V von Tramfabriek, bestückt werden. Auf die Seite ohne Anschlussbeine kam die Schwungmasse-Schnecke-Kombi und auf die andere Seite die neue Schwungmasse.
Die zusätzliche Schwungmasse habe ich mangels eigener Drehmaschine aus zwei Micromotor-Schwungmassen mit jeweils 8 mm Durchmesser und 5 mm Länge aufgebaut. Verwendet habe ich dafür die Ausführung F005 mit 1,5-mm-Bohrung. Beide Schwungmassen wurden auf ein Adapterrohr von 1 mm auf 1,5 mm (B1015) gelötet, sodass sich eine insgesamt etwa 10 mm lange Schwungmasse ergab.
Anschließend habe ich die fertige Einheit auf die 1-mm-Motorwelle aufgeklebt. Um einen möglichst guten Rundlauf zu erreichen, habe ich den Motor eingespannt und die Schwungmasse vorsichtig mit einem Drehmeißel von Hand überdreht. Das ist sicherlich keine perfekte Lösung und ersetzt keine sauber gedreht und gewuchtete Schwungmasse, für die vorhandenen Mittel war es aber die praktikabelste Möglichkeit und das Ergebnis läuft sehr gut.
Dann habe ich die Schalter eingeklebt und die Kabel angeschlossen. Dabei habe ich die Anschlüsse auf der Platine genutzt, um die Gleisspannung und die Motorausgänge vom Decoder abzugreifen. Diese Kabel sollte man anlöten, bevor der Motor reinkommt, sonst sind die Lötpads unter der Schwungmasse und man kommt nicht mehr ran.
Die Lötpads für den Decoder hinten auf der Platine sind so noch frei, um direkt einen Decoder anzulöten oder – wie es bei meiner Maschine von Veit gemacht wurde – nur die vier Kabel anzulöten.
Ich habe dann noch ein Kabelschutzblech um die Schwungmasse gebaut, welches ich nach etwas Biegen zur Befestigung einfach auf die zwei freien Lötpads der Platine gelötet habe. Sowohl das Blech als auch die neue Schwungmasse wurden mit Edding schwarz gefärbt und verschwinden optisch so im Führerstand.
Zusätzlich sind dann noch Lokführer und Heizer in die Maschine gekommen. Die Figuren wurden unterhalb des Bauchnabels amputiert und auf ein Blech geklebt. Anschließend habe ich dieses Blech von unten an den Stehkessel geklebt.
Dann wieder alles zusammenbauen, dabei auf die Kabel achten und sich über das Ergebnis freuen.
Und hier nochmal ein Blick von unten auf die Schalter:
Das Umschalten erfolgt von unten mit einer Pinzette und etwas Feingefühl. Muss man ja schließlich nicht zehnmal am Tag machen. ![]()
Da ich so zufrieden mit meinem Umbau bin, dachte ich, ich teile diesen mal mit der Welt. Sicherlich gibt es andere Decoder, die das Analogfahren besser ermöglichen. Durch den Heißwolf-Fahrregler ist das Analogfahren ohne Decoder meiner Meinung nach gerade im Langsamfahrbetrieb aber noch ein bisschen besser als das digitale Fahren. Kann ja jeder seine Meinung haben – meine Lok ist nun jedenfalls für beide Technologien bestens gerüstet.