Schmalspurig nach Mariazell

  • Hallo,


    nachdem ich vorhin einige der hier eingestellten Fotobeiträge gelobt habe, will ich nun auch selbst etwas zeigen. Dampf kann ich für dieses Jahr noch nicht bieten, doch die im Regelbetrieb verbliebenen österreichischen Schmalspurbahnen haben auch überwiegend einen antiquierten Charme. Das ist vor allem auf das Desinteresse seitens der ÖBB zurückzuführen, die schon seit Jahren keine rechte Lust auf Schmalspurbetrieb mehr hatten. Folglich trennte sich die Staatsbahn Ende 2010 von den 760-mm-Restbetrieben in St. Pölten (Mariazellerbahn), Waidhofen (Ybbstalbahn) und Gmünd (Waldviertel), welche nun dem Land Niederösterreich bzw. der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft NÖVÖG unterstehen. Besonders für die Mariazellerbahn stehen mit dem neuen Betreiber größere Veränderungen ins Haus, hat man mit Schweizer Triebwagen nun doch endlich Nachfolgefahrzeuge für die inzwischen 100jährige Reihe 1099 bestellt. Gründe genug, um sich Ende Februar nach Jahren wieder einmal auf den Weg an die Mariazellerbahn zu machen.



    Vor vier Monaten präsentierte sich die Mariazellerbahn eigentlich noch genauso wie vor der Übernahme im bisherigen ÖBB-Zustand. Inzwischen sind die meistens Staatsbahn-Symbole verschwunden, 1099er mit dem ÖBB-"Pflatsch" gibt es jetzt nicht mehr. Als 1099 011 aus Mariazell kommend den Bahnhof Rabenstein erreichte, war das noch anders.



    Wenn man im Winter verreist, hat man meist auch ein paar Schlechtwetter-Fototage. Da das Ende des ÖBB-Zustands aber nur noch eine Frage von Wochen schien, ließen wir uns dadurch nicht abschrecken. 1099 004 hat soeben mit dem ersten Zug des Tages, welcher die Gesamtstrecke St. Pölten - Mariazell befährt, die lange Gerade zwischen Ober Grafendorf und Klangen verlassen und wird gleich den kleinen Bahnhof von Klangen erreichen.



    Dank des kurzen Tageslichts machten wir auch einige Nachtaufnahmen, was ich üblicherweise nicht so häufig tue. Wieder sehen wir 1099 011 -hier mit dem letzten Zug des Tages nach Mariazell - als der Lokführer im Bahnhof Puchenstuben ein paar Lebkuchen gereicht bekommt, damit der Aufenthalt in der sonst menschenleeren Station etwas länger als nur Sekundenbruchteile ausfällt ;)



    Die Reihe 2095 kommt auf der Mariazellerbahn planmäßig zum Einsatz, auch auf der Bergstrecke oberhalb von Laubenbachmühle kann man die Dieselloks erleben. Auch wenn ich Dieselloks unter Fahrdraht nicht so attraktiv finde - die Geräuschkulisse bei einer Bergfahrt hinter 2095 009 nach Mariazell war schon toll. Hier sehen wir die Lok über dem Klausgraben zwischen Gösing und Annaberg.



    Einen Tag zuvor hatte 2095 009 im Tal einen Schülerzug nach Laubenbachmühle am Haken, hier bei Matzerdorf zwischen St. Pölten und Ober Grafendorf.



    Nicht vergessen werden sollen die derzeit auf der Mariazellerbahn eingesetzten Triebwagen, die nach Erscheinen des neuen Rollmaterials wahrscheinlich komplett verschwinden werden. 5090er fahren gegenwärtig die meisten Züge auf der Talstrecke zwischen St. Pölten und Laubenbachmühle (hier bei Nadelbach in der Nähe von St. Pölten)



    Auch die Zukunft der zwei 4090/6090-Garnituren ist mehr als ungewiss. Die Schweizer Neufahrzeuge werden die erst in den 1990er Jahren angeschafften Elektrotriebwagen wahrscheinlich überflüssig werden lassen.



    Touristische Verkehre mit 1099 soll es aber auch in Zukunft geben. Bereits heute wird ein Zugpaar St. Pölten - Mariazell als "Ötscherbär" mit entsprechend braun lackierten 1099 vermarktet. Die Rückleistung nach St. Pölten hat soeben Ober Grafendorf verlassen und strebt dem Feierabend im Heizhaus von St. Pölten Alpenbahnhof entgegen.


    Bis auf die nahezu komplett verschwundenen ÖBB-Symbole präsentiert sich die Mariazellerbahn in diesem Sommer noch wie im vergangenen Winter. Ich kann einem Besuch in der wunderschönen Region nur empfehlen. Wo findet man heute noch hundertjährige Loks im Planeinsatz? Da können selbst die meisten Museumsdampfloks nicht mithalten...


    Viele Grüße
    Julian

  • Wunderschöne Bilder, wenn ich sie auch mit ein wenig Wehmut betrachte, die neuen Triebwagen passen optisch nicht wirklich auf diese schöne Strecke (aber lieber damit fahren als gar nicht). Beim Betrachten der Bilder drängt sich mir (als ehemaligem "Fahrleitungsfuzzi") eine Frage auf; wie verträgt sich die Fahrleitung mit der parallel verlaufenden Fernsprechleitung ? Uns hat man damals beigebracht, dass durch auftretende Induktionsspannung die Funktion der F- Leitung bis zur Funktionslosigkeit gestört wird. Vielleicht kann dazu mal ein (Österreich-) Fachmann ein paar Worte sagen, sicher interessiert das nicht nur mich.

  • Die MzB fährt mit 6,5kV/25Hz Wechselstrom. Wie sich das mit der Telegrafenleitung ausgeht, hab ich mich auch schon mal gefragt. Vielleicht funktioniert es, weil die Spannung geringer ist als bei der großen Eisenbahn...?


    Gruß
    Julian