Industriestammgleis Stadt Neuburg

  • Hallo liebe Eisenbahnfreunde,


    dieser Beitrag versteht sich als Fortsetzung von Awanst Neuburg-Grünau.
    https://bimmelbahn-forum.de/wb…ad.php?threadid=9967&sid=


    Ihr könnt mich diesmal bei einer Streckenbegehung des Industriestammgleises der Stadt Neuburg a. d. Donau begleiten. Einige markante Stellen habe ich im Bild festgehalten. Wie an anderer Stelle schon erwähnt, wurde die Strecke vor kurzem gesperrt, somit ist nicht mit Zugfahrten zu rechnen.
    1965 war man stolz einen eigenen Eisenbahnanschluß ins neue Industriegebiet zu haben, 50 Jahre später weiß man mit dem Schienenstrang nichts mehr anzufangen. Vegetationsarbeiten werden nicht mehr durchgeführt, der Wartungsvertrag mit der Fa. Siemens für die 3 Blinklichtanlagen wurde gekündigt. Somit ist es höchste Zeit dieser Strecke noch einen Besuch abzustatten, jetzt im März 2015 ist der Bahnkörper größtenteils noch in einem guten Zustand.



    Ausgangspunkt ist die Awanst Neuburg-Grünau, hier ist auf einer Schwelle zwischen den Weichen 1 und 2 dieses Schild angebracht, es markiert den Beginn der Anschlußbahn, also km 0,0.



    Gleich hinter der Awanst führt die Strecke in einem Linksbogen (Radius 260 m) nach Norden.
    Auf der Hauptstrecke fahren sehr wohl noch Züge, also Vorsicht! Ich war beim Fdl angemeldet und habe mich über anstehende Zugfahrten informiert. Sicherheitshalber habe ich in diesem Bereich auch eine Warnweste getragen, nicht das wieder einer kommt :lies:.



    Bei km 0,375 befindet sich dieser Feldweg Übergang. Weiter hinten ist das Überwachungssignal des ersten mit Blinklichtern gesicherten Überweges zu erkennen.



    Dieser befindet sich in km 0,788 (BÜ Heinrichsheimstraße) gleich beim Ortseingang von Neuburg-Heinrichsheim.



    Blick vom BÜ Heinrichsheimstraße auf den folgenden Streckenabschnitt bis zum Grünauer Stadtwald. In diesem Wald befindet sich auch das Industriegebiet! Diesen Wald werden wir bis zu unserem Ziel, den Industriebahnhof nicht mehr verlassen.



    Bei km 1,2 führt die Strecke an einem Hochsitz vorbei, schönes Motiv für eine Industriebahn. Hier ist außer der Kurve nach der Awanst auch der einzigste Gleisbogen, sonst geht es nur geradeaus.



    Hier ist das Überwachungssignal der zweiten zugbedienten Blinklichtanlage zu sehen, der dazugehörige BÜ ist an den Autos im Hintergrund zu erkennen, davor befindet sich in km 1,525 noch ein Forstweg Übergang.



    Hier nun in km 1,710 die Blinklichtanlage am BÜ an der stark befahrenen Grünauer Straße. Es war gar nicht so einfach ein Foto ohne Autos zu machen. Übrigens der Lichtmast ist so schief...



    Dies ist nun der letzte Abschnitt vom BÜ Grünauer Straße bis zum Industriebahnhof.



    Vom Industriebahnhof kann ich wieder mit einem Lageplan dienen. Zur Orientierung: Norden ist bei diesem Plan unten! Die Fortführung links führt noch ca. 800m bis zum Anschluß Donau Malz (ohne Weichen). Die Anschlüsse nördlich der Ruhrstraße wurden nur über eine Spitzkehre erreicht, dieser Streckenteil wurde Stammgleis Nord bezeichnet. Die Fortführung rechts hinter der Spitzkehrenweiche, ist das sogenannte Wendegleis (Länge ca. 200m).
    Einen guten Überblick erhält man auch bei Google Earth.



    Ein Blick in Richtung des ehemaligen Anschlußgleises der Eternit AG, hier steht sogar noch eine Werklok. JA sie steht tatsächlich auf einem Gleis, auch wenn davon nichts zu sehen ist, selbst die Weiche ins Stammgleis ist noch vorhanden. Die Lok habe ich mir natürlich auch mal aus der Nähe angeschaut. Nähere Informationen zu dieser Lok habe ich aber leider keine.



    Hier bei km 2,2 befindet sich die Einfahrweiche vom Industriebahnhof Neuburg-Grünau von der Awanst kommend. Der Bahnhof liegt teilweise im Gleisbogen.



    Hier noch ein Blick auf den Industriebahnhof Neuburg-Grünau aus Richtung Awanst, rechts die Ruhrstraße.



    Der Industriebahnhof aus der anderen Richtung, vom BÜ Ruhrstraße I aus gesehen. Das mit Sh2-Tafel gesperrte Gleis war der ehemalige Anschluß der St. Gobain - Oberland Glaswerke und wurde bis 2012 mehrmals in der Woche bedient. Heute beherrschen Lkw die Szenerie.



    Der BÜ Ruhrstraße I mit Blick in Richtung Wendegleis. Dieser BÜ war auch mit Blinklichtern gesichert, wurde aber vom Rangierpersonal mit einem Schlüssel eingeschaltet. Bis zum jetzigen Streckenende sind es noch ca. 150m.



    Hier noch einmal der BÜ Ruhrstraße I mit Blick Richtung Industriebahnhof. Ein Andreaskreuz mit Blinklicht hatte offensichtlich schon einmal Kontakt mit einem Lkw.



    Im Vordergrund eine Anschlußweiche (Fa. Häupler, fehlt im Lageplan), dahinter die Spitzkehrenweiche ins Stammgleis Nord (führt im Bild nach rechts). Im Hintergrund ist das jetzige Streckenende (ca. km 2,7) zu sehen. Ursprünglich gab es hinter dem Prellbock noch das ca. 200m lange sogenannte Wendegleis um die Bedienung über die Spitzkehre ins Stammgleis Nord überhaupt zu ermöglichen.



    Wir machen noch einen kurzen Abstecher in den nördlich der Ruhrstraße gelegenen Streckenteil. In diesem auch Stammgleis Nord bezeichneten Abschnitt, fanden schon Ende 2002 die letzten Bedienfahrten statt. Entsprechend hat sich hier die Vegetation schon länger ungehindert ausbreiten können. Hier der BÜ Ruhrstraße II.



    Hier im Bild der ehemalige Anschluß Rockwool, nördlich der Ruhrstraße. Blickrichtung Anschluß Donau Malz, auch hier wurden bereits Gleise entfernt.


    Ich hoffe der kleine Ausflug hat euch ein wenig gefallen, auch wenn alles normalspurig war.
    Wer weitere Informationen oder Bilder zur Strecke hat, kann sich hier gerne mit anhängen.


    Inzwischen wird erfreulicherweise die Strecke zum Industriebahnhof wieder regelmäßig (2x pro Woche) bedient!


    Gruß Frank

  • Hallo Mike,


    die Gleisschaltmittel sahen auf jeden Fall nach einer älteren Bauart aus, habe sie allerdings nicht fotografiert, werde ich bei Gelegenheit nachholen.

  • Hallo Mike,


    ich habe mich noch einmal auf den Weg zum Industriestammgleis gemacht, um Fotos von den Gleisschaltmitteln zu machen. Du könntest uns ja dann mal mitteilen, um welche Bauform es sich handelt.



    Gruß Frank

  • Hallo Frank,


    vielen Dank für Deine Bemühungen!
    Wie vermutet handelt es sich bei den Gleisschaltmitteln um Schienenkontakte der Bauform"S 44"(Entwicklungsjahr 1944, Hersteller: Siemens & Halske).
    Bevor ich weiterschreibe ein Hinweis: Diese Kontakte finden vermehrt Anwendung im Bereich der ehem. Deutschen Bundesbahn. Mitunter kennen sich in dieser Hinsicht Kollegen aus dem ex-DB-Gebiet besser aus als ich :) Bitte korrigiert mich daher, wenn ich etwas falsches schreibe, vielen Dank.
    Kurz zur Geschichte und Funktion: Die Bauform S 44 ist der Nachfolger des bereits vor dem 2. Weltkrieg und auch danach bei der Deutschen Reichsbahn (in der DDR) noch lange verwendeten Schienenstromschließers "Neptun". Dessen Anwendungsgebiet reichte von den von mir so heiß geliebten Warnlichtanlagen über die isolierte Schiene bzw. Fahrstraßenauflösekontakte in Stellwerksanlagen bis hin zu den ersten von der DR um 1953 entwickelten Haltlicht- und Halbschrankenanlagen. Aktuell dürften von dieser Bauform keine Vertreter mehr in Betrieb sein (ich bitte um Korrektur, falls dem nicht so ist).
    Als Vergleich zu Frank´s Bildern hier noch ein Reichsbahn-Neptun-Kontakt, aufgenommen 2014 im Bahnhof Rositz (bei Altenburg), das zugehörige Stellwerk ist jedoch außer Betrieb:



    Das Prinzip der beiden Kontakte Neptun und S 44 ist (fast) gleich:
    In Folge der Durchbiegung der Schiene um 0,04 bis 0,09 mm beim Befahren wird pneumatisch ein Kontakt betätigt, welcher ein zugehöriges Relais schaltet. Mit "fast" gleichem Prinzip meine ich dabei, dass beim älteren Neptun-Kontakt zum Schließen (oder Öffnen) des Stromkreises eine kleine Menge Quecksilber genutzt wird, beim S 44 hingegen durchweg reine Luft.
    Auf Grund des Wirkprinzips liegt es auf der Hand, dass ein sicheres Arbeiten des Schienenkontaktes neben einem einwandfreien Oberbauzustand, dem Schienenprofil und einer korrekten Montage in noch größerem Maße von der Radkraft des darüberrollenden Fahrzeugs abhängt. Ein Bundesbahn-Fachbuch nennt als Mindestkraft 12,26 kN (1,25 t), ein Reichsbahn-Fachbuch mindestens 17,5 kN (1,75 t). Da insbesondere Kleinwagen leichter sind und die geforderten Raddrücke unter Umständen nicht erreichen, gibt es besondere Regeln für Kleinwagenfahrten in der Fahrdienstvorschrift - hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass noch Schienenkontakte S 44 im Betrieb zu finden sind (Neptun-Kontakte vermutlich nicht mehr). Als Beispiel hierfür soll der Bf Bad Harzburg dienen (Foto vom Herbst 2014):



    Auf dem Foto sieht man sehr schön alte und neue Gleisschaltmittel dicht beieinander:
    An der linken Schiene ein Achszähler, an der rechten Schiene oben der S 44 und ein Schwellenfach weiter ein PZB-Magnet
    .


    Soweit zu diesem anspruchsvollen Thema. Bei Fragen bitte melden :)

  • Hallo.


    Genau aus dem von Bw Kirchberg genannten Grund (zu geringe Radkraft des darüber rollenden Rades) steht im Anschriftenfeld der Bundesbahn Klv 11 und Klv 12 der Hinweis "Fahrzeug schaltet Blinklichtanlage nicht ein".


    Grüße von Peles

  • Hallo Seilzugbremse,


    besten Dank für Deine Berichte zum Industriestammgleis. Besonders freut mich, dass dort noch kein neuer Radweg durch die Kommune angelegt worden ist.


    Eine Frage zur Werklok , die Du im Gestrüpp am Eternit-Werk aufgenommen hast:


    Steht sie noch dort und weist Du zufällig, wem sie gehört (z.B-. Eisenbahnfreunde, Lokhändler). Eternit gehört sie bestimmt nicht.


    In Duisburg-Wanheim befand sich eine Metallhütte (Blei, Zink) der Berzelius-Metallhüttengesellschaft. Das Werk ist mittlerweile zu 95% abgerissen und in einen Containerhafen umgewandelt worden. Die restlichen 5% arbeiten noch und haben eine bauartgleiche Lok, die DI oder DII.


    Grüße vom Rhein an die Donau :cheers::cheers:


    -railfox-