Beiträge von Marian Sommer

    Hallo in die Runde,


    wie schon geschrieben, ein recht komplexes Thema... Vielleicht ganz einfach erst einmal, was gehört sicher nicht dazu: Das sind die nach Eisenbahnrecht konzessionierten, dem öffentlichen Verkehr dienenden Eisenbahnen. Nun ist das von Staat zu Staat vielleicht verschieden, wie die Beispiele aus Ungarn und Rußland zeigen. Aber für Deutschland gilt, dass solche Bahnen unabhängig vom Betreiber Beförderungsleistungen anbieten und von der rechtlichen Seite her auch eine (teils eingeschränkte) Beförderungspflicht haben. Ich kann also, ohne dass ich in irgendeiner anderen Beziehung zum Betreiber stehe, eine Fahrkarte oder eine Güterverkehrsleistung "einkaufen" und der Betreiber erbringt dann die Leistung, Punkt.


    Bei einer Feldbahn sind Betreiber und Nutzer im Allgemeinen gleich, man findet aber für alles Ausnahmen. Aber eine Feldbahn kann einfach so eingestellt bzw. der Betrieb unterbrochen werden oder eben der Betrieb ausgeweitet werden, je nach Bedarf. Eine besondere Konzession war dafür auch nicht notwendig, bestimmte Bau- und vor allem Arbeitsschutzvorschriften waren einzuhalten, aber viel mehr nicht. Und klar, unter den eindeutig als Feldbahn zu klassifizierenden Bahnen gab es "kleine" und "große". So waren in der Bauwirtschaft eingesetzte Feldbahnen teils viele Kilometer lang und es gab Loks, die so manche Schmalspurlok in den Schatten gestellt hätte. So hatte Henschel 900 mm-Loks mit mehr als 10 t Achslast und mehr als 200 PS Leistung im Programm, die hätten auch gegen eine IV K gewonnen (kann gerade nicht sagen, ob's die ganz großen Bauloktypen auch auf 750 mm gab). Und die Abraumförderung der ersten großen Tagebaue wurde von Bauunternehmen erbracht, woraus sich ein fließender Übergang von klassischen Feldbahnen bis zu den Tagebaubahnen der heutigen Zeit konstruieren lässt, auch wenn ich nur eine Person kenne, die die heutigen Kohlebahnen ohne wenn und aber als Feldbahnen bezeichnen würde...


    Viele Grüße und gute N8,


    Marian Sommer.

    Hallo Lenni,


    ja, da bist Du bei einem gewiss prominenten Beispiel, welches in beiden Fällen nicht einfach so abgedeckt wird. Und bei den HF streitet eigentlich kein Experte an der Zuordnung als Feldbahn. Wenn ich mal genau nachschaue, was ich zu dem Thema auf unseren Flyer drucken lasse, steht da wörtlich:


    "Feldbahnen als leichtes schienengebundenes Transportmittel spielten seit den 1870er Jahren in allen Bereichen der Land- und Forstwirtschaft, der Industrie, des Bauwesens und beim Militär eine bedeutende Rolle. Im Gegensatz zum weitgehend einheitlichen Staatsbahnsystem herrschte bei Feldbahnen eine unvorstellbare Vielfalt an Technologien, Fahrzeugbauarten und Spurweiten, was den besonderen Reiz solcher Bahnen ausmachte. Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Lkw ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie nach und nach verdrängt. Bis in die achtziger Jahre hinein behaupteten sich die Feldbahnen vor allem noch in Ziegeleien und Steinbrüchen, mittlerweile sind sie fast nur noch in Torfwerken anzutreffen."


    Achtung, das ist eher eine Erläuterung und keine Definition, und, auch ganz wichtig, auf ein Minimum verkürzt. Es gab auch vor 1870 solche Bahnen, nicht nur Lkw haben sie verdrängt und neben den Torfwerken gibt es auch andere aus heutiger Sicht zukunftsträchtige Anwendungen im Tunnelbau, auf Plantagen und im Zuckerrohr und auch über die Frage, wo man die über- und untertägigen Grubenbahnen einordnen soll, ist noch nicht das letzte Wort gesprochen... Viele Grüße,


    Marian Sommer.

    Hallo Holger,


    man glaubt gar nicht, wievielen Fahrzeugen der Feldbahnen der Weg in den Schrott erspart geblieben ist. Auch aus Reuden sind mehrere Loks erhalten. Nach meiner Erfahrung sollte (deutlich?) mehr als die Hälfte der in der Wendezeit noch vorhandenen Loks erhalten geblieben sein. In Bereichen, wo ich es genauer beobachten konnte, würde ich den Verschrottungsgrad bei Loks sogar auf unter 20% schätzen. Mit Blick auf Loren, Gleise, Bagger und weiteres Umfeld ist er natürlich deutlich höher. Bagger sind nur wenige erhalten geblieben bzw. bis in heutige Zeiten nachgenutzt worden, weiteres Umfeld nur ganz vereinzelt (wenn die Anlage selbst zum Museum geworden ist und auch dann oft mit Einschränkungen). Bei den Loren und Gleisen ist es schwer zu schätzen, aber auch da hat viel den Weg in Sammlungen gefunden. Mit Blick auf die Erdbeerbahndiskussion heißt das jetzt nicht, dass das alles in musealem Sinne erhalten wurde, enger betrachtet eher ein kleiner Teil. Aber in den Schrott gegangen und damit unwiederbringlich verloren ist jedenfalls nicht so viel. Viele Grüße,


    Marian Sommer.

    Hallo in die Runde,


    jetzt muss (?) ich auch mal meinen Senf dazugeben. Worauf Lars hinauswollte ist der Umstand, dass es Bahnen (vor allem, aber nicht nur in privaten Gärten) gibt, die zwar aus Feldbahnmaterial entstanden sind, mit denen aber die "große" Eisenbahn nachgespielt wird. Ich will nicht darüber richten, das darf jeder so machen wie er möchte, aber dann soll man halt nicht Feldbahn ranschreiben. Und auch bei den Museen, die sich dem Thema Feldbahn verschrieben haben, gibt es Strömungen, das Ganze mit "Kleinbahnen" (Achtung, hier ist nicht die formelle Definition gemeint, sondern ganz verallgemeinert die schmal-, hier oft 600 mm-spurige öffentliche Eisenbahn) zu vermengen. Nun kann man argumentieren, dass es da keine klare Grenze gibt, ein Teil der öffentlich (im Sinne der Eisenbahngesetzgebung) betriebenen Bahnen hatten ihren Ursprung in "echten" Feldbahnen" und auf einem Teil der nie öffentlich betriebenen Bahnen wurden quasiöffentliche Leistungen angeboten. Wenn man das in einem Museum auch so komplex vermittelt und der Schwerpunkt in einem Feldbahnmuseum auch bei der Feldbahn liegt ist das in Ordnung. Aber wenn Feldbahn draufsteht und Reichsbahnuniformen etc. geboten werden stimmt halt im musealen Sinne irgendwas nicht. Man kann trotzdem hingehen, muss aber auch damit leben können, wenn es kritisiert wird.


    Was die Erdbeerbahn angeht hat André gar nicht so unrecht, nach der von Martin gewählten Definition ist die Erdbeerbahn auch eine Feldbahn. Wenn ich nach einer Definition gefragt werde formuliere ich das etwas anders, aber über jede Definition kann man sich streiten: Wo Martin "wirtschaftlich" schreibt formuliere ich eher in Richtung "industriell genutzt", gemeint ist eigentlich dasselbe und hineininterpretieren kann man in allen Varianten immer auch Fälle, die man eigentlich nicht gemeint hat. Und während man den Begriff "Feldbahn" noch in Lexika und anderweitig zugänglichen Unterlagen finden und historisch-kritisch einordnen kann, bedarf der Begriff "Spaßbahn" erst einmal einer fachlichen Definition, viel Spaß dabei :crazy:...


    Viele Grüße,


    Marian Sommer,


    der sich nun seit 30 Jahren dem Thema Feldbahn verschrieben hat, aber auch gern über den Tellerrand hinausschaut.

    Hallo Jan,


    das muss eine schöne Aktion gewesen sein, die Bilder sind jedenfalls einfach Spitze. Ihr hattet doch auch Fahrten mit Diesel gemacht, so ein zwei Jahre früher, oder? Leider habe ich in Bezug auf die Veranstaltung im letzten Jahr gar nichts gehört, nicht einmal ob sie wirklich stattgefunden hat... Für mich zwar alte Heimat, aber heute eben doch weit weg und vor allem bin ich an vielen Tagen hier an die eigenen Aktivitäten gebunden, man kann sich halt nicht zerteilen. Viele Grüße,


    Marian.

    Hallo in die Runde,


    Fahrten bzw. Zuglängen nach Bedarf hat es sicher gegeben, vermutlich vor allem die letzten des Tages. Begrenzend dürfte auch die Kapazität der Entladung im Porenbetonwerk gewesen sein. Da drin war ich nicht, nur am Werkstor. Gab es da auch eine Rangierlok oder wurde mit der V10C entladen? Und kann sich jemand erinnern, wieviel Züge am Tag es waren? Ich habe zwar fünf im Kopf, aber ist auch schon lange her. Viele Grüße,


    Marian Sommer.

    Hallo in die Runde,


    die Sandzüge zwischen Burgwall und Zehdenick-Neuhof fuhren bis 1997, Tonzüge gab es nur bis 1991. Die Sandzüge waren üblicherweise 51 Loren lang, 3 x 17 Loren wurden in der Grube beladen und zu einem Zug zusammengestellt. Größere Abweichungen von der Zahl habe ich eigentlich nie gesehen, heißt natürlich nicht, dass es auch andere Fälle gab. Die Kuppelketten waren da ausreichend, teils wurden sie zwar doppelt genommen, was aber nicht heißt, dass sich die Last aufteilt, eher Sicherheit wenn eine reißt. Vor 1991 wurde vereinzelt noch mit mehr Loren gefahren, die Rede war von 80 und mehr, Leerzüge noch länger, aber irgendwann wird der Zug so lang, dass man nicht mehr rangieren kann. Richtig ist, dass an der Brücke in Burgwall dann nachgeschoben wurde, kenne ich aber auch nur vom Hörensagen, war da ein Jahr zu spät... Noch früher war die Strecke teils sogar zweigleisig, das zweite Gleis stand damals noch mit alten Loren voll, ich glaube bei 1000 Stück haben wir aufgehört zu zählen (kann jetzt aber auch eine falsche Erinnerung sein und die 750er Loren mit beinhalten... ). Viele Grüße,


    Marian Sommer.

    Hallo Harald,


    die Achslagergehäuse der großen 1,75 m³-Loren enthalten hochwertige Rollenlager, die meisten davon liefen auch ohne Wartung recht lange. Bei den kleineren Loren war das etwas anders, die haben entweder Einzelrollen oder Rollenkäfige, die innen direkt auf dem Achsschenkel und außen im Gussgehäuse liefen. Ohne regelmäßige Schmierung (meist Fett) konnte es da schon passieren, dass die Bestandteile irgendwann völlig ausgeleiert waren. Aber öfter als einmal im Jahr hat man da wohl auch kaum was dran gemacht. Gleitlager gab es natürlich früher auch, aber in den letzten Jahrzehnten nur noch vereinzelt. Die müssten dann öfter geölt werden. Was für den Rollwiderstand übrigens auch nicht ganz unerheblich ist, ist der Zustand der Laufflächen und Spurkränze. Scharf gelaufene Profile klemmen unheimlich im Gleis und die Entgleisungsneigung steigt ebenfalls. Viele Grüße,


    Marian Sommer.

    Ja, hinten am Führerhaus sind Heizungen angebaut, das gab es öfter. Aber ich meinte die andere Seite. Druckluftbremse bei Feldbahnen gab es nur ganz vereinzelt, Kieswerk Gudow und das Dränrohrwerk Bad Freienwalde fallen mir ein, ansonsten würde ich sagen planmäßig nur auf 900 mm mit 6 m³-Stahlkastenkipper (?) und aufwärts (Braunkohlenfahrzeuge). Viele Grüße,


    Marian.

    Hallo Toralf,


    kann es sein, dass die ersten beiden Loren eine Druckluftbremse hatten? Oder hatten die beiden Kessel auf der Bremserbühne einen anderen Zweck? Ich bin 1992 das erste Mal in der Gegend gewesen, habe aber beim KSW nichts weiter gefunden. Dann gab es da noch Haida und Zeischa, wobei in Zeischa schon lange vor der Wende die Feldbahn durch Schiffe und Bandanlage ersetzt wurde, es lag aber noch viel Schrott rum... Viele Grüße,


    Marian.