Beiträge von Holger Drosdeck

    Schön, wenn der schöne Zittauer DRG-Zug einen weiteren Einheitswagen in Epoche II bekommt. Gleichzeitig schade, dass dafür im Gegenzug ein Epoche II-Traglaster ins quietschbunte Epoche I-Gewand sich verwandeln wird - noch dazu, wenn dieser dadurch die herrliche Schnapszahl-Nummer K 1111 verliert. ;-) - aber das sind natürlich rein subjektive Empfindungen.


    Für mich persönlich sind ja die zehn DRG-Jahre zwischen 1927 (= das Disneyfarbschema der Kgl.Sä.Staats EB war überwunden) bis 1936 (= bevor die leidvollen DR-Hakenkreuzadler an die Fahrzeuge kamen) die optisch schönsten der gesamten Eisenbahnzeit 1835 - heute. Insofern bin ich auch großer Freund und Befürworter der Tatsache, dass die Schwarzbachbahn die Epoche II für ihre Fahrzeuge vorsieht. (In diesem Zusammenhang bin ich auch auf die Wandlung der 99 585 gespannt.)


    Der Zittauer DRG-Zug ist für mich auch eine Augenweide, insbesondere auch noch ein Stück perfekter, seitdem die 99 731 die "neue alte", gekümpelte Rauchkammertür trägt. Aber derartige Aspekte sind natürlich stets auch Geschmackssache.

    Hier noch ein paar Impressionen der Maschine als 38 5205-0 im Bw Aue Anfang April 1993. Im Rahmen einer VSE-Plandampfveranstaltung (die, bei der auch 58 1111-2 erstmals nach der Wende wieder nach Sachsen kam), hatte die XII H2 einen planmäßigen Personenzug (Zuggattung damals N für Nahverkehrszug) von Chemnitz Hbf nach Aue gebracht. Später fuhr die Maschine einen der Gegenzüge zurück nach Chems', zu diesem Zweck wendete und restaurierte die schöne Lok im Bw Aue:







    VG Holger

    Leider nein, 38 205 war meines Wissens nach nicht in Schönheide Süd, also zumindest während ihrer Zeit als betriebsfähige Traditionslok ab 1979 nicht.


    Allerdings fuhr die BR 38.2-3 vor 1945 regelmäßig die durchgehenden Personenzüge Chemnitz - Aue - Adorf und kam auf diese Art und Weise durch Wilzschhaus. Nach 1945 standen a) deutlich weniger Durchläufer-Züge Chemnitz - Adorf in den Fahrplänen, man hatte das Fahrplankonstrukt dieser wie auch vieler anderer Strecken (z.B. der WCd) von zahlreichen Langläufern auf sehr viele gebrochene, nur Teilstrecken befahrende Personenzüge umgestellt.


    Und b) hatte die DR ja etliche Maschinen der BR 38.2-3 1945 an die CSSR verloren, da sich die Maschinen bei Kriegsende in böhmischen Bw befanden und dann dort verblieben. Der nach 1945 massiv reduzierte Bestand an XII H2 führte dazu, dass die wenigen durchlaufenden Personenzüge Chemnitz - Adorf nicht mehr von der BR 38.2-3 bespannt wurden, sondern von der BR 86.

    38 205 war allerdings im April 1993 mal von Aue nach Blauenthal gekommen, besonderer Weise Tender voran nach Blauenthal und Kessel voran zurück nach Aue. Bei dieser Fahrt hatte ich bei der Rückfahrt das Glück einer Führerstandsmitfahrt auf der tollen Maschine. Die wenigen Bilder, die ich davon habe, kann ich hier ja demnächst auch mal noch einstellen. Besondere Motive sind es nicht, aber inzwischen auch schon historisch wertvoll.


    VG

    Auch für mich ist die 38 205 eine meiner absoluten Lieblingsloks, für mich die richtige Epoche, und so will ich hier auch drei Bilder von ihr anlässlich ihres 110. Geburtstages einstellen. Folgende drei Aufnahmen sind vom August 1993, entstanden alle auf der LH zwischen Reichenbach ob Bf und Netzschkau, aber das sieht man ja sowieso, denke ich:



    38%20205%20Reichenbach%20Aug.%201993-3%20Ausschnitt.jpg


    In Reichenbach ob Bf war da im August 1993 ein Bahnhofsfest, den Anlass weiß ich gerade nicht mehr aus dem Kopf. 38 205 fuhr einige Pendel-Sonderzüge auf der LH. Ich dächte, diese Züge wären an jenem Tage bis Herlasgrün und dann wieder zurück gegangen, aber auch das weiß ich nicht mehr wirklich genau aus dem Stegreif. Jedenfalls lichtete ich die XII H2 im Dunst dieses brüllend heißen Sommertages auf der Göltzschtalbrücke mit der Exa Ib und auf Farbnegativfilm ab. Das hier sind bloß schnelle Home-Scans von den damaligen 9x13-Abzügen, wie sie damals üblich waren.



    38%20205%20Reichenbach%20Aug.%201993-2.jpg


    Eine weitere Runde in Richtung Herlasgrün unternahm 38 205 später am Tage, dieses Mal Tender voran in Streckenrichtung Hof fahrend. Hier die bekannte Steinbogenbrücke in Obermylau. Steht die eigentlich noch oder war die im Zuge der Elektrifizierung der LH gefallen? Ich weiß das gar nicht, war ewig nicht mehr dort an der Stelle.



    38%20205%20Reichenbach%20Aug.%201993-1.jpg


    Und dann kam der Zug zurück, dieses Mal natürlich Kessel voran, ebenfalls an der Brücke in Obermylau aufgenommen, dieses Mal aber auf der Brücke bzw. dem Weg über die Brücke stehend.



    Die drei Aufnahmen dieses Beitrags konnten übrigens von mir nur deshalb in dieser Form entstehen, da ich tags zuvor mit dem Zug aus dem pubertätsbedingt verhassten Urlaub mit meiner Mutter und deren Mann geflohen war. Auf der Nordseeinsel Föhr regnete... nein Sorry, man muss es so formulieren: Es schiffte damals eine Woche wie aus Gießkannen. Es war so richtiges Depressionswetter "dort oben": Kein Baden möglich, Regen, Regen, Regen, im Hintergrund das Wattenmeer, im Vordergrund der Boden, auf dem Du standest, den Übergang von Land zu Meer konnte man nicht genau erkennen aus gewisser Entfernung, weil alles grau in grau im Regen und im "Siff" des schlechten Wetters überging - deshalb 1 Woche eingesperrt in ein norddeutsches Landhaus als damals Sechzehnjähriger (!) mit Mutti und ihrem Gatten - absolut nix los, Internet und Smartphones gabs da noch nicht - es war die Hölle (sozusagen eine Frühform von Corona-Quarantäne).


    Da half nur der Urlaubsabbruch mit anschließender Fähr- und Zugfahrt von Wyk auf Föhr über Dagebüll, Niebüll, Bremen, Hannover, Leipzig und Gera zurück nach Greiz. Ab zirka Magdeburg ging das Regenwetter in absolut wolkenfreies Hochtemperatur-Hochsommerwetter über. Die Zugfahrt dauerte fast einen ganzen Tag, 14 Stunden, und ich weiß noch als wäre es heute, wie abends zwischen 20 und 21 Uhr die saftigen Wiesen des heimatlichen Tals der Weißen Elster in den lauen Sommerabend hinein dufteten, was ich damals vom noch stinknormalen, planmäßigen V 100-bespannten und Bghw-"bewagten" Personenzug aus genießen konnte - endlich befreit von der Regensoße des Nordseeinsel-Gefängnisses.


    Am nächsten Tag fuhr dann die 38 205 auf der LH und es entstanden die drei Bilder dieses Beitrages. Krass, wie sich die Zeiten ändern. Jetzt ist 1993 längst schon "damals", schon wieder über ein Vierteljahrhundert, 27 Jahre her. Damals empfand man es als die Neuzeit, denn die DDR war seit drei Jahren damals Geschichte. '93 hätte glaube noch keiner gedacht, dass der Sächsische Rollwagen fünf Jahre später aushauchen würde. Bei der letzten Fahrt im März '98 war ich auch dabei, aber die Bilder davon sind Dias und die kann ich nicht selber scannen, das lasse ich irgendwann mal machen. Ich finde es unendlich traurig, dass diese wunderschöne Lok seit nunmehr reichlich 22 nicht mehr fahren kann.


    VG


    Admin-Edit: Bilder per HTTPS eingebunden

    Hat am Ende des Textes auch was mit dem Golf zu tun:


    Ich kenne einen ehemaligen Werkmeister aus Zwickau, der war dort tätig in der direkt dem VEB Sachsenring angeschlossenen Kfz-Reparaturwerkstatt und dort wurden - was sonst - Trabant repariert. Die sonst üblichen Ersatzteilsorgen gab es da nicht - die benötigten Teile wurden einfach schwarz der laufenden Produktion entnommen. Offiziell musste diese Reparaturwerkstatt Teile 2. oder 3. Wahl verarbeiten, die für die Neuproduktion nicht verwendet werden durften und dort herausgefallen waren. Zahlte der Reparaturkunde aber genug Trinkgeld, bekam er auch Teile 1. Wahl. Um an diese ran zu kommen, kannte der Werkmeister den Chef der Abteilung Qualitätskontrolle, der entschied, welche Teile 1. Wahl waren für die Neuproduktion und welche 2. oder 3. Wahl für die Reparaturwerkstatt. Der Leiter der Qualitätskontrolle musste dann einen hoch genugen Anteil vom Trinkgeld des Kunden abkriegen, dann stempelte und verbuchte dieser die benötigten 1. Wahl-Teile als 2. Wahl und die Teile konnten von der Neuproduktion an die Reparaturabteilung übergehen.


    Im Kampf um Reparaturtermine und Ersatzteile wurde da nahezu ausschließlich mit Trinkgeldern gearbeitet, die die Höhe der eigentlichen Reparaturrechnung oftmals überschritten.


    Der Werkmeister behauptete, in den 1980er Jahren zusätzlich zu seinen an sich schon nicht geringen 1.200 Ostmark Lohn (oftmals wurden in der Industrie so um die 700 bis 900 M verdient, die 1.000 M-Grenze knackten die Wenigsten) noch zusätzlich bis zu 20.000 M (!) an Trinkgeldern schwarz pro Monat verdient zu haben - jeden Monat. Und ab zu Westgeld, dies aber in weitaus geringerer Höhe.


    Seit 1978 fuhr auch er einen der 10.000 importierten VW Golf I für 24.000 M. Ran kam er an den, indem er die Zuweisung dieses Autos, die einer Frau aus Berlin gehörte, mit einer bei ihm fälligen Trabant-Neufahrzeugzuteilung tauschte. Diese Frau war eine verdiente Genossin, sie hatte den Golf aufgrund ihrer politischen Laufbahn zugeteilt bekommen, konnte ihn aber nicht bezahlen, sie hatte die 24.000 M nicht, sehr wohl aber die 10.000 M für einen Trabant. Und es gab in der DDR keine Autokredite. Ein Kfz musste immer sofort in bar bezahlt werden. Entweder, man hatte das Geld oder Pech gehabt.


    Der reiche Werkmeister aus Zwickau hatte die 24.000 Mark. Sein auf o.g. Weise "erarbeitetes" Geld hätte auch für 10 oder 20 solcher Golfs gereicht laut seiner Aussage. So nahm die "verdiente" aber finanzschwächere Genossin aus Berlin seinen fabrikneuen Trabi und er ihren fabrikneuen Golf.


    Solche Storys gibt es viele - wahrscheinlich sogar noch mehr als Bimmelbahn-Geschichten von anno dazumal. Die DDR war kapitalistischer als ihr offizielles sozialistisches Antlitz dies jemals zugegeben hätte.