Beiträge von Maschinist

    Mahlzeit!


    im Folgenden nun ein Bericht über die Zerlegung des Dampfentnahmestutzens für die anstehende Aufarbeitung. Insgesamt ist der Zustand gut, die Spindeln der Ventile müssen wie erwartet erneuert werden.


    Die Demontage der Einzelteile war unproblematisch, da alle Gewinde mit Graphitfett konserviert waren.


    Die Einzelteile des rechten Injektorventils auf dem Waschtisch. Der ursprüngliche mit einem Holzheft ausgestattete Handhebel bekam im Steinbruch irgendwann ein Stück Hydraulikschlauch als Ersatz, Improvisation vom Feinsten.


    Bevor die einzelnen Ventile demontiert werden konnten, musste ihre Ausrichtung dokumentiert werden, damit nach der Überarbeitung von Dichtflächen die richtige Stellung wieder hergestellt werden kann. Andernfalls können die Leitungen nicht mehr angeschlossen werden.


    In der Mitte des Dampfentnahmestutzens sitzt unten das bereits aufgearbeitete Bläserventil, darüber der Eichdruckmesserhahn und das Pfeifenventil samt Absperrhahn. Letzteres stammt ursprünglich von einer der vielen im Steinbruch Halbach eingesetzten Krauss-Lokomotiven.


    Die Ventilspindel ist im Bereich der Stopfbuchse korrodiert und muss erneuert werden.


    Die bewegliche Ventilspitze ist auch nicht mehr in der ursprünglichen Ausführung, sondern entspricht der Konstruktion, wie sie bei den Krauss-Lokomotiven ausgeführt wurde.


    Das linke Ventil beim Zerlegen.


    Der Ventilkegel ist ebenfalls in gutem Zustand. Der Abstand vom Ventilkegel zur Sicherungsmutter an der Spindelspitze entspricht dem Entlastungshub.


    Nachdem alle eingeschraubten Hähne und Ventile entfernt sind, bleibt der gegossene Grundkörper übrig. Die Bearbeitung der teils stark korrodierten Dichtflächen wird eine gewisse Herausforderung, mehr dazu im nächsten Bericht.


    Gruß Sven

    Mahlzeit Rafael,


    die Linsensitze muss ich auf jeden Fall überarbeiten, das wird auf der Fräsmaschine mit Ausbohrkopf oder Kegelfräsern passieren.


    An den Stechventilen werden die Dichtflächen nach Bedarf überdreht und die Sitze ggf. nachgesetzt. Ansponsten eben neu eingeschliffen. Je nachdem wie die Spindeln im Stopfbuchsenbereich aussehen können diese nachgearbeitet oder müssen erneuert werden .


    Gruß Sven

    Mahlzeit!


    Am vergangenen Wochenende wurde mit dem Dampfentnahmestutzen die vorletzte größere Armaturenbaugruppe demontiert und der Aufarbeitung zugeführt.


    Der Dampfentnahmestutzen ist auf dem Stehkesselscheiten angeflanscht und versorgt neben den beiden Injektoren auch die Dampfpfeife, den Hilfsbläser und das Manometer mit Dampf.

    All diese Verbindungen mussten zunächst getrennt werden.


    Nach der Demontage ist die Anordnung der angeschlossenen Leitungen deutlich zu erkennen.


    Der Dampfentnahmestutzen ist mit 4 3/4" Stiftschrauben auf dem Stehkesselscheitel befestigt, die ihn

    auf einem Linsendichtsitz pressen. Dieser ist direkt in das Kesselblech eingearbeitet.


    Im Vergleich zu den Dampfentnahmestutzen anderer Lokomotivtypen ist der von JUNG Entworfene, recht übersichtlich, niedrig und leicht gebaut. Er fand ab etwa 1900 bis in die 50er Jahre bei den meisten Feldbahntypen von JUNG Verwendung.


    Der Grundflansch mit dem Linsensitz.


    Auf der Rückseite des Dampfentnahmestutzen befindet sich der Anschluss für die Bläserleitung und zwei weitere, ungenutzte Anschlüsse, die mit Blindstopfen verschlossen sind.

    Das Pfeifenventil samt Absperrhahn stammt dagegen von einer Krauss-Lok und wurde erst im Steinbruch der Fa. Halbach angebaut.


    Die Überarbeitung der korrodierten Dichtflächen der Frischdampfflansche für die Injektoren wird einige Arbeit machen.


    Die Stechventile sind aufzuarbeiten, die Hebelmechanik muss etwas gerichtet werden, um das reichlich vorhandene Spiel zu beseitigen.


    Im nächsten Bericht geht es dann mit der Demontage und den ersten Arbeiten weiter.


    Gruß Sven

    Mahlzeit!


    Auch für mich war die HFD die erste bewusste Begegnung mit dem Thema Feldbahn, als mein Vater 1986 den Kessel der Krauss 7789 untersuchte und mich als Vierjährigen mit nach Klotzsche nahm. Der B-Kuppler mit Kobel und den runden Fenstern hatte es mir damals schon angetan. Leider existieren von dem Besuch keine Fotos und habe ich die Lok später nie in Betrieb erleben können. Nun knapp 34 Jahre später ist die Schwesterlok 7790 ebenfalls bei der HFD zu Hause und ich habe die Möglichkeit an der Aufarbeitung der dritten erhaltenen Halbach-Lok JUNG 8293 bei der Waldeisenbahn Muskau zu arbeiten.


    Gruß Sven

    Mahlzeit!


    Die L45h wäre sicherlich eine Möglichkeit gewesen, die Bahn zu verdieseln. Doch am Ende der Import solcher Maschinen mit viel Schwierigkeiten und Kosten verbunden gewesen, während man die Kessel damals noch bei vielen inländischen Kesselschmieden bauen lassen konnte. Ob die Werkstatt in Klostermansfeld, deren Überreste heute Malowa heißen, selber komplette Kessel gebaut hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Die technische Ausrüstung wie die Walzenbiegemaschine dafür war zumindest vor ein paar Jahren noch vorhanden. Zudem war die gesamte Infrastruktur auf den Dampfbetrieb ausgerichtet.


    Wie auf dem Bild oben zu sehen, ist der Kessel in komplett geschweißter Ausführung gefertigt. Somit ist es mit Sicherheit nicht mehr der originale Kessel aus den 30er Jahren. Ein Blick auf das Fabrikschild würde da sicherlich weiterhelfen.


    Gruß Sven

    Mahlzeit!


    Die Frischdampfleitung des Wasserhebers war im vorderen Teil durch unsachgemäßes Verladen vor vielen Jahren stark verbogen und wies einen mit Hartlot reparierten Frostschaden auf. Daher war nur ein Austausch dieses Abschnittes sinnvoll.


    Im Bild zu sehen der beschädigte Abschnitt der Leitung und das Rohmaterial für die Reparatur.


    Das neue Kupferrohr 28x2 wurde mit Sand gefüllt und mit Holzstopfen verschlossen. Mittlerweile ist es recht schwierig, dickwandiges Kupferrohr in größeren Durchmessern zu beschaffen. Dünnwandiges Sanitärkupferrohr ist nicht für Dampf, sondern nur für Wasser bis 10 bar und 110°C zugelassen.


    Mit dem Schweißbrenner wurde die Biegestelle nun gleichmäßig erwärmt und frei Hand gebogen.


    Nach dem Ablängen wurde die Verbindungstelle zum alten Rohrstück mit eingetriebenen Stahlkugeln bis auf den erforderlichen Durchmesser aufgeweitet. Sorgfältiges Ausglühen ist dabei unerläßlich.


    Seitenansicht des aufgeweiteten Rohrendes.


    Probeweiser Zusammenbau der Rohrverbindung. Die weiße Markierung sichert die richtige Lage der Rohrstücke zueinander, damit der Flansch am Ende auch an den Wasserheber passt und nicht verdreht wird.


    Nach dem Hartlöten mit Silberlot.


    Die Lötstelle wird mit Zitronensäure gereinigt. Da das Säurebad nicht tief genug für die komplette Leitung ist, wurde ein gut saugender Putzlappen für die Benetzung verwendet.


    Die fertige Verbindung nach dem Polieren mit etwas Schleifvlies.


    Nun musste das beschädigte Rohr vom wiederverwendebaren Flansch getrennt werden.


    Der Flansch wurde zunächst auf der Dichtfläche überdreht.


    Reichlich ein Millimeter musste abgedreht werden, bis wieder eine saubere Fläche vorhanden war.


    Das eingelötete alte Rohrstück wird ausgerieben.


    Eine saubere Bohrung ist die beste Basis für die neue Lötverbindung. Die beiden Fehlstellen in der Dichtfläche werden beim Löten mit aufgefüllt, sie waren zu tief, um sie zu überdrehen ohne den Flansch zu stark zu schwächen.


    Die Rückseite wurde lediglich angefast, um die rauhe Optik zu erhalten. Sicherlich hätte man auch einen neuen Flansch bauen können, doch bei solch handgebohrten Lochbildern ist das immer mit einem gewissen Aufwand verbunden, damit es am Ende auch passt.


    Rohleitung und Flansch sind für das Hartlöten ausgerichtet.


    Wichtig dabei ist ein gleichmäßiger Ringspalt, damit das Lot gut verläuft.


    Anwärmen mit dem Brenner.


    Wie auch sonst üblich verwende ich 45%iges Silberlot mit 670°C Löttemperatur. Messinglote sind etwas dickflüssiger und haben üblicherweise Löttemperaturen um 900°C, dabei besteht immer die Gefahr das Kupfer zu überhitzen.


    Auf der Rückseite wurde das leicht überstehende Rohrende nach bewährter Methode umgebördelt.


    Nach dem Löten wird im Säurebad gereinigt.


    Die gereinigte Rückseite wird nun plangeschliffen.


    Der fertig gelötete Flansch, bereit zum Lackieren. Die zuvor ausgeführte Wasserdruckprobe mit 15,6 bar Prüfdruck war erfolgreich.


    Die geschliffene Dichtfläche.


    Kurzfristig fuhr ich am nächsten Morgen zur Maschine, um die Leitung anzubauen.


    Mit ein wenig Richten konnte die Leitung schließlich gut zwischen den angrenzenden Leitungen und Armaturen eingepasst werden.


    Scheuerstellen waren unbedingt zu vermeiden.


    Auch am Reglerzug musste die Leitung nachgerichtet werden, da hier bereits eine alte Scheuerstelle vorhanden war.


    Nach Abschluss der Arbeiten konnte die Leitung noch neu lackiert werden, damit sie nicht so furchtbar neu wirkt.


    Geschafft, die Reparatur ist gelungen und fügt sich gut in das Gesamtbild der Maschine ein.


    Das war's für 2019, auch im nächsten Jahr haben wir einiges vor.



    Mit der erfolgreichen Reparatur der Frischdampfleitung des Wasserhebers ist die letzte Arbeit an der Maschine für dieses Jahr getan. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spendern und Unterstützer und wünschen eine friedliches Weihnachtsfest!


    Gruß Sven

    Mahlzeit Dagvuchel,


    über die Provenienz des Schildes kann ich leider nichts sagen. Der Verkäufer hat lediglich die übliche Wohnungsauflösungsgeschichte erzählt.

    In den Unterlagen zur Lok ist leider keine Registrierungsnummer, sondern nur die Mitgliedsnummer 5593 der Fa. Halbach beim Überwachungsverein verzeichnet, daher macht ein Abguss derzeit keinen Sinn. Archivunterlagen zum Sächsischen Dampfkessel-Überwachungsverein habe ich bislang keine gefunden. Ähnliche Schilder mit deutlich niedrigeren Nummern stammten aus den 20er Jahren, so dass ich das nun verbaute Schild grob in die 30er Jahre datieren kann.


    Gruß Sven

    Mahlzeit!


    Vor einiger Zeit konnte ich ein hübsches Detail erwerben: Ein gusseisernes Registrierungsschild des Sächsischen Dampfkessel-Überwachungsvereins. Diese Schilder waren typisch für stationäre Kesselanlagen und Lokomotiven, die nicht unter der Bahnaufsicht sondern durch die technischen Überwachungsvereine beaufsichtigt wurden. Anhand der kürzlich übergebenen Kesselunterlagen konnte nun der Nachweis erbracht werden, dass die JUNG-Lokomotive auch beim Sächsischen Dampfkessel Überwachungsverein registriert und von diesem beaufsichtigt wurde. Später wurde dieser in den Technischen Überwachungsverein umbenannt, solche gegossenen Schilder wurden nicht mehr ausgegeben.


    Das Schild des Sächsischen Dampfkessel Überwachungsvereins ist nun auch aufgearbeitet. Es wurde gereinigt und die erhabenen Flächen neu abgesetzt.

    Die verrostete Rückseite wurde entrostet und neu lackiert.


    Letzte Woche fand das Schild dann seinen Platz im Führerstand und macht ihn nun komplett.

    Im Bild auch zu sehen, die 1/2"-Schraube im Flansch des Eichdruckmesserhahns, die laut den Kesselunterlagen 1939 vom Kesselprüfer gefordert wurde, vermutlich, um Verbrühungen bei unbeabsichtigter Fehlbedienung des Hahns zu vermeiden.


    Gruß Sven

    Mahlzeit!


    Erzgebirgsnebenbahner Die Arbeiten werden in einer Aufarbeitungsniederschrift festgehalten, die für die spätere Abnahme der Lok die Basis bildet. Für neuangefertigte Teile erstelle ich CAD-Modelle und leite Zeichnungen daraus ab. Da ich das ja auch nur nebenbei mache, vergehen manchmal Monate zwischen Zeichnungserstellung und Fertigung. Soweit vorhanden, nutze ich Kopien von Originalzeichnungen, die ich im Laufe der letzten 10 Jahre aus verschiedenen Quellen beschafft habe. Ein Werksarchiv der Fa. Jung existiert nicht mehr, nach der Schließung der Firma wurden alle Unterlagen vernichtet.


    Existieren keine Zeichnungen, bleibt nur das Vermessen und Modellieren der vohandenen Originalteile. Gleiches gilt auch für die zahlreichen Umbauten und Armaturen anderer Hersteller. Teilweise helfen auch die ab Mitte der 20er Jahre eingeführten LON-Blätter, da die Maschine bereits einige danach gefertigte Baugruppen besitzt.


    Hier ein Beispiel für eine der originalen Zeichnungen, in diesem Fall die Sicherheitsventile.


    37269042xc.jpg

    Hier ein Beispiel für eine Originalzeichnung, in dem Falle das Sicherheitsventil.



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    CAD-Modell der führerseitigen Dampfstrahlpumpe Bauart JUNG, 60L/min.



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    Mittlerweile umfasst das CAD-Modell der Maschine rund 3200 Einzelteile.



    37269013yb.jpgAus dem CAD-Modell abgeleitete Einzelteilzeichnung. Letztlich fertige ich für alle neuzubauenden Teile Zeichnungen an, da man in den Originalzeichnungen noch nicht nach heutigen Maßstäben gezeichnet und bemaßt hat. Insbesondere die damals noch weit verbreitete Kettenbemaßung macht das Arbeiten danach unnötig beschwerlich.


    Gruß Sven