Beiträge von guru61

    Der Kurbelinduktor


    Im Dezember 2019 hat, wieder der gleiche Freund, mir eine Anzeige gesandt. Sie enthielt einen Kurbelinduktor.

    Bei näherem Hinsehen fand ich die Beschriftung “Sattel Aegeri” und “Biberbrücke”. Somit war klar, dass das Ding aus Rothenthurm war. Das ist die Station dazwischen.


    Am nächsten Montag habe ich das Ding ansehen und kaufen können. Es ist ein Kurbelinduktor, der in einem uralten Gehäuse eingebaut ist.

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    Das Ding wurde natürlich ausprobiert, wobei es schwierig ist ohne Messgerät und Schema den Zustand zu beurteilen. Wichtig war für mich, dass beim Kurbeln ein magnetischer Widerstand zu spüren war.

    Zu Hause wurde dann ein wenig Archäologie betrieben: Das Alu-Fabrikschild und der Alurahmen des Statiosschildes sind sicher nicht original.

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    Nach dem Schleifen kamen dann zugekittete Bohrungen zum Vorschein. Bei genauer Betrachtung sieht man, das wohl einmal andere Schilder über den Druckknöpfen montiert waren. Auch das Alu Stationsschild ist nicht das Erste: Es hat nochmals Spuren eines Weiteren.

    Ebenso sind beim Fabrikschild noch zwei, fast deckungsgleiche, Spuren zu sehen.


    Nach dem Öffnen sahs dann so aus:

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    Eine genauere Untersuchung ergab, dass alle Kabel mit Kunststoffisolation versehen waren.

    Der Widerstand ist mit 957 Ohm angegeben. Dies ist bei Weitem über den 10 Ohm, dass die Läutwerke besitzen.

    Interessant sind die schellackgetränkten Kabelschläuche und die an den Scharnieren angelöteten Schlaufen mit Schrauben.

    Ich kann nur mutmassen, dass diese Scharniere früher den Strom übertrugen.

    Im List/Harden, Elektromechanische Läutewerke der Eisenbahnen, ist der Induktor von Samstagern abgebildet, der aber 3 Läutelinien hatte.


    Nun kann man mutmassen: Ich vermute, dass der ursprüngliche Induktor irgendwann einmal umgebaut wurde. Die 957 Ohm passen eher zur Telefonie. Meines Wissens hatte die Südostbahn seinerzeit Sicherungsanlagen, die mit Telefonrelais aufgebaut wurden. Es würde

    dazu passen, dass man auch das Abläuten in dieser Sicherungsanlage integrierte.

    Wann das passierte? Einen Anhaltspunkt kann die Ortsbezeichnung “Biberbrücke” geben: In den historischen Karten kam der Name 1953 zum letzten Mal vor. Seither heisst die Station “Biberbrugg”


    1939 wurde die chronisch finanzschwache Südostbahn elektrifiziert. Es könnte sein, dass ab diesem Zeitpunkt die Sicherungsanlagen erneuert wurden. Spätestens aber anfangs der 50er Jahre.

    Der wahrscheinlichste Zeitpunkt ist die Kriegszeit: Die SOB (die alte SOB: Strecken Rapperswil - Arth-Goldau und Wädenswil – Einsiedeln) war dannzumal eine Verbindung zum Reduit in der Innerschweiz und wäre im Kriegsfall wichtig gewesen.

    Vorher war der Betrieb sehr rudimentär und wahrscheinlich ohne Block.

    https://www.youtube.com/watch?v=zL_nRS58fpw

    Ab 22:03 und ab 25:48


    Wie alt ist nun das Gehäuse?

    Ich besitze die 3 Bände: “Hundert Jahre elektrisches Nachrichtenwesen in der Schweiz 1852 bis 1952”

    Was mir beim Durchlesen auffiel war, dass die Machart des Gehäuses dem der Hasler Telefone um die Jahrhundertwende entspricht.

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    Wenn jemand etwas genaueres wüsste, wäre ich um eine Mitteilung dankbar.


    Nun: Das musste nun zuerst ausprobiert werden: Wie vermutet ging das nicht: Der Kurbelinduktor konnte das Mantelläutwerk nicht zum Auslösen bringen.

    Was also tun: Meine Philosophie ist, dass alles, was ich besitze, auch funktionstüchtig sein muss. Einfach was für die Vitrine brauche ich nicht.

    Zuerst dachte ich an ein Zwischenrelais, was aber eine Stromversorgung erfordert hätte. Damit wäre die Anschauung, wie man früher gearbeitet hat, nicht korrekt gewesen.

    Ich will meinen Neffen und Nichten zeigen, dass es auch ohne Stromversorgung ging. Plötzlich kam mir der Einfall, einen Trafo als Impedanzwandler vorzuschalten. Also, einen organisiert, und siehe da, es klappte auf Anhieb:

    https://www.flickr.com/gp/r_walther/3wsNN1

    Man sieht, dass schon nach einer Kurbeldrehung der Bügel hochschnellt und das Werk freigibt.


    Nun stand die Aufarbeitung an. Das Gehäuse hatte an den Leimstellen Versatz und war ziemlich ramponiert.

    Ich wollte es auf die alte Art behandeln. Zu dieser Zeit, der Jahrhundertwende 1900, war die Schelllackpolitur das gegebene.


    Zuerst wurde alles ausgebaut und das Gehäuse feingeschliffen. Die Versatzstellen habe ich egalisiert.

    Dabei kam auch die schöne Holzmaserung zum Vorschein:

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    Ein Schreiner sagte mir, dass es zum Teil Nussbaum sei.

    Die Schellackpolitur ist ein altes Verfahren und sehr aufwendig: Es wird mit einem Ballen Schafwolle in Leinen gearbeitet, der mit Schellack getränkt ist. Zuerst werden die Poren gefüllt, mit Schelllack und Bimstein im Ballen. Dazwischen sind lange Trocknungszeiten von mindestens 12 Stunden. Ich habe jeden Abend rund 20 Minuten “gebimst». Gehäuse und Deckel separat

    Das ergibt dann bereits einen matten Glanz:

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    Nachher kam dann die eigentliche Politur mit einem feinen Ballen und reinem Schellack. Nach 10 Durchgängen, wieder mit 24 Stunden Pausen, sah es dann schon ganz gut aus:

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    Wer den Poliervorgang erleben will, der kann das hier anschauen:

    https://www.youtube.com/watch?v=VaeMqlVLyzA


    Parallel dazu wurden die Komponenten aufgearbeitet.

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    Der Induktor selber ist gereinigt und das Getriebe geschmiert worden. Weitere Arbeiten waren nicht nötig.


    Bei der Schrift habe ich mich dazu entschlossen, den Zettel nicht mehr der Witterung auszusetzen. Also wurde die Schrift auf einen neuen Zettel kopiert und dabei auch noch ein wenig digital gereinigt.

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    Der Originalzettel wird natürlich archiviert :-)


    Das Ganze sah am Schluss dann so aus:

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    Welch ein Unterschied zu vorher:

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    So, nun will ich das mit viel Mühe aufgearbeitete Gerät nicht der Witterung aussetzen. Also habe ich mich entschieden ein Gehäuse darum zu bauen, um es Aussen anzubringen. Der Ort ist unter einem Vordach wettergeschützt. Aber sicher ist sicher.


    Für das Gehäuse habe ich Tischlerplatten genommen und die gebeizt und geölt.


    Der Trafo ist schon montiert:

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    Und Draussen.

    Darunter sind die Abläutkasten für das normale abläuten. Der Kurbelinduktor wird zum Mantelläutwerk parallelgeschaltet.

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    Und fertig montiert hinter Plexiglas:

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    Auch hier: Die Inbetriebnahme klappte auf Anhieb:

    https://www.flickr.com/gp/r_walther/076BX4


    Ja das wars wieder einmal!

    Man vergisst immer wieder, dass die alte Eisenbahn oder überhaupt das Leben dazumal sehr einfach war. Im Telegrafenbuch habe ich gelesen, dass man mit chemischen Elementen, die jeweils mit Flüssigkeiten gefüllt wurden, gearbeitet wurde.

    Die standen oft im Raum des Telegrafisten und schieden Dünste aus, die der Gesundheit abträglich waren. Dazu kam die dauernde Wartung der Elemente, die jeden Tag Stunden in Anspruch nahm.

    Noch in den 80er Jahren wurde in der Türkei gemorst. Leider durften wir den Raum in Afyon damals nicht fotografieren!

    Da hingegen war der Induktor eine Erleichterung. Denn er konnte starke Ströme liefern. Man darf nicht vergessen, dass alle Läutewerke einer Linie in Serie geschaltet waren. War die Linie unterbrochen läutete das Läutwerk auf dem eigenen Bahnhof auch nicht, und man musste zu anderer Kommunikation schreiten.

    Auch hier hoffe ich, dass ich dem einen oder anderen etwas neues zeigen konnte.

    Wenn jemand Ergänzungen und Berichtigungen hat, bin ich dankbar für jede Zuschrift.


    Gruss Guru

    ">Das Mantelläutwerk

    Seinerzeit habe ich die Renovation der Spindelläutewerke in meinem Garten beschrieben:

    Läutewerke im Garten, Teil 1, Teil 2 und Teil 3, Zweiklangglocke Revision


    Dabei habe ich auch bemerkt, dass ich ein Mantelläutwerk suche. Das wäre die Krönung für meine Sammlung.

    Nun, dank einem Freund bekam ich die Information, wo eines noch zu haben sei. Am gleichen Tag bin ich es, mit dem Einverständnis meiner Frau, anschauen gegangen. Es stand bei einem pensionierten Lokführer im Garten.

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    Schnell wurden wir uns Handelseinig und der Betrag überwiesen.


    Da noch gebaut wurde, konnte ich das Läutwerk erst 3 Monate später holen. Aber das Werk und das Gegengewicht habe ich dann schon ausgebaut um es zu Hause zu revidieren.

    Bei dieser Gelegenheit habe ich auch genau hingeschaut und mir überlegt, wie ich das Ding dann transportieren könnte.

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    Da sich die mehrmonatige Lagerung bis zum Transport abzeichnete, wollte ich die Zeit nutzen und die Schrauben gängig machen: Also alles mit Kriechoel eingespritzt. Kriechoel wirkt am Besten, wenn viel Zeit vorhanden ist.


    Das Werk sah so aus:

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    Und das Gegengewicht, das aus zwei ineinander gesteckten Gewichten bestand. Ich habe mir fast den Rücken gebrochen, als ich es zum Auto trug.

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    Zu Hause wurde es dann begutachtet und elektrisch ausgemessen. Es war alles soweit in Ordnung.

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    Das Werk wurde irgendwann mal revidiert. Der Zustand, war noch gut. Auch die Spulen hatten zusammen 10 Ohm Widerstand, was, wie ich jetzt weiss, normal ist.

    Die Achse der Umlenkrollen sind ziemlich abgenutzt aber noch genügend dick. Was viel Spiel hat, klemmt auch nicht. :-)

    Das originale Schmiedeteil wollte ich behalten. Wie auch das Brett, dass wahrscheinlich auch noch original ist.

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    Ja, die Datierung ist schwierig: Leider weiss ich nicht, wo genau das Läutwerk stand. Nur, dass es an der Gotthardbahn stand. Daher kann als sicher gelten, dass es spätestens 1882, dem Eröffnungsjahr der GB, in Betrieb kam.

    Also, nach der Begutachtung wurde zur Demontage geschritten:

    Zuerst wurde die hintere Platte abgebaut:

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    Dort ist der Elektroteil befestigt.

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    Der noch voller Leben war: ein Bug :-)

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    Der Rest sah dann so aus:

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    Links sieht man, dass ich alle Teile in separaten Gurkengläsern gesammelt habe. Besonders wichtig ist das bei den Schrauben: Die haben alle noch “Kaiserwillhelmgedächtnisgewinde” Einen Gewindebohrer zu finden, wäre wohl sehr schwierig!

    Alle Teile wurden auch dokumentiert. Aus Erfahrung weiss ich, dass man nie genug Fotos macht! Immer fehlt beim Zusammenbau, gerade die Ansicht, die im Nachhinein eminent wichtig wäre! :-)


    Teil für Teil wurde abgebaut:

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    Die Auslöseklinke:

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    Der Auslösehebel:

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    Die Klöppelzugwelle:

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    Das Grossrad mit Bremse:

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    Die Luftbremse:

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    fixiert:

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    Die Trommel mit der Aufzugsklinke:

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    Da Klinkenrad: Die 12 Nocken betätigen die Klöppelwelle, die dann den Hammer zum Anschlagen der Glocke bewegt. Es macht eine halbe Umdrehung für 6 Schläge. Zwei gegenüberliegende Nocken sind länger (auf Pos “2” und “8”). Diese drücken dann den Auslösehebel wieder in die Auslöseklinke, und der blockiert das Grossrad.

    Auf der andern, der Trommelseite, sieht man den Klinkenmechanismus, der es zulässt, dass das Seil wieder aufgewickelt werden kann.


    Nach der Demontage begann dann die Aufarbeitung. Zuerst die beiden Schilde: Sie wurden abgelaugt und dann grundiert:

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    Ich nehme da normale Gel-Ablauge aus dem Baumarkt. Nach dem Einstreichen, stecke ich die Teile in luftdichte Mülltüten und lasse sie mindestens einen Tag da drin. So kann die Lauge wirken, ohne dass sie austrocknet.

    Grundton Grau:

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    Ich nehme da Industriefarbe von Rustoleum. Die ist nicht ganz billig, aber für den Zweck gut geeignet. Sie ist, im Gegensatz zu der Baumarktfarbe, die ich für die ersten 2 Läutwerke benutzte, wesentlich weniger dreckanfällig.

    Die Schilde habe ich gespritzt.

    Abkleben und Orange auslegen:

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    Rand schwärzen:

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    Schrift auslegen:

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    Dazu nehme ich einen Lackstift. Der ist sehr gut dazu geeignet. Allenfalls kann die Schrift noch mit farblosem Lack abgedeckt werden.


    Als nächstes war die Trommel dran: Die habe ich auf der Drehbank abgeschliffen:

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    grundiert:

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    und gestrichen:

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    auch das Trommelrad wurde aufgearbeitet:

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    und alles wieder zusammengebaut:

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    Dann kam das Grossrad mit Bremse dran:

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    Der Zahnkorb ist zwar in den 140 Jahren ein wenig abgenutzt, wird mich aber überleben:

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    Die Auslöseklinke mit der Bremse:

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    und alles wieder zusammengebaut:

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    Die Auslöseplatte des Magneten auch gereinigt:

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    Und der Rest der Elektronik:

    Vorher:

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    Während:

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    und nach der Revision.

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    Ich habe die Spulen mit speziellem Schrumpfschlauch überzogen. Der Bitumenbelag der drauf ist, scheint mir zu porös, als dass er noch die Feuchtigkeit gut abhält.


    Der Bremsflügel wurde demontiert, die Lederteile der Rutschkupplung neu angefertigt, und gereinigt.

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    Auch das Gewicht wurde abgelaugt und neu gestrichen,

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    Ebenso die Umlenkrollen:

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    Das Holzbrett, das das Werk im Mantel beherbergt, habe ich mit Soda geschruppt und mit Leinöl behandelt und die Eisenteile gestrichen.

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    Ja, am 9.Juli kam der Tag, wo der Rest nach Hause kam:

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    Dann begann die richtige Arbeit: Die alte Farbe musste runter:

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    Mit dem Nadelhammer gings ganz gut.

    Die alte Eisenglimmerfarbe hat den Untergrund hervorragend geschützt. Obwohl keine Grundierung drauf war.

    Ich habe daher auch wieder Eisenglimmerfarbe, diesmal mit Grundierung, verwendet. Zweimal grundiert und zweimal Deckanstrich.


    Als ich den Mantel grundierte, habe ich bemerkt, dass Farbe unter dem Oberteil nach innen sickert. Ich habe es dann demontiert.

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    Heute weiss ich, dass so ein Läutwerk von 2 Personen und einer Sackkarre demontiert und transportiert werden kann. Die waren nicht dumm, unsere Vorfahren:

    Das Ganze besteht aus dem Mantel:

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    Der Glocke:

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    fixiert mit 2 Halbschalen und Schrauben:

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    Der zentralen Säule:

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    Dem Hut links:

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    und dem Gupf mit Flacheisen, das im Mantel alles zusammenhält mittels Keilverbindung:

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    Hier nochmals der Keil gut zu sehen und daneben der Draht, der zum Hammer führt:

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    Der Hammer, mit zwei Winkeln am Hut gelagert:

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    Die Eisenglimmerfarbe, das muss man sich bewusst sein, ist schwierig ohne Wolken aufzutragen,

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    Das wurde mir beim Kauf schon gesagt, und ist so eingetroffen, trotz mehrmaligen und langen Mischen an einem Auftrag.

    Aber ich bin zufrieden mit dem Aussehen:

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    Das Innere habe ich mit der restlichen Farbe des Spindelläutwerks gestrichen. Der alte Anstrich war noch so gut, dass ich ihn lediglich anschleifen musste.

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    Ich habe den Mantel auf der Sackkarre, mit Spanset gesichert, ohne Probleme alleine transportieren können.

    Die Füsse bleiben dran, haben aber lange Gewinde: Ich war mir nicht sicher, ob das Läutwerk so standsicher ist, dass es ohne zusätzliche Fixierung steht. Mit den langen Gewinden hätte ich die Möglichkeit gehabt, noch einen Betonsockel zu giessen, in dem die Füsse eintauchen. Das ist aber nicht der Fall, so werde ich die in nächster Zeit kürzen und mit Hutmuttern versehen.


    Paralleldazu wurde das Werk wieder komplettiert und eingebaut:

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    Dann kam der grosse Tag, wo alles in Betrieb genommen wurde: Wie üblich gab es eine Montageparty: 2 Stunden arbeiten und 5 Stunden festen! :-)

    Alles liegt bereit:

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    Das Werk mit dem Gewicht wurde schon vorher eingebaut, verdrahtet und getestet:

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    Die Glocke wurde, auf einem H-Rahmen mit Spanset fixiert und konnte so bequem gehoben werden. Man darf nicht vergessen: Das ist alles in gewisser Höhe und die Glocken sind schwer zu greifen.

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    Der Hut mit Hammer und dem Einfädeln des Zugdrahtes, war nicht ganz einfach: Auch das Flacheisen lässt dem Hammer nur wenig Platz. Hier muss man ein wenig zirkeln!

    Am Schluss noch der Gupf mit dem Flacheisen. Dann nur noch die grosse Unterlagscheibe mit dem Keil einbauen und ein paar kräftige Hammerschläge. Dann ist alles fixiert.

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    und dann noch das Abschlussfoto:

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    Stilgerecht mit der alten Arca Swiss aufgenommen!

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    Ja, das wars!

    Was nebenbei noch geschah: Dass die SPS-Steuerung angepasst wurde: Jeden Mittag (genau um 11:59:45, wegen der Mittagsruhe) läutet abwechselnd ein Läutwerk.

    Dies, damit die Dinger sich bewegen und gängig bleiben.

    Ich habe noch 2 Abläutkästen gebaut, für die 3 Glocken. Für das Mantelläutwerk habe ich die Steuerung so angepasst, dass der gleiche Knopf, wie für das Zweiklang-Spindelläutwerk benützt werden kann.

    Wenn ich den mehr als 3 Sekunden drücke, läutet das Mantelläutwerk, sonst das Spindelläutwerk. Inzwischen habe ich noch einen unglaublichen Fang getan: Ich konnte einen Kurbelinduktor erwerben, mit dem die Läutwerke anfangs gespiesen wurden. Doch das ist eine andere Geschichte.

    Ich hoffe es hat Euch Spass gemacht, einen Nebenkriegsschauplatz der Eisenbahn kennen zu lernen.

    Gruss Guru

    Hallo

    Mir gings eigentlich nur darum, Dampf Achims Aussage, es gäbe leine Schmalspurwagen mehr zu entkräften. Es ist sicher eine Provokation meinerseits.

    Gerade letzthin ist mir ein Buch über die Inselbahnen in die Finger geraten. 2 Bahnen hatten in den 90ern ihr Wagenmaterial neu angefertigt. Auch durchaus gefällig anzusehen.


    Aber: Wie schon der Geschäftsbericht festgestellt hat, kann man nicht mehr lange Passagiere überteuert in Wagen mit fragwürdigem Komfort herumfahren!

    Über kurz oder lang wird sich die HSB mit dem Wagenmaterial beschäftigen müssen. Ob es ihnen passt oder nicht.

    Hat die HSB noch Plumpsklos?


    Gruss Guru

    Mal bei der Rhätischen Bahn anfragen:
    Mit der Abliferung der Capricorns werden viele alte Wagen überzählig und wahrscheinlich ausrangiert.

    Gerade die Berninawagen sind kurz und leicht.

    Auch die ältesten Wagen der RhB bieten immer noch besseren Komfort, als die Perleberger Kisten!

    Gruss Guru

    Hat mich jetzt aber doch Wunder genommen:

    Gestern war ich wieder einmal von Amtes Wegen auf den Gleisen unterwegs und da stand doch die Re 420 277-6 rum.



    Und siehe da: Alle Radsätze waren neu bandagiert und sie hatten die Rille noch:

    16.07.2020 Härkingen Anschlussgleis

    Gruss Guru

    Hallo Sven

    Falls es dich interessiert, schau mal da hinein:

    http://www.ihrus.ch/index_htm_…standsabhaengige%20IH.pdf

    Auf Seite 13 ist eine Tabelle mit den Abnützungen.


    Und falls es dich interessiert, wie gemessen wird:

    http://www.ihrus.ch/index_htm_…kung_Fahrzeug-Fahrweg.pdf

    Gruss Guru

    Sie ist dann in der Regel weder sinnvoll und schon gar nicht Vorschrift. Die zulässige Radreifenstärke ist zum einen abhängig von Fahrzeughöchstgeschwindigkeit und Radsatzlast in der EBO/ESBO vorgeschrieben, aber bei vielen Fahrzeugen extra in der Instandhaltungsvorschrift nochmal geregelt. Das dort angegebene Maß berücksichtigt dann noch weitere Fahrzeugparameter wie Antrieb, Federung, Kupplungshöhe, Abbremsung usw. Und liegt damit über dem Maß der BO(BR99.73 z.B. 37mm). Außerdem wird die Radreifendicke in der Laufkreisebene gemessen und damit kann die Rille außen den dort meist auftretende Einlauf nicht berücksichtigen. Gruß Andre


    Hallo

    Ich sehe gerade mit Erstaunen, dass wirklich in Deutschland keine Kennrille mehr nötig ist. Das muss wohl der gleiche Ingenieur eingetragen haben, der die Eschede Radreifen genehmigt hat :-)

    Während meiner Depotzeit bei den SBB hatten alle Lokomotiven und Wagen eine Kennrille. Zu der Zeit waren Vollräder noch nicht Stand der Technik.

    Hier sind die Rillen zu sehen:

    https://www.flickr.com/gp/r_walther/8uEr31

    https://www.flickr.com/gp/r_walther/q1SoV4

    Auch die Mikado mit den französischen Originalreifen hat die Rille:

    https://www.flickr.com/gp/r_walther/Wc3s41

    Und im Reglement über die Re 4/4II ist die Rille im Schnitt sogar eingezeichnet:

    https://flic.kr/p/wP9MT9


    In Deutschland war das wohl auch mal so, wie dese Achse in Meiningen zeigt:

    https://flic.kr/p/u9gMQD

    Werde wohl mal im Garbe nachsehen müssen, was die KPEV verlangt hat.


    In der Schweiz sind sie auch heute noch vorgeschrieben. Und das ist gut so: Denn ein Radreifen kann sich lösen. Eine Mindestdicke ist nötig, dass die Schrumpfkräfte, die den Radreifen festhalten, erhalten bleiben. Bei thermischer Belastung, kann es vorkommen, dass die Radreifen wandern.

    Wer die Thermische Belastung negiert, soll mal, sofern das heute noch geschieht, in Thusis einmal nachschauen, wie warm die Radreifen sind, bei einem lokgeführten Schnellzug vom Engadin her.

    40 km Talfahrt mit 35 und ab Tîefencastel mit 25 Promillen heizt die Dinger ganz schön auf. Da die Kupplung der RhB nicht für grosse Schubkräfte ausgelegt ist, muss bis heute bei talfahrenden lokbespannten Zügen trotz E Bremse geraffelt werden.

    In meinen Augen ist der Verzicht auf eine Rille, bei Radreifenräden nicht so das Wahre!.

    Gruss Guru

    Was ich hier nicht verstehe, dass alle auf Fördergelder aus sind, aber keiner auf die Idee kommt Crowdfunding zu starten.

    Paradebeispiel ist die Furka Bergstrecke: Ohne das Engagement der Fans wäre die Linie nie mehr in Betrieb gekommen.

    Wer einmal auf dem Vierwaldstättersee fährt, findet auf jedem Dampfschiff eine Tafel der Spender, die teils über 1'000 Fr pro Person gespendet haben.

    https://www.lokalhelden.ch/mitvolldampfindiezukunft

    https://www.crowdify.net/de/projekt/gotthard-dampflok

    https://www.pascaltroller.ch/projekte.php

    Wenn man so eine Sammlung beginnen würde, und die ein Erfolg ist, dann ist plötzlich die Politik im Zugzwang! Das nützt auf jedenfall mehr, als nutzlose Petitionen zu erstellen, wo die Politik sagen kann: "Das sind ja keine Leute aus der Region."


    Hier kann man Steine und Schienenmeter kaufen:

    https://www.wartensteinbahn.ch/#finanzierung

    In der Schweiz würde wohl keine Museumsbahn laufen, wenn nicht zuerst Spenden und Idealisten am Werk gewesen wären.

    Ich verwiese, als Beispiel an den DVZO: Dort hat ein Mitglied für die 120'000 Franken, die die erste Lokaufarbeitung gekostet hat, solidarisch gehaftet.

    Klar, ist die Achenseebahn ein Unternehmen. Aber auch dort wäre es angebracht, einmal andere Pfade zu betreten, als nur auf die Politik zu setzen, die bekanntermassen eine flatterhafte Dame ist.

    Das Mindeste, wäre ein Verein zur Unterstützung zu gründen. Das ist auf der Linie Etzwilen - Singen so gewesen: Nach dem Entscheid zur Einstellung hat sich flugs ein Verein gebildet. Mit dem konnte die Entwidmung gestoppt werden, weil die Stadt Singen die Kreisel im Gleisbereich bauen wollte und sich bereit erklärt hat, Vorinvestitionen für eine Ampelanlage zu tätigen. Der Verein sollte dann In meiner Erinnerung EUR 150'000 zahlen, damit das Gleis später wieder gelegt werden sollte.

    Der OB frozzelte, dass der Verein viele Bratwürste verkaufen müsste um zu diesen Betrag zu kommen.

    Inzwischen ist die Linie gesichert und in den Besitz einer Stiftung übergegangen. Das Gleis ist gelegt, wenn auch mit jahrelanger Verspätung, weil die Stadt Singen kein Geld hatte.


    Warum also nicht auch sowas für die Achenseebahn?

    Die ist ungleich besser aufgestellt, als zum Beispiel die Furka Bergstrecke, die in dünn besiedeltem Gebiet rumkutschiert und jedes Jahr massive Aufwendungen für den Schneebruch hat.


    Gruss Guru

    Oder die Reparatur von völlig erröteten Dias (ich höre schon, wie manche Leute jetzt entsetzt und empört aufschreien und diese angebliche "Verfälschung" anprangern).


    Hallo

    Eine Reparatur des alten Zustande eines Dias, ist, nach meinem Empfinden, keine Verfälschung.

    Grundsätzlich kann man über alles streiten:

    Retuschieren, war schon zu Anfangszeiten der Fotografie ein gängiges (und akzeptiertes) Verfahren:
    Krüger 1876 ( https://books.google.ch/books?…hie%20kr%C3%BCger&f=false ) schreibt zum Beispiel:


    Also: Die angelich so wahrheitsgetreuen Bilder der alten Zeit, konnten durchaus bearbeitet sein, und waren es wahrscheinlich auch viel. Gerade die alten, blauempfindlichen Filme und Platten zeigten Hautunreinheiten viel krasser als die heutigen Filme. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass damals die sommersprossige Frau Direktorsgattin nicht erpicht war, auf dem Bild auszusehen, wie wenn sie einen Jagdunfall mit einem Schrotgewehr hatte. :-)

    Dazu kommt noch, dass die grossen Negativformate das Retuschieren natürlich wesentlich einfacher machten, als MF oder KB Negative.


    Fazit also:

    In der "guten alten Zeit" (die auch einmal eine neue, schlechte Zeit war), war retuschieren eine gängige und akzeptiere Möglichkeit ein Bild zu "verbessern", und sei es nur, um damit den Absatz anzukurbeln!
    Man ging nicht zum naturgetreuesten Fotograf für ein Portrait, sondern zu dem, der das schmeichelhafteste Bild machte! :-)


    Auch ich konnte mitunter der Retusche nicht widerstehen:



    Ob das zulässig sei, ist Sache jedes Einzelnen. Ich persönlich bezeichne das Foto nicht mehr als Original.

    Gruss Guru